Obscure shit No 2… on VHS: Flotter Italo-Dreier

Heute gibt es hier nicht nur zwei Filme, nein, heute stelle ich ganze drei Filme vor, aus Italien, die ich aus dem VHS-Regal meines Kumpels Holger gekramt habe. Ihnen allen ist zudem gemein, dass ein mehr oder minder großer Teil der Handlung in New York angesiedelt ist. Da meine Kabellage mir derzeit nur Schwarz/Weiß auf dem PC ausspuckt, gibt es dazu leider keine Screenshots.

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Den Anfang macht THE OPIUM CONNECTION/AFYON OPPIO (1972), eine französische Koproduktion. Ben Gazzara will als Nachtclub-Besitzer gleich ganz groß ins Heroin-Geschäft in New York einsteigen und fährt deshalb direkt an die Quelle des Rohopiums in die Türkei. Schon hier stößt er auf Widerstände, kann aber den Stoff einkaufen und startet dann auf eine Odyssee zurück in die USA, bei der ihm nur sein Kompagnon Tony und die Hostess Claudia beistehen…
Das Krimi-Abenteuer von Regisseur Ferdinando Baldi ist gut besetzt, neben Gazzara geben sich noch Silvia Monti, Fausto Tozzi, Luciano Catenacci und Malisa Longo die Ehre, und zudem noch mit genug Geld ausgestattet, um an gut einem halben Dutzend Original-Schausplätzen in der Türkei, Deutschland, Italien und der USA runtergekurbelt zu werden. Und so ist der Film optisch gefällig, es agieren begabte Mimen vor der Kamera und Regisseur Baldi treibt ihn dahinter flott voran. Aber irgendwie weiß das Script nicht sehr viel mit seinen Charakteren anzufangen; sie haben keine Tiefe, die man ausloten könnte, bleiben uns, trotz der Zeit, die wir als Zuschauer mit ihnen verbringen, fremd. Und das hat mehrere Gründe; zum einen ist Regisseur Fernando Baldi als versierter Western-Regisseur bekannt gewesen und hat einige Filme in diesem Genre gedreht, die unter Fans als Semi-Klassiker gelten, wie DJANGO UND DIE BANDE DER GEHENKTEN (1968) mit Terence Hill und Horst Frank sowie BLINDMAN, DER VOLLSTRECKER (1971) mit Ringo Starr, bekannt als der Schlagzeuger einer kleinen Liverpooler Band namens The Beatles, der sich dort als Bösewicht mit einem blinden Revolverhelden, einer Italo-Version des japanischen Zatoichi-Charakters, anlegt. Baldi tat sich aber immer schwer, wenn es um andere zeitgenössische Filmstoffe ging, so auch hier oder beim Sleaze-Exploiter HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS (1980), wie dessen Star Zera Kerova und Drehbuchautor George Eastman zu berichten wissen. Zum anderen liegt es aber auch an dem Twist des Films, den uns die deutsche VHS-Ausgabe dankenswerterweise schon auf dem Klappentext verrät, weswegen ich mal so frei bin, das auch hier zu spoilern: Gazzaras Deal als kleiner Nachtclub-Besitzer ist eigentlich ein von langer Hand vorbereiteter Einsatz als Undercover-Cop, der durch diesen Coup die New Yorker Mafia aufscheuchen und gegen sich aufbringen soll, um etwas gegen die Bosse in der Hand zu haben. Und so verwundert es nicht mehr so sehr, dass der Charakter etwas eindimensional bleibt, denn ein mehrschichtiges Psychogramm des Undercover-Cops ist schwer möglich, wenn der Zuschauer eigentlich überhaupt erst am Ende wissen darf, dass Gazzara ein solcher ist.
Davon ab gibt es an dem Film nicht viel auszusetzen, der eindeutig auf den internationalen Markt zielt und dementsprechend nicht nur Italo-Fans ansprechen dürfte. Er sieht gut aus, die Original-Schauplätze sorgen für Atmosphäre, und die Musik der De Angelis-Brüder Guido und Maurizio sorgt trotz des internationalen Formats für wohliges Euro-Feeling. Der Film erschien hierzulande nur als VHS von VPS, kam in den USA aber sogar zu der Ehre, seit einiger Zeit unter dem Titel THE SICILIAN CONNECTION auf Blu-ray ausgewertet zu werden. Trotzdem dürfte der Film wohl außerhalb der Kreise von Italo-Fans kaum bekannt sein, kommt in der OFDB auf beachtliche 6,82/10 (17 Stimmen), in der IMDb auf 6,0/10 (71 Stimmen).

