Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 30 / 2020

Okay, eineinhalb Wochen Verspätung sind heftig, aber ich hatte noch einiges anderes zu tun. Und da ich in Zukunft weniger Zeit für das Filmtagebuch haben werde, muss ich mir angewöhnen, gleich nach der Sichtung ein paar Worte über die Filme zu hinterlassen, ansonsten hinke ich wieder unrettbar hinterher. Serienmäßig hab ich diese Woche nebenher GHOST IN THE SHELL – STAND ALONE COMPLEX beendet, die erste Staffel der Anime-Serie. Hat mich wieder angefixt, so dass ich mich über den Sommer noch durch weitere Teile des GINTS-Universums fräsen werde. Und dann hat es noch John Saxon erwischt…

20.07.20

HITMAN UNDEAD (Kaos, 2019) 2,5/10

Mark Dacascos fährt mit seiner Tochter durch die Zombie-Apokalypse und hat nur einen Tag Zeit, ihr ein paar lehrreiche Lektionen beizupuhlen und ein sicheres Heim zu verschaffen. Langweiliges Road-Movie.

Review auf Filmtoast.de

FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (Sergion Leone, 1965) 8,5/10

Remembering Morricone #10

Die Kopfgeldjäger Mortimer (Lee van Cleef) und Monco (Clint Eastwood) grasen als Konkurrenten die mexikanische Grenze nach flüchtigen Verbrechern ab. Doch als der berüchtigte El Indio (Gian Maria Volonté) von seinen Männern aus dem Gefängnis befreit wird, schließen sie sich zusammen, um das enorme Kopfgeld von 10.000 $ einzuheimsen. Monco schleicht sich in die Bande, doch er ahnt nicht, dass Mortimer noch eine persönliche Rechnung mit dem brutalen El Indio zu begleichen hat…

Hier haben wir schon ein Dreieck, wie es auch für den Abschluss, das Meisterwerk wichtig wird. Die Zwangsgemeinschaft aus Mortimer und Monco ist hier aber noch eher gleichberechtigt, wobei van Cleef eher die Rolle einnimmt, die Eastwood im nächsten inne hat. Dafür verfügt Gian Maria Volonté als El Indio über ziemlich viele Wesenszüge, die danach auf Eli Wallach übergehen. Die Story ist weitaus komplexer als noch im Vorgänger, der dafür ja gerade durch seine Straffheit, die hier ein wenig verloren geht, punkten konnten. Auch was ikonische Szenen betrifft, hat der erste Teil die Nase vorn. Insgesamt ist dies aber immer noch ein meisterhafter Western, über jeden Zweifel erhaben und ein Fest für Ohren und Augen. Die Besetzung ist super, neben den drei Stars glänzt vor allem Luigi Pistilli als rechte Hand des Bösewichts. Unter den Dollar-Western nur auf Platz 3 nimmt der Film darüber hinaus aber auch eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen den beiden Meisterwerken und als wichtige Station im Werden und Wirken Leones (und Morricones) ein.

ANGST ÜBER DER STADT (Henri Verneuil, 1975) 7/10

Remembering Morricone #11

Kommissar Letellier (Jean-Paul Belmondo) wird der Fall des Serienmörders Minos, der Paris derzeit in Angst und Schrecken versetzt, übertragen. Der schickt Polizei und Presse Briefe, in denen er sich nach und nach selbst demaskiert. Der hartnäckige Letellier würde trotzdem viel lieber nach dem Gangster Marcucci (Giovanni Cianfriglia) fahnden, der ihm nach einem Banküberfall entkommen ist…

