Nachruf auf einen guten Freund – Markus Nowak, Mr. Badmovies

Eigentlich bin ich nicht gut in so etwas. Mir fällt es in diesen Situationen immer schwer, die richtigen Worte zu finden. Doch heute habe ich das Gefühl, dass es eben sein muss. Ich war vorhin geschockt, als ich vom Tod eines guten Freundes gehört habe. Markus Nowak, Herz und Seele der Seite Badmovies.de, ist von uns gegangen. Es ist tatsächlich das erste Mal, dass ich den Tod eines Menschen aus meinem digitalen Freundeskreis erlebe, der mir wirklich sehr nahe geht.

Ich muss weit zurückgehen, wenn ich auch nur umreißen möchte, welchen Stellenwert die Freundschaft mit Markus für mich inne hatte. Es war 2003 oder 2004, als ich anfing, mich über den PC meines Bruders erstmals umfassend im Internet zu orientieren, an den dort entstandenen sozialen Knotenpunkten anzudocken. In meinem Fall waren es natürlich die Seiten, die sich mit Filmen, vorzugsweise B-Filmen, beschäftigten, in denen ich Lesestoff und dann auch ein Forum fand, das ich ein zweies digitales Zuhause nennen konnte. Aber ich landete nicht sofort auf Badmovies.de, das erste Filmforum, dessen ich Teil wurde, war das von Carsten Henkelmanns toller Seite SenseofView.de, welches leider schon seit geraumer Zeit seine Pforten geschlossen hat. Es herrschte eine anheimelnde, familiäre Atmosphäre, wurde regelmäßig von meist nicht mehr als ein oder anderthalb Dutzend Filmfreunden frequentiert. Ich hatte schon recht früh dort in der Link-Sammlung die Seite Badmovies.de entdeckt und fräste mich mit der Zeit durch die ellenlangen Reviews obskurer Filme. Im Forum von SenseofView wurde es allerdings immer leerer, einige von ihnen starteten neue, eigene Projekte, andere verschwanden einfach auf Nimmerwiedersehen. Da entdeckte ich, dass auch auf Badmovies ein Forum, der Trashtalk@Badmovies.de existierte, und meldete mich dort an. Zum ersten Mal, wie ich dachte. Denn das ist eine lustige, kleine Anekdote.

Als ich mich anmeldete war der von mir bevorzugte Nutzername „TomHorn“ schon vergeben, und ich entschied mich dafür, mich „Mengele“ zu nennen, in Anlehnung an Tromas SURF NAZIS MUST DIE. Ja, eine reichlich kontroverse Entscheidung, wie auch Markus „Dr. Acula“ Nowak befand, seines Zeichens Hausherr. Ich erzählte ihm, dass halt „TomHorn“ schon besetzt war und wie es zu meiner, zugegebenermaßen etwas unglücklichen, Namenswahl kam. Er meitne, dass der Benutzer „TomHorn“ schon seit einem Jahr die Forum fern bliebe und sich eigentlich auch noch nie großartig beteiligt hätte, deswegen können man ihn ruhig löschen und ich mich dann als „TomHorn“ anmelden. Als ich mir Anmeldedatum und das Datum des letzten Logins ansah, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren – ich war „TomHorn“ gewesen! Ich hatte mich kurz vor dem Jahreswechsel 2003/04 schon einmal hier angemeldet, aber kurz darauf mein Passwort verlegt und hatte es dann schlicht vergessen. Und so wurde ich am 5. Januar 2005 nochmals als Mitglied „TomHorn“ in der Gemeinde vom Trashtalk@Badmovies.de wiedergeboren.

Es dauerte nicht lange, dass die Online-Gemeinschaft von Badmovies.de mein neues, digitales Zuhause wurde. Ich habe dort viele Leute kommen und gehen sehen, einige wenige sind sogar mit der Zeit wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Es gab viel zu lachen, zu diskutieren, zu streiten. Ich weiß noch, wie der Doc vor einigen Jahren die Schnauze voll hatte, weil er seine Arbeit nicht genug gewürdigt empfand. Es war auch tatsächlich so, dass sich zu dieser Zeit eine Alltagsmüdigkeit, ein wenig Faulheit bei uns eingeschlichen hatte, man nicht mehr jeden neuen Erguss des Docs mit Inbrunst kommentierte und diskutierte. Es war das Jahr des „Projekts 300“, in dem Markus, quasi als Herausforderung, als großes Ziel, um sich selbst zu motivieren in einem Jahr 300 Filme besprechen wollte. Es schwang leicht mit, dass, wenn er es nicht schaffen sollte, das Projekt „Badmovies.de“ zu Grabe tragen wollte. Ich habe in dieser Zeit oft mit ihm privat geschrieben, wir haben diskutiert, wie man die Gemeinschaft mal wieder anstoßen, die Risse, die entstanden waren, kitten könnte. Es war auch da noch sein Herzensprojekt, doch der Frust hatte sich seit einiger Zeit aufgestaut und nun seinen Weg nach draußen gebahnt. Er hat die 300 Reviews nicht geschafft, aber wir sind alle wieder näher zusammengerückt, und schließlich konnte er es einfach nicht hinter sich lassen, es einfach beenden.

