Dear Diary… on the watch: Kalenderwoch 18 / 2020

Letzte Woche war irgendwie nicht viel mit Filme gucken. Es gab viel zu tun, außerdem sind meine Herzprobleme wohl doch ernster zu nehmen, als ich dachte. Ich hab nebenher noch einige Folgen METALOCALYPSE geschaut und die sechste Staffel von MARVEL’S AGENTS OF S.H.I.E.L.D. beendet, die eigentlich recht gut begann, aber zum Ende dann immer schwächer wurde.

27.04.20

BODY PUZZLE (Lamberto Bava, 1992)

Eine blutige Mordserie beginnt und die Witwe Tracy (Joanna Pacula) erhält Teile der Toten als morbide Botschaften. Weil die Leiche von Tracys Mann wieder ausgebuddelt wurde, glaubt Ermittler Michele (Tomas Arana) des Rätsels Lösung in der Vergangenheit der Frau begraben…

Für einen Spät-Giallo von Anfang der 90er ist der gar nicht mal schlecht. Lamberto Bava konnte hier anscheinend auch nochmal etwas aus dem Vollen schöpfen; die Darsteller sind gut, auch die Locations sind ansprechend. Das Drehbuch hat ein wenig am finalen Twist zu knabbern, allerdings ist diese Entscheidung nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass man das Gesicht des Mörders eben kennt. Inszenatorisch gibt es kaum etwas zu mäkeln, das lässt sich gut gucken, auch spannungstechnisch zieht er sich gut aus der Affäre. Der geht in Ordnung.

LETHAL WARRIOR (Soi Cheang, 2015)

Undercover Cop Kit (Jing Wu) wurde von seinem Onkel Chan (Simon Yam) in eine Organisation eingeschleust, die einen ganz Südostasien umspannenden Organhandel betreibt. Bei einem Zugriff am Flughafen kommt es zu einer Schießerei, man kann aber den schwer verletzten Ko Hung (Zhang Jin) festsetzen, den man für den Chef der Bande hält, während Kit mit den Gangstern fliehen muss. In Wirklichkeit hält allerdings dessen Bruder, der herzkranke Mr. Hung (Louis Koo), die Zügel in der Hand. Da er selbst Kos Herz für eine Transplantation benötigt, versucht er diesen gegen Kit, den man in ein thailändisches Gefängnis verschleppt, freizupressen. Der dort unter falschen Namen einsitzende Cop gerät dort an den gutherzigen Wärter Chatchai (Tony Jaa), der jedoch auch auf ein Spender-Organ für seine kranke Tochter wartet…

Der ist in den ersten 85 Minuten ein kompetent heruntergekurbelter Action-Thriller, der gerade durch die grenzenüberspannende Handlung punktet. Die Action-Szenen sind gut choreographiert und Cheang zaubert auch wieder ein paar nette optische Spielereien aus dem Hut. Gut gefallen hat mir auch die Musik, die in diesen brutalen Szenen gute Kontraste setzt. Doch in der letzten halben Stunde schießt sich der Film dann selber ins Bein, wenn das große Finale in einer illegalen Luxus-Praxis in einem Penthouse steigt, hat der Film seinen Spannungshöhepunkt längst hinter sich gelassen. Gerade die Fixierung auf den Handlungsteil mit der kleinen Tochter wirkt vollkommen unglaubwürdig, von dem dämlichen Ende fangen wir lieber gar nicht erst an. Schade, denn hätte man auf diese fragwürdige Extravaganz im letzten Drittel verzichtet, wäre das ein guter Film gewesen.

28.04.20

A COMPANY MAN (Lim Sang-yoon, 2012)

Wie andere Anzugträger auch begibt sich der junge, aufstrebende Ji Hyeong-do (So Ji-seob) jeden Morgen ins Büro und versucht sich mühsam die Erfolgsleiter hoch zu arbeiten. Doch verbringt er seinen Arbeitstag nur selten am Schreibtisch, sondern verrichtet sein Werk außer Haus – er ist ein Auftragskiller, das Büro nur eine Fassade für eine Agenture, die seine Dienste und die seiner Kollegen vermittelt. Doch als ihn ein Opfer um einen Gefallen bittet, lernt er die Sängerin Me-yeon (Lee Me-yeon) kennen. Die Begegnung stürzt ihn in eine Sinnkrise mit fatalen Konsequenzen…