Kein schlechter Film, aber ich werde mit dem einfach nicht warm. Denn Verneuil fordert seinen Star Belmondo eigentlich nur physisch, das Ergebnis sind atemberaubende Verfolgungsjagden und Stunts in schwindelerregender Höhe. Doch die Figur des Kommissar Letellier bleibt komisch unnahbar, nahezu profillos. Dass die Story zweigleisig fährt, finde ich vom Ansatz her sehr erfrischend. Aber leider weiß Verneuil dies nur wieder für eine, zugegebenermaßen spektakuläre, mehrminütige Verfolgungsjagd in der Mitte des Films zu nutzen. Auch der Krimi-Part an sich entpuppt sich als laues Lüftchen, die Beamten sind immer auf die Zuarbeit des narzisstischen Serienmörders Minos angewiesen. Und bei diesem angezettelten Katz-und-Maus-Spiel kommt einem noch die deutsche Synchro in die Quere, in der es niemals den Anschein hat, dass Minos versuchen würde, seine Stimme zu verstellen, weswegen man sich fragend den Kopf kratzt, warum Letellier ihn nicht gleich erkennt, als er ihm unwissentlich gegenüber steht. Aber angesichts der superb inszenierten Action Set Pieces ist das wieder Nörgeln auf relativ hohem Niveau, auch wenn der Film an straighte Highlights wie DER GREIFER oder DER PROFI nicht wirklich herankommt, an die Klassiker des Schauspielers Belmondo wie DER TEUFEL IN DER WEISSEN WESTE, AUSSER ATEM oder DAS GEHEIMNIS DER FALSCHEN BRAUT sowieso nicht.

21.07.20

DEATH SHIP (Alvin Rakoff, 1980) 4/10

Badmovies Doc Memorial Streaming Night

Ein Kreuzfahrtschiff wird in der Nacht von einem unheimlichen Geisterschiff gerammt. Die wenigen Überlebenden um den depressiven Kapitän Ashland (George Kennedy), der sich auf seiner letzten Kreuzfahrt befand, seinem Nachfolger Kapitän Marshall (Richard Crenna) und dem ersten Offizier Nick (Nick Mancuso) können sich kurz darauf auf das Geisterschiff retten. Schon kurz darauf müssen sie feststellen, dass das Schiff einen eigenen Willen hat und auch noch Deutsch spricht. Es entledigt sich des Entertainers Jackie (Saul Rubinek), lässt die anderen vorerst am Leben. Doch Ashland dreht schließlich durch und unterwirft sich dem blutdurstigen Nazi-Geisterschiff…

Öder Horrorschlonz, der ein polterndes Nazi-Geisterschiff auf Jagd nach Opfer schickt. Ich musste gleich an den ähnlich vermurksten DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN denken, der aber zumindest ein etwas stimmungsvollere Atmosphäre schaffen konnte, mit bösen Skeletten, viel Nebel und Folterinstrumenten. Es ist ja nicht so, dass ein altes verrostetes Schiff aus der ehemaligen Nazi-Kriegsmarine nicht das Potenzial für einen unheimlichen Ort haben könnte, aber reicht es nicht, deutsche Parolen durch die Lautsprecher zu jagen und die Kajüten mit Nazi-Devotionalien und die Lagerräume mit verwesten Leichen zu füllen. Wenn der Film wenigstens etwas Tempo machen würde oder ein wenig mehr an Splatter und Gore aufzubieten hätte (oder meinetwegen in irgendeiner Weise letztlich Sinn ergeben würde), irgendetwas, das für Unterhaltung sorgt, aber das war wohl zu viel verlangt. Es gibt eine Szene, in der Victoria Burgoyne in Blut duscht (tödliches Blut!), und gleich am Anfang stellt die Entsorgung von Saul Rubinek ein komisches Highlight dar, aber ansonsten muss man sich meist mit George Kennedy begnügen, der apathisch durch die Gegend schlurft. Und das ist für anderthalb Stunden eben viel zu wenig.

DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN (Ákos Ráthonyi, 1961) 5,5/10

Ein Frauenmörder, der bei seinen Opfern immer ein Strauß gelber Narzissen zurücklässt, beschäftigt Inspektor Whiteside (Walter Gotell) von Scotland Yard. Als der Sicherheitsinspektor Jack Tarling (Joachim Fuchsberger) in einer Ladung künstlicher Narzissen geschmuggeltes Heroin entdeckt und nur knapp einem Bombenanschlag entgeht, wird er dem Inspektor zur Seite gestellt. Seine Ermittlungen, die von seinem chinesischen Kollegen Ling Chu (Christopher Lee) unterstützt werden, führen ihn zu Geschäftsmann Lyne (Albert Lieven), an dessen Spedition die Narzissen transportieren sollte. Ein angeblich verschwundenes Telegramm rückt die Sekretärin Anne (Sabine Sesselmann) in den Fokus von Tarling. Eine weitere Spur führt in den Cosmos Club, wo auch Lynes Protegé Peter Keene (Klaus Kinksy) arbeitet und anscheinend auch Drogen gehandelt werden. Doch die Reihen der Verdächtigen und Zeugen lichten sich…

Joachim Fuchsberger und Klaus Kinski sind mal wieder eine Bank, auch mit Ingrid van Bergen, Albert Lieven und Peter Illing in der zweiten Reihe gut besetzt, besitzt der Film mit Christopher Lee als chinesischen Ermittler (und seine Maske passt hier weit besser als bei Fu Man-Chu) eine interessante Nebenfigur, die leider auch ein Teil des Problems bei diesem Wallace-Film darstellt. Die Geschichte besitzt alle nötigen Ingredienzien: ein Serienmörder, schöne Frauen, Drogenschmuggel und einige gute Wendungen. Doch er stopft das alles noch mit Nebenhandlungen voll, eine davon mit Lees Ling Chu, die den Film immer wieder ausbremsen, so dass er immer weiter zerfasert, weswegen es auch nicht zünden will, wenn die Fäden am Ende zusammen laufen. Da helfen auch nicht Ráthonys unbeholfenen Versuche, das ganze mit unmotivierten Kamera-Mätzchen hier und da aufzulockern. Der Interesse halber würde ich aber gerne mal die englische Version, ohne Fuchsberger und Kinski, sehen.

22.07.20

SPASMO (Umberto Lenzi, 1974) 6,5/10

Remembering Morricone #12

Christian (Robert Hoffmann) entdeckt beim nächtlichen Spaziergang mit seiner Freundin die bewustlose Barbara (Suzie Kendall), mit der er kurz darauf anbändelt. Sie ziehen sich zu einem Schäferstündchen zurück, da hört Christian verdächtige Geräusche aus seinem Bad. Er stellt dort einen Einbrecher und erschießt ihn nach einem Handgemenge. Doch schon kurz darauf sind Leiche und Tatwaffe verschwunden. Christian verfällt in Panik und flieht, Barbara im Schlepptau…

Anfangs ergibt in dem Film kaum etwas Sinn, es werden Fragen über Fragen aufgeworfen. Die deutsche Synchro trägt dazu auch noch ihren Teil bei. Wenn der Film dann ab der Hälfte endlich Fahrt aufnimmt, schert man sich sowieso nicht mehr um Logiklücken. Daneben ist der Film schön fotografiert und profitiert jederzeit von Morricones großartigen Score. Und wenn dann Ivan Rassimov auf den Plan tritt, wird es sogar noch richtig spannend. Stilistisch sehr reizvoll, bleibt der Film mit seinem verworrenen Drehbuch ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück.

DAS GESETZ IST DER TOD (J. Lee Thompson, 1988) 6,5/10

Die Frauen und Kinder des Mormonen Orville Beachum (Charles Dierkop) werden brutal massakriert, der Patriarch darauf in Schutzhaft gesteckt. Der Vorfall erregt die Aufmerksamkeit des Reporters Smith (Charles Bronson). Es sieht zuerst nach einem eskaliertem Streit zwischen Orville und seinem zu einer Sekte abgewanderten Vater Willis (Jeff Corey) aus. Doch von Willis wird er weiter zu seinem Bruder Zenas (John Ireland) geschickt, den er für den Antichristen hält. Mit der ortsansässigen Journalistin Jastra Watson (Trish Van Devere) sucht er Zenas auf, auf dessen Land ein großer Wasserlieferant ein Auge geworfen hat…

