Obscure Shit No. 48: RICA 2 – LONELY WANDERER

Wer einem Trend folgt, hat meist nicht vor, durch Unikate zu glänzen, ich verspreche auf diesem Blog ja auch durch die eigene Sparte Asia Snacks ja auch eine Reihe von Filmvorstellungen aus diesem Bereich. So verwundert es nicht, dass Toho nach dem verhaltenen Erfolg von RICA gleich mal einen Film (oder wie ich spekuliere, gleich beide Sequels) nachgeordert hat.

Rica 2: Lonely Wanderer (OT: Konketsuji Rika: Hitoriyuku sasuraitabi /R: Kô Nakahira / Japan, 1973)

Am Ende des ersten Films war unserer jungen Heldin nicht wirklich ein Happy End vergönnt und sie verabschiedete sich vom Zuschauer als Gejagte, die Polizei hing ihr dicht auf den Fersen. Am Anfang ihres Abenteuers befindet sie sich auf der Flucht, hält sich mit einigen Leidensgenossinnen nicht nur vor der Polizei, sondern auch den Häschern des Menschenhändler-Syndikats, dem sie mit der Zerschlagung ihrer einträglichen Route Japan-Vietnam erheblichen Schaden zugefügt hat. Und es dauert auch nicht lange, da mischt ein Killer die Mädchen auf. Doch er scheitert abermals an Rica, die ihn in seine eigene Klinge laufen lässt und einen weiteren vor einen fahrenden Zug wirft. Danach besteigt sie selber einen solchen, um sich abzusetzen und nach ihrer Freundin Hanako zu suchen, die in einem kleinen Ort an der Küste eine Anstellung als Sängerin und Hostess gefunden hat.

Als sie dort ankommt, muss sie entsetzt feststellen, dass Hamiko inzwischen in der Psychiatrie untergebracht ist, weil sie anscheinend den Verstand verloren hat. Der Grund dafür soll ein traumatisches Erlebnis beim Untergang eines Vergnügungsdampfers gewesen sein, zu dessen wenigen Überlebenden sie zählte. Rica gibt mal wieder ihrem detektivischen Drang nach und beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Im Club, in dem auch Hanako arbeitete, findet sie eine Anstellung als Tänzerin und Sängerin. Doch ihre Nachforschungen verlaufen häufig ins Leere, da jeder Überlebende des Unglücks, mit dem sie spricht, ihre Fragen nicht beantworten will und kurz darauf für immer schweigt. Auch die Polizei fühl ihr wiederholt auf den Zahn und scheint nicht bemüht, die Todesfälle aufzuklären. Tatsächlich sticht die junge, aber schlagkräftige Amateurdetektivin in ein Wespennest, denn im Hintergrund ziehen der örtliche Gangsterboss und eine geschäftlich an ihn gebundene Unternehmenserbin die Strippen. Und sie beide möchten die Schnüfflerin möglichst schnell aus dem Weg haben…

Nach dem brachial-lustigen Erstling erweist sich diese Fortsetzung leider als Rückschritt in nahezu allen Belangen. Mit der Ankunft im Küstenort nach knapp 10 Filmminuten drosselt Regisseur Nakahira das Tempo empfindlich. Die sich entspinnende Kriminalgeschichte ist an sich nicht uninteressant, auch weil die schlussendliche Auflösung tatsächlich bis ganz ans Ende hinausgezögert wird, doch wirklich zwingend erscheint Ricas Detektivarbeit nie. Immer, wenn man sich zusammen mit der Protagonistin Antworten erhofft, wird ihr ein Riegel vorgeschoben und auf die Drahtzieher am Rande umgeblendet, aus deren Dialogen zumindest wir Erkenntnis über verdächtige Vorgänge und Hintergründe erhalten. Richtig Spannung will da einfach nicht aufkommen.

Die Pinky Violence-Fraktion wird von RICA 2: LONELY WANDERER leider auch immer wieder am langen Arm verhungern gelassen, denn die Action ist rar gesät und zumeist eher unblutig. Das Titelthema des Films, das zu den Actionsequenzen eingespielt wird, ist seltsam fröhlich und nimmt auch den wenigen Gewaltakten des Films meist die Wucht. Sowieso schleicht sich stellenweise ein befremdlich humoriger Unterton ein (was in Teil 3 leider noch weiter ausgebaut wurde), der aber selten richtig zündet: eine der gelungensten Szenen zeigt eine versuchte Vergewaltigung an Rica und der Starsängerin des Clubs durch einige Amerikaner; während sich Rica wehrhaft zeigt, scheint es so, als lasse die Sängerin die Sache geschehen, bis die verdutzten Vergewaltiger in spe feststellen, dass ihr Opfer auch ein Gehänge zwischen den Beinen hat und panisch die Flucht ergreifen, während die Übergegriffene sich scheckig lacht und die Angreifer noch verfolgt. Ach ja, die amerikanischen Besatzer werden hier jetzt durchgängig als miese Schufte dargestellt, RICA 2 lässt seinem Rassismus, hingegen zum Vorgänger, ungebremst freien Lauf (und auch das wird im nächsten Teil sogar noch sehr viel schlimmer).

Das hört sich jetzt alles nicht so sehr prickelnd an, ich weiß, dennoch muss ich zugeben, mit RICA 2: LONELY WANDERER dann doch noch meinen Spaß gehabt zu haben. Das liegt zum einen natürlich daran, dass ich Rika Aoki eben sehr mag, die Kleine ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Zum anderen funktioniert die Mischung aus Kriminalfilm und kruder Action hier rudimentär noch relativ gut, solange man eben keinen vor Blut und sexueller Gewalt triefenden Pinku-Streifen erwartet. Denn genau diese Elemente haben die Macher weitestgehend eingedampft (relativ unverständlicherweise, sollte doch die RICA-Reihe Tohos Einstieg in den trendigen Pinky Violence bilden), bedenklich ist vor allem der Trend, das Geschehen durch einen eher unpassenden Humor zu verharmlosen (wie gesagt, freut euch schon auf Teil 3).

Die DVD gibt es, wie bei Teil 1, sowohl einzeln oder als Trilogie-Box aus den USA und ist noch relativ leicht zu erwerben. Bild- und tontechnisch macht der Film sogar eine bessere Figur als der direkte Vorgänger, das ist ziemlich sauber, die Kompression smooth.

Eine grundsätzliche Empfehlung mag ich hier nicht aussprechen, mit den falschen Erwartungen wird der Film gewiss eine Enttäuschung darstellen. Wer, wie ich, Rika Aoki im ersten Film liebgewonnen hat, wird aber damit seine Freude haben, wenn auch wahrscheinlich nicht soviel wie im ersten Teil. Insgesamt und objektiv ist RICA 2: LONELY WANDERER als Nippon-Exploiter sicherlich mittelprächtig zu nennen, auch wenn die wenigen Stimmen auf den beiden großen Filmdatenbank eher mein Wohlwollen widerspiegeln.

OFDb 6.50/10 [12 Stimmen] / IMDb 6.20/10 [90 Stimmen]

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