Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 20 / 2020

Dieses Mal wieder etwas spät, da ich mal wieder nichts vorbereitet hatte. Serien-technisch war nicht viel los, ich hab mit UPLOAD auf Amazon Prime angefangen, in dem das Leben nach dem Tod in einer virtuellen Welt stattfindet. Bisher ist das Ganze recht lustig, kann man empfehlen.

11.05.2020

INFLATABLE SEX DOLL OF THE WASTELANDS (Atsushi Yamatoya, 1967)

Detektiv Shô (Yûichi Minato) wird vom Immobilienmakler Naka (Masayoschi Nogami) beauftragt, seine Geliebte Sae (Noriko Tatsumi) aus den Fängen des Verbrechers Kô (Shôhei Yamamoto) zu befreien. Das kommt Shô gerade recht, hat er doch mit Kô noch eine Rechnung offen. Doch dann läuft er der Prostitutierten Mina (Miki Watari) über den Weg, der er zwar nicht über denselbigen traut, aber trotzdem mit ihr im Bett landet. Der Anfang einer Nacht voller Sex und Gewalt, ein Alptraum beginnt…

So straight, wie die kurze Inhaltsangabe vermuten lässt, präsentiert sich der Film keineswegs. Es ist nur schwer, den Inhalt dieses zeitweise recht konfusen, experimentellen Kriminal-Dramas in Worte zu fassen. Anfangs kommen Erinnerungen an die Novelle Vague und Godard auf, eine skurrile Kriminalstory nimmt ihren Anfang in einem Gespräch, das immer wieder lakonischen Witz offenbart und gerne mit Chiffren arbeitet, auch gibt es den häufigen Gebrauch von Jump Cuts zu verzeichnen. Daraus entwickelt sich immer mehr ein fiebriger Alptraum, in dem Shô seiner Rache-Fantasie fröhnt. Allerdings ist Yamatoyas Film immer noch mehr Genre-Pulp als poppiger Kunstfilm, viele Dialoge kreisen immer wieder um das selbe Thema, und er zeigt eine große Vorliebe dafür, Erotik und Gewalt, Sex und Tod zu verknüpfen. Die Verbindung von Frauen und Sexpuppen ist dabei sehr offensichtlich, die feministische Botschaft eher holzhammermäßig aufbereitet.
Das ist schräg, wenn Shô anfangs etwa einen Baum erschießt, anstößig, wenn Auftraggeber Naka dem Detektiv einen Film der Entführer vorführt, in dem Sae vergewaltigt und gequält wird – während in der Tür zum Vorführraum ihr Vater steht, der inzwischen verrückt geworden ist und sich immer wieder mit Musik und einer Sexpuppe beschäftigt, wenn er nicht gerade einen Anfall bekommt. Und es ist gleichzeitig lustig, wenn Shô fragt, was eigentlich auf der Leinwand zu sehen sein soll, da man vor Beschädigungen kaum mehr was erkennen kann (der Zuschauer kann’s), und Naka antwortet, dass er den Film in den letzten 6 Monaten mehr als 100-mal gesehen hat und deswegen jedes Detail auswendig kennt. Später folgen noch Zwiegespräche mit Erzfeind Kô, die trocken um ein Thema kreisen, oder die Begegnung mit der Prostituierten Mina, die ihn in ihr Bett lockt, auch wenn Shô ihr nicht traut. Das ist sehr unterhaltsam, wenn auch nicht gut geschrieben oder gespielt. Aber allmählich verlässt der Film diese lockere Bahn und verabschiedet sich in die Surrealität, was zunehmend anstrengend wird, da die gezeigten Ereignisse immer abstrakter werden, während sich verschiedene Motive und Dialoge wiederholen. Auch der Gewaltgrad steigt immer weiter an. In den besten Szenen erinnert der Verlauf ein wenig an das Paranoia-Kino von Frankenheimer, an THE MANCHURIAN CANDIDATE oder SECONDS, ohne aber auch nur ansatzweise deren Klasse zu erreichen.
Man muss schon eine gewisse Offenheit für derart experimentelle Szenarien haben, ansonsten wird INFLATABLE SEX DOLL… gewiss eine enervierende und wahrscheinlich sehr zähe und langweilige Angelegenheit. Wer aber durchhält, wie ich, vielleicht sogar Gefallen daran findet, wird am Ende mit einer bösen, aber auch wieder recht abstrakten Schluss-Pointe belohnt.

