Obscure Shit No 7… on DVD: Ein weiterer flotter Italo-Dreier

Einen sonnigen Tag gewünscht an diesem unseren Sonntag! Und da der Sommer uns gerade so reichhaltig beglückt, dachte ich mir, dass, nach dem ersten flotten Dreier, eine filmische Reise in Richtung Südeuropa sicherlich diesem Wetter angemessen ist. Hier also drei bekannte italienische Regisseure, drei Stars des italienischen Kinos, drei Filme, die mal mehr, mal weniger bekannt sein dürften, aber dazu gleich mehr…

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IN DEN KLAUEN DER MAFIA/IL CONTO È CHIUSO erblickte, genau wie ich, das Licht der Welt im schönen Jahre 1976. Regisseur Stelvio Massi war ein Spezialist für den Poliziesco und wurde damit schon kurze Zeit später der emsigste Kompagnon des Stars Maurizio Merli, mit dem ihm auch eine enge Freundschaft verband. Ihre Arbeitsbeziehung begann zwar auch im selben Jahr, doch mit diesem Werk hat Signore Merli noch nichts zu tun, und einen eisenharten Bullen (eigentlich überhaupt jegliche Art von Gesetzeshüter) sucht man in diesem Film vergeblich.

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Wir haben es hier mit einer Variante einer beliebten Geschichte zu tun; 1961 erschuf Akira Kurosawa mit YOJIMBO einen Klassiker des Samuraifilms, der dann Sergio Leone für seinen ersten Western FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR von 1964 mehr als offensichtlich als Vorlage diente (und 1996 Walter Hill für LAST MAN STANDING), es kam hier sogar zum Rechtsstreit. Das simple Story-Konstrukt stand auch vielen weiteren Filmen Pate, und IN DEN KLAUEN DER MAFIA/IL CONTO È CHIUSO stellt dessen Variante im Genre des Gangsterfilms dar und entleiht sich in der Gestaltung mancher Szenen und im Habitus von Held und Bösewicht einige Elemente deutlich aus den Werken Leones; so wird die finale Konfrontation durch eine Melodie eingeleitet, die dem Fiesling erst seine Verbindung mit dem Helden offenbar werden lässt.
Der introvertierte Marco kommt in eine kleine, italienische Stadt, die von zwei Gangstern beherrscht wird. Nach einer Auseinandersetzung mit den Schergen des schleimig-hinterhältigen Beny Manzetti, bei der er einige seiner Schläger krankenhausreif prügelt, wird der verletzte Held am Fluss von einem blinden Mädchen und ihrem Ziehvater aufgelesen. Rico Manzetti, Gangsterboss und passionierter Pistolenschütze, heuert Marco an. Der jedoch hat seine eigenen Pläne und versorgt Ricos Konkurrenten Belmondo mit Informationen…

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Die dünne Story wird von Regisseur Massi bevorzugt mit einigen Schlägereien, vor allem aber einer Vielzahl blutiger Schießereien unter den Gangstern, gefüllt. Luc Merenda (DIE KILLERMAFIA, AUGE UM AUGE), ein Star des Poliziesco – er kommt auch in der letztens vorgestellten Dokumentation EUROCRIME! zu Wort -, darf hier mal den Antagonisten geben, ist als gefühlskaltes, berechnendes Monstrum stellenweise auch unglaublich unheimlich und seine Aktionen sind von Brutalität und Kompromisslosigkeit geprägt. Interessanter noch ist die Besetzung des Helden mit Carlos Monzón. Der Argentinier war in den 70ern lange World Middleweight Champion im Boxen, bis er 1977 unbesiegt abtrat, nach 14 Titelverteidigungen und 80 Siegen in Folge. Er nutzte seine Popularität, um einige Filme zu drehen; dieser hier wurde im englischen Sprachraum, in Anspielung auf seine Box-Karriere, mit THE LAST ROUND betitelt. Monzón, der sich nach der Beendigung seiner Karriere dem Jet Set-Leben widmete, wurde 1988 zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seine zweite Frau erwürgt und den Balkon heruntergeworfen haben soll, wobei er selbst über die Brüstung fiel und stürzte. Doch er sollte die komplette Strafe nicht mehr absitzen, denn er starb 1995 am Steuer seines Wagens bei einem unerklärlichen, nicht genehmigten Freigang, mit ihm eine unbenannte Frau und ein Gefängniswärter.

