Dear Diary… on the watch: 12.-14.03.2021

In dieser Rubrik hatte ich ja schon seit einiger Zeit nichts mehr geschrieben. Ich werde jetzt versuchen, das möglichst tagesaktuell zu halten. Ab heute gibt es also wieder das Filmtagebuch, mal mehr, mal weniger ausführlich.

Freitag, 12.03.2021

Asura: The City of Madness (Kim Sung-soo)

Der korrupte Cop Han (Jung Woo-sung) macht die Drecksarbeit für den größenwahnsinnigen Bürgermeister Park (Hwang Jung-min). Doch als der Staatsanwalt Kim (Kwak Do-won) belastendes Material in Zusammenhang mit einem Polizistenmord hervorkramt, wird Han gezwungen, als Spitzel für ihn zu arbeiten. Doch schon bald kommen auch Park Zweifel an Hans Loyalität, und der Cop gerät in einen Strudel aus Verrat und Gewalt…

Dreckiger Thriller um Korruption und Machtmissbrauch, der sein Thema mehr als Aufhänger für eine comiceske Inszenierung und theatralische Dialoge nimmt. Das ganze Ding ist durch und durch getränkt mit Dreck und Blut, ein flirrender Großstadt-Alptraum um einen Polizisten, der an einen größenwahnsinnigen Politiker gekettet ist, aber zwangsweise die Seiten wechseln muss, weswegen er immer wieder Prügel von beiden Seiten bezieht.
Regisseur Kim Sung-su referenziert in den Methoden des ermittelnden Staatsanwalts und der Rückverfolgung der Hierarchie des Verbrechens bis in die höchsten Ämter (und auch durch die wiederholte Verwendung von Tom Waits „Way Down in the Hole“) zwar der Kultserie THE WIRE, zeigt aber nie Interesse an einer ernsthaften Auseinandersetzung von Macht und Abhängig oder einem gesellschaftskritischen Polit-Thriller, sondern würzt sein Gewalt-Drama stellenweise noch mit tiefschwarzem Humor (ja, ich musste ein paar Mal dreckig lachen).
ASURA ist düsteres, nihilistisches Noir-Kino mit einer schwerst gewalttätigen Ader, in dem sich die Platzhirsche anderthalb Stunden lang Drohgebärden kläffend begegnen, bis sich alles im großen Finale (das leider etwas zu lang und geschwätzig geraten ist) entlädt. Die Darsteller, allen voran Hwang Jung-min Jung Woo-sung, drehen voll auf und lassen mal richtig die Sau raus. Ist wohl nicht für jedermann, mir hat’s gefallen. 7,5/10

Deliver Us From Evil (Hong Won-chan)

Der Killer In-nam (Hwang Jung-min) muss nach dem Mord an einem Yakuzaboss untertauchen. Kurz darauf erfährt er, dass eine Ex-Geliebte in Thailand getötet wurde und er wohl Vater einer Tochter ist, die von Organhändlern entführt wurde. Mit der Hilfe des Transsexuellen Yoo-Yi (Park Jung-min) spürt er den Entführern nach. Doch das wirbelt einiges an Staub auf, und schon bald hat er die korrupte Polizei und einen Auftragskiller der Yakuza (Lee Jung-jae) auf den Fersen…

Okay, da waren meine Erwartungen aufgrund der unheimlich hohen Bewertung in der OFDb etwas zu hoch angesetzt. Das ist ein stylisher Action-Thriller mit ausgedehntem Drama-Part, der leider nicht so gut funktioniert wie die drei großen, sehr slick gefilmten Action Set Pieces. In-nam ist einfach ein leeres Blatt, dass während der Sucher nach seiner Tochter leider auch nicht großartig beschrieben wird; man bekommt einfach keinen Draht zu ihm, seiner Gefühlssituation. Eine undankbare Rolle für Hwang Jung-min, den ich gerade in ASURA noch so toll fand, auch wenn seine Wandlungsfähigkeit bewundernswert ist. Der Film ist nicht langweilig, aber er packt einfach nicht, was ihm dann auch einen großen Teil seiner potenziellen Wucht nimmt, die man hätte erreichen können, würde wirklich eine Brücke zum Hitman oder der Tochter geschlagen werden können. 5,5/10

Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast (Jim Gillespie)

Vier Teenager (Jennifer Love Hewitt, Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr, Ryan Phillippe) überfahren nach dem Ball einen Mann. Ein Jahr später erhalten alle seltsame Botschaften und ein unheimlicher Mann mit Hakenhand hat es auf sie abgesehen…

Wirklich sehr zahmer Teen-Slasher, der vor allem von seinen Jungstars lebt (wohl auch der Grund für seinen Erfolg), was mir im Endeffekt dann doch etwas zu wenig ist, auch wenn ich Love Hewitt und vor allem Sarah Michelle Gellar äußerst schnuckelig finde. Davon ab ist der nicht mehr als solide. Das Beste am Film ist das Wiedersehen nach einem Jahr, wobei alle von ihnen feststellen müssen, dass das Leben nach der High School nicht so gelaufen ist, wie sie es sich ausgemalt haben. Das ist irgendwie schon ziemlich sympathisch, aber der Film macht nicht wirklich viel daraus. 5/10

Samstag, 13.03.2021

The Undertaker (Franko Steffanino)

Onkel Roscoe (Joe Spinell) betreibt ein florierendes Bestattungsunternehmen und geht nebenher seinem Hobby nach: dem Mord an jungen Frauen und der Schändung ihrer toten Körper. Doch als sein Neffe Nick ihm auf die Schliche zu kommen droht, eskaliert der eiskalte Psychopath und die Leichen türmen sich in seinem Labor…

Spinell ist, wie immer, ein Wucht, gibt den Bestatter als Serienmörder zum Ende hin komplett durchgeknallt. Allerdings hat dieser Film diese Performance eigentlich gar nicht verdient. Alle anderen Darsteller sind dagegen teils unsägliche Stümper, das Drehbuch wirkt, als hätte es Lochfraß und die Mordszenen sind meist nicht der Rede wert. Dazu merkt man nur allzu deutlich, dass der Film wohl nie ganz fertiggestellt wurde, denn die Sprünge in der Handlung sind unübersehbar, auch wird Spinell in manchen Szenen gedoubelt. Summa summarum ergibt das aber ein Trashfest erster Güte, ein Lacher jagt den nächsten, dazu gibt es tatsächlich richtig stimmungsvolle Musik und eine deutsche Synchro, die dem Trash, dem man hier beiwohnt, gut Rechnung trägt. 7/10 (objektiv 3/10)

Death Code: Ninja (Tommy Cheung)

Der Gangster Louis (Mike Abbott) verkauft die Pläne der asiatischen Verteidigung an den amerikanischen Agenten Henry, schickt ihm dann aber seine Ninjas hinterher, um die Pläne zurückzuholen. Während seine Kollegen getötet werden, kann Henry entkommen. Aber seine Verbindungsoffiziere werden von einem Killerpärchen hinterrücks ermordet. Das Pärchen will sich danach zur Ruhe setzen, denn Nachwuchs ist auf dem Weg. Doch der werdende Papa landet hinter Gittern. Als er wieder raus kommt, will er mit seiner Familie ein neues Leben beginnen. Wenn nur die Sache mit den Verteidigungsplänen nicht gewesen wäre…

