Dear Diary… on the watch: 02.-15.06.2021

02.06.2021

Mortal Kombat (Paul W.S. Anderson, 1995) 6,5/10

„Liu Kang (Robin Shou) fährt zu einem geheimnisvollen Turnier, dem Mortal Kombat. Dort schickt Raiden (Christopher Lambert) seine Kämpfer des Lichts, zu denen auch der Filmstar Johnny Cage (Linden Ashby) und Polizistin Sonya Blade (Brigitte Wilson-Sampras) zählen, gegen die bösen Schergen von Shang Tsung (Cary-Hiroyuki Tagawa). Und genau mit dem hat Liu Kang noch eine Rechnung offen…“

Am Kampf der Mortalen hat der Zahn der Zeit inzwischen auch ein wenig genagt. Die CGI waren damals schon nicht mehr state-of-the-art, nur Lord Gordo macht immer noch einen netten Eindruck. Es ist jedoch immer noch erfrischend, dass die Macher damals keinen Umweg eingeschlagen haben, sondern einfach einen mittelmäßigen Kumite-Film durch die MK-Trademarks, eine ordentliche Besetzung und einen einigermaßen hörbaren Soundtrack aufwerteten, was dann sogar zu einem No.1 Box Office Hit langte. Da kann man auch mal drüber hinwegsehen, dass die Handlung auf einem ENTER THE DRAGON für Arme beruhte und viele Elemente des Spiels eher sinnlos hineingequetscht wurden. Die Absenz von Gore und Splatter ist genauso eine Wehrmutstropfen, aber wenn man an die Kiddies will, warum den Umweg über die Eltern gehen? Was ich dem Film übel nehme, ist sein fürchterlicher Eurodance-Titelsong, der mir immer noch das Ohr bluten lässt. Ach ja, Christopher Lambert klingt im O-Ton schrecklich.

Vampire gegen Herakles (Mario Bava, 1962) 7,5/10

Der hinterhältige König Licos (Christopher Lee, DER HERR DER RINGE – DIE ZWEI TÜRME) versetzt die Prinzessin Deianira (Leonora Ruffo, RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL) in einen apathischen Zustand, um die Macht im Land an sich zu reißen und sie später zu ehelichen, um seine Herrschaft zu legitimieren. Dazu muss er aber erst einmal ihren Geliebten, den Halbgott Herkules (Reg Park, HERKULES EROBERT ATLANTIS) aus dem Weg räumen. Da dem nicht mit herkömmlichen Mitteln beizukommen ist, sorgt er dafür, dass er sich mit seinen Freunden Theseus (George Ardisson, AGENT 3S3 SETZT ALLES AUF EINE KARTE) und Telemachus (Franco Giacobini, ASSASSINATION IN ROME) auf eine selbstmörderische Mission in den Hades begibt…

Ein sehr lustiges Filmchen. Immer noch mit das beste, das man je mit Pappmaché und Styropor geschaffen hat. Die Ausleuchtung ist einfach wundervoll, Mario Bava ist halt ein Meister darin. Da macht es auch nichts, dass Christopher Lee eher lustlos agiert.

03.06.2021

Once Upon a Time in China III (Tsui Hark, 1992) 7,5/10

„Jet Li muss als Wong Fei-Hung in Peking den Wettbewerb im Löwentanz retten und nebenher noch seine Liebschaft zur 13th Aunt (Rosamund Kwan) geheim halten, die vom russischen Botschafter umgarnt wird…“

War die englische Tonspur des zweiten Teils noch mit einigermaßen akzeptalen Sprechern gesegnet, scheint es hier wieder einen Schritt zurück zu geben. Der Prolog lässt nichts Gutes erahnen. Den Spaß am Film wird es mir nicht verleiden, den habe ich noch gut in Erinnerung.