LA BETE – DAS BIEST (Walerian Borowzyk, 1975)

Die junge Lucy Broadhurst (Lisbeth Hummel) reist mit ihrer Tante Virginia (Elizabeth Kaza), nach Frankreich, wo Milionenerbin Lucy das Testament erfüllen und Mathurin (Pierre Benedetti), den Stammhalter derer l’Esperance, zu ehelichen. Es heißt, dass ein Fluch auf den männlichen Nachfahren lastet, der sie zu ihrer Hochzeit tötet. Davon will sich Graf Pierre (Guy Tréjan) nicht abbringen lassen, denn das Gemäuer, was sich Schloss schimpft zerfällt allmählich und die Familie droht auszusterben. Während Pierre alles daran setzt, den Kardinal zu überreden, diese Verbindung zu segnen, entdeckt Lucy die Tagebücher der Comtesse Romilda (Sirpa Lane), die von ihrer Begegnung mit einer Bestie berichten…

In den besten Szenen recht frivol und beschwingt, zehrt Borowczyks berüchtigter Erotikfilm heute kaum noch von seinem Skandal-Potenzial, das sich vor allem aus dem Höhepunkt (höhö) des Films ergibt, bei dem sich die Finnin Sirpa Lane aus dem Gummi-Dildo des Biest-Darstellers mit Fake-Sperma vollsaut. Dagegen ist das Ambiente des Zerfalls, welches sich im Schloss immer wieder bemerkbar macht, gleichschreitend mit dem erschöpften Gen-Pool der Adelsfamilie, recht reizvoll in Szene gesetzt. Außerdem nimmt sich der Film selbst nicht allzu ernst, weswegen die Darsteller auch mal ein wenig dick auftragen dürfen und es zu dem ein wie anderen erheiternden Dialog kommt. In seinem intendierten Skandal sicherlich nicht mehr der Rede wert, jedoch zeitweise recht nett anzuschauen und insgesamt schon noch unterhaltsam.

RABID – DER BRÜLLENDE TOD (David Cronenberg, 1977)

Nach einem Motorrad-Unfall wird Rose (Marilyn Chambers) in die nahe gelegene Keloid Klinik gebracht. Hier wird ihr auf experimentelle Weise Gewebe transplantiert. Als sie nach einigen Monaten aus dem Koma erwacht, wird sie von einem Blutdurst überwältigt, den sie mit einem neuen Organ in der Achselhöhle stillt. Rose weiß damit nicht umzugehen und trampt nach Montreal zu ihrem Freund Hart (Frank Moore). Sie zieht dabei eine Spur des Todes hinter sich her, denn ihre Opfer verwandeln sich in scheinbar seelenlose Monstren und gehen auf andere Menschen los…“

Der hat seine besten Momente, wenn die Kacke schon richtig am Dampfen ist und der Notstand ausgerufen wird. Die Militär-Präsenz, die TV-Berichterstattung und nicht zuletzt die Kolonne der Müllwagen zur Leichenbeseitigung erzeugen eine ziemlich bedrückende Atmosphäre. Das Problem des Films ist dann auch, dass Cronenberg bei der Storyline um Rose, die wie eine Süchtige der Gier nach Blut verfällt, ähnlich klinisch auf Distanz geht, weswegen man kaum mit der Protagonistin auf emotionale Tuchfühlung gehen kann. Hier bleibt der Film teils deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück, auch wenn das letzte Drittel sich trotzdem ins Gedächtnis fräst.

SHIVERS – PARASITEN-MÖRDER (David Cronenberg, 1975)

Die Starliner Towers ist ein Luxus-Wohnkomplex, der alles beherbergt, was man zum Leben braucht. Der Wissenschaftler Dr. Hobbes tötet dort eine junge Frau und richtet sich anschließend selbst. Darauf breiten sich Parasiten unter den Bewohnern aus, die sie zu sexuellen Ausschweifungen treiben. Als Hausarzt Dr. St. Luc (Paul Hampton) und Hobbes Assistent Linsky (Joe Silver) dahinter kommen, was die Leute bis in die Raserei treibt, scheint es fast zu spät eine Verbreitung außerhalb der Mauern des Komplexes noch zu verhindern…