Bronson darf hier als Reporter etwas mehr Fingerspitzengefühl walten lassen, als in seinen vorangegangenen Filmen für Cannon allgemein üblich, und macht dabei gar keine so schlechte Figur. Thompson setzt dabei auch immer zu den richtigen Momenten Akzente mit kurzen, aber sehr effektiven Action-Szenen. Leider baut die Geschichte nie richtig Spannung auf und am Ende fügen sich die Teile des Thriller-Parts eher mäßig zusammen, so dass die Zuspitzung im Finale eher unspektakulär daherkommt.

23.07.20

DIE PERFEKTE ERPRESSUNG (Sergio Sollima, 1973) 9/10

Remembering Morricone #13

Anna (Agostina Belli), die junge Frau von Gefängnisdirektor Cipriani (Oliver Reed), wird entführt, er erpresst, den kleinen Gauner Milo (Fabio Testi) aus seinem Knast zu befreien. Widerwillig verhilft er Milo zur Flucht. Doch der erste Versuch eines Austauschs läuft schief, scheinbar war nie geplant, dass Cipriani und Anna wieder zusammenfinden. Gemeinsam mit Milo sucht der ehemalige Polizist nach den Drahtziehern…

Das ist wirklich ein hervorragender, intelligenter Thriller von Sollima, der darin thematisch an seinen meisterlichen Western DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE anschließt. Reed ist ein Tier, er war wohl auch die ganzen Dreharbeiten über stinkenvoll, Testis angsterfüllte Augen waren manches Mal deshalb wohl auch nicht gespielt. Das einzige, was man den Film ankreiden muss, am Ende breitet er sein Anliegen dann doch noch einmal im Gespräch zwischen Testi und Pitagora, parallel dazu auch noch zwischen Reed und Kolldehoff, explizit aus, als wenn Sollima Angst hätte, dass der Zuschauer sich nicht die Mühe machen würde, zwischen den Zeilen zu lesen (was heutzutage und, wer weiß, auch damals vielleicht nicht ganz unberechtigt wäre). Die deutsche Fassung ist ein wenig gestrafft, allerdings konnte ich die Kürzungen jetzt nicht ausmachen, der Film lässt sich auch mit 10 Minuten weniger gut weggucken. Allerdings ist die Synchro nicht immer auf den Punkt, ich würde die Englische in Zukunft vorziehen. Aber die hat es leider nicht auf den filmArt Release geschafft. Das ist allerdings nur ein kleiner Wermutstropfen, denn ansonsten ist die Blu-ray mal wieder erste Sahne.

DER TAG DER ABRECHNUNG (J. Lee Thompson, 1976) 7,5/10

Ray St. Ives (Charles Bronson) ist ein erfolgloser Autor mit Geldsorgen. Da kommt ihm der Auftrag des Millionärs Procane (John Houseman) gerade recht. Er soll 5 geheime Tagebücher für ihn auslösen, doch am vereinbarten Treffpunkt, einem Waschsalon, findet er nur eine Leiche vor. Die schöne Janet (Jacqueline Bisset) hält für Procane Kontakt mit St. Ives und übermittelt ihm die Daten für einen weiteren Austausch. Man versucht darauf, Ray auszurauben und sogar zu töten. Als er der Tagebücher, denen allerdings vier entscheidende Seiten fehlen, habhaft wird, erspäht er darin die Pläne für einen tollkühnen Coup und lässt sich von Procane und Janet einweihen…

