Dear Diary… on the watch: 18.-25.05.2021

Ich muss hier mal teilen, denn es waren schon wieder ein paar Wochen, und dank eines verlängerten Italo-Wochenendes und des B-Film Basterds Streaming wirklich viele Filme.

18.Mai

Sister Street Fighter: Hanging by a Threat (Kazuhiko Yamaguchi, 1974) 7,5/10

Etsuko Shihomi verschlägt es als SISTER STREET FIGHTER wieder nach Japan, um dort nach einer Frau namens Birei zu suchen. Sie stößt natürlich mal wieder genau in ein Wespennest um Menschenhandel und Diamantenschmuggel, in den auch ihre eigene Schwester verwickelt ist…

Auch ohne die Mitwirkung von Sonny Chiba ist das Sequel eine lohnenswerte Sache, auch wenn DoP Yoshio Nakajima scheinbar einen Blick in die Zukunft geworfen und DIE BOURNE IDENTITÄT gesehen hat, denn zwischendurch ist das Bild so shaky, dass man kotzen möchte; dazu gesellen sich noch Zooms, die jenseits von Gut und Böse sind. Tut der guten Action und dem Spaß an der Sache zum Glück keinen großen Abbruch, denn Shihomi darf wieder fleißig asses kicken, auch ein wenig Splatter bringt Würze ins Geschehen. Der zweite Teil der SISTER STREET FIGHTER Reihe ist bunt, schnell, schrill und übermäßig gewalttätig, ganz so, wie Fans des 70er-Karate-Reißers das so lieben.

Killer vs Killers (Fernando Di Leo, 1984) 5/10

Letzter Film von Fernando Di Leo, der hier schon weit von der Form früherer Großtaten (MILANO KALIBER 9, DER MAFIABOSS) entfernt war.

KILLER VS KILLERS ist ein lockeres Heist-Movie, in dem ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Spezialisten unter der Führung von Henry Silva in eine vom Militär gesicherte Forschungseinrichtung einbricht, dort eine Formel stiehlt und dann den ganzen Bau in die Luft jagt. Doch der Auftraggeber spielt falsch und liquidiert einen nach den anderen. Nur Silva und ein Hanswurst bleiben übrig und treten im Finale gegen die versammelte Power der bösen Burschen an…

Das Drehbuch ist oberflächlich, die Charaktere eher ein schlechter Witz und auch die Regie vom ansonsten doch so versierten Di Leo kann man auch kaum mehr als mäßig nennen. Gut, das waren die 80er, die italienische Filmindustrie hatte ihre beste Zeit klar hinter sich, aber die Geschichte hakt halt nur rudimentär die wesentlichen Stichpunkte einer solchen Plotte ab (Rekrutierung, Planung, Durchführung, Liquidierung, Gegenmaßnahmen, Finale), ohne auch nur ein ansatzweise den Versuch zu unternehmen, irgendeinem Aspekt ein wenig Tiefe zu verleihen. Die Protagonisten sind allesamt Pappnasen, was sich auch sehr schön an der Liebesgeschichte zwischen Cherry (der Frau im Team, die auch einmal blank ziehen darf, um Soldaten abzulenken) und Ferrari (dem bereits erwähnten Hanswurst), die eigentlich gar keine ist, aber seine Motivation bildet, gegen die Übermacht an Gegnern anzutreten. Zumindest Henry Silva ist ganz Profi und zieht das in gewohnter Manier durch, nimmt sogar die Gelegenheit wahr, seine Stereotype etwas zu persiflieren (und einen Geparden Gassi zu führen). Außerdem reißt Di Leo das Ganze auch recht flott runter, langweilig wird es nicht, auch wenn am Ende nicht viel hängenbleibt (außer vielleicht das Modell der Forschungseinrichtung, das einen irgendwie ziemlich an die SF-Streifen von Margheriti aus den 60ern erinnert, wie es da so in Flammen aufgeht). Nur für Komplettisten geeignet.

