Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 13 / 2020

So, der Virus hat auch mein Leben verlangsamt und meinen Lebensmittelpunkt, mehr als sonst, in mein eigenes Heim verlegt. Neben den 28 Filmen der letzten Woche, habe ich endlich auch BLACK MESA 1.0, das fertig veröffentlichte HALF LIFE Remake, gespielt. Und was soll ich sagen? Die lang erwarteten Xen-Level sind der Hammer, einfach traumhaft. Absolute Kaufempfehlung!

Bleibt sauber, bleibt zuhause, bleibt gesund!

23.03.2020

DER WEISSE SCHEICH (Federico Fellini, 1952)

Während Ehemann Ivan Cavalli (Leopoldo Trieste) die Flitterwochen in Rom mit Unternehmungen für sie verplant hat, will Wanda (Brunella Bovo) unbedingt ihrem großen Idol Fernando Rivoli (Alberto Sordi) ihre Aufwartung mit einigen selbstgefertigten Zeichnungen machen. Doch der Besuch beim Verlag ihres Lieblings-Fotoromans entwickelt unversehens eine Eigendynamik.

Turbulentes Erstlingswerk des Meister-Regisseurs Federico Fellini. Mehr dazu auf Filmtoast.

DER SCHACHT (Galder Gaztelu-Urrutia, 2019)

Goreng (IVan Massagué) wacht in einem Raum mit dem mürrischen Trimagasi (Zorion Eguileor) auf. Er befindet sich in einem unterirdischen Komplex, der auf jedem Stockwerk einen Raum mit jeweils zwei Insassen besitzt. Das Essen kommt von oben mit einer Plattform in der Mitte des Raumes, je weiter sie nach unten fährt, desto weniger Essbares bleibt für den nächsten Raum übrig. Goreng, der freiwillig an diesem Experiment teilnimmt, sieht sich in Trimagasi einem gewalttätigen Egomanen gegenüber. Und auch die weiteren Insassen über und unter ihm denken zuallererst an sich selbst. Nur die psychotische Imoguiri (Antonia San Juan) beginnt einmal im Monat mit der Plattform eine Reise in die unteren Regionen, angeblich um ihr vermisstes Kind zu suchen. Doch sie kommt nie weit und wird von anderen Mitgefangenen überwältigt und vergewaltigt…

Ne, so richtig mitgerissen hat der mich nicht. Das Set-Design ist nett anzusehen, die Verrohung der Insassen wird gut rübergebracht. Dafür gestaltet sich die erste Hälfte des Films unglaublich zäh, da einfach nichts von Interesse passiert, sondern das Elend in all seinen Variationen abbildet, was man bestimmt in der halben Zeit genauso gut bewerkstelligen hätte können. Wenn der Film dann Fahrt aufnimmt, geht es auch schon recht rasant auf das Ende zu, was so überraschend dann auch nicht ist, da es mehrfach im Verlauf der Handlung angeteasert wurde, und das auch zwischen der vorankriechenden Handlung dermaßen deutlich, dass es selbst der langsam hinwegdösende Schlumpf in der dritten Reihe mitbekommen muss. Im direkten Vergleich mit CUBE und selbst SNOWPIERCER zieht DER SCHACHT schlussendlich den Kürzeren.

BRENNPUNKT L.A. – DIE PROFIS SIND ZURÜCK (Richard Donner, 1992)

Gerade zum Streifendienst strafversetzt, können Riggs (Mel Gibson) und Murtough (Danny Glover) einen Überfall auf einen Geldtransporter vereiteln und einen der Täter dingfest machen. Da die Fieslinge panzerbrechende Munition, sogenannten Copkiller, bei sich führten, interessiert sich auch Lorna Cole (René Russo) von der Internen dafür. Doch bevor sie im Verhör entscheidende Infos erhalten können, taucht Ex-Cop Jack Travis (Stuart Wilson) auf dem Revier auf und schließt diese Quelle mit einigen Kugeln…

In seiner dritten Auflage schwächelt unser Cop-Duo ein erstes Mal. Aber es ist nichts ernstes, denn es wird nur der Gewaltgrad etwas zurückgeschraubt und die Gag-Quote erhöht. Die Chemie zwischen Gibson und Glover stimmt wie eh und je, wogegen die Screentime von Quasselstrippe Joe Pesci ein wenig kürzer ausfällt, was so schlecht auch nicht ist. Zumal die toughe René Russo unser Duo hervorragend ergänzt. Auch hier bleibt zwischen den tollen Action Set Pieces und Kalauer-Salven kaum Zeit zum Luft holen, Langeweile kann da gar nicht aufkommen. Und so ziehen sich die tödlichen Waffen auch ein drittes Mal mehr als beachtlich aus der Affäre, wenn auch mit leichten Abnutzungserscheinungen.