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Wenn der Kenner italienischer Genre-Ware den Namen Al Bradley hört, weiß er, dass es sich wohl kaum um große Filmkunst handeln kann, sondern eher um Trash aus dem Hause Afonso Brescia, der sich oftmals mit diesem amerikanisch klingenden Pseudonym bekleidete. Ab Mitte der 70er versuchte er sich gerne mal an Filmen für den internationalen Markt, die sich dem Namen nach wie Produkte aus Hollywood anhörten, aber Ausstattungs-technisch natürlich Lichtjahre davon entfernt waren; gerade die Science-Fiction und der Cop- und Gangsterfilm hatten es ihm angetan. BLUT EINES BULLEN/SANGUE DI SBIRRO (1976) gehört zu letzterer Sparte, wurde sogar teilweise in den Vereinigten Staaten gedreht; allerdings musste hier Philadelphia als Double für den Handlungsort New York herhalten.
George Eastman kehrt als italo-amerikanischer Gangster aus Italien in seine Heimatstadt New York zurück, um den Tod seines Vaters, eines Ex-Cops mit Mafia-Verbindungen, zu rächen. Allerdings gehörte Väterchen, trotz fragwürdiger Jugendfreunde, zu den standhaften und unkorrumpierbaren Recken seiner Profession. Und so halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Paps von den Kollegen in seinem alten Revier auf die Abschussliste gesetzt wurde. An die Seite von Eastman, der auch gleich mal die Gelegenheit nutzt, mit seiner alten Flamme Jenny Tamburi rumzumachen (okay, eigentlich gestaltet es sich anders herum), gesellt sich dabei der Gangster Jack Palance, der ihn mit Informationen und Waffen versorgt. Und so nehmen die Ereignisse ihren Lauf, George Eastman mordet sich durch die Reihen des Mobs und der korrupten Polizei und verlässt danach mit seiner Schickse wieder Stadt und Land, während sich Palance feiert, weil jetzt der Weg an die Spitze des Mobs, dank Eastman, frei ist. Ende und aus.
Ja, ich habe da etwas weit vorweg gegriffen, aber tatsächlich gibt der Film nicht wirklich viel mehr her; es gibt ein paar Auseinandersetzungen und ein Finale über den Dächern des Big Apple. Und zwischendurch darf Eastman ein wenig mit Palance herumscherzen oder mit der Tamburi (und noch einer anderen jungen Frau) rummachen. Das ist alles recht flach und frei von Überraschungen, auch um die genauere Zeichnungen seiner Charaktere schert sich Brescia keinen Meter. Auch die Action ist alles andere als aufregend oder spannend montiert, das kommt von der Stange, ist Dutzendware. Der Streifen steht und fällt mit der Screen-Präsenz seiner beiden Stars, bei denen Palance eindeutig mehr zu bieten hat, auch wenn man Eastman sein durchaus vorhandenes Charisma nicht absprechen will. Der Film ist das 70er-Pendant zu einem Videotheken-Klopper der frühen 90er, bevor das Business dann nach Osteuropa übergesiedelt ist, wo fortan verschiedene westliche Großstädte, meist schlecht, gedoubelt werden. Bei den Benutzern der OFDB reichte es für 6,25/10 (12 Stimmen) und in der IMDb für 5,4/10 (71 Stimmen). Ach ja, die deutsche VHS kam damals von Arcade, deren Glasboxen mit schwarzem Cover sich sehr cool im Regal machen. Auf DVD gibt es, meines Wissens nach, nur schlechte Digital-Kopien der gängigen Video-Versionen.