What’s not to like? Schleimige Parasiten treiben ihre Wirte zur sexuellen Raserei. Cronenberg nutzt hierbei den Mikrokosmos des Wohnkomplexes gut aus, hier hat der Parasit den idealen Nährboden und breitet sich innerhalb seiner Grenzen schnell aus. Zuerst brodelt es nur unterschwellig, das seltsame Verhalten einiger Bewohner wirkt bedrohlich, und dann kommt es zu sexuellen Übergriffen, bis die Betroffenen komplett durchdrehen. Das erinnert genauso an Siegels DIE DÄMONISCHEN (allerdings nur ein wenig) wie an Romeros CRAZIES (schon mehr). Aus letzteren hat es auch Lynn Lowry herübergeschafft und darf wieder überzeugend die Durchgeknallte geben. Außerdem gibt sich Horror-Ikone Barbara Steele hier freizügiger als jemals zuvor. Also falls noch mehr Gründe bräuchte, den Film unbedingt zu sehen.

12.05.2020

ARTIK: SERIAL KILLER (Tom Botchii Skowronsky, 2019)

Langweiliger Scheiß: https://www.filmtoast.de/artik-serial-killer/

EINE FRAU SIEHT ROT (Lamont Johnson, 1976)

Als Model Chris (Margaux Hemingway) seine komischen musikalischen Ergüsse nicht zu würdigen weiß, fällt Gordon (Chris Sarandon), Musiklehrer ihrer kleinen Schwester Kathy (Mariel Hemingway), brutal über sie her und vergewaltigt sie. Vor Gericht diskreditiert sein Anwalt sie wegen ihres Berufes und setzt Kathy, die während des Übergriffs nach Hause kam, unter Druck und verwickelt sie so in Widersprüche…

Ein Film, der zwischen den Stühlen sitzt, weil er sich nicht entscheiden kann, in eine definitive Richtung zu fahren (eigentlich kein Wunder, da De Laurentiis den produziert hat), was ziemlich in die Binsen geht. Die Vergewaltigungsszene ist tatsächlich sehr hart anzuschauen und nur schwer erträglich, auch die anschließende Gerichtsverhandlung milde gesagt eher unnett. Aber da dem Skript irgendwie nichts dazu einfällt, wie man die psychischen Auswirkungen der Gewalttat und des erniedrigenden Prozesses auf die beiden Schwestern ernsthaft darzustellen (oder man vielleicht auch gar nicht so wirklich die Ambition dazu hatte), schwenkt man nach 70 schon gen Schlussgerade, um exploitativ aus Gordon einen psychopathischen Triebtäter zu machen und die Gewaltkeule hervorzukramen. Das passt alles hinten und vorne nicht.

THRILLER – A CRUEL PICTURE (Bo Arne Vibenius, 1973)

Die stumme Frigga (Christina Lindberg) wird von Zuhälter Tony (Heinz Hopf) unter Drogen gesetzt, entstellt und als Hure verkauft. Doch irgendwann hat sie genug, lernt Karate, besorgt sich Waffen und räumt mit dem Gesocks auf, das ihr Leben ruiniert hat…

Das ist einer der Filme, die man unbedingt gesehen haben muss, wenn man sich Grindhouse- oder Exploitationfan schimpft. Obgleich dilettantisch inszeniert und schlecht gespielt, entwickelt die niederschmetternde Geschichte der jungen Frau, der das Leben so übel mitspielt eine nicht zu unterschätzende Sogwirkung. Die erste Hälfte des Films widmet sich ihrem Niedergang, der in tristen Bildern erzählt wird. Die ranzigen Hardcore-Inserts geben dem noch ein zusätzlich schmierigen Touch. Wenn sie in der zweiten Hälfte ihren Rache-Trip startet, äußert sich das in obszön langsam ausgespielten Gewaltakten, die von einem dissonanten Klangteppich unterlegt sind. Frigga wird immer weiter entmenschlicht, lässt sich durch nichts und niemanden von dem nun eingeschlagenen Weg abbringen.