Sehr eigenwilliges Killer-Drama mit satirischen Zügen. Mit trockenen Witz begleitet Regisseur Sang-yoon seinen Protagonisten durch seinen vermeintlich normalen Alltag, präsentiert seinen Job als Killer wie eine ganz normale Karriere, seine Motivation wie die eines normalen Angestellten. Sehr löblich ist dabei, dass er dies nie ins Lächerliche abgleiten ist, sondern seine unaufgeregte Linie durchzieht. Leider bleiben dadurch natürlich die ganz großen Lacher aus und richtig spannend wird der Film auch nicht. Zudem nimmt die Sache mit Me-yeon zwar nicht viel Platz ein, aber doch noch einmal deutlich das schon nicht hohe Tempo raus. Erst zum Finale dreht der Film dann wieder auf und letztlich vollkommen ab. Hier bahnt sich dann der Wahnsinn seinen Weg, den man an manchen Stellen des Films schon vermisst haben mag. Insgesamt kein Kracher, aber doch ein skurriler und damit erfrischend eigentümlicher Genre-Beitrag, der zumindest einen Blick wert ist.

29.04.20

PREDESTINATION (The Spierig Brothers, 2015)

Ein Zeitreise-Agent (Ethan Hawke) wird bei einem Auftrag schwer verletzt. Nach der Regeneration bekommt er einen neuen Auftrag. Er steht irgendwann an einer Bar und schenkt Drinks aus, als ein junger Mann (Sarah Snook), der einmal eine Frau, sich an die Theke setzt und ihm seine Geschichte erzählt. Als er diese gehört hat, macht er dem Mann ein unglaubliches Angebot…

Die erste Hälfte des Films zieht sich wie Kaugummi, um dann in der zweiten Hälfte hintereinander gleich eine Reihe von Twists aus den Hut zu zaubern, wodurch auch endlich etwas Spannung aufkommt. Wenn man dann weiß, wie alles zusammenläuft, ist einem auch klar, warum die Spierigs für JIGSAW engagiert wurden. PREDESTINATION ist sicher reizvoller als das Serialkiller-Spin-off, aber schert sich genauso wenig um eine kohärente Logik und versucht dazu noch, einen das als den Twist an sich zu verkaufen. Das ist dann doch relativ ernüchternd, ähnlich den Aha-Momenten von etwa LOOPER oder INCEPTION, welche gewiss auch Pate für den Film standen. Kein schlechter Film, ein nettes Gedankenspiel allemal, aber ich fand es etwas öde, dass der Film einen die ersten 50 Minuten einlullt, um einen dann in den folgenden 40 Wendungen in immer höherer Frequenz um die Ohren zu hauen. Da reicht es halt auch nur noch zu einem „Aha“, und keinen „What the… ?“ mehr.

BLOODSHOT (Dave Wilson, 2020)

Elite-Soldat Ray (Vin Diesel) wird nach seinem Tod durch die Hand eines fiesen Terroristen durch den undurchsichtigen Dr. Harting (Guy Pierce) mit neuartigen Naniden experimentell in den unzerstörbaren Supersoldaten Bloodshot verwandelt. Doch Harting spielt falsch, und mit Hilfe von KT (Elza González) und Computer-Genie Wilfred (Lamone Morris) erkennt Bloodshot, dass er manipuliert wurde…

Halbgare Scheiße, bei der niemand interessiert schien, einen vernünftigen Film zu drehen. Im Grunde hat man eine Idee für einen doppelbödigen Thriller, die aber nach einer halben Stunde fallen gelassen wird, als ob man sich gesagt hätte, nein, das könnte ja sogar Spannung aufkommen lassen, wenn wir erst zum Ende des zweiten Drittels verraten, dass er manipuliert wird! Auch die Idee mit den Naniden ist nur ein ödes Gimmick, das die üblichen Superkräfte ersetzen soll. Auf dem Papier (oder halt im Comic) liest sich sowas wahrscheinlich cool; da ist ein Typ, der in Fetzen geschossen und immer wieder zusammengesetzt wird. In der Vorproduktion hieß es dann wahrscheinlich, das sei brutal, das sei gewaltätig, wenn das ein R-Rated wird, dann gibt es halt nicht so viel Geld. Nun stand man da, mit dem teuren Vin Diesel, einem zerhackstückten Drehbuch und nicht genug Geld, um überhaupt an nette Blockbuster-Schmoddereien zu denken. Denn die zweite große Schwäche des Films ist ausgerechnet die Action, es gibt davon wenig, und das ist auch nicht mal ansatzweise spektakulär. Den Rest des Geldes hat man dann in ein paar VR-Spielereien und schlechte CGI gesteckt. Herausgekommen ist nun ein Trainwreck, das froh sein kann, durch die Quarantäne halbwegs sang- und klanglos untergegangen zu sein.