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Kommen wir zum Highlight der heutigen Ausgabe: C.I.A. VERSCHWÖRUNG/SAVAGE HUNT (1980) ist eine griechisch-italienisch-amerikanische Koproduktion um einen amerikanischen Reporter, dem im Griechenland der auslaufenden Militärdiktatur, allgemein als „Regime der Obristen“ bekannt, unwissentlich brisantes Material über die Involvierung der CIA in die repressive Politik des Landes, in der Oppositionelle, Journalisten und andere politische Aktivisten inhaftiert, gefoltert und ermordet werden, zugesteckt bekommt. Er soll für einen befreundeten griechischen Reporter Videomaterial mit nach New York nehmen, um es dort seinem Bruder zu übergeben. Dort angekommen, sind ihm schon die Häscher der CIA auf der Spur, die nicht davor zurückschrecken, auch Freunde von ihm zu bedrohen, zu foltern und zu töten. Und während unser Held durch die Stadt, die niemals schläft, gehetzt wird, entführen CIA und Obristen in Griechenland eine Reporterin, die ihm nahe steht. Schlussendlich entschließt er sich, mit dem Material zurück nach Athen zu reisen, in der Hoffnung im Austausch seine Freundin frei zu bekommen. Ich muss wohl niemanden erzählen, dass das ein ziemlich naiver, wenn nicht sogar ausgesprochen dämlicher Plan ist, an dessen Ende unser Reporter-Freund natürlich gefoltert und getötet wird. Und just zu diesem Zeitpunkt fällt die Junta, und das Land wieder an sein Volk zurück. So schließt der Film mit jubelnden Massen in den Straßen Athens (echte Archiv-Aufnahmen) und panisch das Land verlassende, amerikanische Agenten, die dort noch ihre Handlanger alle Beweise für ihre Missetaten vernichten lassen.
Der reißerische Film von Romano Scavolini ist natürlich weit von einer ausgewogenen, engagierten Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von damals entfernt, auch wenn er eindeutig Partei gegen die amerikanische Einmischung und die Militärdiktatur ergreift, scheint es nicht mehr als ein Vorwand, um dem Publikum einige heftige Folterszenen um die Ohren zu hauen. Zudem bemüht der Film zu Anfang und Ende einen dokumentarischen Stil, um Relevanz zu suggerieren. Inhaltlich bleibt er über die gesamte Länge dafür nämlich erstaunlich dünn, mehr als „Journalist erhält unbewusst brisantes Material und wird durch New York gejagt“ kommt dabei nicht rum; Scavolini interessiert sich augenscheinlich nicht für seine Figuren oder die Umstände, unter denen die Junta schließlich zu Fall gekommen ist. Der Selling Point des Films ist einzig und alleine seine Grausamkeit. Allerdings versteht er es, dass Tempo über die Zeit recht hoch zu halten, sodass die Chose trotz der Absenz interessanter Inhalte nie wirklich langweilig wird. Und doch hat man ihm schon kurz nach seinem Ende schnell wieder aus dem Gedächtnis getilgt, da bleibt einfach nichts hängen, und das ist bei der behandelten, sehr ernsten Thematik und die darin wiedergespiegelte, schreckliche Zeit der jüngeren griechischen Geschichte, eigentlich unverzeihlich. Hauptdarsteller George Hayer hat bezeichnenderweise nur einen, bzw. zwei Einträge in den beiden großen Filmdatenbanken, neben diesem Film hier nur noch Simon Nuchterns 80s-Sexploiter NEW YORK NIGHTS. Der hier vorliegende C.I.A. VERSCHWÖRUNG wurde jedenfalls nur auf VHS veröffentlicht, in Deutschland von Mike Hunter/Mondial und das erstaunlicherweise sogar ungeschnitten. Er kommt bei der OFDB auf sehr großzügige 7,00/10 (5 mickrige Stimmen) und in der IMDb auf 5,1/10 (51 Stimmen), somit ein Film, der geradezu für diese Rubrik gemacht scheint.

Also, wer sich einen dieser Filme tatsächlich mal anschauen möchte, muss sich wohl oder übel auf eBay oder VHS-Börsen umschauen, denn auf den üblichen Flohmärkten dürften die Kassetten kaum zu finden sein, da die Filme dafür einfach viel zu selten sind. Aber man hat mit Sicherheit nichts verpasst, sollte man ihrer nicht habhaft werden. Ich wünsche einen schönen Sonntag und hoffe, den geneigten Leser und Filmfreund zumindest für ein paar Minuten mit nutzlosem Wissen unterhalten zu haben!

https://thehomeofhorn.wordpress.com/2018/06/17/obscure-shit-no-1-on-amazon-prime-blood-thirst-1971-the-thirsty-dead-1974/

Anbei noch ein Bild der US-amerikanischen Blu-ray zu THE SICILIAN CONNECTION aka THE OPIUM CONNECTION vom Label Code Red:

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