Ja, das war noch gutes altes Hongkong-Kino! Das war auf der großen Leinwand sicherlich ein Fest. Die ersten drei Filme versprühen noch richtig altmodische Kino-Magie, sind sicherlich die wichtigsten Filme in Tsui Harks Karriere. Der dritte Teil braucht ein wenig Anlaufzeit, weil anfangs die versteckte Liebschaft zwischen Wong Fei-Hung und seiner Cousine ein wenig sehr die eigentliche Story um das Löwenfest ausbremst. Aber Hark nutzt das konsequent, um auch eine nicht so positive Seite des Volkshelden in Form unablässiger Eifersucht herauszuarbeiten, was dieser fiktionalisierten Version dessen sogar ein wenig Tiefe verleiht, auch wenn man so eine Seite nicht unbedingt sehen will, was auch mich hier ein wenig zwiespältig zurücklässt. Aber in der zweiten Hälfte dreht der Film dann auf und präsentiert mit dem Kampf im Hause von Chiu Tin-Bak und dem Löwenwettkampf zwei grandiose Höhepunkte.

Tokyo Powerman (Sammo Hung, 1985) 5/10

„Yuen-Biao wird in Tokio von Gangstern entführt, weswegen Kollege Jackie Chan in Hongkong die Rekrutierung seiner alten Kumpels, die Lucky Stars (Sammo Hung, Charlie Chin, Stanley Fung, Richard Ng & Eric Tsang), anfragt. Doch die müssen sich erst einmal zusammenraufen und mit dem Gedanken anfreunden, mit der Polizei zusammenzuarbeiten…“

Zu viel derber Klamauk, zu wenige toll choreographiert Fights, in denen Sammo Hung zeigt, was er drauf hat. Der Film war mir schon als Jugendlicher zu penetrant präpubertär, und auch mit inzwischen 30 Jahren Abstand kann ich dem einfach nicht viel abgewinnen. Das ist eigentlich schade, da Hung/Chan/Biao ja weit mehr können, und mit Stanley Fung und Eric Tsang zwei weitere mir sehr sympathische Darsteller mitwirken. Aber der Humor des Streifens ist einfach not my cup of tea.

04.06.2021

Ninja Condors (Wu Kuo-Jen, 1987) 7/10

„Brian (Alexander Rei Lo), einst von einem Ninja-Meister großgezogen, verdingt sich als Auftragsmörder bei der Gruppe Condors 13. Doch schon bald meldet sich sein Gewissen und er will aussteigen. Doch Lucifer (George Nicholas) kann das nicht zulassen und macht Jagd auf den Abtrünnigen…“

Richtiger und gar nicht mal so schlechter Film aus der Filmark-Schmiede. Mehr dazu:

Ninja Condors (1987)

Iron Angels (Teresa Woo, 1987) 8/10

„Die Anti-Drogen-Einheit Angels (Moon Lee, Alex Fong, Elaine Lui) mischt sich unter der Leitung von Saijo (Hideki Saijô) in einen Nachfolgekrieg der Kartellbosse (u.a. Yukari Ôshima und Chun Yang) im Goldenen Dreieck ein…“

Flotte HK-Action, ein kleiner Klassiker. Die Shootouts sind blutig, die Martial-Arts-Einlagen knackig, und nebenher gibt es noch die Altstars wie David Chiang und Hwang Jang-Lee in Nebenrollen zu sehen. Das ist Spaß in Tüten!

05.06.2021

Dragon Princess (Yutaka Kohira, 1976) 6/10

„Kazuma (Sonny Chiba) verliert im Kampf gegen die Schüler seines Konkurrenten Nikaido (Bin Amatsu) ein Auge. Fortan trainiert er seine Tochter Yumi (Etsuko Shihomi), dass sie ihn räche…“

Der bisher schwächste Film des Gespanns Chiba/Shihomi, holprig, aber einigermaßen unterhaltsam. Mehr dazu:

Dragon Princess (1976)

Das Grauen kommt nachts (Renato Polselli, 1972) 7,5/10

„Eine Reihe von sadistischen Morden an jungen Frauen lässt die Polizei ratlos. Als eine junge Frau, mit der der Berater der Polizei, Dr. Lyutak, einen Nachtclub verlassen hat, ermordet aufgefunden wird, setzt man den angesehenen Arzt als Hauptverdächtigen fest. Doch während er in Untersuchungshaft sitzt, geschehen zwei weitere Morde…“

Ganz nach Polselli-Art total durchgeknallter Giallo. Schon die Beziehung zwischen Lyutak, Mickey Hargitey gibt in der Rolle mal wieder alles, und seiner Frau ist strange, aber auch anregend und nicht so leicht zu durchschauen. Es gibt wieder Momente unfreiwilliger Komik (Hallo, ich bin’s, der Kartoffel) und einen psychedelischen Schlussakt, der die ganze Narrative über den Haufen wirft. Natürlich nur für Polselli-Fans geeignet, aber für die dürfte er wieder einmal eine wunderbare und bereichernde Erfahrung darstellen.

