Obscure shit No 5… on MGM Channel: DIE TÖCHTER SATANS

Und hallo alle zusammen! Wie es der Zufall will, ist mir letzte Woche ein Film in die Hände gefallen, der hier wie die Faust aufs Auge passt. In der ersten Ausgabe dieser Rubrik vor vier Wochen ging es um zwei US-Filipino Produktionen, die Horror-Trasher BLOOD THIRST & THE THIRSTY DEAD, in denen der philippinische Schauspieler Vic Diaz jeweils eine kleine Nebenrolle bekleidete. Nun stieß ich auf eine ähnliche Produktion, wieder ein Horrorfilm, der mit US-Dollars auf den Philippinen entstand, der den anderen Filmen thematisch sehr ähnelt und wieder mit Vic Diaz als Nebendarsteller aufwarten kann – der Mann war wohl aus dem Filipino-Kintopp der Zeit kaum wegzudenken. Aber das ist noch nicht alles, denn DIE TÖCHTER SATANS/DAUGHTERS OF SATAN (1972) lief schon einige Male auf dem MGM Channel und verfügt über eine deutsche Synchronisation. Als weiteres Sahnehäubchen bekleidet kein geringerer als ein junger Tom „Magnum“ Selleck die Hauptrolle in diesem exotischen Horror-Hobel und wurde sogar von seinem Stamm-Sprecher Norbert Langer vertont, was bei jedem Selleck-Fan für ein wohliges Gefühl sorgen sollte.

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Inhaltlich fügt sich der Okkult-Horror so gut zu den anderen vorgestellten Filmen, dass es erstaunlich ist, dass hier nicht diesselben Produzenten oder Drehbuchschreiberlinge am Werk waren. Tom Selleck spielt den Kunsthändler James Robertson, der in Manila das 300 Jahre alte Bild einer Hexenverbrennung entdeckt, das ihn sofort in seinen Bann zieht, sieht die arme Frau auf dem Scheiterhaufen doch seiner Ehefrau Chris (sweet: Barra Grant) wie aus dem Gesicht geschnitten. Natürlich muss er es sofort kaufen, auch wenn das eher zweitklassige Werk nicht seinem ansonsten hohen Standards entspricht. Chris, die etwas kränklich in ihrem Haus abseits der Stadt verweilt, kann der Neuanschaffung nun so gar nichts positives abgewinnen, auch wenn das naive Gemälde eine gewisse Anziehungskraft auf sie auswirkt. Fortan häufen sich aber die Merwürdigkeiten im Hause Robertson, zuerst taucht ein großer Hund auf, der zwar Chris aufs Wort gehört, aber sich James gegenüber furchtbar feindselig gibt. Zudem taucht wie aus dem Nichts die Haushälterin Juana auf, die sich auf eine Anzeige von James bewirbt, aber eigentlich sofort die Kontrolle im Haus übernimmt und sich quasi selbst engagiert. Sie übergibt Chris einen Dolch unter mysteriösen Andeutungen. James kommt das ganze inzwischen eher Spanisch vor, denn auch das Bild verändert sich ständig, denn am Tag werden die Hexe, die aussieht wie Chris, der Hund, der zu ihrem Füßen hockt, und eine weitere Frau, die Juana nicht unähnlich sieht, blass bis kaum sichtbar. Dann wird er auch noch von Wegelagerern, die an ihrem Anwesen campieren, bedroht, aber wieder laufengelassen. Und als er eine Adresse aufsucht, die er auf dem Halsband des Hundes gefunden hat, trifft er auf einen Bestattungsunternehmer, der sich bei seiner Befragung bedeckt hält und wiederum auf den Trödler verweist, von dem er das Bild hat. Als er den Bestatter verlässt, kann er noch einen Blick auf dessen neueste Arbeit erhaschen, einen Sarg mit seinem Namen! Als er den Trödler aufsucht, ist dieser gerade erst dahingemeuchelt worden. Er zieht darauf den Psychologen und Okkultismus-Experten Dr. Dangal zu rate, der mutmaßt, dass die Figuren auf dem Bild die Geister der alten Hexen sind, die am Tage in die Körper von Chris, Juana und dem Hund schlüpfen und deshalb verblassen. Und tatsächlich erstrahlt das Bild des Nachts wieder im vollen Glanz! James macht die Bekanntschaft der mysteriösen, aber sehr offenherzigen Kitty Duarte, die ihm erzählt, dass er der Nachfahre eines spanischen Conquistadors ist, der damals auf den Philippinen Hexen verfolgte und verbrannte, weswegen seine männlichen Nachkommen verflucht wurden, jung zu sterben. Ist James nun an der Reihe, von dem Fluch dahingerafft zu werden? Natürlich ist er das…