19. Mai

The Return of Sister Street Fighter (Kazuhiko Yamaguchi, 1975) 7/10

Und wieder geht es für Etsuko Shihomi auf die Suche nach einer Frau, dazu darf sie sich auch noch um die Göre der Verschwundenen kümmern (zum Glück beschränkt sich die Interaktion der beiden auf ein oder zwei sehr kurze Gespräche). Mutti ist Chemikerin und wird von einem üblen Gangsterboss erpresst, der sein Gold aus Hongkong nach Japan schmuggelt und nebenher noch Weltherrschaftsansprüche äußert…

Wir sind hier schon fast in Agentengefilden, zumindest aber auf Rip-off-Tour bei DER MANN MIT DER TODESKRALLE. Den der Oberbösewicht lässt gleich mal ein Kampfturnier in einer stilechten Arena veranstalten, als er hört, dass SISTER STREET FIGHTER auf dem Weg zu ihm ist. Hier ermittelt er vier Sieger, von denen einer gleich mal von einem Fremden getötet wird, der einen Platz bei der Jagd beansprucht. Diese Vier dürfen sich jetzt hintereinander an der flotten Kämpferin die Zähne ausbeißen. Das macht schon was her, bedeutet einigen Spaß, auch wenn die meisten Zweikämpfe recht kurz ausfallen und auch die Splatter-Kelle dieses Mal nicht ausgepackt wird. Trotzdem noch ein bunter Spaß mit der süßen Etsuko. Wir sind ja jetzt schon bei Teil 3, und hier erweist sich die SISTER sogar als stabiler denn die Ur-Reihe mit Meister Chiba, der im dritten Teil nur noch bedingt überzeugen konnte, weil er eben kaum bis gar nicht mehr austeilen durfte.

Golgo 13: Kowloon Assignment (Yukio Noda, 1977) 7,5/10

Sonny Chiba ist Golgo 13, der berüchtigste Auftragskiller Südostasiens. Als er in Hongkong einen Drogenboss töten soll, kommt ihn eine Konkurrentin zuvor. Doch das Ziel war nur ein Strohmann. Die Jagd durch Asien beginnt, und auch die Polizei ist Golgo 13 jetzt auf den Fersen…

Der macht wirklich Spaß, gerade auf der DVD von Optimum Releasing, die ein superbes Bild und guten O-Ton bietet. Mehr dazu: https://der-genrefilm-blog.geisterhaltung.de/2021/05/24/golgo-13-kowloon-assignment-1977/

20. Mai

Wild Zero (Tetsuro Takeuchi, 1999) 7,5/10

Hardcore-Fan Ace follows Guitar Wolf on tour, who are also chased by a mad criminal. On a petrol station Ace saves Tobio and falls in love with her. Than UFOs appear and the area is spread with zombies. Chaos ensues…

Warum habe ich das jetzt auf Englisch geschrieben? Ich weiß es nicht, ist mir selbst erst aufgefallen, als es da stand. Komisch, genau wie der Film. Und ein großer, verrückter, lauter Spaß ist das, mit viel, sehr viel und lauter, sehr lauter Musik. Feine Sache das. Bald auf Blu-ray von REM.

Mehr dazu auf Filmtoast: https://www.filmtoast.de/wild-zero/

Operation: Endgame (Fouad Mikati, 2010) 4/10

Als der Neuling Fool seinen ersten Tag im unterirdischen Hauptquartier einer Geheimorganisation antritt werden plötzlich beide Sektionen des Dienstes aufeinander gehetzt und ein Gemetzel nimmt seinen Lauf…

Auf cool getrimmt, aber weder richtig lustig, noch spannend. Setzt zu sehr auf CGI-Blut, sodass das Blutvergießen selbst schon keinen wirklichen Spaß macht. Der große Teil des illustren Casts (in nomine Ving Rhames, Maggie Q, Jeffrey Tambor und Bob Odenkirk) wird zu schnell verheizt, um noch irgendwie zur Entfaltung zu kommen. Nur Ellen Barkin darf voll aufdrehen und scheint Spaß daran zu haben, sie ist auch das Highlight des Films. Ansonsten eben zu bemüht, zu lahm, zu zahm, zu gestrig.