DAS SCHLOSS DES GRAUENS (Antonio Margheriti, 1962)

Eines Nachts beobachtet Mary (Rossana Podestà) in ihrem neuen Zuhause, dem Schloss ihres Gatten Burt (Georges Rivière), wie eine junge Frau in der Eisernen Jungfrau zu Tode gefoltert wird. Am nächsten Tag ist im Kerker davon aber nichts mehr zu sehen. Max glaubt an einen schlechten Traum seiner Angetrauten, doch Haushälterin Marta (Laura Nucci) erzählt ihr die Geschichte eines ominösen Henkers. Hat vielleicht sogar der entstellte Diener Edward (Christopher Lee) mit der Sache zu tun?

Ein altes Schloss mit schönen Kulissen, ein dunkles Familiengeheimnis. Dazu gesellen sich ein entstellter Christopher Lee, nächtliche Begegnungen mit einem Henker und einem Folterinstrument, verdeckte Ermittlungen, und am Ende kriegt man noch den Bogen zum Stauffenberg-Attentat (das kannte ich noch gar nicht, hab den zum ersten Mal uncut gesehen). Zum Ende hin wird es etwas krude, und einige leicht identifizierbare Miniaturen (z.B. ein Männchen, das unter einem Baum hervorgespült wird) trüben das Gesamtbild. Doch Margheriti schraubt das alles unbekümmert und flott aneinander, dass einem kaum Zeit zum Nachdenken bleibt.

24.03.2020

DIE NÄCHTE DER CABIRIA (Federico Fellini, 1957)

Die Prostituierte Cabiria (Giulietta Masi) hat ein schlechtes Händchen bei Männern, wird von ihnen immer wieder ausgenutzt. Trotzdem träumt sie von der großen Liebe und einem besseren Leben…

Angetrieben von der mitreißenden Darbietung seiner Hauptdarstellerin und Ehefrau Giulietta Masi entwirft Fellinie eine Milieu-Studie voller Lebensfreude, gleichsam aber auch eine Tragödie. Mehr dazu demnächst auf Filmtoast.

CARRIERS (Alex & David Pastor, 2009)

Eine verheerende Pandemie hat das Leben in den Vereinigten Staaten zum Erliegen gebracht. Brian (Chris Pine) ist mit seiner Freundin Bobby (Piper Perabo), Bruder Danny (Lou Taylor Pucci) und Kate (Emily VanCamp) auf dem Weg zur Küste, zu einem verlassen Hotel aus ihrer Jugend. Als ihre Ölwanne leckt schlägt, müssen sie sich Frank (Christopher Meloni) zusammentun, der seine infizierte Tochter Jodie (Kiernan Shipka), in Hoffnung auf ein Heilmittel, zur Seuchenkontrolle bringen will. Doch auch dort ist keine Hilfe in Sicht, und Brian beschließt, Frank und Jodie dort zu lassen. Es wird nicht die einzige harte Entscheidung bleiben, die sie auf ihrer Reise treffen müssen…

Gestalten sich die erste Hälfte des Films noch sehr realistisch und die Handlungen der Protagonisten nachvollziehbar, ergehen sich die Pastor-Brüder in der zweiten immer weiter in sensationalisitschen Übertreibungen, die der Film eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte. Denn die geforderten schweren Entscheidungen, die Brian als älterer der Brüder treffen muss, verdeutlichen schon sehr gut den moralischen Verfall, das Hervorquellen des Überlebensinstinkts, den man mit Rationalität zu begründen sucht. Da hätte es Chris Pines Overacting, aber auch die noch lebenden Leichen, die er verbuddeln musste, eigentlich nicht gebraucht. Trotzdem spannend und sehenswert.