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (Luc Besson, 2017) 6/10

Zwei Agenten (u.a. Clara Delevigne) suchen auf einem Generationenschiff, das etliche Aliens beherrbergt, den entführten General der Erdstreitkräfte. Dabei stoßen sie auf eine untergegangen geglaubte Spezies. Unterhaltsame Weltraumoper in bonbonbunter Optik.

07.06.2021

Leben und Sterben in L.A. (William Friedkin, 1985) 8,5/10

„Der ehemalige Secret Service Agent und Adrenalinjunkie Richard Chance (William Petersen) heftet sich mit seinem neuen Partner John Vukovich (John Pankow) auf die Spur des skrupellosen Geldfälschers Eric Masters (Willem Dafoe), der das Geschäft in L.A. mit seiner Partnerin Bianca (Debra Feuer) kontrolliert. Er hofft, durch dessen inhaftierten Handlanger Carl (John Turturro) an ihn heranzukommen, und überredet seinen Vorgesetzten, diesen in sein Gewahrsam zu überlassen. Doch Carl kann fliehen, was Chance in Zugzwang bringt. Nun will er den direkten Weg nehmen und sich mit Vukovich als Käufer ausgeben. Da ihnen aber kein Geld bewilligt wird, will er einen chinesischen Diamantenkäufer überfallen, den er über seine Informantin Ruth (Darlanne Fluegel) ausfindig macht…“

Petersen und Dafoe brillieren in ihrem Fernduell, derweil Pankow dazu einen glaubhaften Gegenpol bildet. Friedkins Darstellung von L.A. blendet den Zuschauer, die Metropole nimmt quasi die dritte Hauptrolle ein, sie hält die beiden Polizisten gefangen, während Dafoe unnahbar scheint, weil er außerhalb der Stadt in der Wüste residiert; doch sein Einfluss ist immer spürbar, sein Atem den beiden Cops sinnbildlich im Nacken. Beide, der adrenalinsüchtige Cop und der brutale Fälscher, wirken wie Kehrseiten einer Münze, die sich anfängt zu drehen, sobald sie unter Druck geraten. Sie gehen beide in ihrer jeweiligen Obsession auf, Dafoe als herrischer Kontrollfreak, Petersen als eine Art menschlicher Pitbull, der, sobald er Blut geleckt hat, nicht zu stoppen ist und keine Grenzen kennt.

Jackie Chans Thunderbolt (Gordon Chan, 1995) 6/10

„Rennfahrer und Automechaniker Jackie (Jackie Chan) legt sich mit seinem fiesen Konkurrenten Cougar (Thorsten Nickel) an, der sich als international gesuchter Auftragskiller entpuppt…“

Mich stört gar nicht mal so sehr, dass THUNDERBOLT so bierernst ausgefallen ist. Es ist eher die Action, die für einen Jackie-Chan-Film eher mau ausgefallen ist, es gibt zwei gute Kloppereien und eine brutale Schießerei in einem Polizei-Revier, denn gerade das Autorennen am Ende mutet dann doch mit seinen Speed-ups etwas lächerlich. Chan selbst scheint seine Energie immer wieder zügeln zu müssen, und es gibt halt nichts schlimmeres als ein Jackie-Chan-Vehikel, in dem sich der Star zurücknehmen muss. Aber immer noch weit besser als die Hollywood-Ausflüge des HK-Superstars.