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Auch wenn IN DEN KLAUEN DER MAFIA/IL CONTO È CHIUSO intellektuell wahrlich nicht auf der Höhe eines Kurosawa rangiert, dürfte es der bisher beste Film sein, den ich in dieser Rubrik vorgestellt habe, jedenfalls meiner bescheidenen Meinung nach. Punktemäßig steht er bei der OFDB mit 50 Stimmen bei 6,31/10, auf der IMDb 6,6/10 und 136 Stimmen. Der Film erschien hier in Deutschland schon ungeschnitten auf VHS, auf DVD brachte ihn Anolis in ihrer limitierten Anolis Hardbox Series heraus, womit der Film auf dem Gebrauchtmarkt noch durchaus zu bekommen ist. Poliziesco-Fans wird der Film wohl ein Begriff sein, unter Massis Werken ist er über die Jahre allerdings ein wenig in Vergessenheit geraten.

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Als nächstes dringen wir in die Tiefen des Weltraums vor, den Alfonso Brescia (BLUT EINES BULLEN), der hier wieder unter den Namen Al Bradley in Erscheinung tritt, 1978 im Fahrwasser des Erfolges von KRIEG DER STERNE/STAR WARS den KRIEG DER ROBOTER/LA GUERRA DEI ROBOT inszenierte. Der Film, der in den Anfangstagen des Privatfernsehens mal auf RTLplus lief und als in den Dialogen gekürzten Fassung bei den Billig-Klitschen Geiselgasteig und Greenwood auf VHS erhältlich war, feierte gerade im Februar dieses Jahres seine DVD-Premiere, dazu noch in ungeschnittener Form, weswegen ich mich hierbei etwas kürzer fassen und davon absehen werde, allzu viel zu spoilern.

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Die Herren vom Stiefel hatten sich schon in den 60er Jahren an einigen Weltraum-Abenteuern versucht, mal als naiv-lustiger Trash wie Margheritis Quadrologie aus RAUMSCHIFF ALPHA, TÖDLICHE NEBEL, ORION 3000 und DÄMONEN AUS DEM ALL (1965-67), mal gotisch-horribel wie in PLANET DER VAMPIRE (1965) von Mario Bava. Um auf der STAR WARS-Welle mitzureiten, peilte man natürlich Kintopp für die ganze Familie an und geht damit auch klar in erstgenannte Richtung. Die Weltraum-Opern italienischer Prägung waren im Vergleich mit Filmen aus Hollywood eher low scale, also schnell und billig produziert, die Beiträge von Alfonso Brescia sowieso. Er drehte von 1977-80 insgesamt fünf solcher Filme, darunter den berüchtigten DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM, der, in seiner Freizügigkeit ehedem mehr an ein erwachsenes Publikum gerichtet, nach seiner Fertigstellung noch um Hardcore-Inserts bereichert wurde.

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Die Story zu diesem Film hätte auch direkt aus einem der Filme Margheritis stammen können: Blonde Maschinenwesen mit Pisspott-Schnitt entführen den Wissenschaftler Professor Carr und seine Assisstentin von der Raumstation Sirius. Da er der einzige ist, der weiß, wie einige Atomreaktoren, die gerade auf der Erde verrückt spielen und alles Leben zu vernichten drohen, ausgeschaltet werden können, wird flugs eine Rettungsmission, geleitet von Captain John Boyd, hinter den bösen Blech-Ariern hergeschickt. Sie können die Raumschiffe der Entführer auch einholen und stellen, doch während der Konfrontation, bei der sie die beiden Eskort-Schiffe zerstören, wird ihr  eigenes Schiff so stark beschädigt, dass sie auf einem Asteroiden notlanden müssen. Eigentlich gilt die hier lebende humane Spezies als friedfertig, allerdings werden unsere Freunde für Anthorianer gehalten, die Erbauer der gleichgeschalteten Roboter-Armee, die sich in einer folgenden Schießerei als dermaßen unnütz herausstellt, dass Boyd und seine Mannen ohne Probleme eine zehnfache Übermacht über den Haufen ballern können, da die künstliche Intelligenz so doof ist, andauernd blindlings in die Schusslinie der Helden zu laufen. Das Misstrauen der Asteroiden-Bewohner wird gleich mit dem Elektro-Schrott um die Ecke gebracht, und so erklären sie sich bereit, die Crew mitten in das Herz des Feindes zu führen, wo die Mannen eine dicke Überraschung erwartet…