30.04.20

HOUNDS OF LOVE (Ben Young, 2016)

Es geschieht 1987 in Perth: In einer heißen Sommernacht trifft die junge Vicky (Ashleigh Cummings) auf dem Weg zu einer Party auf das Ehepaar John (Stephen Curry) und Evelyn (Emma Booth). Sie bieten ihr an, sie mitzunehmen und ihr Gras zu verkaufen. In ihrem Haus nimmt Vicky noch einen Drink mit Evelyn. Zu spät bemerkt sie, dass man ihr etwas untergemischt hat. Fortan ist sie eine Gefangene des psychopathischen Paares, das sie erniedrigt und missbraucht…

Irgendwie hab ich mir von dem mehr erwartet. Das liegt wohl zum einen daran, dass die Inhaltsangabe eine aktivere Rolle Vickys verspricht, die hier aber eher durch ihre bloße Anwesenheit und die Gefühle, die diese bei John und und vor allem Evelyn weckt, die Abwärtsspirale in Gang setzt, oder eher gesagt, verschärft. Außerdem krankt das ganze Konstrukt ein wenig daran, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, wie es bei dem psychopathischen Pärchen vorher gelaufen ist, bzw. dass diese Beziehung jemals funktioniert hat. Das führt dazu, dass die Entwicklungen der Geschichte sehr willkürlich erscheinen, was den Spannungsaufbau immer wieder hemmt. An sich ein nettes Filmchen, schön fotografiert, gut gespielt, das aber von Anfang an eine gute Portion stringenter Handlungsentwicklung hätte gebrauchen können, um vollends zu überzeugen.

01.05.20

DER PANTHER WIRD GEJAGT (Claude Sautet, 1960)

Gangster Abel (Lino Ventura), genannt „der Panther“, ist schon seit einiger Zeit untergetaucht und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Als die Luft für ihn in Italien zu dünn wird, arrangiert ein Freund eine Passage über See für ihn und seine Familie nach Frankreich. Bei der Landung in der Nacht werden sie von zwei Polizisten überrascht, Frau und Freund lassen ihr Leben. Abel flüchtet mit seinen Jungen und hofft auf Hilfe von seinen alten Komplizen aus Paris. Die schicken ihm dem jungen Eric (Jean-Paul Belmondo), denn „der Panther“ ist ihnen zu heiß geworden. Bald wird ihnen klar, dass auf Hilfe nicht mehr zu hoffen ist…

Düsterer Abgesang auf Loyalität unter Gangstern. Der einzige Mensch, auf den sich der gejagte Abel verlassen kann, ist ausgerechnet der ihm zuvor unbekannte Eric, der sich ihm eines Freundes wegen verpflichtet fühlt. Lino Ventura verkörpert den Gangster gleichsam skrupellos, aber auch als fürsorglicher Vater seiner Söhne. Dass er allerdings kaum zu Empathie fähig scheint, erkennt man, wenn seine Frau und sein Freund nach der Überfahrt bei der Schießerei ihr Leben lassen. Er nimmt es zur Kenntnis, mehr nicht. Mit Jean-Paul Belmondos Eric verbindet ihn eine gewisse Kompromisslosigkeit, die Eric dazu bewegt, bis zuletzt nicht von seiner Seite zu weichen. Auf der anderen Seite zeigt ein Flirt mit Sanda Milo als Lilliane, der sich zu einer Liebesbeziehung entwickelt, dass Eric seinerseits noch nicht so abgestumpft wie Abel ist. Sautet gelang hier ein großartiges Kriminal-Drama der leisen Töne, das seinen Charakter Platz lässt, aber auch den Spannungsaufbau nie vernachlässigt.