In der Höhle des schwarzen Panthers (Yukio Noda/Chang Tung-Man, 1977) 6,5/10

Martial-Arts-Kämpfer (Sonny Chiba) und Undercover-Cop vereinen ihre Kräfte auf einem Rachefeldzug. Ziemlich abgefahrener, aber auch fahriger Shit. In einer kleinen Rolle ist Bolo Yeung zu sehen. Mehr dazu:

In der Höhle des schwarzen Panthers (1977)

08.06.2021

Voodoo Child (Daniel Haller, 1970) 6/10

„Wilbour Whatley (Dean Stockwell) such die Miskantonic University auf, um Dr. Armitage zu überreden, ihm das Necronomicon zu leihen. Das gelingt ihm nicht, aber er kann die Studentin Nancy (Sandra Dee) überreden, ihn nach Hause, in eine abgelegene Kleinstadt, in der der Name seiner Familie nicht sehr beliebt ist, zu fahren. Er sorgt dafür, dass sie über Nacht bleiben muss, denn er hat sie für ein altes Ritual auserkoren…“

Gar nicht so schlecht, auch wenn natürlich arg behäbig. Aber die unheimlichen Andeutungen, die schicke Ausleuchtung, der Handkamera-Einsatz, das musikalische Thema, die Traumsequenzen und auch das Finale fanden Gefallen, auch wenn es als Ganzes wesentlich unspektakulärer erscheint, was aber auch am geringen Budget liegt. Unter den Lovecraft-Verfilmungen damit noch eine der besseren.

Der Rächer (Karl Anton, 1960) 6/10

„Der Rächer hat in der englischen Provinz mittlerweile 12 Menschen enthauptet. Major Staines (Siegfried Schürenberg) setzt seinen besten Mann Michael Brixtan (Heinz Drache) darauf an. Seine Ermittlungen führen ihn zu einem Filmdreh und der schönen Ruth Sanders (Ina Dusche). Sie wird nicht nur von Regisseur Henry Longvale (Ludwig Linkmann) umschwärmt, sondern erweckt auch das Interesse des Sir Gregory Penn (Benno Sterzenbach), der sich nicht nur einen exotischen Hausmann hält, sondern auch eine geschäftliche Beziehung zu Drehbuchautor Lorenz Voss (Klaus Kinski) unterhält…“

Recht brauchbarer Gruselkrimi, auch wenn das Ende ein wenig aus dem Hut gezaubert wirkt. Drache, Kinski und Schürenberg sind eine Bank, und gerade Sterzenbach gibt dem schmierigen Adligen mit Verve. Der behaarte Diener ist gruselig, aber heute sicherlich mehr als fragwürdig, aber es gibt eben auch noch ein Schloss voller Geheimnisse und die bezaubernde Ina Dusche, die aber nur die althergebrachte damsel in distress geben darf.

09.06.2021

Big Bad Rat (Thomas J. Churchill, 2020) 2,5/10

Mutierte Ratte macht Naturpark unsicher. Semi-professioneller Tierhorror-Trash. Mehr dazu:

Big Bad Rat

11.06.2021

Possessor (Brandon Cronenberg, 2020) 7,5/10

„Tasya Vos (Andrea Riseborough) ist eine Auftragskillerin der nahen Zukunft. Zur Erledigung ihrer Aufgabe wird ihr Geist über ein neues Verfahren in einen anderen Körper transferriert, dem Körper einer Person, die dem Opfer nahesteht. Nach Abschluss ihrer Aufgabe tötet sie sich, bzw. lässt den Körper der Person sich selbst töten. Ihr neuestes Ziel ist der Industriemagnat John Parse (Sean Bean), ihr Werkzeug sein ungeliebter Schwiegersohn Colin Tate (Christopher Abbott). Doch während des Aufenthalts in Colin vernebelt sich ihr Verstand zunehmend, sie kann die eigene Identität von der Colins kaum mehr auseinanderhalten…“

Der Name Cronenberg und der Body Horror scheinen untrennbar miteinander verbunden. Da ist es wenig verwunderlich, wenn der Sohnemann im Revier des Papas wildert und dabei genauso konsequent und abseits von Erwartungshaltungen agiert wie dieser. ANTIVIRAL fand ich gut, wenn auch nicht überragend. Rein atmosphärisch erinnert er mich wieder sehr an das Frühwerk des „Alten“.

Ästhetisch und auch erzählerisch macht Brandon Cronenberg keine Kompromisse. Kühle Bilder werden von unnachgiebig unangenehmen Klangteppichen unterlegt. Der Film gibt sich zurückhaltend im World Building, liefert aber immer genug Stoff, um die Fantasie auf Trab zu halten. Das lenkt dann auch lange geschickt davon ab, dass uns die Hauptfigur Tasya Vos merkwürdig fern bleibt, obwohl wir immer nah bei ihr sind. Das nimmt dem Finale dann leider auch fast komplett seine etwaige emotionale Wucht, zu klinisch, zu abstrakt und zu gewollt wirkt das Ganze. Seine höchsten Ausschläge verzeichnet der Film in seinen herben Gewaltausbrüchen. Das ist ein wenig schade.