BLUE MOVIE (Alberto Cavallone, 1978)

Silvia (Dirce Funari) kann sich nur knapp einer Vergewaltigung erwehren und flüchtet in die Arme des Fotografen Claudio (Claude Maran). Der unterhält seinerseits ein Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnis mit dem bankrotten Supermodel Daniela (Danielle Douglas). Später holt er noch die obdachlose Leda (Leda Simonetti) dazu, die einfach nicht weiß, wo sie hin soll. Es ist der Beginn einer intensiven Sado-Maso-Beziehung, in der für Silvia die Grenzen zwischen Realität und dem unverarbeiteten Trauma, dass sich in alptraumhaften Halluzinationen Bahn bricht, immer weiter verschwimmen…

Ziemlich kryptischer Schmonzens, komisches Ding. Als Psycho-Thriller nicht wirklich spannend, als Sleaze nicht wirklich anregend (obwohl auch einige nicht wirklich geschmackvolle Hardcore-Szenen gestrichen wurden), aber als Schocker auch nicht wirklich eklig (trotz Fäkalien gegen Ende). Wie man liest hatte Cavallone das Ding ohne nennenswertes Budget und mit Amateuren nach einer Wette mit Produzent Martial Boschero heruntergekurbelt haben. Egal, um was es dabei ging, Cavallone dürfte gewonnen haben, denn der Film war da und hat, so unglaublich das klingen mag, dem Vernehmen nach sogar Geld eingespielt. Empfehlen möchte ich den Film nun nicht unbedingt, der ist wohl eher was für Freaks, aber gelangweilt hab ich mich auch nicht.

25.03.2020

DER SCHARLACHROTE HENKER (Massimon Pupillo, 1965)

Autor Rick (Walter Brandi) und Verleger Daniel (Alfredo Rizzo) kehren auf ein verlassen geglaubtes Schloss ein, um mit einigen Schauspielern ihren neuen Fotoroman abzulichten. Doch tatsächlich stellt sich ihnen Travis Anderson (Mickey Hargitay) als Schlossherr vor, erlaubt ihnen aber, hier zu übernachten und in der Zeit ihre Fotos zu machen. Allerdings müssen sie schnell feststellen, dass hier ein scharlachroter Henker umgeht, ein ruheloser, sadistischer Geist, der vor über 300 Jahren im Folterkeller des verfluchten Gemäuers hingerichtet wurde…

Der pendelt immer etwas zwischen hübschem und stimmungsvollem Gothic-Ambiente und trashigen Horror-Kracher. Die Kulissen sind nicht immer überzeugend und Mickey Hargitay dreht mal wieder voll am Rad, doch letztlich kann es über die volle Distanz ganz passabel unterhalten, auch wenn es schöner gewesen wäre, wenn dabei entweder ganz Gothic-Horror oder ganz Trash herumgekommen wäre.

MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE (Wes Ball, 2018)

Als man sich nach den Ereignissen in der Brandwüste wieder gesammelt hat, sucht Thomas (Dylan O’Brien) mit seinen Kameraden einen Weg in die inzwischen durch eine riesige Mauer verbarrikadierte Stadt. Dabei stoßen sie auf den totgeglaubten Gally (Will Poulter), der sich ihrer Mission anschließt, Minho (Ki Hong Lee) zu befreien und Teresa (Kaya Scodelario) für ihren Verrat zur Rechenschaft zu ziehen. Doch hinter den Mauern wartet auch Janson (Aiden Gillan) mit den Streitkräften von WCKD, und so entwickelt sich ihre Expedition in feindliches Gebiet zur alles entscheidenden Schlacht…

Nachdem der zweite Teil nicht weit mehr bewerkstelligt hat, als unsere Protagonisten von A nach B und seine Figuren für das große Finale in Stellung zu bringen, kann der finale Abschluss jetzt auch mit der großen Abrechnung punkten. Die Klasse des ersten Teils, dessen Mysterium für Spannung sorgen konnte, erreicht auch der dritte Film freilich nicht mehr. Zu vorhersehbar fällt der Showdown aus, zu sehr bedient man Konventionen und Klischees, als das noch groß Spannung aufkommen könnte. Dafür darf man den Abschluss der Saga herbei fiebern und einem actiongeladenen Finale beiwohnen, das mit beachtlichen Aufwand inszeniert wurde. Und das ist ja auch schon was.

KING OF THE ANTS (Stuart Gordon, 2003)

Stuart Gordon Retrospektive #1

Der Tagelöhner Sean (Chris McKenna) gerät durch den zwielichtigen Duke Wayne (George Wendt) an den Immobilien-Makler Matthews (Daniel Baldwin), der ihn beauftragt einen Mann namens Eric Gatley zuerst zu observieren und später, ihn zu töten. Da Sean sich in Susan Gatley (Kari Wuhrer) verguckt hat, willigt er ein. Der Mord gelingt und Sean kann belastendes Material über seine Auftraggeber dabei einsacken. Doch die Sache bringt ihn in Teufels Küche…

