Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 14 / 2020

Und weiter geht es mit den Corona-Filmfestspielen. 22 Filme waren es diese Woche, dazu noch eine ganze Staffel mit SLASHER: SOLSTICE, deren 8 Folgen spannende und blutige Unterhaltung boten, auch wenn es teils etwas überladen schien. Wenn die Krise noch länger anhält, schaffe ich ja vielleicht doch mal 1000 Filme in einem Jahr.

30.03.2020

LOST RIVER (Ryan Gosling, 2014)

In der Kleinstadt Lost River, die schwer von der Rezession getroffen ist, versucht die alleinerziehende Billy (Christina Hendricks) sich und ihre beiden Söhne über die Runden zu bringen. Während sie sich in einem mondänen Nachtclub verdingt, gerät ihr ältester Bones (Iain De Caestecker) beim Plündern von Kupferrohrleitungen verlassener Häuser mit dem Gangleader Bully (Matt Smith) aneinander…

Optisch und akustisch gewiss interessant, scheint Regie-Neuling Gosling als Erzähler unfokussiert, überfordert. Doch gerade durch diese Unfokussiertheit gelingen ihm einige wirklich eindrucksvolle, unheimliche Bilder und Szenerien. Allerdings stellt sich nach einer gewissen Zeit eine Sättigung daran ein, da Gosling scheinbar nicht wirklich gelegen, dies in einen größeren Kontext zu setzen, auch fehlen dem Film interessante Figuren, die die reduzierte Handlung kompensieren könnten. Sicherlich ist es beabsichtigt, dass dieser Reigen ziellos vor sich hin treibt, dennoch läuft der Film früher oder später Gefahr, in die langweilige Belanglosigkeit zu kippen. Das Mystery, das hier drin steckt, wird nur angedeutet,ist nie greifbar. Kein Film für jedermann, und auch für mich wäre es hier schwierig, eine Empfehlung auszusprechen.

MANDY (Panos Cosmatos, 2018)

Red (Nicolas Cage) lebt mit seiner Freundin Mandy (Andrea Riseborough) glücklich und abgeschieden in ihrem Haus am Wald. Als Sektenführer Jeremiah (Linus Roache) Mandy erblickt und begehrt, lässt er das Paar entführen. Doch das Happening mit der unter Drogen gesetzen Mandy verläuft anders als erhofft, sie verlacht den Meister, und es nimmt ein böses Ende. Nun sieht Red rot und sinnt auf Rache…

Puh, das war ja mal ein Trip! Das optische und akustische Konzept, in dem die Bilder vorherrschend in rot und blau getüncht sind und von leiser, bedrohlicher Synthie-Mukke unterlegt werden, ist schon ziemlich radikal. Die ersten 70 Minuten vergehen wie im Flug, trotz der eher behäbigen Inszenierung. Danach versackt die Handlung und Cage darf in den Rage-Modus schalten. Und dann wird der Film zäher, denn das, was folgt ist ein Abstieg in die Hölle, in dem Cage in eine drogengeschwängerte Parallelwelt abdriftet. Der Film wird zum bizarr-blutigen Horror-Trip, abseits jedweder Spannung oder Emotion, in dem das Blut in Strömen fließt, ein Drogenkoch sich schon mal einen Tiger im Labor hält und Duelle mit der Kettensäge ausgefochten werden. Es werden vage Andeutungen gemacht mit christlicher Symbolik und Bildern, die einem Inferno gleichen. Letztlich ist dies aber nur aufgesetzt, das Geschehen genauso banal wie blutig. Und ich denke, dass Cosmatos sich dem wohl bewusst war. Denn wenn die geliebte Person gerächt ist, wartet keine Erlösung, keine Zukunft. Was bleibt, ist nur der Blick zurück. Und auch das kann die Hölle sein.