Der hat mir gut gefallen. Der Plot lässt sich lange nicht in die Karten schauen, auch wenn sich das Ende dann doch den Genre-Konventionen ergibt. Dafür findet er die richtige Mischung zwischen gelegentlicher Action und geschicktem Spannungsaufbau. Bronson gibt hier nicht den steinharten Killer, aus den Schwierigkeiten, in die er immer wieder gerät, muss er sich richtiggehend rauswinden. Seine Figur leistet mehr Kopfarbeit, auch wenn man zugeben muss, dass die Figur das nicht immer wirklich hergibt. Neben Bronson gibt die Bisset natürlich auch eine gute Figur ab, irgendwo zwischen verführerisch, sachlich und biestig. Der weitere Cast ist ein Füllhorn freudiger Überraschungen; das fängt mit Maximillian Schell als Psychiater des Millionärs Procane an, die ermittelnden Beamten, die immer wieder über Ray stolpern, werden von Harry Guardino, Dana Elcar und Harry Yulin dargestellt, Val Besoglio gibt sich die Ehre, und als Punks, die über Ray herfallen, können wir Robert Englund und Jeff Goldblum bestaunen.
Letztlich merkt man schon, dass Ray St.Ives eigentlich eine Serienfigur einer Roman-Reihe ist, denn er ist einfach viel zu souverän, selbst als der Ritter der traurigen Gestalt, den er darstellen soll. Ich hätte mich nicht beschwert, wenn Bronson und auch Thompson später noch einmal zu der Reihe zurückgekehrt wären.

24.07.20

SONNO PROFONDO (Luciano Onetti, 2013) 5/10

Der erste Film der argentinischen Onetti-Brüder ist wie danach auch FRANCESCA eine Huldigung an den Giallo. Die Handlung ist fast immer aus der Ego-Perspektive des Killers zu sehen, dabei spielt er, mal mehr, mal weniger überzeugend, mit wiederkehrenden Motiven des Genre. Man merkt dem Film an, dass das Geld knapp war, und trotz einer Laufzeit von knapp 60 Minuten ist die Handlung dürftig, weswegen sich Längen einschleichen. Wenn man aber bedenkt, dass das meiste davon von Luciano Onetti relativ spontan improvisiert wurde, nötigt einen das schon Respekt ab und zeigt hier die Liebe zur Materie. Also eher was für Hardcore-Fans.

THE UNTOUCHABLES – DIE UNBESTECHLICHEN (Brian De Palma, 1987) 9/10

Remembering Morricone #14

Um den Machenschaften des Gangsters Al Capone (Robert De Niro) im Chicago des Jahres 1930 Einhalt zu gebieten, versammelt der idealistische Cop Elliott Ness (Kevin Costner) einige fähige wie zuverlässige Mitstreiter um sich. Den Anfang macht der bärbeißige Jim Malone (Sean Connery), dazu gesellen sich noch der junge Polizist Stone (Andy Garcia) und der Finanz-Experte Wallace (Charles Martin Smith). Als „Die Unbestechlichen“ räumen sie mit dem organisiertem Verbrechene auf…

Immer wieder toll. Zugleich harter Action-Krimi, prunkvolles Ausstattungskino und Ensemblefilm – Kevin Costner, Sean Connery, Robert De Niro, auch Billy Drago darf hier mal glänzen. Die Musik Morricones thront hier immer imposant über dem (teils comicesk verzerrtem) Geschehen.

25.07.20

DIE VERFLUCHTEN (Roger Corman, 1960) 8,5/10

Philip Winthrope (Mark Damon) kehrt in das vom Verfall ergriffene Anwesen der Familie Usher ein, um seine Verlobte Madeline (Myrna Fahey) zu besuchen und ihrem Bruder Roderick (Vincent Price) seine Aufwartung zu machen. Die beiden leben hier zurückgezogen mit dem Hausdiener Bristol (Harry Ellerbe), und Roderick ist nicht von Philips Anwesenheit erfreut. Immer wieder versucht er ihm klarzumachen, dass er abreisen und Madeline in Ruhe lassen soll, denn ein Fluch laste auf der Familie Usher…

Großartig fotografierter Gothic-Horror, hier ist das Haus der wahre Star des Films. Überall macht sich der Verfall bemerkbar, alles sieht schaurig schön aus. Und die Atmosphäre ist zum Schneiden. Dafür nimmt sich auch Vincent Price angenehm zurück, auch wenn sein Spiel natürlich wieder eine Schau ist. Die wahrscheinlich gruseligste Poe-Verfilmung von Roger Corman.