Gordon meets The Asylum. Zu dieser Zeit setzte die berüchtigte Produktionsfirma noch nicht auf Mockbusters. Allerdings ist der Film sichtlich kostengünstig realisiert worden. Doch Gordons Regie erweist sich als effektiv, der Revenge-Thriller als düster, dreckig und brutal. Es sind einige Horror-Einflüsse klar erkennbar, auch wenn der Film nie in die Fantastik entgleitet. Vor allem profitiert KING OF THE ANTS von seiner durch die Bank guten Besetzung, neben Chris McKenna in der Hauptrolle stechen da George Wendt (CHEERS), Daniel Baldwin (JOHN CARPENTER’S VAMPIRES) und Vernon Wells (MAD MAX II, PHANTOMKOMMANDO) hervor. Der Film ist pessimistisch und definitiv nichts für schwache Nerven, die Gewalt tritt nicht häufig, aber dafür unvermittelt und brachial auf. Neben EDMOND ein weiterer lohnender Geheimtipp für Gordon-Fans.

DAGON (Stuart Gordon, 2001)

Stuart Gordon Retrospektive #2

Paul (Ezra Godden) und Barbara (Raquel Merono) machen mit Freunden einen Segelurlaub vor der Küste Spaniens, als ein plötzlich aufziehender Sturm ihr Boot auf einen Felsen auflaufen lässt. Sie suchen in einem nahe gelegenen Küstenort nach Hilfe, werden dort aber getrennt. Als Paul nach Barbara sucht, machen die Einwohner plötzlich Jagd auf ihn. Er entdeckt darauf ein schreckliches Geheimnis…

Der ist teils hübsch gruselig, und auch eine Lovecraft’sche Atmosphäre macht sich breit. Aber irgendwie werde ich nicht richtig warm mit dem. Von mir aus könnte der sich mehr Zeit lassen, etwas ruhiger starten. So kommt er zwar schnell zu Potte, was an sich in einem Horrorfilm nichts schlechtes ist, dennoch macht sich auch ein wenig zu sehr Hektik breit, was halt nicht wirklich zu Lovecraft passt.

CASTLE FREAK (Stuart Gordon, 1995)

Stuart Gordon Retrospektive #3

John Reilly (Jeffrey Combs) macht mit seiner Frau Susan (Barbara Crampton) und der erblindeten Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide) Urlaub in einem alten Schloss in der Toscana. Das Ehepaar hat noch immer nicht einen Unfall verarbeitet, bei dem ihr kleiner Sohn getötet wurde. Sie haben deswegen kaum ein offenes für Rebecca, die glaubt, dass sie nicht alleine in dem alten Gemäuer sind…

Das größte Plus des Films ist sicherlich die Location. Bands italienisches Schloss wertet auch diesen Italien-Urlaub der Kumpane Gordon, Combs und Crampton auf, selbst wenn der Film sich nur mühsam durch die erste Stunde schleppt. Wenn der CASTLE FREAK dann aber endlich mehr in Action zu sehen ist, dürfen auch die Effekt-Spezialisten ans Werk, das ist dann ziemlich gory. Allerdings gibt die Geschichte um eine Familien-Tragödie und Schuld & Vergebung nicht sehr viel her, gerade Combs und Crampton merkt man an, dass sie sich zwar große Mühe geben, ihre Rollen interessant zu gestalten, aber immer wieder an die Grenzen des Skripts stoßen. Insgesamt dann leider nur über weite Strecken öder Durchschnitt.

26.03.2020

THE RAMBLING GUITARIST (Buichi Saitô, 1959)

Jô Shishido Retrospektive Film #8

Shinji (Akira Kobayashi) ist ein Straßenmusiker auf Wanderschaft. Als er in einem kleinen Küstenort in eine Kneipenschlägerei mit zwei Matrosen verwickelt wird, macht er den ansässigen Yakuza-Boss Akitsu (Nobuo Kaneko) auf sich aufmerksam, der ihn prompt Arbeit anbietet. Doch verliebt sich ausgerechnet Akitsus Tochter Yuki (Ruriko Asaoka) in ihn. Und als dann auch noch der Gangster George (Jô Shishido) in die Stadt kommt, der Shinji von irgendwoher zu kennen glaubt, wird die Sache heikel für den Gitarrero…