21. Mai

Spider Labyrinth (Gianfranco Giagni, 1988) 7,5/10
Long Italo Horror Weekend #1

Amerikanischer Professor soll in Budapest Artefakte untersuchen. Doch sein Kontakt dort ist verrückt und schon bald tot. Sowieso sterben alle, die ihn wohl gesonnen scheinen und raten, das Land wieder zu verlassen. Nach dem ungarischen Wissenschaftler stirbt ein Zimmermädchen, darauf ein Antiquar und schließlich auch William Berger, da sind wir aber auch schon nahezu mitten im Finale bei einem uralten Spinnenkult…

Der Film besitzt einige wirklich unheimliche Set Pieces, alleine der Mord am Zimmermädchen, das sich in der Nacht plötzlich in einem Labyrinth aus weißen Laken wiederfindet, schaut sehr geil aus. Auch das scheinbar menschenleere Budapest, in dem sich unser Held verfährt, als er den Antiquitätenhändler aufsuchen will (natürlich wird er in der Zeit ermordet), ist sehr unheimlich. Leider hinkt die Handlung dem Ganzen ein wenig hinterher, der Film klatscht seine tollen Szenen aneinander, aber eine wirkliche Dramaturgie gibt es nicht. Gerade beginnt noch ein kurze investigative Episode (die fast zehnminütige Fahrt durch das Straßenlabyrinth von Budapest), da prescht der nur 82-minütige Film auch schon auf die Zielgerade. Das ist teils durchaus spannend und sieht, trotz sichtlich geringem Budgets, sehr schmuck aus, aber irgendwie ist es am Ende auch nicht sehr erfüllend.

Das Haus der lachenden Schatten (Pupi Avati, 1976) 8,5/10
Long Italo Horror Weekend #2

Restaurator Stephano bekommt durch einen alten Freund einen Auftrag in einem kleinen Ort zugeschanzt. Er soll in einer Kirche das Wandgemälde eines ansässigen Malers wiederherstellen. Fasziniert von dem Bild recherchiert er die Hintergründe des Künstlers, der verrückt gewesen sein soll, stößt damit aber auf den Unmut der Anwohner. Der Freund stürzt zu Tode, er wird in das Haus einer alten Dame umquartiert, beginnt dafür aber eine leidenschaftliche Affäre mit einer jungen Lehrerin. Doch das Geheimnis der Ortschaft umfasst auch eine Reihe unaufgeklärter Vermisstenfälle, die sich alsbald als mögliche Morde herausstellen, da der Maler sich vor allem für Menschen im Moment ihres Todes interessierte und dabei von seinen beiden Schwestern unterstützt wurde…

Pupi Avati zeichnet den ganzen Ort als einen Ort des Zerfalls, ganz klar werden Parallelen zum zweiten Weltkrieg gezogen, denn die Nazis waren hier, was immer mal wieder erwähnt wird, und auch Maler und Schwestern zog es nach Ende des Krieges nach Südamerika. Die Fotografie ist einfach gehalten, aber in ihrer Wirkung grandios, man merkt, dass gerade alle alten Mauern Geschichten zu erzählen haben und eigentlich hinter wirklich jeder zerschlissenen Tür dunkle Geheimnisse und unbequeme Wahrheiten lauern. Der Bürgermeister betont immer wieder, dass der Ort eine blühende Zukunft vor sich hätte, aber das ist nur Augenwischerei, genauso wenig wie man eigentlich wirklich möchte, dass Stephano das Fresko in der Kirche restauriert. Es gibt hier nur ein „Ja“, weil ein „Nein“ eben verdächtig oder sogar wie ein Schuldeingeständnis der Bewohner wirken würde, für was auch immer hinter den alten Mauern der Stadt auch geschehen ist. Stephano wird schließlich von Paranoia ebenso erfasst wie von einer unstillbaren Neugier, und je näher dem Geheimnis kommt, desto mehr driftet er in den Wahnsinn.

Body Count (Ruggero Deodato, 1986) 6/10
Long Italo Horror Weekend #3

Dumm-dreister Slasher. Einige Teenies campen auf dem Grund von David Hess, der das gar nicht gut findet. Seine Frau Mimsy Farmer unterhält nämlich schon seit Jahren eine Affäre mit Sheriff Charles Napier. Außerdem hängt hier auch noch ein Doktor, John Steiner, rum, dessen Tochter vor Jahren hier mit ihrem Freund bei einem Schäferstündchen, der Legende nach von einem alten Medizinmann, ermordet wurde. Ivan Rassimov ist als Deputy auch noch mit an Bord. Und natürlich beginnt schon bald das Meucheln von Neuem, allerdings natürlich vorbereitet von einigen Fake-Scares. Deodato filmte das zumindest sehr routiniert herunter, langweilig wird es nicht. Besonders aufregend allerdings auch nicht.