DIE BRUT (David Cronenberg, 1979)

Nola (Samantha Eggar) hat psychische Probleme und unterzieht sich eine experimentelle Therapie des Psycho-Gurus Dr. Raglan (Oliver Reed), was bei ihrem Mann Frank (Art Hindle) nicht auf Gegenliebe stößt. Dann wird Nolas Mutter Juliana, der sie schwere Vorwürfe über Missbrauch in ihrer Kindheit machte, und die kleine Candice wird Zeuge. Nolas Vater Barton fordert nun von Raglan die Herausgabe seiner Tochter. Doch auch ihn findet Frank später in der Wohnung seiner Ex-Frau und wird dort von einem Monster angegriffen, das wie ein Kind aussieht…

Für mich immer noch Cronenbergs bester Film der 70er, eigentlich der erste von ihm, der sich wirklich rund anfühlte. Mehr dazu:
evil-ed.de/…/56…/1085-the-brood-die-brut-1979

13.05.2020

STRAY CAT ROCK: DELINQUENT GIRL BOSS (Yasuharu Hasebe, 1970)

Biker Girl Ako (Akiko Wada) springt der Rocker-Gang von Mei (Meiko Kaji) zur Seite, als diese bei einer Messerstecherei in einen Hinterhalt geraten. Sie gehört daraufhin mit zur Truppe. Doch Ungemach steht ins Haus, als Meis Freund Michio (Kōji Wada) einen Boxkampf seines alten Kumpels Kelly (Ken Sanders) manipulieren will, damit seine neuen Freund der nationalistischen Seiyu Gruppe abkassieren können. Denn die Mädels motivieren Kelly tatsächlich dazu, den Kampf zu gewinnen. Und nun sind die Seiyu sauer…

Der ist über weite Strecken eine recht launige Angelegenheit, wenn auch mit einigen Abstrichen. Die Hosen hat ihr Popstar Akiko Wada an, die sich optisch & akustisch mit ihrer großen Statur & tiefen Stimme von den anderen Mädels abhebt. Meiko Kaji war damals noch nicht der große Star und spielt dementsprechend nur die zweite Geige. Und das ist tatsächlich ein Problem, denn Wadas Charakter Ako ist die Außenseiterin, die zur Gang stößt, und von da an den aktiven Part übernimmt. Nur leider erfahren wir einfach rein gar nichts über sie, folglich ist es zwar nett, ihr zuzuschauen, aber sie bleibt einem trotzdem fern. Die Auseinandersetzung mit den fiesen Nationalisten und deren verlängerten Arm, einem Schlägertrupp aus Rockern, lässt sich gut an, doch in der Mitte der Geschichte gehen dem Skript dann die Ideen aus. So verkommt eine Verfolgungsjagd kurz vorm Finale zu einer lustlosen Fingerübung Hasebes, und am Ende regelt sich alles wie von selbst. Dank der knackig-kurzen Laufzeit von gut 80 Minuten nicht langweilig, auch wenn ein fader Nachgeschmack bleibt.

BLUMEN OHNE DUFT (Russ Meyer, 1970)

Die Freundinnen Kelly (Dolly Read), Casey (Cynthia Myers) und Petronella (Marcia McBroom) träumen davon, mit ihrer Rockband The Kelly Affair in Hollywood den Durchbruch zu schaffen. Doch dort erwartet sie eine dekadente Spaß-Gesellschaft, die droht, die jungen, naiven Mädels zu verschlingen…

Boah, der hat mich jetzt komplett überfahren, was für ein Film! Der ist so vollgepackt mit Drama, Witz, Musik, Zeitgeist – wie eine große Party mit tragischem Ende. Der Aufwand ist beachtlich, der Sound, die Kostüme, die Sets sind vorzüglich. Und selbst die Entscheidung Meyers, die Rollen vornehmlich mit Stammschauspielern und Starlets zu besetzen, erweist sich als Glücksgriff, denn wahrscheinlich kannten alle am Set die Schickeria, die Spaßgesellschaft in Hollywood, agierten also auf vertrautem Terrain. Weder Eberts Drehbuch noch Meyers Inszenierung erheben irgendwo einen Zeigefinger oder zerren einen Charakter dermaßen unter die Lupe, dass er unangemessen schlecht wegkommt. Sie urteilen nicht nach Ethnie, Religion oder sexueller Ausrichtung, kategorisieren nicht nach Gut und Böse, sondern treiben die Charakterentwicklunge, zwar etwas überzogen, aber konsequent voran. Heutzutage kaum vorstellbar, dass ein Studioriese solch einen Film durchwinkt (der damals sogar ein X-Rating erhielt). Aber Ende der 60er bis Mitte der 70er steckte die Traumfabrik in einer Krise und vieles war möglich. Das hier ist ein Full Package: Meyers Direktheit und sein Hang zu comichafter Übertreibung treffen auf Eberts geschliffene Dialoge und gut beobachtete Charaktere. Ein Glücksfall von einem Film.