RED PIER (Toshio Matsuda, 1958)

Jiro (Yûjirô Ishihara) sitzt seit einiger Zeit am Hafen von Kobe fest. Er stammt zwar von hier, machte aber in Tokio als Gangster Karriere, wird deswegen skeptisch beäugt von Polizist Noro (Shirô Ôsaka). Da wird er Zeuge eines Kran-Unfalls, bei dem ein Mann stirbt. Wie sich rausstellt, war er ein Drogendealer und der Unfall ein Mord. Jiro macht Bekanntschaft mit Keiko (Mie Kitahara), der Schwester des Toten, sehr zum Ärger seiner Freundin Mami (Sanae Nakahara). Da er den örtlichen Yakuza alleine durch seine Anwesenheit ein Dorn im Auge ist, setzen sie einen Killer auf ihn. Als der aber Jiros Bruder Taabô (Masumi Okada) tötet, spitzt sich die Lage zu…

Dieser feine Nikkatsu Noir ist eine japanische Abwandlung von PÉPÉ LE MOKO, der u.a. auch schon Pate für eine Mischung aus Film Noir und Musical namens CASBAH – VERBOTENE GASSEN stand. Es werden aber hier nur Motive verwendet, wie etwa dass der Protagonist, ein Gangster, in einer Hafengegend festsitzt, ein örtlicher Polizist fast schon manisch hinter ihm her ist und er zwischen zwei Frauen steht. Während Pépé im Original entscheiden muss, ob er bei seiner alten Freundin in Tanger bleiben und sein altes, kriminelles Leben weiterführen möchte, oder seiner neuen Liebe heraus aus Afrika, in seine alte Heimat folgt (und in eine Falle läuft). Nikkatsu variierte diesen Punkt so, dass die alte Liebe mit ihm das Land, Richtung Hongkong, verlassen will, während die neue Liebe in einem Krankenhaus wartet, was letztlich die Falle darstellt. Auch das Ende des japanischen Krimis ist weit versöhnlicher und hoffnungsvoller als das Original. Der damalige Shooting-Star Yujiro Ishihara gibt den Gangster mit der guten Seele schon mit ordentlich Machismo, erweicht dafür aber auch im Laufe der Geschichte. Allerdings muss sich das Skript gefallen lassen, dass seine Figur Jiro zum Ende hin eigentlich das dümmste macht, was als Optionen zur Auswahl steht. Ansonsten läuft dieses Krimi-Drama gut geölt, hält den Fokus größtenteils auf dem Melodram, was gut funktioniert. Neben Ishihara agieren die Darsteller und vor allem Darstellerinnen in schwankender Qualität, gerade Mie Kitahara trägt als Love Interest Keiko gerne mal sehr dick auf. Insgesamt aber ein lohnenswerter Film, wenn man Krimis aus Fernost mag. Wenn man Nikkatsu Fan ist, kommt man daran sowieso nicht vorbei.

31.03.2020

MORD IN BARCELONA (Jaques Deray, 1978)

Der Seemann Roland (Lino Ventura) geht in Barcelona am Land, checkt im Hotel Colon ein. Er will dort auf seine Frau Sonia (Nicole Garcia) warten, die aus Paris anreist, um mit ihm einige Tage zu verbringen, bevor er mit dem nächsten Schiff nach Australien aufbricht. Doch kurz darauf erwacht er in einem Sanatorium, mit Erinnerungen an einen Toten im Kopf, die der Arzt als Hirngespinst abtut. Am nächsten Tag will er mit Sonia anderes Hotel beziehen. Als er sein Gepäck aus dem Colon holen will, findet er einen weiteren Toten und wird in ein mysteriöses Komplott verwickelt. Da die Polizei ihm nicht glauben will und seine Frau entführt wird, ist er auf sich allein gestellt…

Nüchterner Mystery-Thriller, Deray verzichtet dabei auch fast vollständig auf den Einsatz von Musik. Greift der Film anfangs noch das u.a. von Hitchcock gerne verwendete „wrong man, wrong place“-Thema und die Jagd nach einem McGuffin auf, wandelt er sich später zu einem waschechten Paranoia-Thriller. Der Zuschauer befindet sich dabei immer auf dem selben Wissensstand wie Protagonist Lino Ventura. Der Ausgang mag für viele vielleicht doch etwas zu unbefriedigend sein, nichtsdestotrotz erweist sich Derays Thriller als durchgehend spannende Angelegenheit.

SONNO PROFONDO (Luciano Onetti, 2013)

Eine masturbierende junge Frau, die ermordet wird; das Kindheitstrauma eines Jungen mit Rasiermesser; Hände in schwarzen Handschuhen, die mit Medikamenten und Messern hantieren…

Das Erstlingswerk der argentinischen Onetti-Brüder kommt ganz ohne Dialoge, ohne richtiges Schauspiel aus, verarbeitet in extremen Nahaufnahmen Giallo-Motive, die zusammen mit einem abstrakten Klangteppich, inmitten dessen sich manchmal Melodien herauskristalisieren, wie auch aus den Motiven angedeutete Handlungselemente, als Collage das Narrativ dieses Experimentalfilms bilden. Schwer zu beurteilen, es ist schon nicht schlecht, was die beiden Argentinier mit geringsten Mitteln fabrizieren, aber auch sehr oberflächlich und zäh.