Die Waschmaschine (Ruggero Deodato, 1993) 7/10
Long Italo Horror Weekend #4

Drei Schwestern melden in Budapest einen Mord bei der Polizei. Als der ermittelnde Inspektor eintrifft, fehlt von der Leiche allerdings jede Spur. Die Schwestern wickeln den Polizisten allesamt nach und nach um den Finger, haben alle eine eigene Geschichte parat, was sich abgespielt hat. Der arme Tor weiß schon bald nicht mehr, wie ihm geschieht…

Der ist recht verworren, Deodato ballert einen mit Sleaze dicht, präsentiert eine Wendung nach der anderen, um einen dann doch nochmal eine lange Nase zu drehen und am Ende wieder eine Schlusstwist aus der Tasche zu ziehen, der sich gewaschen hat. Das Drehbuch hat Ecken und Kanten und die Darsteller sind eher mäßig, aber als Ganzes macht der schon ziemlich viel Spaß, weil er eben so unvorhersehbar ist. Das ist auch etwas, dass der junge Inspektor, der selbst ein paar Geheimnisse im Schrank hat, bemängelt – zu Zeiten des Kommunismus hatte man klare Fronten, es gab regide Regeln und jeder hat seine dreckige Wäsche im Keller behalten, anstatt sie in die Öffentlichkeit zu zerren. Es gibt nun Prostitution, Drogenhandel, Striptease-Bars und Straßenkriminalität, und zwar nicht wie früher im Geheimen, sondern als normaler Bestandteil des menschlichen Miteinanders, mit dem er sich jetzt herumschlagen muss. Dabei verliert er schnell den Überblick, genau wie der Zuschauer, weil die Wahrheit unter dem ganzen Dreck und den persönlichen Vorlieben und Abneigungen irgendwo untergeht, weil es hier eben keine einfache Wahrheit gibt, sondern nur Versionen davon, die immer wieder variieren. Und mittendrin steht dann die Waschmaschine, die eben kein sauberes Bild hinterlässt, sondern alles noch zusätzlich durcheinander wirbelt. Das ist im Endeffekt dann doch sehr reizvoll, wie der arme Mann als Kugel im Flipper durch die Geschichte gedonnert wird.

22. Mai

Das schreckliche Geheimnis des Dr. Hichcock (Riccardo Freda, 1962) 7,5/10
Long Italo Horror Weekend #5

Dr Hichcock ist Chirurg, hat ein revolutionäres Mittel entwickelt, das den Herzschlag verlangsamt. Das probiert er auch an seiner Frau Margaret aus, was zu ihrem Tod führt. Er verlässt seine Anstellung und sein Haus.
Mehrere Jahre später kehrt er mit seiner neuen, jungen Frau Cynthia zurück. Garten und Haus sind ein wenig heruntergekommen, aber seine Hausangestellte Martha hat sich seither um das Anwesen gekümmert. Er tritt auch seine alte Stelle wieder an, weigert sich aber bei seiner ersten komplizierten Operation sein Serum einzusetzen, die Patientin stirbt. Im Haus geschehen derweil unheimliche Dinge, Cynthia fühlt sich unbehaglich und beobachtet, hört Stimmen (angeblich die Schwester von Martha). Sie entdeckt verschlossene Türen (angeblich das alte Labor ihres Mannes). Nur Kurt, Hichcocks jüngerer Assistent, macht sich Sorgen um Cynthia, während Hichcock selbst sie nicht ernst nimmt und ihr einzureden versucht, sie sei verrückt…

Nekrophilie, experimentelle Medizin gepaart mit düsteren Ritualen und Geistererscheinungen – für seine Zeit war DR. HICHCOCK schon ein ziemlich heftiges, psychosexuell aufgeladenes Kaliber. Die Handlung ist dabei nie wirklich schlüssig, schwankt zwischen Mad Scientist und Geistergeschichte, was erstaunlich gut funktioniert, auch wenn am Ende nicht einmal eine Erklärung angeboten wird. Barbara steele gibt sich hier relativ zugeknöpft, Freda gehörte wohl nicht zu den Regisseuren, der sie möglichst freizügig in seinen Filmen sehen wollte. Ihre Performance trägt die unheimlichen Szenen, wenn der Wind durch das Haus zieht und mit sich die knarzenden Türen und die entfernten Schreie einer eingesperrten Frau trägt oder der verwilderte Garten mit seinen Wurzeln und Trieben nach ihr zu greifen scheint. Man merkt, dass Freda davor viel mit Bava gearbeitet hatte, ihre Farbgestaltung mit den Primärfarben ist ähnlich, nur dass hier die Sets nicht so stark ausgeleuchtet wurden. Ein feiner Gothic-Horror, aber tatsächlich noch vergleichsweise züchtig, sicherlich der anrüchigen Thematik der Nekrophilie geschuldet, die ihn umweht.