14.05.2020

FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN (Gerardo de Leon, 1971)

Die naive Carol „Jeff“ Jeffries (Jennifer Gan) geht für ihren Freund Rudy (Charlie Davao) in den Knast. Da er aber fürchtet, sie könnte es sich bei 10 Jahren Arbeitslager doch noch anders überlegen und ihn verpfeifen, beauftragt er ihre drogensüchtige Zellengenossin Stoke (Roberta Collins) damit, sie zu töten. Im Lager läßt die Direktorin der sadistischen Oberaufseherin Alabama (Pam Grier) freie Hand, und weiße Amerikanerinnen hat sie gefressen. Jeff verbündet sich nun mit Sandy (Judith Brown) und Theresa (Sofia Moran), und auch Stoke willigt zähneknirschend in den riskanten Plan ein…

Statt launiger Exploitation ist das ein beinharter, düsterer Knast-Thriller, ein Alptraum, aus dem ein wohliges Erwachen kaum möglich scheint. Die gescheiterten Existenzen, die hier porträtiert werden, sind keineswegs comichaft überzeichnet, wenn hier geschlagen, gefoltert und vergewaltigt wird, hält de Leon nüchtern drauf. Einzig die rasante Verfolgungsjagd im letzten Drittel und der darauf folgende Abschluss, der allerdings nicht für jeden ein Happy End (sort of) parat hält, lassen die Trostlosigkeit des Arbeitslagers und die dort vonstatten gehenden Erniedrigungen etwas in die Ferne rücken, auch wenn es trotzdem noch in schöner Regelmäßigkeit Niederschläge hagelt. Die schmissige Musik, die hierzu gespielt wird, scheint dann sogar allzu spekulativ, unpassend. Ein wirklich unnetter Film, der mitreißt, aber alles andere als spaßig aufgelegt ist.

GUSHING PRAYER: A 15-YEAR OLD PROSTITUTE (Masao Adachi, 1971)

Vier Jugendliche, zwei Jungen und zwei Mädchen, wollen dem Verlangen, das sie in der Erwachsenenwelt beobachten, entkommen, indem sie den Sex besiegen, also die körperliche Empfindung dabei. Doch als eine von ihnen schwanger wird, versucht sie sich noch weiter herauszufordern, indem sie sich prostituiert. Eine Art intellektuelle Rebellion, die alleine schon daran scheitern muss, dass sie eben intellektuell noch nicht so reif ist. Ganz schön verschwurbelt, aber nicht uninteressant und zum Ende ein ziemlicher Downer.

STRAY CAT ROCK: WILD JUMBO (Toshiya Fujita, 1970)

Taki (Takeo Chii) ist Vorsitzender des Pelican Club, der aus ihm und seinen Freunden Ganishin (Tatsuya Fuji), Jirô (Yûsuke Natsu), Debo (Sôichirô Maeno) und C-Ko (Meiko Kaji) besteht. Sie vertreiben sich die Zeit mit kleineren Gaunereien und einer Dauerfehde mit reichen Kids aus der Gegend. Dann lernt er Asako (Bunjaku Han) kennen, deren Vater ein hohes Tier bei der Shinkyo Sekte ist. Kurz darauf beschließt er, dass der Club an die Küste fährt, um sich dort für ein Jugend-Camp der Shinkyo auszugeben, die dort ein Festival veranstaltet. Denn Taki und Asako haben einen gerissenen Plan ausgeheckt…