BOILING POINT (Takeshi Kitano, 1990)

Masaki (Yurei Yanagi) ist kein tougher Typ und kein guter Sportler. Als er nach einem ernüchternden Tag auf dem Baseballplatz bei der Arbeit mit einem Gangster aneinander gerät, geht er auf ihn los und bricht ihm den Arm. Iguchi (Taka Guadalcanal), ein ehemaliger Yakuza, will das für ihn regeln, macht die Sache aber nur noch schlimmer. Also fährt Masaki mit einem Kumpel nach Okinawa, um sich eine Waffe zu besorgen. Sie lernen dort den brutalen Yakuza Uehara (Takeshi Kitano) kennen, der von seinem Clan verstoßen wurde, und geraten in noch größere Schwierigkeiten…

Kitanos zweiter Film erinnert mich ein bisschen an die Filme von Sabu, die ein ähnliches anything-goes-Feeling versprühen. Die Misere des Losers Masaki verstärkt sich immer weiter, je mehr irgendjemand versucht, sich für ihn einzusetzen. Die Entscheidung, schließlich eine Waffe zu kaufen, für was-auch-immer, führt zu einem fast schon eigenständigen Abenteuer in Okinawa, wo die Stunde von Beat Takeshi als Darsteller schlägt; er gibt den durchgedrehten Yakuza, der alle um sich herum entweder gegen sich aufbringt oder ins Unglück reißt, und ein Zerrbild einer möglichen Zukunfts Masakis darstellt. Und das Ende des Films schwankt zwischen fatal und fantastisch, wie es eben später auch bei Sabu oder Miike der Fall sein würde. Interessant ist auch die Figur Iguchis, der sich auch nach seinem Ausstieg als Gangster sich immer noch wie einer verhält. Und auch die lokalen Yakuza, mit denen Masaki seine Probleme hat, erweisen sich als von Minderwertigkeitskomplexen gezeichnet. Der Film scheint letztlich ungeschliffen, zäh und sprunghaft, anders als später SONATINE und OUTRAGE, zeichnet aber ein nicht weniger schmeichelhaftes Bild vermeintlicher japanischer Traditionsgangster.

INSIDE MEN – DIE RACHE DER GERECHTIGKEIT (Woo Min-ho, 2015)

Der Gangster Ahn (Lee Byung-hun) will sein Wissen um die Schwarzgeldkonten eines Politikers Kapital schlagen, doch wird an ihm ein Exempel statuiert. Nun sinnt er auf Rache. Auf der anderen Seite des Gesetzes ermittelt der ehrgeizige Staatsanwalt Woo (Cho Seung-woo) in den Verstrickungen eines Autobauers, eines Verlegers und eines Präsidentschaftskandidaten. Jeder für sich scheint in einem aussichtslosen Kampf einen übermächtigen Gegner gegenüberzustehen…

Gut konstruierter, vielleicht etwas zu geleckter Polit-Thriller, der den Zuschauer erst einmal unvorbereitet mitten in die Handlung wirft, noch bevor die handelnden Personen überhaupt richtig vorgestellt wurden. Doch wenn man sich erst einmal zurechtgefunden hat, sind die Verwicklungen und die Jagd von Ahn und Woo sehr spannend zu beobachten. Im letzten Drittel geht es vielleicht ein wenig zu schnell, auch glänzt das Finale nicht durch Rafinesse, den Erklärbär danach hätte es sowieso nicht gebraucht. Ich denke aber mal, dass einiges bei den Straffungen des Films für die vorliegende Kinofassung (in Südkorea kam schon nach kurzer Zeit ein dreistündiger Extended Cut in die Kinos, der aber auch noch 40 Minuten Material missen soll) unter den Tisch gefallen ist. In dieser Form entwickelt sich die Geschichte zumindest sehr zügig. Als Mainstream-Thriller geht der in Ordnung.