The Ghost (Riccardo Freda, 1963) 7,5/10
Long Italo Horror Weekend #6

Barbara Steele als Margaret, ihr Mann, der Arzt Dr. Hichcock, sitzt im Rollstuhl. Er experimentiert mit Giftstoffen, die seine Beine wiederbeleben sollen. Sie hat eine Affäre mit seinem Freund und Assistenten. Einmal hält sie ihn davon ab, sich zu erschießen. In einer anderen Szene rasiert sie ihn, hält kurz inne, die Klinge an seinem Hals.
Bei einem Treffen mit dem Pfarrer und dem Richter, dem auch Livingston beiwohnt, sagt der Doktor, dass der ein Wissenschaftler auch an seine Macht glauben soll, selbst Krüppel wie ihn zu heilen (er schaut dabei Livingston an). Danach gibt ihm Livingston das Gift, aber nicht das Gegengift. Doch er scheint nicht tot, sein Glöckchen läutet beim Abendessen, doch im Arbeitszimmer ist nur der Leichnam im Rollstuhl.
Und noch schlimmer, das Vermögen des Verblichenen scheint verschwunden! Die Suche nach dem Geld wird immer mehr zur Belastung für die Partners in Crime, unheimliche Erscheinungen setzen ihnen noch zusätzlich zu. Sucht sie der ruhelose Geist von Dr. Hichcock heim, um sich an ihnen zu rächen?

Wieder ein Dr. Hichcock, der mit Gift experimentiert, wieder Barbara Steele als seine Frau. Doch die Geschichte geht dieses Mal in eine andere Richtung, der Rachegeist treibt die Witwe langsam, aber sicher in den Wahnsinn. Schön bebildert, das Anwesen hat viele dunkle Ecken, auch geheime Gänge und einen großen Keller; es gilt, vieles abzusuchen, es gibt viele Ecken, aus denen Unheil drohen könnte. Allerdings gibt es dieses Mal hingegen zum Vorgängerfilm eine richtige Auflösung. Vielleicht nicht ganz so atmosphärisch, aber dafür einen Tick besser erzählt. Ich mochte den.

The Long Hair of Death (Antonio Margheriti, 1964) 8/10
Long Italo Horror Weekend #7

Hexenprozesse sind das Instrument des Königs, seinen Willen durchzusetzen, besonders die Frauen der Familie Karnstein trifft es hart: Mutter Adele wird verurteilt und verbrannt, während ihre ältere Tochter Helen (Barbara Steele) um ihre Begnadigung bittet, und auch den Tod erfährt. Ihre jüngere Schwester Lisabeth wird einige Jahre später mit Kurt (George Ardisson), dem Neffen des Königs, verheiratet. Als die Pest über dem Land wütet, taucht eine Frau namens Mary auf, die der toten Helen zum Verwechseln ähnlich sieht…

Hier hat Margheriti die Gothic-Ingredienzien mal voll auf 12 gedreht, meine Fresse. Die Steele wickelt als von den Toten zurückgekehrte düstere Schönheit Georg Ardisson um den Finger, der ihr verfällt und sogar den Mord an seiner Frau (ihrer kleinen Schwester) plant. Schon der zweite Auftritt der Steele, als sie wiedererweckt in die Kirche tritt und damit sogar den alten König aus den Latschen wirft, ist eine Wucht. Dunkle Gemäuer, geheime Gänge, religiöse Reliquien, das sieht zwar schon sehr nach Set aus, macht aber trotzdem was her. Jesus-Statuen, die auf den Regenten herabsehen, die Pest wütet in den Straßen, dass Ardisson sterben soll, riecht man natürlich zehn Meilen gegen den Wind. Die Steele bietet sich reizvoll dar, zeigt viel Haut. In einer Bettszene mit Ardisson reißt er das Gewand von seiner Begehrten, man sieht eine Brust, aber sicher ein Body Double. Das Ende ist einfach nur geil, der Symbolis einer zu verbrennenden Figur, die für alles Böse steht, ist etwas platt, aber ich mag das, mit Prozession und allem, was dazu gehört. Für mich einer von Margheritis besten.