DER OMEGA-MANN (Boris Sagal, 1971)

Nach einem bakteriologischen Krieg ist Robert Neville (Charlton Heston), dank eines eigens entwickelten Serums, der einzige gesunde Überlebende auf weiter Flur. Alle anderen sind nun lichtempfindliche Mutanten, die sich unter Anführer Matthias (Anthony Zerbe) zu einer religiösen Sekte zusammengeschlossen haben und Jagd auf Robert machen. Doch eines Tages geschieht das Unfassbare und er findet heraus, das er nicht allein ist…

Puh, der driftet immerzu am Rande einer Vollkatastrophe entlang. Das liegt nicht nur an dem ganzen Verkehr und den Passanten, die man entlang der Apokalypse im vorgeblich menschenleeren Los Angeles und den dabei ausgebliebenen Chaos. Wenn ich die Mutanten um Matthias sehe, muss ich automatisch an den zweiten Affen-Film denken. Die Story, die inzwischen kaum mehr was mit dem Matheson-Roman zu tun hat, ist strunzdoof mit ihrem ganzen religiösen Gedöns (inkl. Erlöser-Szene für Heston am Ende). Aber zumindest geht das Ganze flott voran, hat einiges an Action zu bieten. Außerdem darf Charltan Heston als Omega-Mann das Alphatier per excellence geben, kennt hier außerdem den Woodstock-Film Zeile für Zeile mitsprechen. Da kann man halt nicht drauf scheißen.

DIE LETZTE WARNUNG (Alain Jessua, 1977)

Louis Carrier (Jean Yanne) fühlte sich sein ganzes Leben klein gehalten. Als er zu Geld kommt, sieht er darin die Chance, es der Welt heimzuzahlen und so auf sich aufmerksam zu machen, vielleicht sogar Geschichte, wenn auch nicht im positiven Sinn, zu schreiben. Zusammen mit Kumpel Albert (Renato Salvatori) schickt er den Behörden mit verzerrter Stimme erpresserische Tonbäder, in denen er als „Armaguedon“ droht, Politiker, Wirtschaftsbosse oder bedeutende Künstler zu töten. Interpol setzt den Kriminalpsychologen Dr. Michel Ambrose (Alain Delon) auf ihn an. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich ein perfides Duell…

Kühler, superb gefilmter und erzählter Thriller. Delon agiert sehr zurückgenommen, spielt hier auch mehr einen Profiler und hat passenderweise gar keine richtige Action-Szene. Aber Jean Yanne, der regelrecht manisch wirkt, und Renato Salvatori, der ohne ihn verloren scheint, sind zusammen eine richtige Schau. Jessua baut die Spannung langsam auf, lässt die beiden Männer langsam aufeinander zu steuern, ohne jedoch am Ende den Zuschauererwartungen zu genügen, was wunderbar zur trockenen Art seines Films passt. Das ist feinstes Genre-Kino, das sich die gängigen Konventionen zunutze macht, mit ihnen spielt, anstatt ihnen starr verhaftet zu sein.

TOKYO MIGHTY GUY (Buichi Saito, 1960)

Als der smarte Jiro (Akira Kobayashi) von seinen Lehrjahren in Paris nach Tokio zurückkehrt, eröffnet er in Ginza sein eigenes Restaurant. Doch dort muss er sich nicht nur mit übermütigen Geschäftsleuten und fiesen Mafiosi herumschlagen, auch die arrangierte Ehe der ihm zugeneigten Hideko (Ruriko Asaoka) will umgangen werden, damit einjeder den Partner bekommt, den er verdient…

Ab und an braucht es auch mal einen harmlosen, lockeren Schwank, und TOKYO MIGHTY GUY kommt da beswingt und ausgelassen um die richtige Ecke, um für 80 Minuten mal alle Sorgen sein zu lassen und dem unterhaltsamen Treiben in Ginza beizuwohnen. Akira Kobayashi und Ruriko Asaoka haben hier alle Zügel in der Hand und führen den Zuschauer durch das unverfängliche Lustspiel und verbreiten unbekümmerte Heiterkeit. Das macht Laune. Außerdem spielt mein „Benicio de Toro Japans“ Kyosuke Aihara mit, das ist immer ein Pluspunkt.