Performance (Donald Cammell/Nicolas Roeg, 1970) 8/10

Sex, Gewalt und Mick Jagger. Gangster James Fox muss abtauchen und findet Zuflucht bei einem abgehalfterten Rockstar und seiner Frau (Jagger und Anita Pallenberg). Beeindruckendes experimentelles Krimi-Drama von Nicholas Roeg und Donald Cammell.

12.06.2021

Basic Instinct (Paul Verhoeven, 1992) 8/10

„Det. Nick Curran (Michael Douglas) untersucht den Mord an einem Rockstar mittels eines Eispickels. Die Ermittlungen führen ihn zur undurchsichtigen Catherine Tramell (Sharon Stone). Schon bald fängt er eine Affäre mit der Verdächtigen an…“

Teils grandioser Noir-Krimi, toll gefilmt und mit Darstellern in Höchstform.

Die Spur führt nach Soho (Sam Wannamaker, 1969) 6/10

„US-Agent Peter Novak (Yul Brynner) und Scotland-Yard-Mann Arthur Thompson (Edward Woodward) werden in London in einen international agierenden Falschgeldring eingeschleust, wo sie auf eine gut organisierte Bande stoßen. Doch nach einem Zwischenfall verbleibt Thompson in der Organisation, währen Novak eigene Wege einschlägt und beim einflussreichen Harrison, genannt „Eule“, (Charles Gray) vorstellig wird…“

Hat eine interessante Grundidee, die er nur teilweise gewinnbringend umsetzt. Außerdem verschleppt der Film immer wieder das Tempo, was die Spannung erheblich drückt. Dazu gesellen sich einige unglaubwürdige Momente, die der Film nicht einmal zu kaschieren sucht.

Dark City (Alex Proyas, 1998) 6/10

„John Murdock (Rufus Sewell) erwacht ohne Gedächtnis in der Badewanne eines Hotelzimmers. Er bekommt einen Anruf von einem Arzt namens Dr. Schreber (Kiefer Sutherland), der ihn warnt; er werde von mysteriösen Wesen gejagt, außerdem habe er eine Frau namens Emma (Jennifer Connelly). Und tatsächlich bemerkt John merkwürdige dunkle Gestalten, die ihn verfolgen. Nach einem Telefonat mit Emma, macht diese sich auf die Suche nach ihm. Und Inspector Bumstead (William Hurt) glaubt, in John einen grausamen Serienmörder, der seit Wochen die düstere Stadt unsicher macht, gefunden zu haben…“

Nach nicht einmal der Hälfte des Film liegt eigentlich alles offen vor einem: die Menschen werden gefangen gehalten, ihre Erinnerungen manipuliert, die Ergebnisse der verschiedenen Versuchsanordnungen von Außen ausgewertet… und Rufus Sewell scheint inzwischen immun gegen ihre Behandlung zu sein und ähnliche Kräfte zu entwickeln wie die geheimnisvollen menschenähnlichen Wesen. Es ist klar wie Kloßbrühe, dass dies nur ein großes Gehege ist, am Ende ist die Tatsache, wo dieses steht, und sogar letztlich auch, was das Begehr dieser Wesen ist, relativ egal, da die Narrative um wenige Menschen kreist, während „sie“, mal abgesehen von einigen optischen Unterschieden, austauschbar und unnahbar, weil fremd bleiben. Aber solch eine Konstellation kann eben nur spannend sein und bleiben, wenn der Kontrast sichtbar bleibt, doch hier gibt es nicht etwa Licht gegen Schatten abzuwägen, sondern unterschiedliche Arten von Existenz, von der wir nur unsere kennen und die andere eigentlich nicht kennenlernen. Das mag sogar realistisch erscheinen, da dies auch eine gescheiterte Form der Kommunikation (zwischen sich vollkommen fremden Wesen) voraussetzt. Demgegenüber steht aber das versöhnliche und auf eine romantische Ebene heruntergebrochene Ende des Films, das sich bemüht, das Hinübergleiten des Daseins in einen (weiteren) fortlaufenden Traum darzustellen, aber genau wegen seiner Offensichtlichkeit nochmals scheitert. Die große künstlerische und erzählerische Ambition kann die Inhaltlosigkeit der sich selbst hinterherjagenden und zusehends redundanten Handlung nicht übertünchen, selbst das tolle Set Design und die interessante Umsetzung des Noir-Krimi-Melodrams laufen sich darin tot (letzteres sicherlich sogar beabsichtigt, weil es eben nicht real ist, aber leider auch lange nicht mehr spannend).