Terror Creatures from the Grave (Massimo Pupillo, 1965) 6,5/10
Long Italo Horror Weekend #8

Massimo Pupillo hat ja im selben Jahr auch den teils unglaublich bräsigen und billigen BLOODY PIT OF HORROR rausgehauen. Der hier ist weniger poppig, sieht auch nicht ganz so billig aus, ist aber nicht minder abgefahren. Erbschaftsanwalt kommt auf ein Schloss, um ein Testament zu vollstrecken. Doch die Witwe und die Stieftochter sind verwundert, weilt der werte Herr Gatte, bzw. Vater schon seit einem Jahr nicht mehr unter ihnen. Es geht fortan um Geistererscheinungen und die Pest, die Story fährt zweigleisig. Zum einen ermittelt unser Anwalt ein Komplott um den Tod des Schlossherren, zum anderen wird eine alte Geschichte von fünf Männern, die vor 500 Jahren die Pest in die Stadt brachten aufgewärmt. Netter S/W-Grusel mit einigem modernen Schnickschnack, ein wenig Mystery-Krimi und ein paar garstigen Make-up F/X. Die Steele hatte wohl wenig Bock, aber auch kaum Screentime. Von daher für Fans vielleicht etwas unerquicklich. Auch ansonsten sicherlich kein Instant Classic, aber durchaus unterhaltsam, trotz oder auch wegen der kruden Plotte.

23. Mai

Wild Beasts (Franco Prosperi, 1984) 7/10
Long Italo Horror Weekend #9

PCP gerät ins Grundwasser einer deutschen Großstadt, worauf die Tiere im Zoo durchdrehen und ausbrechen…

Bei dem bekomme ich immer wieder große Augen, alleine wegen der teils schier unglaublichen Tierszenen. Dabei geht es teils derbe blutig zur Sache, auch vor Tiersnuff wird nicht halt gemacht. Die deutsche FSK-16 ist schon erstaunlich. Außerdem ein Film, der mit seinen Establishing Shots (von Frankfurt) wuchert – Ladenmeile, Feuerwehr und Polizei, alles deutsch. Dann Schnitt zur Verfolgungsjagd eines Geparden mit einem VW Käfer, nur noch italienische Autos. Auf dem Flughafen, der von Elefanten heimgesucht wird, stehen überall Flugzeuge der South African Airlines. Und dann jagt noch ein Tiger durch die römische U-Bahn. Grandiose Exploitation.

Patrick lebt! (Mario Landi, 1980) 5/10
Long Italo Horror Weekend #10

Nachdem er unsanft von einem unachtsam auf dem Auto geworfenen Gegenstand am Kopf getroffen wurde, vegetiert Gianni Dei als Patrick in einer Privatklinik vor sich hin. Die Ankunft von potenziellen Gegenstandswerfern bringt ihn dazu, telepathisch aktiv zu werden, was das gewaltsame Ableben dieser Objektpotentaten zur Folge hat.

Musik erinnert an PHANTASM, Sleaze soweit das Auge blickt.
1. Highlight: Mann wird in Pool gekocht, Arzt will es als Unfall verkaufen.
2. Highlight: Die Giordano zieht beim Abendessen besoffen über alle her.
3. Highlight: Mord mit Haken.
4. Highlight: Durch die Mumu bis zum Mund aufgespießt.
5. Highlight: Andrea Belfiore tanzt nackt an Patricks Bett.
Bis auf Nummer 4 (das ist krass) alles halb so wild, davor, dazwischen und danach bleibt ein gähnender Seufzer nicht aus. Nicht komplett scheiße, aber auch nicht gut.

