Dear Diary… on the watch: 19.-22.04.2021

19. April – Film im Film/Horror im Kino-Tag
Im Augenblick der Angst (R: Bigas Luna / Spanien/USA 1987) 8/10

Film-im-Film: Der Augenarzt John (Michael Lerner) wird von seiner Mutter (Zelda Rubinstein) in den Wahnsinn getrieben. Er hat es nun auf die Augen seiner Patienten abgesehen.
Die junge Patty (Talia Paul) befällt während der Vorstellung ein undefiniertes, aber ungutes Gefühl. Sie glaubt, dass etwas im Kinosaal nicht stimmt. Ihre Freundin Linda (Clara Pastor) schaut sich, ihr zuliebe, im Kino um, und tatsächlich scheint auch hier ein Killer umzugehen…

Feiner Horror-Thriller, der seine beiden Story-Ebenen dermaßen gut verwebt, dass man zwischenzeitlich schon gar nicht mehr weiß, in welcher davon man sich gerade befindet. Und das funktioniert tatsächlich sogar noch bei der zweiten, bei der dritten Sichtung. Luna ist es durch seine Inszenierung gelunge, diesen One-Trick-Pony-Effekt zu umgehen, indem er den Zuschauer technisch so geschickt einlullt, dass er sein Wissen um den Twist eben nicht im Gedächtnis hervorkramt (klappt wahrscheinlich auch nicht bei jedem).

Skinner… lebend gehäutet (R: Mark Herrier/Alan Ormsby / USA 1991) 6/10

Studentin Maggie (Jill Schoelen) bereitet mit Kommilitonen eine Filmfestival vor, wird im Vorfeld aber von Alpträumen geplagt. Als Höhepunkt ist ein experimenteller Psycho-Horrorfilm eingeplant, der für eine Reihe von Morden verantwortlich gewesen sein soll. Und tatsächlich mischt sich in der Nacht des Festivals ein Killer unter die Zuschauer und beginnt mit seinem blutigen Werk…

Der Komödien-Einschlag ist launig, jedenfalls bis man das Filmtheater nach dem zweiten Akt wieder verlässt und eine eher turbulente Mörderjagd im kurzen letzten Drittel beginnt. Das inszinierte 4D Horror Film Festival ist ein hübscher Einfall, und die Szenen und Morde im Kino sind gut gelungen. Im Endeffekt aber etwas zu zerfahren, um wirklich zu überzeugen.

Demons (R: Lamberto Bava / Italien 1985) 7/10

Im Berliner Metropol findet die Preview eines neuen Horrorfilms statt. Während der Vorstellung taucht ein Unbekannter mit Maske (Michele Soavi) auf, und plötzlich bricht die Hölle über die Besucher ein, sie werden von blutrünstigen Dämonen attackiert. Eine Gruppe Überlebender kann sich im Kinosaal verschanzen. Während man drinnen auf Hilfe wartet, fahren draußen vier Punks auf der Suche nach Spaß durch die Nacht. Doch auch in der Stadt scheint sich nun das Grauen auszubreiten…

Das Skript, an dem auch Produzent Dario Argenot beteiligt war, ist ziemlich fahrig, handlungstechnisch kann der Film kaum überzeugen, da die Geschichte mit den Punks irgendwie reingequetscher wird und auch nicht viel zu sagen hat. Aber mit anspruchsvollem Horror-Kino hat DEMONS auch nichts am Hut, vielmehr wollte man eindrucksvolles Gekröse abliefern, was auch gelungen ist. Die Masken und die Gore- und Splatter-Effekte sind teils grandios, hier hat das Team um Sergio Stivaletti ordentlich zu tun gehabt. Doch zwischen dem Gemetzel macht sich immer wieder und spürbar Leerlauf breit. Dafür darf man sich auf Michele Soavi als Bote des Todes, Bobby Rhodes als Pimp, Sängerin Bettina Ciampolini als burschikoses (aber ziemlich zeigefreudiges) Punkgirl und eine inzwischen erwachsene Nicoletta Elmi freuen. Insgesamt macht es aber eben den Eindruck, als wollten Argento und Bava den italienischen Horrorfilm (im doppelten Sinne) mit Gewalt in die 80er zerren. Immerhin sorgte der Name Argento damals noch dafür, dass Filme wie DEMONS 1+2, THE CHURCH und THE SECT mit noch halbwegs angemessenen Ressourcen ausgestattet wurden.