Nebenher war es zu einer Institution geworden, dass der Doc einmal im Jahr zu sich nach Hause lud, zuerst nach Berlin, später dann nach Nürnberg, um dort mit einigen Forenmitgliedern eine ausgiebige Filmsession abzuhalten. Ob es nun Ehrgeiz oder Übermut war, erwuchs daraus die Idee, ein Filmfestival aus dem Boden zu stemmen. Nachdem er vor Ort die Rahmenbedingungen geklärt hatte, ein kleines Kino als Partner gewinnen konnte und Kontakte zu Verleihern und Filmsammlern geknüpft hatte, stieg das allererste „Badmovies Festival“. Dies fand einige Male (fragt mich jetzt bitte nicht, ab wann und wie oft) im eher kleinen Rahmen statt, aber mit dem schnöden Namen war der Doc nicht wirklich zufrieden. Es brauchte etwas eigenes, griffiges, um es auch besser vermarkten zu können und nicht nur eine Handvoll Freaks aus dem Forum anzuziehen. Es wurden im Trashtalk Vorschläge zur Abstimmung gesammelt. Ich saß damals des Abends, wohl leicht angetrunken, vor dem PC und schmiss einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag in die Runde: B-Film Basterds. Ich hätte nie gedacht, dass der Name es überhaupt in die Auswahl schafft, denn es war bekannt, dass meine werten Forenmitmenschen Quentin Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS zwar liebten, aber die Vergewaltigung der englischen Sprach im Titel genauso sehr hassten. Trotzdem setzte sich der Name in der Abstimmung durch, ich weiß immer noch nicht, warum. Dieses Wochenende, vom 21.-24. Mai 2020, sollte eigentlich die zehnte Ausgabe des B-Film Basterds im Nürnberger KommKino stattfinden, was ja aufgrund der anhaltenden Krise ins Wasser gefallen ist. Ich habe es in dieser Zeit nicht einmal dorthin geschafft, noch nicht einmal 2016 zu dem Ableger nach Hamburg, wo es neben Frankfurt und Berlin auch kurzzeitig gastierte.

Ich habe den Austausch mit Markus immer sehr genossen. Er hat mich schon 2005 dazu ermutigt, auch mal eine Film-Review für Badmovies dazuzusteuern. Das hat dann bis 2017 gedauert, aber seit drei Jahren bin ich auch wieder mehr auf der Seite an sich, und nicht nur im Forum, involviert. Seit sich Michael Heissmann um die Belange rund um Badmovies.de kümmert, hat er auch der Seite einen neuen Look verpasst. Es war nicht das erste Redesign, vor WordPress machte man Zwischenstation als Wiki, und es sollte auch nicht final sein. Seit einigen Monaten waren wir hinter den Kulissen immer mal wieder am Diskutieren, um diesen Look noch zu verfeinern, den Aufbau, den Begrüßungstext, das Banner. Auch die Seite vom B-Film Basterds sollte eigentlich mit Badmovies.de zusammengeführt und aktualisiert werden. Es verlief alles ein wenig schleppend, Markus war kein entscheidungsfreudiger Mensch und sagte gerne „Mach Du einfach mal, wird schon passen!“ Aber es lag Aufbruchstimmung in der Luft, man hatte so etwas wie einen Plan. Es sollte so etwas wie die nächste Stufe von Badmovies werden.

Und hier musste ich inne halten, denn die Gedanken an die beschriebene Zukunft der Seite weichen wieder der Erkenntnis, dass Markus nicht mehr ist. Jetzt, hier und heute, so schön es für einige Minuten war, sich an all das zu erinnern und es mit euch zu teilen, ist nur noch Trauer in meinem Kopf und meinem Herzen. Es gab in den letzten beiden Jahrzehnten immer wieder Stimmen, die gesagt haben, dass es ungesund ist, zu viel soziale Aktivitäten ins Netz zu verlagern, dass das digitale Leben ein echtes nicht ersetzen kann, vielleicht sogar das eigene Wesen verkümmern lässt. Momente wie diese beweisen, dass dies falscher kaum sein kann, denn diese Freundschaft, diese Gemeinschaft hat mein Leben in den letzten mehr als 15 Jahren bereichert, wie kaum etwas anderes in meinen Umfeld, hat mich durch schwere Zeiten begleitet und mir Halt gegeben. Ohne Menschen wie Markus wäre auch ich vielleicht jetzt gar nicht mehr hier.

Ich werde Dich vermissen, mein Freund! Farewell!

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