Obscure Shit No. 45: SHOOT, MY DARLING (1997)

SHOOT, MY DARLING (OT: Koroshiya & usotsuki musume / R: Hitoshi Ozawa / Japan, 1997)

Ich hatte mal irgendwann läuten gehört, dass man, wenn man auf zünftige Asia-B-Movies steht, auch mal die Filme von Hitoshi Ozawa ausprobieren sollte. Das liegt zum einen wohl daran, dass der werte Herr ein überaus gutes Händchen für gut inszenierte Ballereien besitzt, zum anderen sind eben seine vier Werke der 90er hierzulande problemlos erhältlich. Denn neben SHOOT, MY DARLING von I-On sind auch die beiden LADY NINJA-Filme und SCORE 2 bei Asian Film Network erschienen, letzterer schaffte es sogar, zwar stark geschnitten, schon auf VHS bei VCL nach Deutschland. Aber widmen wir uns erst einmal Ozawas Erstling.

Der Killer Joker (Hitoshi Ozawa), auch „Cool Clown Killer“ genannt, was nicht wirklich von Belang ist, erhält von Gangster Sancho (Rex Lapid) den Auftrag, auf den Philippinen die junge Reiko (Vivian Hsu) aus den Händen von Entführern zu befreien und sicher in ein Kaff namens El Ray zu eskortieren. Der erste Teil davon stellt sich als kleinstes Problem dar, dafür wird aus dem Heimweg eher eine Flucht in dem Taxi des hasenfüsigen Saru (Masahiro Yamashita). Und nicht nur Reiko, sondern auch das Kokain in ihrem Gepäck lockt so manchen Gangster aus seiner Deckung. Da werden Verbündete gerne zu Verrätern, und aus Gegnern werden manchmal sogar Freunde. Auf jeden Fall ist der Weg lang und bleihaltig…

Man merkt es nicht nur an dem Namen des verheißungsvollen Ortes, „El Ray“ (der sich hier netterweise als Geisterstadt mit Kirche im Zentrum entpuppt), Hitoshi Ozawa war ein Fan von Robert Rodriguez und EL MARIACHI (1992), wie eigentlich jeder mittellose Nachwuchsfilmer mit dem Traum, einen coolen Actionfilm zu drehen, auch. Abwechslungsreiche Kamerawinkel, ein geschickter Schnitt und guter Musik-Einsatz kaschieren das fehlende Budget bei den Action-Szenen, die dann auch gerne mal mittendrin einfach abgebrochen werden, um uns das Ergebnis einer scheinbar erschöpfenden Schießerei zu präsentieren. Das ist immer ein wenig schade, aber ein probates Mittel, solange es den Fluss des Erzählung nicht stört und unschöne Lücken reißt. Ozawa hat das eigentlich recht gut im Griff, wenn sich auch unkommentierte Szenen anschließen, die den Zuschauer erst einmal ratlos zurücklassen. Man muss nicht immer alles sofort und auf der Stelle erklären. Ärgerlicher sind anfängliche Zeitsprünge, die an und für sich vollkommen unnötig wirken und das Ganze verkomplizieren, wo es eine einfache, gradlinige Erzählweise auch getan hätte. Seine Hommage an die Schlafzimmerszene in DESPERADO (1995) ist allerdings lustig anzusehen, da sie viel simpler montiert ist und der anschließende Shootout ganz eigene Wege geht. Leider stellt diese Sequenz im Mittelteil auch schon den Höhepunkt des Films dar, denn die weitere Handlung erweist sich als substanz- und belanglos, weil Ozawa auf ein tragisches Ende des Pärchens, das keines ist, setzt, noch lange bevor der Film wirklich zu Ende ist. Allerdings kann’s uns wurscht sein, denn Liwa war eine ziemlich blasse Person, um die es zu trauern nicht lohnt, und ein Liebespaar waren die beiden auch nicht, was der folgenden Rache jedoch nochmals den Schwung nimmt. Die eher lieblose Aneinanderreihung von kurzen Scharmützeln überbrücken zwar die letzte Viertelstunde recht brauchbar, hinterlassen bis auf eine schöne Explosion nach einem Duell gegen einen Helikopter jedoch kaum Eindruck. Wenn dann der schreckliche Gesang des Schlusslieds und in den Abspann entlässt, nimmt es schulterzuckend zur Kenntnis und die Fernbedienung in die Hand.

Dabei sollte wohl doch ein wenig mehr drin gewesen sein. Technisch war das recht ordentlich und auch auf Seiten der Darsteller gibt es keinen Totalausfall zu vermelden. Als Regisseur noch die Hauptrolle zu übernehmen, erscheint manchem Filmemacher als einzig praktikable Lösung, wenn man keinen zufriedenstellenden Darsteller zur Hand hat. Allerdings gehe ich bei Hitoshi Ozawa sogar so weit, dass es dann doch ein wenig mit Geltungsbedürfnis zu tun hat, wenn man sich gerne als cooler Revolverheld in Szene setzt. Denn wie ich das bei einem kurzen Blinzler in die OFDB überblicken kann, steht er in jedem seiner Filme in tragender Rolle vor der Kamera und übernimmt auch oftmals Nebenrollen in anderen Filmen (z.B. in Miikes DEAD OR LIVE, GOZU und WARU, oder in Kitamuras ALIVE – DER TOD IST DIE BESSERE ALTERNATIVE). Aber sei es, wie es will, er macht seine Sache eigentlich anständig, wenn auch etwas sehr gewollt cool, und die Action leidet auch nicht darunter. Im Endeffekt hapert es wieder einmal am Drehbuch, an Ideen für eine Handlung, die einen vielleicht nicht gleich bis zum Schluss nägelkauend mitfiebern, aber zumindest interessiert verfolgen lässt, was da abgeht. Bei SHOOT, MY DARLING reichte es für knapp 70 Minuten, der Rest ist reiner Füllstoff, Action als Selbstzweck. Manchmal sollte es halt besser kein 90-Minüter sein.

Wie schon gesagt, Hitoshi Ozawa schlägt sich in seinem Debüt vor und hinter der Kamera recht wacker, weiß, was er im Endeffekt auf der Leinwand sehen will, und hat auch das Händchen, dies einigermaßen adäquat umzusetzen. SHOOT, MY DARLING ist keine semiprofessionelle Offenbarung, lässt sich aber schmerzfrei konsumieren, macht bisweilen sogar Spaß. Charaktere und Handlung sind noch etwas ungeschliffen, die Dramaturgie ungelenk, aber bis zum letzten Drittel zweckdienlich. Ich hab da schon viel, viel schlimmeres gesehen. Wer also bei Asien, Action und Heroic Bloodshed nicht an sich halten kann, die DVD von I-On New Media ist für kleines Geld immer noch problemlos zu kriegen.

OFDB 4.92/10 [24 Stimmen]/ IMDb  5.90/10 [24 Stimmen]

Den kompletten Film gibt es übrigens auch auf YouTube via Netzkino zu sehen.

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