Seddock – Die Bestie mit den Teufelsklauen (Anton Giulio Majano, 1960) 5,5/10
Long Italo Horror Weekend #11

Der Wissenschaftler Prof. Alberto (Alberto Lupo) unterzieht dem durch einen Unfall entstellten Starlet Jeannette (Susanne Loret) einer experimentellen Strahlenbehandlung. Doch der Zerfall beginnt immer wieder von Neuem, also muss Alberto ihr weibliche Drüsen implantieren. Erste Quelle ist seine eifersüchtige Assistentin Monique (Franca Parisi). Und es geschehen weitere bestialische Morde. Währenddessen sucht Seemann Pierre (Sergio Fantoni) nach seiner verschwundenen Verlobten Jeannette…

Holprig inszenierter Mad Scientist Film, der viel zu selten stimmungsvolle, gruselige S/W-Bilder bietet. Die Monstermaske ist zumindest ganz nett. Ansonsten eine Labertasche mit schlechten Darstellern.
Das Motiv des Arztes ähnelt dem von Franjus Klassisker AUGEN OHNE GESICHT, der im selben Jahr erschien. Produzent Mellino nannte sich später auch „Mario Fava“, wahrscheinlich beabsichtigt, um den Film besser in die Staaten zu verkaufen.

Ghosthouse (Umberto Lenzi, 1988) 6/10
Long Italo Horror Weekend #12

Funk-Amateur Paul geht mit seiner Freundin (Lara Wendel) einer mysteriösen Sendung nach, die sie zu einem leerstehenden Haus führt, wo Amateurfunker Jim seinen Sender aufgebaut hat. Doch der kann die Botschaft nicht gesendet haben, auch wenn dort er und seiner Schwester zu hören sind. Doch schon bald empfangen sie mysteriöse Botschaften von einem Kind mit Clownpuppe und ein Mörder lichtet ihre Reihen…

Lief in Italien als LA CASA III (sprich als dritter Teil von TANZ DER TEUFEL, der dort LA CASA hieß), was erst der Beginn für weitere Titelverstrickungen mit lustigen Querverweisen in der deutschen GHOSTHOUSE-Reihe führte, was aber an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde (ich empfehle dazu meinen Text TOTE TEENS & TANZENDE TEUFEL aus dem Mediabook zu TANZ DER DÄMONEN 😉). Der Film selbst ist etwas konfus, aber gar nicht mal so schlecht.

24. Mai

Feuertanz – Horror Infernal (Dario Argento, 1980) 8,5/10
Long Italian Horror Weekend #13

Natürlich ein Klassiker, audiovisuell ein Fest, tolles Set Design, fantastischer Soundtrack. Aber ich mag SUSPIRIA trotzdem lieber: https://der-genrefilm-blog.geisterhaltung.de/2021/05/24/feuertanz-horror-infernal-1980/

The Vampire and the Ballerina (Renato Polselli, 1960) 6/10
Long Italian Horror Weekend #14

Unweit einer Tanzschule wird eine tote Magd gefunden, Geschichten um einen Vampir machen unter den jungen Frauen die Runde. Als Luca mit seiner Geliebten Francesca und Louisa in einem alten Gemäuer unterkommen muss, treffen sie dort nicht nur auf eine seltsame Comtesse, sondern des Nachts auch auf ein furchteinflößendes Wesen…

Früher Gothic-Horrorfilm von Renato Polselli, der sicherlich noch ein wenig von den psychedelischen Hirnficks entfernt ist, die er in den 70ern auf die Menschheit losgelassen hat. Variiert ein wenig die bekannte Dracula-Geschichte. Nett. Der lief in Deutschland seinerzeit als DIE GELIEBTE DES VAMPIRS, erschien aber danach nie wieder auf der Bildfläche.

The Riffs III – Die Ratten von Manhattan (Bruno Mattei/Claudio Fragasso, 1984) 7/10
Long Italian Horror Weekend #15

Grandioser Endzeit-Horror von den Philosophen unter den italienischen Filmemachern, die in den 80ern fast schwerelos in ihrer eigenen Sphäre zwischen Kunst und Kommerz pendelten. Denn sie wollten weder Künstler sein, noch konnten sie die nötigen Lira mit ihren sperrigen Werken einspielen, die das Brot der Genialität auf ihrem blechernen Silberteller sicherte. Und jetzt betreten die Götter unter den Schauspielern die für sie bereitete Bühne, wir begleiten King, Video, Chocolate und Lucifer auf ihrer Reise durch die Wirren menschlichen Handelns, wir spüren mit ihnen den Schmerz, den die Ödnis des Alltags in ihren feinen Geistern auslöst, wenn sie zu den Ratten des Kapitalismus abtauchen, in das Meer von hungrigen Arbeitern, die durch die mechanische Evolution der Gesellschaft Auslaufmodelle ohne Wert darstellen und nun am Fleisch der Intellektuellen zu nagen suchen…