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Der infantile Sci-Fi-Quark hätte seinerzeit tatsächlich gut als Blaupause für Abenteuer auf dem Pausenhof getaugt. Die simple Geschichte um die Bedrohung der Erde durch eine fremde Macht bedient sich den Bausteinen aus altbekannten Klischees, die Sets bestehen aus Pappe und Plastik, dazu einigen blinkenden Lämpchen, es gibt Lichtschwerter, doch für Laserstrahlen aus den Pistolen war kein Geld da; da könnte man glatt nostalgisch werden und an die Zeit zurückdenken, wo man durch die Gegend rannte, mit Stöckern oder Haushaltsgegenständen auf seine Freunde zielte und „Pju,Pju,Pju, Du bist tot!“ machte. Am Ende läuft natürlich alles auf die unverzichtbare, entscheidende Weltraumschlacht hinaus, wo sich einfache, vor einem Sternenhintergrund an Drähten befestigte Raumschiff-Modelle beharken, bis die Schiffe der Bösen explodierten. Zumindest gibt es hier Laserstrahlen zu bestaunen; aber seien wir ehrlich, ohne wäre es auch witzlos.

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Den Held des Geschehens, Capt. John Boyd, gibt Antonio Sabato – er war auch Gast zum Interview in EUROCRIME! -, den Love Interest, der sich als böse Widersacherin entpuppt, Malisa Longo (ups, jetzt hab ich zu viel verraten). Die Herren und Damen der Schöpfung sind in diesem Film mit angemessenem Gusto dabei, auch wenn das die allgemein eher peinliche Vorstellung jetzt nicht rettet, doch zumindest etwas aufwertet. Die Dialoge hören sich genauso an, wie wir sie als Kinder beim Spielen auch runtergerattert haben (außer die Geräusche, die wir dazu machten), und das passt irgendwie auch zu diesem Spektakel, für das man schon viel kindliche Fantasie braucht, um darin brauchbare Science-Fiction der Post-STAR WARS-Ära zu sehen. Somit ist der Film letztendlich nur für Hardcore-Trashfans interessant oder vielleicht noch für Leute, die früher, wie ich, ausgiebig mit Lego Weltraum gespielt haben. Um diese kindliche Freude wiederzuentdecken, bietet sich die neue DVD von White Pearl Classics an, die den Film in nostalgischer, sprich gruselig schlechter, VHS-Qualität bietet. Auf der OFDB sackte der Film viel zu gute 5,05/10 bei 19 Stimmen ein, auf der IMDb allerdings doch etwas sehr niedrige 2,7/10 von 589 Stimmberechtigten.

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Der Euro-Spy ASSASSINATION aus dem Jahre 1967 ist die wahre Obskurität in diesem Bunde. Henry Silva – auch er, inzwischen 89 Jahre alt, steht in EUROCRIME! Rede und Antwort – hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon als neuer US-Star im Italo-Kino etabliert, mit seinen kantigen Gesichtszügen war er ein harter Hund, der allen Gegnern zu trotzen vermochte, was er in gut zwei Dutzend italienischen Filmen unter Beweis stellte.
Hier spielt er den Amerikaner John Chandler, dessen Hinrichtung durch Gevatter Staat nur ein Täuschungsmanöver ist, denn er unterzieht sich eigentlich einer kosmetischen Operation, um den Platz seines toten Bruders Philip, eines Doppelagenten, einzunehmen. Die CIA erhofft sich, so ein Netz aus Doppelagenten auszuheben, deren Drahtzieher zu enttarnen und die Pläne der Zelle aufzudecken. Er taucht also als Philip in New York auf, um die Hinterlassenschaft, die ihm, und nicht seiner Frau, zufallen, zu regeln; eine erste Bewährungsprobe ist deshalb auch das Aufeinandertreffen mit seiner Witwe Barbara, auch wenn ihr Verhältnis schon lange nicht mehr so gut war. Doch er gibt sich gönnerhaft, lässt sie weiter in ihrem Appartment wohnen. Bevor er nach Hamburg aufbricht, um mit dem Feind auf Tuchfühlung zu gehen, wird die Situation dennoch delikat, da Barbara sich wieder verlobt, und das ausgerechnet mit Johns Freund Bob, der auch für den Geheimdienst tätig ist. Als Bob dann auch noch zeitgleich mit ihm Richtung Hamburg aufbricht, glaubt Philip/John, dass er ein Doppelagent ist…