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY (Daniel Haller, 1965) 6,5/10

Der Amerikaner Stephen Reinhardt (Nick Adams) will seine Verlobte Suzan Witley (Suzan Farmer) zuhause in England besuchen. Doch in der kleinen Ortschaft, in der er ankommt, begegegnet man ihm mit Argwohn, als er nach Schloss Witley fragt. Als er zu Fuß den Weg beschreitet, entdeckt er auf dem Anwesen einen Einschlagskrater. Auf dem Schloss angekommen, will ihn Patriarch Nahum (Boris Karloff), der von Diener Merwyn (Terence de Marney) mit dem Rollstuhl geschoben wird, am liebsten sofort wieder los werden. Doch Suzan freut sich schon auf Stephen und auch ihre Mutter Letitia (Freda Jackson), die Nahum aufgrund einer schlimmen Entstellung in ihr Zimmer gesperrt hat, besteht darauf, dass der junge Mann bleibt. Doch der muss bald herausfinden, dass seltsame Dinge auf Schloss Witley vor sich gehen…

Von der Grundkonstellation her könnte es sich hierbei glatt um ein Remake von Cormans DIE VERFLUCHTEN handeln. Tatsächlich war Regisseur Daniel Heller unter Corman dort für das Set Design zuständig und hat sich einiges bei ihm abgeguckt. Seine Bearbeitung der Lovecraft-Geschichte DIE FARBE wurde unverständlicherweise von der amerikanischen Ostküste nach England verlegt, die Handlung selbst stellt eine komische Mischung aus Gothic-Grusel und SF-Horror dar, in der ausgerechnet Wissenschaftler Nahum einem Irrglauben über einen Familienfluch befallen wird (ja, das Drehbuch bedient sich ausgiebig beim Vorbild).  Das passt schließlich nicht besonders gut zusammen, und dem Film fehlt ein besserer Rhythmus und auch fundamental die Spannung, dennoch kann man sich an den ganzen schönen Bildern kaum satt sehen. Wer mehr auf Atmosphäre als auf Handlung steht, ist hier richtig.

DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE (Alfred Vohrer, 1967) 7/10

Eine Internatsschülerin wird durch Giftgas aus einer Bibel getötet, der gedungene Mörder ist Knastbruder Frank Keeney (Siegfried Rauch), der zwar von einem Zeugen identifiziert wird, aber durch seinen Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen ein scheinbar totsicheres Alibi hat. Inspektor Higgins (Joachim Fuchsberger) ermittelt nun im Internat, wo er auf Chemielehrer Keyston (Konrad Georg) stößt, der eine Affäre mit der Toten unterhielt. Doch ein geheimnisvoller roter Mönch macht sich schon ans Werk, etwaige Zeugen mittels einer Peitsche aus dem Weg zu räumen. Denn abgesehen haben es die Gangster auf die Millionenerbin Ann Portland (Uschi Glas)…

Bunt, schräg und brutal – Vohrers Farb-Remake von DER UNHEIMLICHE MÖNCH vereint alle Tugenden der späteren deutschen Wallace-Filme in sich. Es gibt hier gleich einen ganzen Haufen schräger Vögel und schöner junger Frauen, unter denen Routinier Fuchsberger ermitteln darf. Es wird sich fröhlich durch die Reihen gemordet, auch die Horror-Anleihen kommen nicht zu kurz. Das ist am Ende vielleicht hier und da zu poppig, macht aber eine Menge Spaß.