Filmark-Ninjastreifen haben ja immer einen großen Anteil an Ninja-Action, die in den Ausgangsstreifen geschnippelt werden, da macht auch DEATH CODE: NINJA keine Ausnahme. Dazu gibt es auch noch Mike Abbott zu bewundern, den Schnäuzer des Todes! Der verhackstückte Original-Film THE IMPRISONED behandelt ein Pärchen von Ex-Gangstern, die sauber bleiben wollen. Doch natürlich wollen das ihre ehemaligen Partner nicht und entführen den kleinen Sohn (der dann wohl auch in Geiselhaft stirbt). Für Action ist auch hier gesorgt, und die Verbindung zur neuen Rahmenhandlung um militärische Pläne und nichts anderes als das Schicksal der Welt ist richtig schön beknackt. Doch so richtig will hier der Funke nicht überspringen und ich hab mich immer wieder mehr auf die Einschübe der crazy Rahmenhandlung mit seiner Durchschnitts-Billo-Action gefreut. Insgesamt also nicht der ganz große Wurf, aber sicherlich nicht langweilig. 6/10

Kriminal (Umberto Lenzi)

Der Hinrichtung entronnen, nutzt Superverbrecher Kriminal (Glenn Saxson) seinen London-Aufenthalt, um die königlichen Kronjuwelen zu stehlen. Sein Widersacher Inspektor Milton (Andrea Bosic) nimmt die Sache, spätestens nach einem Mordanschlag des Schurken, persönlich und jagt ihn durch ganz Europa…

Glenn Saxson bleibt als Superverbrecher KRIMINAL leider etwas blass, sowieso ist es schade, dass er seine echt sehr coole Verkleidung (nach Art eines Skeletts) nur dreimal überwirft. Der Film leidet, wie auch etwa Bavas DANGER: DIABOLIK, darunter, dass man hier niemanden zum Mitfiebern hat. Der Titelheld ist ein skrupelloser Widerling, der einen Schlag bei den Frauen hat, die er aber auch ohne mit der Wimper zu zucken über die Klinge springen lässt. Auch auf Seite seiner Verfolger sieht es nicht besser aus, der ihn verfolgende Milton ist ein steifer Brite, dem man kaum die Daumen drücken mag. Zumindest ist die ganze Chose recht flott inszeniert, wenn auch mit Schauwerten gespart wird. Aber so wird die Jagd durch Europa, von London bis in die Türkei, nie wirklich langweilig. 6/10

Die weiße Spinne (Harald Reinl)

Der Mann von Muriel (Karin Dor) stirbt bei einem Autounfall. Da sich die Umstände nicht klären lassen und die Leiche bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist, verweigert die Versicherung die Auszahlung der Lebensversicherung, sie gerät gar ins Visier der Polizei. Die Ermittlungen übernimmt der mysteriöse Inspektor Hubbard aus Schottland, der einem Mörder-Ring auf der Spur ist. Muriel arbeitet unterdessen bei einer wohltätigen Organisation, die sich der Resozialisierung von Ex-Häftlingen verpflichtet hat, wo sie nicht nur an gefährliche Gangster wie Kiddie (Horst Frank) gerät, sondern auch an den charmanten Heiratsschwindler Ralph (Joachim Fuchsberger)…

Wirklich feiner Mystery-Krimi, der sich atmosphärisch und erzählerisch nahe bei den erfolgreichen Wallace-Vorbildern aufhält. Zwar weiß man beim Anblick von Joachim Fuchsberger eigentlich schon automatisch, dass er der Held des Films sein wird (auch seine wahre Identität ist nicht schwer zu erraten), und auch der Bösewicht ist schnell ausgemacht, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Dazu darf man sich auch auf jede Menge bekannte Gesichter freuen, die Damsel in Distress gibt mal wieder Karin Dor, in weiteren Rollen sind Dieter Eppler, Chris Howland und Werner Peters zu sehen. Gesondert sei auch die Rolle von Horst Frank als fieser Gangster erwähnt, der ist wirklich toll. So kann DIE WEISSE SPINNE zwar nicht mit den besten Wallace-Filmen mithalten, aber doch Fans solcher Krimis bestens unterhalten. 7/10

Sonntag, 14.03.2021

Mord in Perfektion (Giuseppe Rosati)