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Trotz der interessanten Ausgangssituation weiß der Agenten-Thriller, der z.T. auch aus der Feder eines gewissen Luciano Ercoli (unter dem Pseudonym André Colbert) stammt – sein Giallo FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT lief vor einiger Zeit mal auf Arte -, nicht so sehr viel damit anzufangen und verlegt sich in der ersten Hälfte eher auf das melodramatische Potenzial der Story, stellt die Begegnung vom gesichtsoperierten John/Philip mit der vermeintlichen Witwe Barbara in den Fokus. Das könnte daran liegen, dass man den weiblichen Co-Star Ida Galli (hier als Evelyne Stewart) eine gewisse Screentime zukommen lassen wollte. Die war zwar kein richtiger Star, aber ein bekanntes Gesicht zeitgenössischer Genre-Produktionen.

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Erst in der zweiten Hälfte, als es nach Hamburg geht, kommt auch etwas Schwung in die Sache, und die Amerikaner Henry Silva und Kollege Fred Beir, der den Bob spielt, können tun, was Agenten so tun; Leute beschatten, konspirative Treffen abhalten, in Botschaften einbrechen, oder sich gegenseitig durch die Hansesstadt jagen. Leider wird die Frage, ob Bob nun falsch spielt oder zum eigenen Team gehört, recht schnell geklärt, die Aufdeckung der Agenten- Zelle sorgt aber schon dafür, dass einem nicht langweilig wird. Regisseur Emilio Miraglia, der hier aus Marketingzwecken als Hal Brady auftritt, war mir bisher nur für seine beiden sleazigen Trash-Gialli DIE ROTE DAME und DIE NACHT ALS EVELYN AUS DEM GRAB STIEG bekannt, in denen er eine Vorliebe für rothaarige Frauen, gerne nackt, offenbarte, die man in diesem Film vergeblich sucht. Er beweist hier ein gutes Auge für interessante Bilder, ist bei den Action-Sequenzen aber etwas nachlässig; wenn Silva in der einen Einstellung noch von mehreren, feindlichen Agenten mit Pistolen in Schach gehalten wird, im nächsten Bild dann vor ihnen wegrennt, ohne dass man erkennen kann, wie er sich aus dieser misslichen Lage zu befreien wusste, kratzt man sich schon mal stark am Kürbis.

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Für seine Zeit war ASSASSINATION gewiss ein interessanter Beitrag zum Genre, der noch einen guten Schuss Melodram und Thriller verpasst bekam, heutzutage wirkt das weit weniger aufregend. Für den Genre- oder auch Silva-Fan ist der Film ein Muss, alleine weil er zum einen so selten ist und zum anderen einen von Silvas frühen, erst dritten Auftritt im Italo-Kintopp darstellt. Und langweilig ist er keinesfalls, er lässt ein paar der guten Ideen nur etwas am langen Arm verhungern. Interessierte können ja mal nach der englischen oder der italienischen DVD Ausschau halten, die beide eine italienische wie auch englische Tonspur bereit halten. Mit 6 Stimmen bei übermäßig guten 8,50/10 auf der OFDB, und immerhin 6,2/10 bei nur 80 Stimmen in der IMDb, ist dies ein in der Tat ein Film, der mal wieder für diese Rubrik gemacht scheint.

Hier geht’s zu Obscure Shit No 1, No 2, No 3, No 4, No 5 & No 6

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2 Gedanken zu “Obscure Shit No 7… on DVD: Ein weiterer flotter Italo-Dreier

  1. Pingback: Obscure No 8… on DVD/Blu-ray: DAS GEHEIMNIS DER 14 GEISTERREITER – The Home of Horn

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