Obscure Shit No. 40: NINJA JÄGER (1984)

NINJA JÄGER (OT: Blood Debts / R: Teddy Page / Hongkong/Philippinen 1984)

Richard Harrison ist ja auch ein Spezi von mir, dem ich mich in Zukunft öfters mal widmen werde; gerade im Hinblick auf meine schon länger geplante Godfrey Ho Retrospektive. Ähnlich Christopher Mitchum hat Harrison ja seine erfolgreichste Zeit in Italien und dann Südostasien verbracht. An dieser Stelle sei nochmal die Dokumentation EUROCRIME empfohlen, wo auch er als sympathischer Interview-Partner Frage und Antwort steht.

NINJA JÄGER/BLOOD DEBTS stammt aus seiner asiatischen Periode, ist ein billiger Selbstjustizreißer von Filipino-Regisseur Teddy Page aka Teddy Chiu (DIE MACHT DER NINJA 1+2, ESCAPE TO NOWHERE). Harrison spielt hier den liebenden Familienvater Mark Collins. Seine Tochter Sarah macht es sich gerade mit ihrem Freund im Park gemütlich, als plötzlich fünf Bösewichter aus dem Gebüsch stürmen. Sie wollen das hübsche Kind vergewaltigen, jagen sie und ihren Macker in Zeitlupe über die Grünfläche, während Titel und Darstellernamen über den Bildschirm flimmern. Er wird als erstes erwische, ihm wird in Zeitlupe in den Rücken geschossen. Sie schafft es immerhin noch zum Elternhaus, wo Papa Mark mit ansehen muss, wie auch ihr sich eine Kugel zwischen die Schulterblätter bohrt. Und auch unser Held bekommt nun eine Kugel an den Kopf, allerdings scheinbar unbeabsichtigt. Denn die fünf Übeltäter sind schockiert über diesen Ausrutscher, einer labert etwas sinnfreies wie „Das ist doch Mord!“ daher. Waren dann die tödlichen Schüsse auf das Pärchen etwa Flurbereinigung? Auf jeden Fall blickt der junge Mann noch entsetzt zurück, als man vom Tatort flieht. Das sind tatsächlich schon recht bizarre sechs Minuten zum Einstieg.

Ein paar Monate später beratschlagen die fünf dann immer noch darüber, ob sie ihren einzigen verbliebenen Zeugen lieber nicht doch erledigen sollen. Kein Scherz. Allerdings kommt ihnen Mark nun zuvor, denn er stattet dem Weichei der Truppe einen Besuch bei der Arbeit in der Werkstatt ab. Natürlich verrät der ihm die Namen seiner Kumpels, und der Weg ist frei für Mark, mit den Mördern seiner Tochter, die er fortan „Ninjas“ nennt, warum auch immer, abzurechnen. Das ist dann auch recht schnell erledigt, aber Mark ist nun auf den Geschmack gekommen, schnappt sich auch andere Verbrecher, wenn sie mal seinen Weg kreuzen, und schickt sie ganz unbürokratisch über den Jordan. Dieser Rabatz bleibt in der Unterwelt nicht unbemerkt, erregt die Aufmerksamkeit von Bill (Mike Monty). Der betreibt vorgeblich die ehrenamtliche Säuberung der einheimischen Straßen und dunklen Gassen von Ungeziefer. Er überredet Mark, seinem Verein beizutreten, und zwar, indem er seine Frau entführt. Von Vertrauensbasis scheint der gute Bill nicht viel zu halten, und Mark scheint zwar missmutig, aber nicht misstrauisch zu sein. Natürlich geht es Bill nicht um die Bekämpfung des Verbrechens, er benutzt den tumben Mark dafür, seine Konkurrenz aus dem Weg zu räumen und ihn als Sündenbock der hiesigen Polizei zu präsentieren…

NINJA JÄGER ist schon ein kleiner Trashknaller, auch wenn es ihm leider ein wenig an richtigen Schauwerten mangelt. Das liegt natürlich auch an der bescheuerten Story, die schon ein wenig DEATH WISH IV – DAS WEISSE IM AUGE (1987) vorwegnimmt, auch wenn die „manipulierter Rächer“-Storyline damals nicht mehr ganz taufrisch war. Der Film ist natürlich billig durch und durch, aufwändige Action, gute Stunts oder zumindest literweise Blut darf man hier nicht erwarten. Es ist aber lustig zu sehen, dass Richard Harrison nach all den Jahren immer noch nicht weiß, wie man eine Waffe ordentlich in der Hand hält. Ich mutmaße mal, dass er persönlich einfach eine Abneigung dagegen hat. Ansonsten zeichnet sich die Action im Film, neben eben dem Dilettantismus ihrer Inszenierung, besonders durch ihre Gnadenlosigkeit aus; hier werden keine Gefangenen gemacht. Und wenn Harrison im Finale dann noch die Bösewichter mit einer Superwumme der Reihe nach wegsprengt, bleibt eben auch kein Auge trocken. Sehr kurios ist es natürlich auch, dass Harrison die von ihm Gejagten als „Ninjas“ bezeichnet, was wohl der deutschen Titelschmiede geschuldet ist, die diesen Heuler zum Ninja-Streifen deklariert, bevor man abgeklärt hatte, ob es überhaupt ein solcher ist. Das musste dann wohl das Synchron-Drehbuch ausmerzen, dass es dann sogar mal kurz in einem Gespräch des Obermotzes Bill mit seinem Henchman thematisiert, als dieser meint, dass Mark wohl nicht ganz dicht in der Rübe sei, weil er immer was von Ninjas faselt. Richtig meta!

Insgesamt gesehen gehört NINJA JÄGER zu den unterhaltsameren Werken von Teddy Page, wie er sie vor allem in den ersten 2-3 Jahren als Regisseur produziert hat, bevor er sich ab Mitte der 80er dann der routinierten Fließbandproduktion einfallsloser und uncharmanter Dutzendware verdingt hat. Fans von Richard Harrison, der im Deutschen übrigens von Norbert „Homer Simpson“ Gastell vertont wurde, können durchaus mal einen Blick riskieren, Fans von billigem Asia-Trash sowieso. Die alte deutsche VHS ist wahrscheinlich geschnitten, die DVD von WMM sollte vollständig sein. Allerdings lag hier sicherlich auch nur eine VHS als Master vor, was bei diesem Label aber auch nichts Neues ist. Davon ab habe ich schon weit schlechtere Releases in diesem Bereich erlebt. Außerdem ist sie auf Börsen oder Online-Verkaufsplattformen zumeist schon für einige wenige Euro erhältlich.

OFDB 6.09/10 [32 Stimmen] / IMDb 4.2/10 [208 Stimmen]

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