Obscure Shit No. 39: CRUEL GUN STORY (1964)

CRUEL GUN STORY (OT: Kenjû zankoku monogatari / R: Takumi Furukawa / Japan, 1964)

Jô Shishido Retrospektive Film #6

Eigentlich hat dieser Nikkatsu Noir alles, was einem Fan den Sonntag versüßen sollte – Jô Shishido als Gangster mit dem Rücken zur Wand in der Hauptrolle, ein tragischer Vorfall in der Vergangenheit, ein Heist, Verrat und bleigesiebte Luft. Doch irgendwie scheint hier die Rechnung nicht aufzugehen, wirkt das Menü eher beliebig zusammengewürfelt, das Melodram bemüht. Aber der Reihe nach…

Der Gangster Joji Togawa (Jô Shishido) kommt aus der Haft, sogar einige Jahre früher als gedacht. Der Anwalt Ito (Zenji Yamada) hat seine Beziehungen spielen lassen. Und das natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn er will Joji als Kopf für einen großen Coup. Eigentlich wollte der dem Banditentum abschwören, hat aber kaum eine Wahl. Seine Schwester Keiko (Minako Katsugi) sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl, benötigt stetige Pflege, das kostet Geld. Sie wurde von einem unachtsamen LKW-Fahrer überfahren, den Joji dafür kurzerhand über den Jordan schickte, was ihm die zeitweise Unterbringung auf Staatskosten einbrachte. Also willigt er ein. Das Ziel des Raubzugs soll ein gut bewachter Geldtransporter sein. Der erfahrene Profi soll als erstes die Crew checken, an seine Seite stellt Ito den alten Kumpel Shirai (Yuji Kodaka), gegen den er schon einmal keinerlei Einwände hat. Der nächste Kandidat fällt allerdings prompt durch und wird von Joji vorsorglich abserviert. Aber auch den anderen Helfern, dem Spieler Kondo (Hiroshi Kondô) und dem Junkie Okada (Shôbun Inoue), trauen die Freunde nicht wirklich über den Weg, holen sie aber mangels Alternativen mit an Bord. Vor allem beäugt Joji Kondo kritisch, da ihm noch die neugierige Rie (Chieko Matsubara) am Rockzipfel klebt, die ein amouröses Interesse für den introvertierten Gangster entwickelt. Für die Beschaffung von Ausrüstung wendet sich Joji an den jungen Takizawa (Tamio Kawaji), einem Freund seiner Schwester, den er aber sonst außen vor lässt. Der Beutezug wird im Vorfeld minutiös geplant, doch in der Umsetzung kommt es dann eben anders als gedacht. Sie müssen den Panzerwagen samt ihrer wehrhaften Insassen verladen und improvisieren, was den Zeitplan komplett über den Haufen wirft. Und in den Hinterzimmern des Anwalts beraten die Bosse schon, wie man sich der ausführenden Mitwisser entledigen und die Beute für sich vereinnahmen könnte…

Normalerweise sind die Autoren aus dem Hause Nikkatsu zumeist in der Lage, die Versatzstücke für ihre Krimis so aneinander zu klatschen, dass die Filme problemlos und unterhaltsam zu konsumieren sind. Doch die Geschichte von CRUEL GUN STORY gerät hingegen mehr als einmal ins Straucheln. Das liegt zum einen daran, dass Jô Shishido als Joji nicht so souverän agiert, wie gewohnt. Seine Figur bleibt blass, denn während der Protagonist sich gerne mal durch Freund und Feind, aber vor allem die Familie definiert, bleibt dieses Mal einfach nicht viel dabei hängen. Weder Kumpel Shirai, auch nicht der junge Takizawa, der Keiko liebt, noch eben diese zeichnen sich durch irgendwie geartete Charaktereigenschaften aus, an denen sich Joji reiben könnte. Zum anderen entwickelt sich die Storys in vorhersehbaren Bahnen, da bleibt bis zum Ende jedwede Überraschung aus. Bestes Beispiel für das schlechte Skript ist die Rolle der Rie, die letztlich komplett überflüssig ist. Sie ist der Love Interest für den Protagonisten, der aber nicht im geringsten interested scheint. Der gesamte Ablauf der Geschichte gestaltet sich zwar folgerichtig, aber ohne Anflug von Spannung oder Melodram. Es passiert einfach.

Das ist dann doch sehr schade, denn Regisseur Takumi Furukawa kitzelt mit seinem Kameramann Saburô Isayama sehr stimmungsvolle Bilder aus den schönen Sets. Davon ab inszeniert Furukawa zwar solide, aber ohne irgendwelche Mätzchen, wie es die Kollegen Suzuki oder Hasebe so gut konnten. Der Film ist nicht mehr als die Summe seiner Teile, die eben nicht harmonisch ineinander greifen. Dazu fehlt es der Story auch an echten Typen und dadurch freigelegte Reibungspunkte. CRUEL GUN STORY ist nicht langweilig, aber halt auch nicht wirklich aufregend oder wenigstens interessant. Wer vom Nikkatsu Noir und Shishido nicht genug bekommen kann, hat etwas Futter für zwischendurch, aber eben auch nur das. Erschienen ist der Film in den USA als Eclipse No 17: Nikkatsu Noir von The Criterion Collection, in einer Kollektion mit vier anderen Nikkatsu Krimis.

OFDB 7.00/10 [3 Stimmen] / IMDB 7.2/10 [691 Stimmen]

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