01.04.2020

EIN MANN IN BESTFORM (Alain Jessua, 1982)

Nach einem Selbstmordversuch unterzieht sich der Versicherungsvertreter Alain (Patrick Dewaere) einer neuartigen, elektronischen Therapie. Danach scheint er wie ausgewechselt, seine Unbekümmertheit grenzt schon an stoischer Gleichgültigkeit. Dadurch treibt er aber seine Frau Jeanne (Fanny Cottencon) und Kollege Pierre (Jacques Dutronc) langsam in den Wahnsinn…

Bitter-böse Groteske über den Wunsch des Menschen, Herr seines Gefühlslebens zu sein, die hier dazu führt, dass der „geheilte“ Alain schlicht außerhalb dessen existiert. Die Abwesenheit von Wut und Depressionen, die andauernde Freude führt zu einem kompletten Verlust an Empathie und damit auch Menschlichkeit. Dewaere liefert als immer lächelnder Gefühlsskrüppel wieder bockstark ab. Das ist in vielen Szenen genauso niederschmetternd wie lustig. Davon jetzt bitte, bitte mal eine DVD oder Blu-ray!

02.04.2020

PASOLINI (Abel Ferrara, 2014)

Pier Paolo Pasolini (William Dafoe) hat nicht nur den Start seines neuen Films „Saló“ im Kopf, sondern auch die Vorbereitung eines neuen Filmprojekts. Als er beim Frühstück seine Freundin Laura Betti (Maria de Medeiros), die gerade von einem Dreh in Jugoslawien zurückgekehrt ist, zuhause begrüßt, ahnt er nicht, dass er den nächsten Morgen nicht mehr erleben wird…

Auch wenn dieses, von Willem Dafoe wunderbar getragene, Porträt an manchen Stellen etwas anmaßend scheint (bspw. wenn Ferrara Auszüge aus Pasolinis letztem Skript inszeniert), gibt dieses Biopic des letzten Tages einen interessanten Blick auf Umfeld und Beweggründe des Menschen und Filmemachers Pasolini frei, einer umstrittenen Person, der man sich vielleicht nur auf diesem Wege, in einer Momentaufnahme, annähern kann.

GLORIA (John Cassavetes, 1980)

Als Gloria (Gena Rowlands) bei ihren Nachbarn klingelt, um sich etwas Kaffee zu borgen, sind diese gerade in Erwartung eines Killer-Kommandos der Mafia. Sie lässt sich überreden, den kleinen Phil (John Adames) mitzunehmen. Kurz darauf werden alle in der Wohnung erschossen, und Gloria befindet sich mit Phil auf der Flucht. Trotz ihrer Abneigung Kindern gegenüber, entwickelt die ehemalige Gangsterbraut schnell einen Beschützerinstinkt für den kleinen Nervbolzen…

Immer noch ein großartiger Film, der haut mich jedes Mal aufs Neue um! Der junge John Adames ist, vielleicht auch der deutschen Synchro geschuldet, stellenweise etwas sehr nervig und vielleicht auch ein bisschen zu sehr abgeklärt, harmoniert aber wundervoll mit Gena Rowlands, die eine umwerfende Performance als grantige Einzelgängerin abgibt. Cassavetes weiß genau, wie er beim Zuschauer Gefühle für dieses ungleiche Duo wecken kann, lässt sie von einer brenzligen Situation zur nächsten schliddern. GLORIA ist ein nahezu perfekter Spagat zwischen Thriller und Drama, es ist eine Gefühlsachterbahn, wie es sie das zeitgenössische Kino einfach nicht mehr kennt.