Ouh, das war fies! Der Film gebärdet sich mehr als zwei Drittel wie eine Mischung aus Surf-Comedy und Juvenile Delinquents Drama und schwingt mit der Zeit langsam in die Heist-Schiene ein. Es gibt immer mal wieder kleine Andeutungen darauf, wie es enden wird, was man aber schnell wieder verdrängt, da die Truppe so sympathisch ist und alles sich so locker und unbeschwert gibt. Beide Mädels spielen leider nur die zweite Geige, was ein wenig schade ist. Zumindest darf Meiko Kaji auch ein Liedchen trällern, Akiko Wada aus Teil 1 bringt auch eine Gesangsnummer, wird aber nur kurz eingeblendet und hat sonst gar nichts mit dem Film zu tun. Kleinere Makel, über die man leicht hinweg sehen kann, denn der Film bringt unheimlich viel Spaß, wird zum Finale sogar richtig spannend und haut einem mit seiner tonalen Kehrtwende dann richtiggehend um.

CLEOPATRA JONES (Jack Starrett, 1973)

Special Agent Cleopatra Jones (Tamara Dobson) ist eine harte und auch erfolgreiche Kämpferin gegen den internationalen Drogenhandel, was vor allem Drogenbaronin Mommy (Shelley Winters) gehörig auf den Sack geht. Sie gibt Jones zum Abschuss frei, deren wunder Punkt das Rehabilitationszentrum ihres Freundes Reuben (Bernie Casey) in ihrer alten Hood ist. Mit Druck von oben und der Hilfe des rassistischen Bullen Purdy (Bill McKenney) und des Dealers Doodlebug (Antonio Fargas) steht dieses Zentrum kurz vor dem Aus, und die Gegend brodelt…

Doof, aber unterhaltsam. Der Film geht gleich aufs Ganze und macht aus Cleo Jones eine Art weiblichen James Bond, natürlich nur eine Nummer kleiner. Tamara Dobson erscheint allerdings auch nur so souverän, weil hier alle von vorn herein vor ihr kuschen. Dagegen mussten die Personae von Pam Grier sich immer den ihr zustehenden Respekt erkämpfen. Shelley Winters zieht etwas sehr vom Leder, aber sie kann das, die Frau ist selbst dann noch furchteinflößend, wenn sie sich vor der Kamera zum Affen macht. Allerdings fehlt dem Film das gewisse Etwas, er ist zu geleckt, sein Aufbegehren gegen soziale Ungerechtigkeit scheint für ihn nur ein Accessoir, kein wirkliches Anliegen. Es ist eine Art Hochglanz-Blaxploitation, was den Film komischerweise einen Trash-Appeal verpasst, der durchaus Spaß macht.

JACK REACHER (Christopher McQuarrie, 2012)

Der ehemalige Militär-Polizist Jack Reacher (Tom Cruise) deckt mit der Anwältin Helen (Rosamund Pike), die einen ehemaligen Scharfschützen verteidigt, der wahllos fünf Menschen erschossen haben soll, eine fiese Verschwörung auf, die von dem geheimnisvollen Zak (Werner Herzog) und seiner Gang angeleihert wird…

Der hat mir dieses Mal doch weit mehr zugesagt als bei der Erstsichtung. Das liegt wohl auch ein wenig daran, dass die zwischenzeitlichen Gewaltausbrüche des übermäßig souveränen Tom Cruise, dessen Jack Reacher immer unnahbar wie auch unbesiegbar und deshalb wenig menschlich scheint, etwas zu sehr von der guten Thriller-Handlung ablenken. Aber der ist ziemlich spannend und gerade Werner Herzog ist mal wieder eine Schau.

15.05.2020

STRAY CAT ROCK: SEX HUNTER! (Yasuharu Hasebe, 1970)

Die Gangs der kessen Alleycats unter der toughen Mako (Meiko Kaji) und der Eagles des herrischen Baron (Tatsuya Fuji) teilen sich ein Revier. Doch als eine Alleycat einen afro-amerikanisch-japanischen GI-Nachkommen dem Eagle Susumu (Jirô Okazaki) vorzieht, ruft der Baron dazu auf, die Stadt von „Mischlingen“ zu säubern. Als dann auch noch der halb-farbige Kazuma (Rikiya Yasuoka) in die Stadt, um seine Schwester zu suchen, und in Mako, die Baron schon lange erfolglos hofiert, eine liebäugelnde Hilfe findet, herrscht Krieg zwischen den Gangs…