Nach dem Tod eines Vorstandsvorsitzenden buhlen drei potenzielle Nachfolger um den vakanten Posten. Einer davon, der junge Paul (Leonard Mann), stirbt bei einem Autounfall. Doch sein Onkel, Superintendant Hawks (Anthony Steel), geht der Sache nach. Und tatsächlich soll dies nicht der letzte Tote gewesen sein…

Nicht schlecht, wirkt aber seltsam unentschlossen. Er gibt sich schon die Mühe, möglichst british zu wirken, und zieht die Sache auch als ziemlich klassisches Murder Mystery auf. Aber dann gönnt er sich regelmäßig Ausflüge in den Eurocrime mit lässiger Mukke und Panorama-Shots. Mit Gloria Guida hält dann auch immer mal wieder der Sleaze Einzug und zum Ende hin gibt es auch einige POV-Shots (mit schwarzen Handschuhen) wie im Giallo. 6/10

Ich weiß noch immer, was Du letzten Sommer getan hast (Danny Cannon)

Julie (Jennifer Love Hewitt) hat die Ereignisse des letzten Sommers immer noch nicht verwunden. Ihre Fernbeziehung mit Ray (Freddie Prinze Jr.) läuft auch nicht richtig gut, so dass sie das Angebot ihrer Freundin Karla (Brandy) gerne annimmt, mit ihr, ihrem Freund Tyrell (Mekhi Phifer) und Will (Matthew Settle) eine Reise auf die Bahamas anzutreten, die sie gewonnen hat. Dort erwarten sie nicht nur ein mürrischer Hotelmanager (Jeffrey Combs), ein kiffender Poolreiniger (Jack Black) und ein geheimnisvoller Concierge (Bill Cobbs), sondern auch der Hakenmann…

Der ist ziemlich deppert konstruiert, Brandy kann schon mal nerven, Mekhi Phifer auch und Jack Black erst recht, und Jeffrey Combs hat viel zu wenig Screentime, aber das Setting ist stimmungsvoll (auch wenn man mehr draus hätte machen können), die Morde weit blutiger als im Erstling, was heute im Endeffekt schon reichte, um mich halbwegs bei der Stange zu halten. Das ist halt ein doofer Slasher-Trasher, trotz schätzungsweise vierfachen Budgets weit weniger auf Hochglanz getrimmt als der Vorgänger, aber gerade, weil er so doof ist, macht er, zumindest im letzten Drittel, schon mehr Spaß als eben der. 5,5/10

L.A. Confidential (Curtis Hanson)

Der junge, aufstrebende Polizist Ed Exley (Guy Pearce) macht sich in seinem Revier in Los Angeles keine Freunde, als er nach einem Skandal um eine Schlägerei mit Gefangenen zusammen mit Glamour-Cop Jack Vincennes (Kevin Spacey) einige Kollegen ans Messer liefert und befördert wird. Gerade der bullige Bud White (Russell Crowe) würde ihn nur zu gerne aus dem Anzug prügeln. Als ein Massaker in einem Diner einen Polizisten und mehreren Gangstern das Leben kostet, will Abteilungsleiter Dudley Smith (James Cromwell) dies einigen jungen Afro-Amerikanern anhängen. Während Bud, der zwischenzeitlich mit der Prostituierten Lynn Bracken (Kim Basinger) angebandelt hat, unter Smiths Fuchtel steht, stellt Exley mit Vincennes eigene Nachforschungen an…

Wunderschöner, grandios besetzter Neo-Noir, der dem alten Hollywood huldigt und auch sonst den Geist der schwarzen Serie atmet, auch wenn das hier natürlich noch eine Spur glamouröser und prolliger zelebriert wird. Trotzdem finde ich, dass man das Prinzip solcher Hard-Boiled-Krimis sehr gut in das pompöse Hochglanz-Hollywood der 90er transportiert hat. 8,5/10

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