OBLIVION (Joseph Kosinski, 2013)

Im Jahre 2077 ist der Mond zerstört und die Erde unbewohnbar. Die Menschen haben sich auf den Saturmond Titan zurückgezogen. Drohnentechniker Jack (Tom Cruise) leistet mit seiner Partnerin Vika (Andrea Riseborough) Dienst auf der alten Heimat, deren Ressourcen nun automatisiert abgebaut werden. Auf der Oberfläche hausen noch vereinzelte Gruppen der außerirdischen Plünderer, die sich an den Maschinen zu schaffen machen. Eines Tages stürzt ein Teil eines Raumschiffs auf die Erde, an Bord einige Menschen im Kälteschlaf. Als Jack dort eintrifft, kann er gerade noch verhindern, dass eine Drohne auch die letzte der intakten Schlafkapseln zerstört. Ihr entsteigt Julia (Olga Kurylenko), die in Jack widersprüchliche Gefühle und Erinnerungen auslöst…

OBLIVION besitzt ein sehr stimmiges Set-up, führt Personen und Geschichte schön ein, unterstützt durch die unglaublich schönen Bilder der halb zerstörten und verlassenen Erde. Doch nach einer halben Stunde schon erweist sich die Geschichte kaum gehaltvoll genug für einen 2-stündigen Spielfilm, wirkt beliebig und vorhersehbar. Bis zum Finale läuft das Ganze dann auch komplett spannungsfrei ab, wird sogar zum Ende durch unnötige Rückblenden noch einmal ausgebremst. Der Film ist solange gut, bis man sich an den betörend schönen Bildern satt gesehen hat und einem klar wird, dass die Substanz der Geschichte eher für eine Folge OUTER LIMITS ausgereicht hätte. So wirkt der immense Aufwand am Ende dann doch verschenkt. Schade.

03.04.2020

ROMA: L’ALTRA FACCIA DELLA VIOLENZA (Mario Girolami, 1976)

Eine brutale Verbrecherbande überzieht Rom mit waghalsigen Überfällen. Als sie einen Empfang in der besseren Gesellschaft heimsuchen, erschießt einer von ihnen die junge Carol (Roberta Paladini). Da die Ermittlungen von Kommissar Carli (Marcel Bozzuffi) ihm nicht wirklich erfolgsversprechend scheinen, startet ihr Vater Dr. Alessi (Anthony Steffen) eigene Ermittlungen. Und während die Polizei weiter in den Armenvierteln ermittelt, findet er die Täter ganz woanders…

Girolamis Angewohnheit, bei Verfolgungsjagden das Abspieltempo zu erhöhen, ist dem Film leider ziemlich abträglich, aber zum Glück gibt es davon nicht viele. Ansonsten erweist sich der Film als straighter Reißer, der einen Zwitter aus den damals beliebten Subgenres des Selbstjustiz-Thrillers und des Juvenile-Deliquents-Dramas darstellt. Die Gesellschaftskritik ist dabei ziemlich dick aufgetragen und wirkt so ein wenig aufgesetzt; es scheint halt einfach mehr Mittel zum Zweck, denn so kann Anthony Steffen (der hier sehr souverän agiert), anders als Marcel Bozzuffi, mit seinen repressiven Ermittlungsmethoden als erster auf die richtige Fährte stoßen. Auch die Charaktere der Upper-Class-Kids, die hier ein wenig Adrenaling junkt, sind eher flach gehalten. Aber an und für sich funktioniert die Mischung als rasanter, spannender Thriller ziemlich gut.

THE KING OF FIGHTERS (Gordon Chan, 2010)

Der mysteriöse Rugal Bernstein (Ray Park) stiehlt eine Reihe von Artefakten und wechselt in eine fremde Dimension, von wo aus er verschiedene Kämpfer für sein King of Fighters-Turnier rekrutiert. Die CIA-Agentin Mai (Maggie Q) will dies mit Hilfe der von eigentlich von verfeindeten Clans stammenden Kämpfer Kyo (Sean Faris) und Iori (Will Yun Lee) verhindern, denn sollte Rugal gegen alle Herausforderer gewinnen, könnte er seine Dimension mit der der Menschen vereinen…

Ui, der schneidet selbst im Vergleich mit der schon minderbemittelten Konkurrenz im Bereich der Live Action Verfilmungen von Fighting Games sehr schlecht ab. Natürlich ist die Story Mumpitz, das ist auch zweitrangig. Doch zum einen sieht man dem Film nur allzu deutlich an, dass unter den Mitbewerbern wohl nur STREET FIGHTER: ASSASSIN’S FIST weniger kostete – schlechte Green Screens, wohin das Auge schaut. Die Besetzung ist mit Ray Park und Maggie Q eigentlich gar nicht so schlecht, doch leider sind die Kämpfe sehr hakelig und unübersichtlich montiert, so dass trotz einiger netter optischer Spielereien, die eben dem Videospiel entlehnt sind, keine Freude aufzukommen vermag. Nein, der war scheiße.