Die Tonart schlägt im dritten Teil der Streunenden-Katzen-Reihe um, es geht grimmiger und brutaler zu, gerne auch in einem sexualisiertem Kontext. Die Gangs der Eagles und Alleycats sind sich ziemlich ähnlich, so auch ihre Anführer Mako und Baron, die beide brutal ihrem Geltungsdrang nachgehen und auch schon mal auf tödliche Gewalt setzen. Erst der aufkeimende Rassismus bei Baron, der natürlich schon lange in ihm schwelte – sein Schwester wurde einst von „Bastarden“ vergewaltigt -, und die sorglose Bereitschaft seiner Jungs, ihm darin zu unterstützen, treibt einen Keil zwischen die beiden Banden. Und Baron will es jetzt auch wissen, geht bei Mako aufs Ganze und versucht, ihre Bande mit (sexueller) Gewalt zu unterwerfen. Das Schicksal von Kazuma, mit Rikiya Yasuoka darf Meiko Kaji später noch ein Liedchen trällern, wird von Hasebe als ein sehr düsteres beschrieben – in die Ecke gedrängt, trauen sie sich nicht einmal, zueinander zu stehen, werden zermürbt, im Kampf gegen jene, die sie nicht unter sich haben wollen. Mit diesem pessimistischen Stoff fühlte sich Yasuharu Hasebe sichtlich wohler, als mit dem noch sehr 60s geschwängerten DELINQUENT GIRL BOSS. Seine Geschichte schippert konsequent in die Katastrophe, jeder Anflug von Heiterkeit endet in Kummer und Schmerz, jeder sich bietende Ausweg wird von den Figuren trotzig links liegen gelassen. Es tut dem Film auch sichtlich gut, dass Meiko Kaji hier erstmals die zentrale Rolle einnehmen konnte, mit Tatsuya Fuji hat sie einen superben Gegenpart. Ein guter Film, allerdings mochte ich WILD JUMBO lieber, da dessen Tragödie eine richtige Fallhöhe hatte und damit mehr emotionalen Tiefgang.

16.05.2020

DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH! (David Nutter, 1998)

Nach dem Selbstmord ihres Bruders ziehen Steve (James Marsden) und Kathlyn (Katherine Isabelle) ins beschauliche Cradle Bay. Steve findet Anschluss bei den Außenseitern Gavin (Nick Stahl) und Rachel (Katie Holmes). Gavin erzählt Steve Geschichten über Verschwörungen und merkwürdige Vorkommnisse in dem kleinen Städtchen. Und tatsächlich scheint mit den beliebten Strebern und Sportlern des Blue Ribbon Clubs von Dr. Caldicott (Bruce Greenwood) etwas nicht zu stimmen. Gerade bei sexueller Erregung scheinen sie komplett Amok zu laufen…

Öde und einfallslose Mischung aus THE FACULTY und DIE FRAUEN VON STEPFORD. Bis auf Bruce Greenwood (der irgendwie noch nie schlecht war), ist der Cast schrecklich: James Marsden agiert steif, genauso Katie Holmes, dagegen sind Nick Stahl und William Sadler (als seltsamer Hausmeister und Retter in der Not) total überdreht. Der Film ist immer dann am besten, wenn es sexuell anzüglich wird und ein Blue Ribbon Boy durchdreht, was aber leider nur laue dreimal passiert. Außerdem kenne ich kaum einen Film, der einen so miesen Score und einen dermaßen unpassende Auswahl auf dem Soundtrack hat. Jedes Mal, wenn dort ein Song angespielt wird, denkt man, „Wtf? Das passt doch null!“ Rohrkrepierer, hihihi.

KRIEG DER INFRAS (Ling Chong-Guang, 1976)

Mehr oder weniger lustiges Gekloppe verschiedener Stuntmen in mehr oder weniger lustigen Kostümen. Wird in den gut 70 Minuten nicht langweilig, aber ist auch nicht für mehr als die Überbrückung zwischen zwei besseren Filmen gut, wenn man nichts anderes zur Hand hat. Kein Vergleich mit bspw. dem unterhaltsamen INVASION AUS DEM INNERN DER ERDE, zu dem (wahrscheinlich nur in der deutschen Fassung) Bezug genommen wird, in dem man die Helden Infra Supermänner genannt hat.