26.07.20

DIE FAUST (Ross Hagen, 1979) 6,5/10

Sam Kellogg ist ein abgebrannter Kopfgeldjäger, der nicht einmal seine Alimente zahlen kann. Er hält sich mit kleinen Aufträgen mehr schlecht als recht über Wasser. Da kommt ihn ein lukrativer Auftrag gerade recht. Auf den Ex-Knacki Victor Hale (Roosevelt Grier) sind inoffiziell 20.000 $ ausgesetzt. Der nebenberufliche Jazzgitarrist befindet sich auf einem Rachefeldzug und prügelt Gefängniswärter mit einer Stahlfaust tot…

Sympathischer Krimi, der sich ein wenig sehr in Nebensächlichkeiten verheddert.

Etwas längere Ausführungen gibt es in meinem Review auf Badmovies.de

DER MANN MIT DER TODESKRALLE (Robert Clouse, 1973) 7,5/10

Der Shaolin-Schüler Bruce (Bruce Lee) wird von der Polizei in ein Kampfturnier eingeschleust, dass der Bösling Han (Kien Shih) auf seiner Privat-Insel veranstaltet. Auch der Spieler Roper (John Saxon) und sein Kumpel Williams (Jim Kelly) nehmen daran teil…

Dramaturgisch unglücklich gestrickter Kumite-Film, der allein durch seine schönen Sets, Lees herausragenden Choreographien und auch der nötigen Prise Humor zusammengehalten wird. Aber auch wenn die Geschichte um den irren Gangsterboss mit der Krallenhand nicht so recht zünden mag, Spaß macht das Ganze schon.

NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME (Wes Craven, 1984) 10/10

Nancy (Heather Langenkamp) und die anderen Teenager der Elm-Street haben seit einiger Zeit mit gräßlichen Alpträumen von einem entstellten Mann mit Krallenhand zu kämpfen. Als Tina (Vicky Wyss) im Traum wie auch real stirbt, verdächtigt Nancys Vater Lt. Thompson (John Saxon) ihren Freund. Bei ihren Nachforschungen stößt Nancy mit Glen (Johnny Depp) jedoch auf ein düsteres Geheimnis der Elm Street, es geht dabei um einen Mann namens Fred Krüger (Robert Englund), der vor Jahren eines grausigen Todes gestorben ist…

Ich finde es unglaublich, wie unheimlich, wie spannend der Film heute noch ist, wie gut die Idee eines Traumdämons, der rachsüchtig über die Teenager der Elm Street herfällt noch funktioniert. Und das liegt nicht nur an den tollen Horror-Einlagen, sondern ist auch dem Skript geschuldet, das immer wieder sehr gut herausstellt, wie ignorant sich die Eltern der Elm Street benehmen, die die Erlebnisse ihrer Kinder als Hirngespinste aus Schulstress und Hormonstau oder gleich als Lügen abtun. Dieser Mix aus Wut, Ohnmacht und Angst gibt dem finalen Empowerment den Impact, der den guten Horrorfilm vom großen Klassiker unterscheidet.

THE FINAL ALLIANCE (Mario DiLeo, 1990) 6/10

Will Colton kehrt nach Texas zurück, zu den Ruinen der einst elterlichen Farm, wo eine Bikergang an seiner Familie ein Massaker veranstaltete, das nur er überlebte. Nun sinnt er auf Rache. Mit dem treuen Puma Felix an seiner Seite will er dem brutalen Ghost (John Saxon) und seinen Jungs ans Leder. Doch die Leute im Ort haben Angst, auch Sheriff Whistler (Bo Hopkins) schaut dem Treiben tatenlos zu. Nur die wehrhafte Ladenbesitzerin Carrie (Jeanie Moore) steht auf seiner Seite…

Unglaublich doofer Actionfilm, The Hoff vs The Saxon, ersterer mit Puma (der zwischendrin ohne Erklärung immer wieder mal verschwindet), letzterer als Albino mit weißen Haaren und farblosen Kontaktlinsen. Als Trashfest für zwischendurch genehm, und im Runde geeigneter Mitschauer sicherlich auch ein großer Spaß. Dt. Titel: TIGERMAN (weil Puma und so…)

Dear Diary – Das Filmtagebuch

2 Kommentare zu „Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 30 / 2020

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