DETECTIVE DEE UND DIE LEGENDE DER VIER HIMMLISCHEN KÖNIGE (Tsui Hark, 2018)

Di Renjie (Mark Chao) ist der Kaiserin Wu Zetian (Carina Lau) als Träger des mächtigen Drachenschwerts immer noch ein Dorn im Auge. So beauftragt sie Gardechef Yuchi (Shaofeng Feng), ihr zusammen mit vier außenstehenden Assassinen das Schwert zu beschaffen. Doch im Hintergrund zieht noch jemand Böses die Fäden, so dass Di Renjie und sein Freund Shatuo (Kenny Lin) alle Hände voll zu tun haben, dass Kaiserreich zu retten…

Boah, das war mal wieder Bombast-Kino, da durfte sich Tsui Hark mal richtig austoben! Zugegeben, der ist nun wirklich der flachste der drei Dee-Filme, Krimi und Mystery wurden auf das Nötigste zurückgefahren, aber dafür ist das dann auch ein Fantasy-Spektakel, das sich gewaschen hat. Hier wird mit schrägen Figuren, Schattenkriegern und Drachen um sich geworfen, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich empfehle dringlichst, das alles standesgemäß in 3D zu genießen, Hark ballert hier einem Schwerter, Feuer, Pfeile und zerberstende Steine vor die Fresse, dass man aus dem Staunen kaum mehr raus kommt. Wuxia-Kino ist für solche Effekt-Kanonaden einfach wie geschaffen, sowas will ich wieder sehen, wenn ich die nächsten Harks in den Player werfe!

04.04.2020

DOOMSDAY – TAG DER RACHE (Neil Marshall, 2008)

In Schottland bricht 2008 das Reaper-Virus aus, das ganze Land wird daraufhin zur Quarantäne-Zone erklärt. Als 2035 erneut eine Epidemie in London ausbricht, schickt man Elite-Soldatin Eden Sinclair (Rhona Mitra) ins abgeschottete Land, das nach Geheimberichte wieder gesundete Menschen beherbergt, um dort nach dem Wissenschaftler Dr. Marcus Kane (Malcolm McDowell) zu suchen, von dem man sich ein Gegenmittel erhofft. In der Zone trifft das Team von Sinclair auf organisierte Banden von Kannibalen, die die Städte behausen, während Kane sich im Stile eines mittelalterlichen Feudal-Herrschers auf eine Burg in den Highlands zurückgezogen hat..

Mit diesem brutalen Sci-Fi-Actioner warf Regisseur Marshall einen weiteren Klon von Carpenters Klassiker DIE KLAPPERSCHLANGE ins Rennen, in dem New York nun durch Schottland ersetzt wird. Der uninspierte Streifen versucht das ganze Szenario mit post-apokalyptischen Punks ala MAD MAX und einem martialischen Ritterturnier aufzupeppen, schafft es aber weder eine plausible Welt der Zukunft zu etablieren, noch in irgendeiner Weise Spannung aufzubauen. Dank der schlagkräftigen Hauptdarstellerin, einiger gern gesehener Gast-Stars, etwa Bob Hoskins und Sean Pertwee, und einer Reihe äußerst rüder F/X wird es nicht langweilig, auch wenn die Action-Szenen mal wieder viel zu schnell montiert wurden, um überhaupt etwas von dem ganzen Treiben mitzubekommen. Mittelprächtig.

FRENZY (Alfred Hitchcock, 1972)

Richard Blanley (Jon Finch) hatte einen schlechten Tag, wurde gerade bei seinem Job als Barkeeper gefeuert. Das Essen am Abend mit seiner Ex-Frau Brenda (Barbara Leigh-Hunt) verläuft nicht viel besser. Doch der nächste Tag soll noch viel schlimmer werden. Da Brenda ermordet wird, hält die Polizei ihn für den berüchtigten Krawattenmörder. Doch eigentlich ist es Bob Rusk (Barry Foster), ein Bekannter Richards. Nur seine Freundin Babs Milligan (Anna Massey) glaubt ihm…