AQUAMAN (James Wan, 2018)

Jason Momoa hat Charme, keine Frage. Aber der Film ist ein fürchterliches Tohuwabohu, zieht sich dazu die ersten 70 Minuten zäh wie ein Kaugummi vorwärts. In dieser Zeit muss man sich halt beschäftigen und die Ursprünge der ganzen Elemente erraten, die sich AQUAMAN großzügig entliehen hat. In der zweiten Stunde wird es dann endlich interessant, was auch an den schönen Visuals der Unterwasser-Welt liegt, die farbenfroh vom Bildschirm leuchten. Allerdings bleibt der Film stets vorhersehbar und offenbart keine einzige eigene Idee. Ohne den Quatschkram mit Black Manta, der weder Fisch noch Fleisch ist, hätte man sich glatt eine halbe Stunde Laufzeit gespart, was wohl auch den Pacing zugute gekommen wäre. Auf der Habenseite stehen außerdem noch die Lovecraft-Monster und natürlich Dolph Lundgren. Nach all den Vorschusslorbeeren, mit dem der Film ins Rennen gegangen ist, waren wir aber doch ziemlich enttäuscht. Doof, manchmal lustig, aber viel, viel zu lang.

17.05.2020

CHAINED HEAT – EXZESSE IM FRAUENGEFÄNGNIS (Lloyd A. Simandl, 1993)

Die Amerikanerin Alex (Kimberly Kates) wird im Bahnhof von Prag wegen Drogenschmuggels verhaftet und später vor Gericht zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Fraungefängnis hat die herrische Magda Kassar (Brigitte Nielsen) das Sagen, eine erbarmungslose Sadistin. Außerhalb der Mauern versucht ihre Schwester Suzanne (Kari Whitman) derweil, Alex‘ Unschuld zu beweisen…“

Weder als S/M-Erotikfilm noch als B-Krimi wirklich überzeugend. Die Tristesse des Ostblock-Settings bringt allerdings ein wenig Depri-Atmosphäre rüber, doch die schlechten Darsteller reißen einen da immer wieder raus. Zum Ende wird es unterhaltsamer, aber insgesamt ein eher freudloser Streifen, der über weite Strecken langweilig vor sich hin dümpelt.

INVINCIBLE DRAGON (Fruit Chan, 2019)

Unerquicklicher, weil sprunghafter Genre-Bastard. Mehr demnächst bei Filmtoast

TODES-BRIGADE (Max Pécas, 1985)

Kommissar Gérard (Thierry de Carbonnièrs) untersucht den brutalen Mord an einigen Prostituierten. Ein Wink seiner Ex-Geliebten Veronique (Lillemour Jonsson) führt zu einer Razzia in einem Swinger-Club. Als die Besitzerin aus dem Polizei-Gewahrsam fliehen will, stürzt sie von einem Baugerüst und stirbt. Doch sie war die Frau des „Griechen“ (Jean-Pierre Bernard), und der mies gelaunte Gangster schickt schon mal den sadistischen Costa (Jean-Marc Maurel) nach Paris, um sie zu rächen. Eines der Opfer ist Gérards schwangere Schwester. Der legt nun die Fesseln des Gesetzes ab und schreitet seinerseits zur blutigen Abrechnung…

Ein großes Fest des schlechten Geschmacks, der ist ziemlich sleazy und über alle Maßen brutal. Es ist außerdem beachtlich, dass Max Pécas und sein Bruder Marc ihre Hausaufgaben gemacht zu haben scheinen, als sie das Drehbuch zusammenkritzelten, da ist alles vertreten, was man von einem flotten Action-Krimi erwartet, sogar ein funktionierendes Konstrukt aus Personen und nachvollziehbare Motive, auch die kaum oscarverdächtige Handlung entwickelt sich halbwegs folgerichtig. Was die Action betraf, mutete sich Pécas nicht mehr zu, als er stemmen konnte, weshalb man, abseits einiger netter POV-Shots, keine großartigen Mätzchen, was Kamera und Schnitt betrifft, erwarten darf. Summa summarum ergibt das nicht allzu kompetentes Gewalt-Kino aus Frankreich, das sich gut als Höhepunkt eines Triple Features zusammen mit BLUT AUF DEM ASPHALT und DIE VOLLSTRECKERIN machen würde.

Dear Diary – Das Filmtagebuch

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