02.05.20

DER TODESENGEL (Maurizio Lucidi, 1970)

Der exzentrische Graf Matteo Tiepolo (Pierre Clémenti) schlägt dem unglücklich verheirateten Playboy Stefano (Tomas Milian) vor, dass er seine Frau Luisa beseitigen würde, wenn dieser im Gegenzug seinen Bruder tötet. Als Luisa dann tatsächlich ermordet wird, weigert sich Stefano seinen Teil zu erfüllen, gerät aber immer weiter ins Visier der Ermittlungen der Polizei…

Mauricio Lucidi schuf hier eine ganz eigene Version von Highsmiths STRANGERS ON A TRAIN, die die Geschichte um die perfide Manipulation des Grafen Matteo als treibende Kraft hinter dem einseitigen Komplott geschickt erweitert. Es gibt hier nicht den „Guten“ und den „Psychopathen“, Stefano ist selbst eine verkommene Gestalt, ein Müßiggänger, der den Unwillen seiner Frau, ihm das Geld aus dem Verkauf seiner Werbe-Agentur, die eigentlich ihr gehört, zu überlassen, um mit seiner Geliebten Fabienne ein neues Leben beginnen zu können. Trotzdem will er nicht auf den Deal mit Matteo eingehen, denn er macht sich nicht gerne die Hände schmutzig. Moralische Skrupel sind eher der letzte Grund, der ihn davon abhält, auf den Handel einzugehen. Matteo treibt ihn seinerseits immer weiter in die Enge, und als Luisa dann tot ist, scheint ein neues Leben sogar noch weiter in die Ferne gerückt. Es ist spannend mit anzusehen, wie Stefano sich wie eine Ratte im von Matteo entworfenen Labyrinth windet und versucht, nicht eben den von ihm vorgegebenen Weg zu nehmen, weil er genau weiß, wohin dieser ihn führt. Getragen wird das mit Tomas Milian und dem androgynen Pierre Clementi von zwei hervorragenden Darstellern. Als Hintergrund für ihr erstes und ihr letztes Treffen ist passend das winterliche Venedig gewählt, das unter grauem Himmel schmutzig und verfallen wirkt, wie der von scheinbar angeborenen Krankheiten gezeichnete Matteo. Regie-Assistenz war hierbei übrigens Aldo Lado, der nur ein Jahr später mit THE CHILD – DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM einen eigenen, ähnlich veranlagten Venedig-Film schuf.

MEG (John Turteltaub, 2018)

Eine Tauchexpedition wird in großer Tiefe von etwas Unbekanntem attackiert und hängt dort fest. Man schickt nach dem Tiefsee-Experten Taylor (Jason Statham), der als zwar labil, aber wagemutig gilt. Er kann die Crew raufholen, doch ihnen im Nacken hängt ein riesiger Megalodon…

Weitestgehend überraschungsarmer Hai-Horror, dem es am echten Horror fehlt. Dafür darf sich Statham in einigen Action-Szenen beweisen, in denen nicht nur der Hai, sondern auch er selbst gut sichtbar durch CGI gedoubelt wird. Ich hatte fälschlicherweise angenommen, dass der Großteil des Films in großer Tiefe und in und um die Unterwasserforschungsstation stattfindet. Es war schon einigermaßen enttäuschend, dass dem nicht so war, vor allem da der Film merklich unspektakulärer und langweiliger wird, wenn sie die Wasseroberfläche erreichen. Die obligatorische „Hai sucht sich mit Menschen gefüllten Badestrand als Appetithäppchen“-Szene hätte man sich gleich komplett sparen können, denn da passiert eigentlich so gut wie gar nichts. Ein Pluspunkt gibt es für den Verzicht, an unpassenden Stellen Witzchen einzuschieben, wie es viele andere Filme dieser Größenordnung gerne praktizieren. Im Endeffekt ein Streifen, der niemanden weh tut, aber auch nicht wirklich viel gebacken bekommt, und dazu stellenweise unangenehm künstlich aussieht. Statham sollte aber auch wirklich mal wieder ein paar ordentliche Actionfilme drehen anstatt dieses Blockbuster-Bullshits.

SCHIESS, SOLANGE DU KANNST! (Claude Sautet, 1965)

Der Skipper Cournot (Lino Vetura) soll in Santo Domingo im Auftrag eines Mr. Hendrix (Alberto De Mendoza) ein Schiff begutachten. Er fädelt einen Deal für die „Dragoon“ von Rae Osborne (Sylva Koscina) ein. Doch am nächsten Tag ist das Boot gestohlen und einige Männer sind tot. Nun heuert Mrs. Osborne ihn an, um per Wasserflugzeug mit ihr nach der „Dragoon“ zu suchen. Tatsächlich werden sie auch fündig und gehen an Bord und fallen dann dem Schmuggler Morrison (Leo Gordon) und seinen Männern in die Hände…

