GHOST IN THE SHELL: SAC_2045

Ich habe jetzt gerade eben die 12-teilige Fortsetzung der STAND ALONE COMPLEX Reihe auf Netflix beendet. Nach eher ernüchternd wirkenden Beginn konnte die neue Storyline aber tatsächlich teils an alte Qualitäten anschließen.

GHOST IN THE SHELL: SAC_2045 schmeißt den Zuschauer (mal wieder) unvermittelt in die Action, und so ist es in den ersten zwei Episoden nicht leicht, auf die sich stetig steigernde Qualität der Serie zu schließen. Ich habe sie damals danach auch erst einmal links liegen gelassen (die erste Reaktion von mir und meinem Vater war: „Scheiße, was soll das denn sein?“) Nach der Wiederaufnahme vor einer Woche dauerte es aber nicht lang, bis sie eine Sogwirkung entfaltete.

Anfangs werden wir Zeuge, wie das ehemalige SAC-Team als Söldner in den USA operiert und schließlich von Kommando-Einheiten des US-Geheimdienstes gefangen genommen wird. Alles war nur ein Test und sie werden engagiert, um einen Mann auszuschalten, der sich als evolutionäre Weiterentwicklung des technisch verbesserten Menschen darstellt, ein sogenannten „Post-Human“. Nach dessen Liquidierung wird das Team als Sondereinsatzkommando mit dem Auftrag zur Bekämpfung der Gefahr durch die „Post Humans“ abgestellt…

Die Geschichte von GHOST IN THE SHELL: SAC_2045 besticht vor allem durch das Hintergrundszenario. Die Welt erlebte hier im Jahr 2045 einen allumfassenden Finanzcrash, wodurch man das Wirtschaftssystem der Industriestaaten ganz offiziell auf „Nachhaltige Kriege“ umgestellt wurde. Es geht dabei um bewusst geschürte Konflikte in rohstoffreichen Gebieten, die zum einen die Verteilung der Rohstoffe unter den Wirtschaftsmächten regelt, wie auch die Konjunktur durch die Herstellung von Kriegsmaschinerie dauerhaft ankurbelt. Das geschieht natürlich komplett auf Kosten der Rohstoff-fördernden Länder und der Arbeiterklasse und Unterschicht der Industrienationen, die durch Automatisierung nahezu überflüssig geworden ist. Ich musste erst einmal ganz schön schlucken, als ich mir das mal durch den Kopf gehen lassen habe. Aber an Zynismus hatte es dem Universum von GHOST IN THE SHELL ja noch nie gemangelt.

Mit nur 12 Folgen ist die Staffel nicht halb so lang wie die Vorgänger-Serien GHOST IN THE SHELL: STAND ALONE COMPLEX und GHOST IN THE SHELL: STAND ALONE COMPLEX 2ND GIG. Folglich nimmt man sich leider auch nicht allzu häufig Zeit, um nebenher mal in die Welt der Serie abzutauchen. Allerdings gibt es zumindest eine Episode, in der Batou einigen von der Wirtschaftskrise geschassten Bankräubern aus der Patsche hilft. Spätestens da hatte mich die Serie für sich gewonnen. Im Großen und Ganzen entwickelt sich der Hauptplot dementsprechend schnell weiter. Das ist zwar nicht vorhersehbar, geschieht aber in gewohnten Bahnen, sprich, aus der umfassenden Bedrohung kristallisiert sich ein Einzelschicksal als Ursprung der terroristischen Verschwörung heraus. Dies entwickelt sich aber folgerichtig, und die Serie gibt nie den Drang nach, sich kurzweiliger Schauwerte zuliebe in aktionistische Action-Szenarien zu stürzen. Es ist und bleibt ein Polit-Thriller und damit seinem Ursprung treu.

Mit der Optik muss man sich erst einmal anfreunden. GHOST IN THE SHELL: SAC_2045 ist komplett am Rechner entstanden, die Charaktere, die stilistisch sehr an Cell Shading erinnern, wurden per Motion Capture Verfahren entwickelt. Auf den ersten Blick gibt das nicht viel her, offenbart aber, wenn man sich daran gewöhnt hat, immer mehr sympathische Details am Rande; Bilder von Familien und Personen, die an der Wand hängen, alte Zeitungsausschnitte, Notizen oder auch einfach nur Krimskrams, der in der Gegen herumliegt und an die älteren Serien der Reihe erinnert. Sowieso scheint der Schritt zur kompletten Computeranimation nur folgerichtig, beschäftigt sich das GHOST IN THE SHELL Universum mit der technisch gestützten Entwicklung des Menschen, der immer weiter mit seiner genauso technologisch fortschreitenden Umwelt vernetzt wird. Analog dazu entwickelte sich der Stil und der Look der Filme und Serien immer mehr zu computergestützten Animationen hin.

Insgesamt besinnt sich GHOST IN THE SHELL: SAC_2045 inhaltlich mehr auf alte Stärken, wer etwas ähnlich actionorientiertes wie GHOST IN THE SHELL: ARISE erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Man sollte sich schon darüber klar sein, dass es sich hier eben um eine Fortsetzung der STAND ALONE KOMPLEX Reihe handelt. SAC_2045 reicht dabei nicht an die tollen ersten Staffeln heran, ich fand es aber doch schon wieder ein wenig besser als den daran angeschlossenen TV-Film SOLID STATE SOCIETY. Wer also Lust, in eine neue Geschichte in der Welt von GHOST IN THE SHELL einzutauchen, wird hier fündig. Ich hoffe mal, dass es auch bald mal damit weiter geht.

Ach ja, neben dem Animationsstil scheiden sich auch mal wieder die Geister am Titelsong „Fly with Me“ von Millenium Parade, den ich, in Anbetracht der Songs zu den ersten beiden Serien und dem Thema, das hier behandelt wird, durchaus nicht unpassend finde:

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