20. April
SHIVERS Film Festival 2021 Film 1
Zorn der Bestien – Jallikattu (R: Lijo Jose Pellissery / Indien 2019) 8,5/10

In einem abgelegenen Dorf einer christlichen Gemeinde in Indien befreit sich ein Bulle kurz vor seiner Tötung und Schlachtung. Das Tier verwüstet nicht nur Felder um das Dorf herum, sondern entfacht auch Streit unter den Männern des Dorfes, was lange keimende Konflikte zum Vorschein bringt. Als der verstoßene Kuttachan (Sabumon Abdusamad) gerufen wird, kommt es zu einem Wettstreit zwischen ihm und Antony (Antony Varghese), dem Sohn des Besitzers, die noch eine alte Rechnung offen haben…

Grimmige Groteske um Bigotterie und toxische Männlichkeit, die Regisseur Pellissery langsam, aber sicher immer weiter auf die Spitze treibt. Technisch ist der Film dabei eine Wucht. Das Sound-Design ist umwerfend und die Bilder von der nächtlichen Jagd im Wald sind einfach zum Niederknien schön. Demnächst mehr dazu.

Kopfjagd – Preis der Angst (R: Yves Boisset / Frankreich 1983) 8/10

In der nahen Zukunft ist die kontroverse TV-Show „Der Preis der Gefahr“, in der sich Teilnehmer von Killern jagen lassen, der große Renner. Doch Funktionär Antoine Chirex (Bruno Cremer), Showrunner Laurence Ballard (Marie-France Pisier) und Showmaster Frédéric Maillard (Michel Piccoli) sehen sich aber starkem Gegenwind ausgesetzt. François Jacquemard (Gérard Lanvin) kann sich auf ihren Wunsch im Auswahlverfahren als nächster Kandidat qualifizieren. Er schlägt sich gut, muss jedoch bald erkennen, dass das Spiel auf Leben und Tod durch die Hintermänner manipuliert wird…

Nach DAS MILLIONENSPIEL die zweite Verfilmung von Robert Sheckleys Kurzgeschichte „The Prize of Peril“, die offensichtlich Stephen King auch für seinen Roman „Running Man“ als Vorlage diente. Ostalgica veröffentlichte den Film als HD-Weltpremiere. Das Bild ist gut, knallige Farben wirken allerdings wie mit dem Filzstift aufgetragen.

Die Verfilmung von Yves Boisset hält sich, wie schon Tom Toelles DAS MILLIONESPIEL 13 Jahre zuvor, sehr eng an die Vorlage. Und es wirkt dabei immer noch genauso aktuell wie futuristisch, was auch wieder zeigt, wie weit Sheckley in den 50ern seiner Zeit voraus war. Gérard Lanvin passt gut in die Rolle, Piccoli ist ehedem über jeden Zweifel erhaben. Schön auch, dass man für die recht kleine Rolle als Programmchef Bruno Cremer besetzen konnte, so wirkt das Ganze noch wertiger. Filmisch verkneift sich Boisset allzu große Spielereien, was aber auch dafür sorgt, dass die Immersion von vermeintlicher dystopischer Realität, TV-Realität und „unserer“ (also der Früh-80er) Realität so gut gelingt. Nur das Ende kommt ein wenig hastig daher, ein kleiner Kritikpunkt angesichts dieses tollen Films.

Kaltes Blut (R: Jean-Claude Missiaen / Frankreich 1982) 7/10

Eines Abends verabschiedet Antoine (Gérard Lanvin) seine Freundin Carine (Véronique Jannot) auf dem Bahnhof. Sie will ihre Eltern besuchen. Auf der Zugfahrt wird Carine von drei schmierigen Typen bedrängt und angegangen, dann durch einen Schlag tödlich verletzt. Da die Polizei unter Inspektor Gagnon (Michel Constantin) unfähig scheint, die Täter zu ermitteln, nimmt Antoine die Sache schließlich selbst in die Hand…

Zweiter Film des Abends mit Gérard Lanvin, ein Revenge-Drama auf den Spuren des ersten DEATH WISH. Unter den bösen Buben befindet sich auch Dominique Pinon (DELICATESSEN, ALIEN – DIE WIEDERGEBURT).

Die Referenzen an DEATH WISH sind sogar unübersehbar, wenn Antoine sich auf dem Land eine Waffe besorgt und erst einmal Schießübungen macht. Dennoch wählt KALTES BLUT noch eher den Weg des Charakter-Drama als der Bronson-Klassiker. Auch wird Gérard Lanvin nicht zum Vigilanten, sondern ist auf seine Rache fixiert. Der Film ist dabei stark melancholisch gefärbt, in Rückblenden erleben wir mit ihm die Stationen der Beziehung zu Carine. Was den Ausgang betrifft, gibt sich KALTES BLUT sehr geerdet, sehr realistisch. Kein Klassiker, aber ein guter Film.