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Wie auch schon die anderen besprochenen Filipino-Horrorfilme ist dieser Film B-Ware, und ich würde auch eher vergammelten, isländischen Fisch essen, als ihn mit Attributen wie „gut“ oder „unterhaltsam“ aufzuhübschen. Doch hingegen zu den beiden anderen vorgestellten Werken gelingt es dem Regisseur Hollingsworth Morse, einem routinierten TV-Regisseur, der ansonsten Episoden für Serien wie FLIPPER, LASSIE, EIN DUKE KOMMT SELTEN ALLEIN oder EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE betreute, eine gewisse Grundspannung aufzubauen, was durch einige gelungen unheimliche Szenen begünstigt wird. Allerdings kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film stellenweise ziemlich zäh daherkommt und ihm auch das Wörtchen „Langeweile“ nicht fremd ist. Richtig schönes Trashfeeling kommt zudem nur in zwei kurzen Szenen auf, in der wir einem Hexenritual beiwohnen, bei denen jeweils eine junge Frau – Barra Grant macht sich in ihrer netterweise oben rum genauso frei, wie die unbekannte weibliche Gestalt vor ihr – gezüchtigt wird, um dann dem Hexen-Orden ihre Treue zu schwören. Die mysteriöse Kitty Duarte, die dem Orden ihren Namen gibt, wird von Tani Guthrie dargestellt, die eine ähnliche Rolle ja schon bei THE THIRSTY DEAD inne hatte. Auch sie zieht einfach mal unvermittelt blank, als Tom Selleck sie besucht, um sie auszufragen. Der schon erwähnte Vic Diaz hat mal wieder nur eine relativ kleine Rolle als Trödler und Handlanger von Kitty Duarte, er verkauft Tom Selleck anfangs das Bild. Die Anwesenheit von Tom Selleck, der wahrscheinlich schon mit seinem Schnauzer geboren wurde und genauso aussieht wie acht Jahre später als Privatdetektiv Magnum, wertet den Streifen etwas auf, er gibt als ins Visier übersinnlicher Mächte geratener Ehemann eine solide Vorstellung ab, während Barra Grant als Ehefrau Chris mehr zur zauderlichen Fraktion gehört und keine breit Palette an Mimik aufbietet. Hervorzuheben wäre noch Paraluman, die ein großer Star des Filipino-Kintopps war, und als Haushälterin Juana immer schnell zwischen harmlos, herrisch und sinister wechseln kann und so tatsächlich einen positiven Eindruck hinterlässt.

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Insgesamt gesehen ist DIE TÖCHTER SATANS/DAUGHTERS OF SATAN also sicherlich schwerlich mit einem guten Okkult-Grusler oder Hexenfilm zu verwechseln, bietet aber einige unheimliche und spannende Momente auf, gerade das Ende ist mit einem Doppel-Twist recht gelungen, so dass er trotz einiger langweiliger Phasen nicht nur für Hardcore-Fans von Tom Selleck oder Vic Diaz, sondern auch Freunden trashiger Grusel-Unterhaltung interessant bleibt. Von den drei vorgestellen Filipino-Filmen ist er auf jeden Fall der beste, in jedweder Beziehung, aber den anderen beiden noch ähnlich genug, um ein gutes Triple Feature mit ihnen abzugeben; es ist erstaunlich, dass die drei Filme bis auf die Mitwirkung von Vic Diaz in allen, Tani Guthries in zweien und den Philippinen als Kulisse produktionstechnisch nichts gemeinsam haben, sie stammen alle von verschiedenen Produktionsfirmen, aus verschiedenen Federn und wurden von einem jeweils anderen, zweitklassigen Regisseur inszeniert. DIE TÖCHTER SATANS lief, wie eingangs erwähnt, schon einige Male deutsch synchronisiert im Pay-TV bei MGM, als DVD gibt es ihn nur mit O-Ton aus England, u.a. bei Amazon.co.uk, und in den USA ist eine Blu-ray aus dem Hause Shout! Factory erhältlich, die allerdings regionlocked und nicht gerade billig ist. Auf der OFDB kommt der Film auf jetzt 16 Stimmen bei 5,19/10, auf der IMDb bei 4,3/10 mit 673 Stimmen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen oder im Auge des geneigten Betrachters.

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https://thehomeofhorn.wordpress.com/2018/06/17/obscure-shit-no-1-on-amazon-prime-blood-thirst-1971-the-thirsty-dead-1974/

https://thehomeofhorn.wordpress.com/2018/06/24/obscure-shit-no-2-on-vhs-flotter-italo-dreier/

https://thehomeofhorn.wordpress.com/2018/07/01/obscure-shit-no-3-on-amazon-prime-mark-of-the-astro-zombies/

https://thehomeofhorn.wordpress.com/2018/07/08/obscure-shit-no-4-on-amazon-prime-astro-zombies-teile-34/

Die englische DVD von ILC DVD:

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Die Blu-ray von Shout! Factory:

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Bonus-Galerie:

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