Nein, ist ja nur Spaß. Kein guter Film, beileibe nicht, aber ein spaßiger Trasher. Tolle Sprüche, Massen von Ratten (wenn auch wohl nicht immer echte) und ein hammermäßiges Ende, das glatt aus einem EC Comic kommen könnte. Ich hab immer wieder fun damit.

Dial: Help (Ruggero Deodato, 1988) 7/10
Long Italian Horror Weekend #16

Charlotte Lewis hatte gerade zusammen mit einem zweitklassigen Komiker namens Eddie Murphy DIE SUCHE NACH DEM GOLDENEN KIND erfolgreich abgeschlossen und war auch den PIRATEN des polnischen Box-Office-Gifts Roman Polanksy unversehrt entkommen, da klingelte das Telefon, ein Anruf aus Bella Italia, ein Angebot um endlich mit ihrer Schauspielkarriere richtig durchzustarten, in einem Film vom Regisseur des Blockbusters NACKT & ZERFLEISCHT. Doch es entwickelte sich unerwartet zu einem supernatürlichen Stalker-Alptraum…

Mal wieder ein ziemlich durchgeknallter Deodato-80s-Shit, dank Lewis, einigen kruden Ideen, einer guten Effektarbeit und flotter Musik sehr launig, den mochte ich auch schon immer sehr gern. Und stalkende Autowahlmaschinen, darauf muss man erstmal kommen (obwohl die Telefon-Thriller ja ab Ende der 70er kurz aufkamen). Aber das Ding geht halt einen Schritt weiter als alle anderen, egal wie crazy sich das eben anhört. Aber es funktioniert eben, solange man keinen Gedanken daran verschwendet, wie doof und unlogisch die Prämisse eigentlich ist.

Planet der Vampire (Mario Bava, 1965) 8/10
Long Italo Horror Weekend #17

Kein Italo-Horror-Wochenende ohne Maestro Bava! Raumschiff muss auf einem kleine Planeten notlanden. Dort findet die Besatzung ein weiteres Erdenschiff, das hier scheinbar gecrasht ist. Doch eine außerirdische Macht bemächtigt sich ihrer Körper, um von dem Planeten zu entkommen. Einer meiner Lieblings-Bavas, das ist Gothic in Space. Der Planet ist ein lebloser Klumpen Gestein, lebensfeindlich und damit auch ohne Willkommensschild ausgestattet. Die „Wiedergeburt“ der menschlichen Körper nach der Übernahme ist kreuzunheimlich. Aber vor allem die Sets geben hier den Ton an, Bava wusste einfach, wie man Styropor richtig abzulichten hatte. Ob Oberfläche oder Raumschiff, das sieht alles toll aus. Und in den Kostümen sehen die Menschen schon bei ihrer Ankunft reichlich suspekt aus; man würde sich kaum wundern, wenn nicht in ihnen schon von Anfang ein Dämon lauern würde.

25. Mai

Die Stunde, wenn Dracula kommt (Mario Bava, 1960) 9/10
Hexen Abend Film #1

Auch einer von Bavas Überfilmen. Die Steele ist in ihrer Doppelrolle famos, auch wenn sie sich wohl nicht so gut mit Maestro Bava verstand (weil sie kein Wort Italienisch konnte). Selten einen so schattigen und unheimlichen Film gesehen!

Night of the Eagle (Sidney Hayers, 1962) 8/10
Hexen Abend Film #2

Bewältigt mühelos die Gratwanderung zwischen echten Horror und spitzzüngigen Dialogen. Wyngarde kann einen hier leid tun, und seine Filmehefrau ist echt süß. Das Finale mit dem Adler ist toll gefilmt.

Der Teufel tanzt um Mitternacht (Cyril Frankel, 1966) 6,5/10
Hexen Abend Film #3

Nicht mein Lieblings-Hammer der Epoche, er ist mir zu langsam, zu spießig. Unter den Okkult-Filmen des Studios für mich nicht der schlechtest, aber doch der uninteressanteste.

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