21. April
SHIVERS Film Festival Film 2
Vicious Fun (R: Cody Calahan / Kanada 2020) 8/10

Joel (Evan Marsh) ist ein typischer Nerd der 80er. Er schreibt Filmkritiken für ein Magazin und ist heimlich in seine Mitbewohnerin Sarah (Alexa Rose Steele) verknallt. Eines Abends verfolgt er ihr neuestes Date Bob (Ari Millen) in eine abgelegene Kneipe. Er verwickelt ihn in ein Gespräch und gibt sich die Kante, bis er sich zum Kotzen in den Lagerraum begibt und dort einschläft. Als er erwacht, ist die Kneipe abgesperrt. Einige zwielichtige Gestalten halten hier eine Selbsthilfegruppe ab und glauben, dass es sich bei Joel um das neue Gruppenmitglied Phil handelt. Er spielt mit, doch als dann Zachary (David Koechner), Hideo (Sean Beak), Mike (Robert Maillet), Fritz (Julian Richings) und Carrie (Amber Goldfarb) ihre Gesprächsrunde eröffnen, muss Joel entsetzt feststellen, dass er sich unter gemeingefährlichen Serienkillern befindet…

Holla, die Waldfee! Retro-Slasher im Gewand der 80er sind ja gerade richtig en vogué, und nach dem ersten Eindruck mit der rot-bläulichen Farbgebung und den Synthwave-Score könnte sich auch VICIOUS FUN hier einreihen, ohne sich großartig abzuheben. Doch weit gefehlt. Das Gewand der 80er-Jahre bereitet dem Film nur die Bühne für Slasher-Comedy-Sause, die derzeit ihresgleichen sucht. Im Endeffekt ist das Ambiente sogar ziemlich austauschbar, Calahan nutzt es für die Optik und Akkustik, er umgeht das Problem von Mobiltelefonen (was aber wohl auch sonst nicht das Problem des Films geworden wäre) und hat noch die Möglichkeit, einige Meta-Gags einfließen zu lassen (die aber auch sicherlich außerhalb der 80er funktioniert hätten). Sowieso begnügt sich das Drehbuch nicht damit, einfach fleißig Zitate zu liefern, eigentlich sind die Meta-Gags eher oberflächlicher Natur und quasi als Garnierung gedacht, es konzentriert sich vielmehr darauf, dem Namen des Films gerecht zu werden und einen 100-minütigen boshaften Spaß abzuliefern, der immer dann, wenn man denkt, dass dem Film vielleicht die Ideen ausgehen, schon die nächste Wendung parat hält. Dazu gesellen sich gute und sympathische Darsteller und auch einige derbe blutige und, vor allem, handgemachte Effekte. VICIOUS FUN ist ein Full Package!

Kommissar X jagt die Roten Tiger (R: Harald Reinl / Deutschland/Italien 1971) 6/10

Jo Walker (Tony Kendall) und Tom Rowlands (Brad Harris) werden nach Pakistan geschickt, um dort mit Hilfe von Agentin Jacky (Gisela Hahn) und Superintendant Ali (Mohammed Ali) der Rauschgift-Band der „Roten Tiger“ das dreckige Handwerk zu legen…

Jetzt durfte also auch nochmal die österreichische Allzweckwaffe Harald Reinl Hand an Kommissar X anlegen. Aber auch er kann nicht verhindern, dass dieser Nachklapp zu Reihe etwas in die Beliebigkeit abrutscht, sowieso missfällt mir die nun eindeutig Comedy-lastige Ausrichtung, in der sich Kendall und Harris unentwegt anpflaumen, wenig zu. Nicht dass die deutsche Schnoddersynchro keinen Spaß macht, aber es ist einfach zu viel des Guten und erdrückt den kompletten Film, dessen Eurocrime-/Eurospy-Elemente deutlich in den Hintergrund treten. Nicht wirklich schlecht, aber der schwächste Film der Reihe.

Zombie Nightmare (R: Jack Bravman / Kanada 1987) 5,5/10

Ausführliche Besprechung: https://badmovies.de/reviews/zombie-nightmare

22. April
Resolution – Cabin of Death (R: Justin Benson & Aaron Moorehead / USA 2012) 7/10

Michael (Peter Cilella) fährt zu seinem alten Kumpel Chris (Vinny Curran), der drogensüchtig in einer Hütte im Wald vor sich hin vegetiert. Er ist fest entschlossen, Chris zu einem kalten Entzug zu zwingen, und kettet ihn mit Handschellen an. Doch der abseits gelegene Ort ist nicht so ruhig wie erhofft. Junkie-Kollegen, Sekten-Anhänger und Indianer sind dabei nur die weltlichen Ablenkungen, die den beiden die Ruhe zu nehmen drohen. Mysteriöse Videos, alte Leihbücher und kryptische Nachrichten lassen bald auch Michael an seinem Verstand zweifeln…

Hab mich lange drum rumgewunden, obwohl ich die DVD schon lange zu Hause hatte. Hat mir aber gut gefallen, ich mag ja solche unausgesprochenen Mysterien, und der Film erzeugt dahingehend eine wirklich schön unheimliche Stimmung. Ach ja, die deutsche Tonspur ist leider komplett unbrauchbar.

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