Sautet nimmt sich mal wieder Zeit, braucht schon fast die Hälfte des Films, um alle wichtigen Personen an Bord der „Dragoon“, die auf Grund gelaufen ist, zu vereinen. Dort werden dann erst einmal ausstehende Fragen beantwortet, bevor er dazu übergeht, diese Zwangsgemeinschaft genauer zu beleuchten. Morrison ist ein skrupelloser Gauner, der kein Problem damit hat, einen seiner Komplizen über den Haufen zu ballern, weil er ihn für überflüssig hält. Cournot, den er als erfahrenen Seemann auch braucht, bringt er sogar Respekt entgegen. Selbst als der vergeblich versucht, den Piloten zu warnen, setzt er sich ruhig mit ihm hin und raucht eine Zigarette mit ihm. Umso bedrückender wird dann die Lage, als zum Finale dann ein Kleinkrieg zwischen den beiden entbrennt, und Sautet zieht hier die Spannungsschraube dann auch unbarmherzig an. Ein astrein erzählter und gespielter, von seinen Charakteren getriebener Thriller.

KLUTE (Alan J. Pakula, 1971)

Privatdetektiv John Klute (Donald Sutherland) wird beauftragt, in New York nach dem verschwundenen Geschäftsmann Tom Grunemann, einem Freund von ihm, zu suchen. Seine einzige Spur ist die Prostituierte Bree (Jane Fonda), der Tom obszöne Briefe geschrieben haben soll. Diese ziert sich zuerst, dem zielstrebigen, aber emotionslosen Ermittler zu unterstützen. Doch schließlich gehen sie gemeinsam in der Vergangenheit Brees auf Spurensuche…

Mehr spannendes Psychogramm als Thriller, entwickelt die Aufschlüsselung von Brees Leben soghafte Wirkung. Und während die beiden zusammen rückwärts forschen, schafft es die Prostituierte ausgerechnet im unterkühlten Klute jemanden zu finden, dem sie Gefühle gegenüber entwickeln und sich auch zugestehen vermag. Klute wird zu einem Fixpunkt in ihrem Leben, der nichts mit oberflächlichem Sex, maskulinen Machtansprüchen und Geld zu tun hat, und sie so in eine Sinnkrise stürzt. Eigentlich ist das eine Liebesgeschichte, die gänzlich auf das Melodram verzichtet und sich anhand der Kriminalhandlung entwickelt. Hier ist der Weg das Ziel, und die Offenlegung des Mystery (welches sich auch zwischendurch schon relativ offensichtlich ankündigt) wird zur Nebensache.

03.05.20

DER BULLE VON HONGKONG (Robert Clouse, 1974)

Der Glücksritter Dan (Joe Don Baker) wird in Hongkong von der undurchsichtigen Felicity (Elizabeth Ashley) engagiert, um ihr eine goldene Statue zu beschaffen, die ihr trotz Anzahlung vorenthalten wird. Trotz hartnäckiger Konkurrenz kann er den Auftrag ausführen und verschifft das gute Stück in die USA. Doch bevor Dan ausbezahlt wird, verschwindet die Statue. Nun stellt ihm Oberboss Winters (Burgess Meredith) ein Ultimatum, und Dan ist auf die Hilfe seines schlagkräftigen Kumpels Jeff (Jim Kelly) angewiesen…

Eher unerquickliche Jagd nach einem schrulligen McGuffin. Joe Don Baker prügelt sich als chauvinistischer Held durch Hongkong, macht Zwischenstation in Los Angeles und wird zum Finale wieder durch halb Hongkong gejagt. Martial Arts darf man nicht erwarten, dafür ist Baker zu grobschlächtig veranlagt, und Jim Kelly hat auch nur eine ausgedehnte Nebenrolle. Lustig wird es, wenn Burgess Meredith als Mann im Hintergrund auftritt. Der ist so überdreht und darin vollkommen von sich überzeugt, das bringt richtig Leben in die Bude. Ansonsten gibt es zwar auch immer was zu sehen, aber das ist dann nicht besonders aufregend. Das hat keinen Scope, sondern eher TV-Flair. Dieses Gefühl wird auch von Lalo Schifrins Score noch unterstützt, der hier scheinbar nur ein paar Kompositionen für KOBRA, ÜBERNEHMEN SIE überarbeitet hat. Insgesamt gewiss nicht langweilig, aber doch ziemlich mittelmäßig.

Dear Diary – Das Filmtagebuch

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