Über weite Strecke ist das ja eher eine schwarze Komödie, denn ein Thriller. Meister Hitchcock konterkariert die brutalen Morde mit Szenen, in denen Rusk große Mühe hat, eine verräterische Krawattennadel aus der toten, steifen Hand eines Opfers zu entwenden, oder von Inspektor Oxford mit seiner Frau beim Abendessen, bei denen er immer wieder von ihm ungeliebte Koch-Experimente der French Cuisine probieren muss. Auch tapst sein nicht eben sympathischer Protagonist von einem Fettnäpfchen ins nächste, weswegen er einem einfach leid tun muss. Der damals über 70-jährige Alfred Hitchcock präsentiert sich hier noch einmal in Hochform, was allerdings auch ein Verdienst des wendungsreichen Skripts von Anthony Schaffer ist. Außerdem ist der Film mit Jon Finch als Pechvogel, Barry Foster als gewiefter Frauenmörder und dem mit tollem komödiantischen Timing gesegneten Alex McCowen exzellent besetzt.

05.04.2020

DIE TRIBUTE VON PANEM: CATCHING FIRE (Francis Lawrence, 2013)

Die Popularität von Katness (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) auf ihrer Reise durch die Distrikte ist Präsident Snow (Donald Sutherland) ein Dorn im Auge. Zum 75. Jubiläum der Hunger-Spiele lässt er deswegen noch einmal eine Abordnung von Siegern eines jeden Distrikts gegeneinander antreten. Verantwortlich für die Durchführung ist dieses Mal Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman), der sich einige perfide Neuerungen einfallen lassen hat…

Ouh, der war schrecklich, indeed. Das Skript wälzt sich mit der Subtilität und Geschwindigkeit einer Planierraupe voran, erstickt jeden Ansatz von Spannung und Originalität im Keim. Man bekommt immer noch kein Gefühl für diese dystopische Welt, auch die in ihr agierenden Charaktere bleiben bloße Abziehbilder. Nebenher – wenn man sich schon in der Architektur des Kapitol an Albert Speer orientiert, hätte man gerne auch für die Präsentation der Kandidaten im Vorfeld der Hunger-Spiele einen Blick gen Leni Riefenstahl werfen dürfen; das wäre optisch sicherlich weit interessanter als der Gameshow-Einheitsbrei, der uns hier vorgesetzt wird. Der Film braucht mal wieder viel zu lange, um zum interessanten Teil, der Action, zu kommen. Und die wird dieses Mal ihrer Brisanz beraubt, da hier nun eben keine Kinder mehr gegeneinander antreten. Allerdings verzichtete man dafür auch auf allzu unübersichtliche Schnitt-Montagen. Lustig ist auch, dass der ausgetüftelte Plan, Katness als Symbolfigur der Hoffnung und Auflehnung zu dekonstruieren nicht einmal annähernd umgesetzt wird, da der Plot des zweiten Teils seinen Twist schon vorher ausbreitet und dann endet. Ich bin mir jetzt wirklich nicht sicher, ob der Komplettist in mir wirklich stark genug für das zweiteilige Finale ist.

DIE TRIBUTE VON PANEM: MOCKINGBIRD TEIL 1 (Francis Lawrence, 2014)

Katness (Jennifer Lawrence) tut sich schwer mit dem Gedanken, der Rebellion als Galleonsfigur zu dienen. Peeta (Josh Hutcherson) befindet sich immer noch im Kapitol und wird von der Führung für Propaganda-Auftritte im TV genutzt. Es beginnt ein medialer Kampf um die Wahrheit…

Der erste Teil des Finales ist über weite Strecken ein typisches Bindeglied, bringt Figuren in Stellung, setzt die Richtung für die große Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten. Daneben birgt die Geschichte trotzdem Potenzial, darüber hinaus interessant zu sein, wenn es um die Auseinandersetzung mit Propaganda und Medien geht. Das wird zwar aufgegriffen, allerdings fast nur, um die zwiespältigen Gefühle von Katness gegenüber Peeta weiter zu befeuern. Vielleicht war ja auch Fake-News-Thematik zum damaligen Zeitpunkt nicht hip genug, um das weiter zu vertiefen. So oder so, da hat man viel verschenkt.