Dies wird vor allem durch das Protagonisten-Pärchen deutlich. Rufus Sewell und Jennifer Connelly haben sich anfangs psychisch voneinander entfernt; er hat sie vergessen (jedenfalls im Sinne der Geschichte), sie hat ihn betrogen (was auch eine Entfremdung voraussetzt). Im Laufe der Handlung scheint er sich auf der Suche nach sich selbst immer mehr Gewahr zu werden, wer sie ist und was sie ihm bedeutet (allerdings nur im Rahmen der von ihm akzeptierten Realität). Auch in ihr entflammen die Ereignisse alte Gefühle. Dennoch bleiben seine Gefühle, die er sich zum Ende eingesteht, immer behauptet. Es gibt keinen Aha-Moment, der ihn wieder für diese Liebe einnimmt. Und so gibt es eigentlich am Ende kaum Grund dafür, daran festzuhalten, oder irgendeinem romantischen Gefühl nachzugeben.

Ziemlich platt auch die Aussage am Ende, dass man das, was den Menschen ausmacht, nicht im Dunkeln, sondern im Licht suchen muss. Das alles zusammen, gerade nach dem Finale, das von einer oberflächlichen Materialschlacht geprägt wurde, berauben dem Film auch die letzte stilistische Erhabenheit, jeglichen antiklimatischen Backlash (der möglich gewesen wäre, als eben nur das eintrat, was man sich schon längst gedacht hatte), und auch die letzte Begeisterung für den Taschenspielertrick, den die Handlung eigentlich darstellt.

Invasion of the Neptune Men (Koji Ota, 1961) 4/10

Der Astronom Tachibana (Sonny Chiba) muss als Superheld Iron Sharpe die Erde gegen außerirdische Invasoren verteidigen. Naiver Tokusatsu-Streifen mit einem jungen Chiba. Eher lahm.

13.06.2021

Sister Street Fighter: Fifth Level Fist (Shigehiro Ozawa, 1976) 6/10

Eigentlich keine richtige Fortsetzung. Etsuko Shihomi ist Kiku, deren beste Freundin durch ihren Halbbruder ins Visier einer Bande von Drogenschmugglern gerät. Ein eher leichter Spaß, kein Klamauk, aber auch keine ausschweifenden Brutalitäten.

Hölle vor dem Tod (Alfo Caltabiano, 1968) 7/10

„Artista Norton (Ljuba Tadic) kehrt nach Kanada zurück. Er soll eine Dame identifizieren. Die hatte mit Gold zu tun, das auf dem Weg von England nach Kanada abhanden gekommen ist. Er sucht einen alten Bekannten, dem „Alten“, auf, der ihn weiterempfiehlt. Frank „Fünf Finger“ Cline (Alfio Caltabiano) heuert ihn an, um Gold zu bergen. Doch auch Gangsterboss Torio, genannt „Der Heilige“ (Rade Markovic), will das Gold haben… “

Optisch etwas unspektakulär, da Jugoslawien hier Kanada doubeln musste, weswegen es keine markanten Merkmale von Land und Leute zu sehen gibt. Die Action ist dafür ordentlich, es gibt Schießereien, Folter und Verfolgungsjagden. Ein bisschen spannender hätte er aber schon sein dürfen.

Produziert hat Salvatore Argento, am Drehbuch war Sohnemann Dario beteiligt.