DAS SÖLDNERKOMMANDO (Patrick G. Donahue, 1982)

Veteran Joe (Jeff Risk) und seine Frau werden eines Nachts zuhause überfallen – er landet im Rollstuhl, sie im Sarg. Sein alter Kamerad Larry (Jean Gaudé) macht sich sofort auf, um die alte Truppe wieder zusammenzutrommeln und mit denen der Sache auf den Grund zu gehen. Und um ordentlich ass zu kicken, ‚cause that’s what friends are for…

Unter den Grindhouse Exploitern sicherlich ein Klassiker, gerade hier in Deutschland wegen der unglaublich schnodderigen Synchro, die aber auch wirklich gut passt. Denn ein guter Film ist DAS SÖLDNERKOMMANDO freilich nicht, schwächelt dann auch gerade in der zweiten Hälfte, wenn die Dichte an dummen Sprüchen nachlässt. In der ersten ist das Pacing allerdings phänomenal, die ersten 35 Minuten bieten beste Action-Trash-Unterhaltung. Die Rolle von CAMERON MITCHELL als Bösewicht ist leider ein wenig klein geraten, aber typisch für seine Auftritte zu dieser Zeit. Als Held kann der unglaublich sympathische Jean Gaudé den Film allerdings auch dann schultern, wenn es gerade nicht heiß her geht. Für Grindhouse- und Trash-Fans ist der Film eh unverzichtbar.

VOR MORGENGRAUEN (Jeff Lieberman, 1981)

Die fünf Freunde Warren (Gregg Henry), Constance (Deborah Benson), Daniel (Ralph Seymour), Megan (Jamie Rose) und Jonathan (Chris Lemmon) wollen ein unbeschwertes Camping-Wochenende in der freien, abgelegenen Natur begehen. Sie ahnen nicht, dass ein Verrückter in der Gegend schon einen Jäger ermordet hat. Schon nach einiger Zeit werden sie von der scheuen Mary Kat (Katie Powell) beobachtet, die mit ihrer Familie abgeschieden im Wald wohnt. Aber während Wildhüter Roy (George Kennedy) sie in dem weitläufigen Tal sucht, wird die Gruppe der Freunde dezimiert…

Feiner Slasher, der vor allem mit dem ungezwungen wirkenden Spiel seiner Protagonisten überzeugt. Auch das Ambiente in der abgelegenen Natur trägt sehr zur Atmosphäre dieses eher ruhigen Genre-Vertreters bei. George Kennedy war sichtlich nur als großer Name für die Plakate dabei, agiert aber solide wie immer. Gregg Henry hab ich erst auf den zweiten Blick erkannt, er sticht aber auch so unter den jungen Darstellern hervor. Angenehm unaufgeregter Vertreter seiner Gattung, hat mir gefallen.

VERTIGO – AUS DEM REICH DER TOTEN (Alfred Hitchcock, 1958)

Nachdem eine Kollege beim Versuch, ihn zu retten, von einem Häuserdach in den Tod sturzt, erleidet Polizist John Ferguson (James Stewart) ein psychisches Trauma und scheidet mit Agoraphobie aus dem Dienst. Seine beste Freundin Midge (Barbara Bel Geddes) mahnt ihn, sich nicht dem Müßiggang des vorzeitigen Ruhestand hinzugeben. Kurz darauf nimmt er das Angebot seines alten Freundes Gavin Elster (Tom Helmore) an, ein Auge auf seine Frau Madeleine (Kim Novak) zu haben. Die junge Frau scheint an einer psychischen Störung und Todessehnsucht zu leiden. John folgt ihr auf Schritt und Tritt, kann sie dann auch vorm Ertrinken retten, als sie am Fuße der Golden Gate Bridge ins Wasser fällt. Doch er kommt seinem Auftrag dadurch sehr nahe und verliebt sich in die schöne wie mysteriöse Frau…

Ich hab den Film jetzt schon seit einigen Jahren, eigentlich seit den 90ern, nicht mehr gesehen, die verpackte Blu-ray verstaubte schon in meinem Regal. Es war also mal wieder an der Zeit, diesen betörend schönen, spannenden und mitreißenden Film zu sehen. Und es fühlte sich an, als käme ich nach Hause, schon nach wenigen Minuten wusste ich, wieso dieser Film für mich immer etwas besonderes war. Das Spiel von Stewart und Novak, die Farbdramaturgie, der tragische Höhepunkt, Hermanns perfekter Score – ich kenne kaum einen Film, der dermaßen vereinnehmend auf mich wirkt. Ein Meilenstein des Kinos auf mehreren Ebenen, dessen Einfluss zwar nicht immer merklich, aber doch unglaublich weitreichend ist. Ich werde gewiss nicht noch einmal eine so lange Zeit verstreichen lassen, bis ich ihn wieder sehe.

Dear Diary – Das Filmtagebuch

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