14.06.2021

Get Carter (Mike Hodges, 1971) 8/10

„Carter (Michael Caine) kommt aus London in seine alte Heimat Newcastle, um den Tod seines Bruders zu untersuchen. Dabei wirbelt er viel Staub in der Unterwelt auf…“

Michael Caine war damals Mr. Cool, so kaltschnäuzig war keiner. GET CARTER zählt zu Recht zu den großen Gangsterfilm-Klassikern der 70er, Mike Hodges Inszenierung ist fettfrei, wahrt immer die richtige Balance zwischen Carters ruhigen, aber bestimmten Ermittlungen, seiner einschüchternden Art, Beteiligte zu fragen, und den abrupten und schmerzhaften Gewaltausbrüchen.

Repo Men (Miguel Sapochnick, 2010) 5/10

SF-Actionthriller als zynische Satire auf das Gesundheitssystem der USA. Jude Law und Forest Whitaker treiben unbezahlte Ersatzorgane ein. Doch gerät Law nach einem Herzanfall und Implantat selbst in die Mühlen des Systems. Klingt sehr nach Holzhammer, aber das World Building ist stimmig, der Cast gut. Ab der Hälfte weiß der Film irgendwie nicht mehr viel mit sich anzufangen. Da kann auch der Twist am Schluss nichts retten, auch wenn der sehr nett war.

15.06.2021

Fist of the North Star (Toyoo Ashida, 1986) 8,5/10

„Ein verheerender Atomkrieg hat die Erde in eine überlebensfeindliche Ödnis verwandelt, die Vegetation wurde vollständig vernichtet. Die Überlebenden kämpfen um die verbliebenen Vorräte an Essen und Wasser. Der Kämpfer Ken durchstreift das Land auf der Suche nach seiner Liebsten Yuria. Diese wurde ihm einst von seinem ehemaligen Freund Shin geraubt. Als er ein kleines, stummes Mädchen und ihren großen Bruder vor brutalen Räubern rettet, glaubt das Mädchen in ihm den Retter der Menschheit zu erkennen. Denn Yuria gab ihr einst eine Tüte mit Samen, die Hoffnung auf einen neuen Morgen. Kurz darauf stößt der Kämpfer Rei hinzu, dessen Schwester Ari verschleppt wurde. Er weiß zu berichten, dass Shin immer noch das Reich des Nordens beherrscht. Aber eine größere Gefahr droht durch den Heerführer Raoh, den Eroberer. Der war einst Kens Bruder in Ausbildung und hat aus Missgunst ihren Meister getötet…“

Das Ödland in Fist of the North Star besteht aus vegetationsloser Steppe und kargen Felslandschaften, die Ruinen der Städte sind verlassen. Treks von fliehenden Menschen werden von brutalen Räubern überfallen und abgeschlachtet. Die vagabundierenden Banden bestehen aus riesenhaften Mutanten, die wie monströse Barbaren anmuten, und untereinander bekämpfen sie sich bis aufs Blut. An der Spitze der Hierarchie stehen übermenschliche Superkaratekas, deren Schlagtechnik soweit perfektioniert ist, dass sie nicht nur Knochen brechen, sondern Blutgefäße, innere Organe und sogar Köpfe zum Platzen bringen können.

Inmitten dieser trostlosen Hoffnungslosigkeit erscheint der einst schon tot geglaubte Ken. Dessen Odyssee durch das Land bringt die Kunde von Widerstand gegen das brutale Regime der Feldherren und Tyrannen mit sich. Die Suche nach Liebe wird zum Aufbegehren gegen Unterdrückung und Willkür. Entgegen seinen oberflächlichen Gewaltexzessen, transportiert Fist of the North Star ein humanistische Botschaft um Liebe, Hoffnung und auch Vergebung. Und gerade diese Ambivalenz zeichnet ihn zum vielleicht besten Endzeitfilm unter den Animes aus.

Under the Skin (Jonathan Glazer, 2013) 5/10

Scarlett Johansson fährt als außerirdische Sirene durch Schottland und sammelt alleinstehende Männer ein. Wortkarge und eher minimalistische SF. Hätte man mir gesagt, dass der damit beginnt, dass eine nackte Scarlett Johansson eine tote Frau entkleidet, hätte ich den wohl schon eher gesehen. Ich weiß, ich bin so berechenbar…

Na, die erste Hälfte fand ich ziemlich gut. Als es dann mit dem Selbstfindungstrip anfing, wurde es öde. Können die sich da nicht mal was neues einfallen lassen. Diese Selbstreflektion nervt einfach nur, das hat man schon tausendmal gesehen…

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