Der erste Teil der Filmreihe um den Wander-Gitarristen Akira Kobayashi vereint ihn, wie in den meisten folgenden Teilen, mit Love Interest Ruriko Asaoka und „Enemy-becomes-friend“ Joe Shishido. Der junge Kobayashi war zu der Zeit extrem populär, und Nikkatsu scheute keine Mühen, um den Film unüblich großzügig mit einigen schönen Establishing Shots zu bedenken. Nur leider gestaltet sich die Story nur allzu generisch und kann nur durch die solide Inszenierung und die Darsteller punkten. Und ich muss auch sagen, dass Kobayashi an der Gitarre zwar eine gute Figur macht, aber im Vergleich zu Shishido, der nun auch kein großer Charakterdarsteller war, schauspielerisch definitiv den Kürzeren zieht. Für Fans der Fließbandproduktionen aus dem Hause Nikkatsu natürlich trotzdem empfehlenswert. Ich jedenfalls fühlte mich 80 Minuten lang gut unterhalten.

NORWEGIAN NINJA (Thomas Cappelen Malling, 2010)

Als Kommandant Arne Treholt (Mads Ousdal), Anführer einer geheimen, aber schlagkräftigen Ninja-Truppe im Dienst des Vaterlands, in einer Reihe von Anschlägen ermittelt, die dem russischen Geheimdienst zugerechnet werden, kommt er auf die Spur seines Erzfeinds Otto Meyer (Jon Øigarden). Doch der knüpft eine Intrige, und schon bald wird Treholt selbst wegen Spionage verdächtigt…

Diese Parodie leidet ein bisschen unter seiner Gag-Armut, alle zwei Minuten ein Lacher sind nicht viel, zumal nicht jeder davon zündet. Abseits dessen hat der Film halt nicht viel zu erzählen, da die Geschichte sehr episodisch aufgeknüpft ist, so dass das Endergebnis ein Patchwork von Sketchen unterschiedlicher Qualität darstellt. Letztlich ist der Film mit 74 Minuten zumindest noch kurz genug, um nicht zu langweilen.

IM ZEICHEN DES BÖSEN (Orson Welles, 1958)

Gerade als der mexikanische Drogen-Ermittler Mike Vargas (Charlton Heston) mit seiner amerikanischen Frau Susan (Janet Leigh) die Grenze passiert, explodiert dort der Wagen eines Bau-Unternehmers. Sehr zum Missfallen des rassistischen, aber angesehenen Polizisten Hank Quinlan (Orson Welles) mischt sich Vargas in die Ermittlungen ein. Um sich seiner zu entledigen, tut er sich mit dem Gangster Onkel Grandi (Akim Tamiroff) zusammen, der verhindern möchte, dass Vargas gegen seinen Bruder aussagt. Grandi lässt darauf Susan entführen…

Einfach umwerfend. Ob nun Kamera-Arbeit oder die Musik, dieser Krimi ist perfekt durchkomponiert und choreographiert. Welles selbst tritt bockstark auf als verbitterter, selbstgerechter Gesetzeshüter, dem jedes Mittel recht ist. Charlton Heston gibt überraschend überzeugend den Mexikaner. Auch Akim Tamiroff ist gewohnt großartig. IM ZEICHEN DES BÖSEN ist ein hinterhältiger, düsterer Film Noir und zählt zurecht zu den Klassikern des Genres.
Ich hab hier die rekonstruierte Fassung von 1998 gesehen. Die neue deutsche Tonspur gefiel mir nicht und die alte passte nicht mehr wirklich zum Schnitt und musste schon anfangs oft mit der neuen „aufgefüllt“ werden, weswegen ich schon nach 10 Minuten auf den O-Ton wechselte. Letzteren kann ich bei diesem Film auch empfehlen, alleine wegen Welles.

DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (Bruno Mattei, 1980)

In einer Chemiewaffenfabrik in Neu Guinea tritt ein neuer Kampfstoff aus. Die Söldner Mike (José Gras), Zantoro (Franco Garofalo) und ihre Kameraden werden dort hingeschickt, um es zu richten. Doch die Gegend erweist sich schon von Zombies überrannt. Auf ihrem Weg durch den Dschungel gabeln sie auch noch Journalistin Lia Rousseau (Margie Newton) auf, die dort über kannibalistische Riten der Eingeborenen berichtet. Ein erbarmungsloser Kampf ums Überleben beginnt…

Immer noch der unterhaltsamste Mattei-Film. Der splattert sich ungeniert zum ZOMBIE-Soundtrack von Goblin durch die dünne Handlung, führt eine ruchlose Söldnertruppe als Protagonisten ein, die erst durch später dazustoßene Reporterin moralisch geeicht werden. Sowieso sind die nettesten Menschen dieses Films die Eingeborenen mit ihren kannibalistischen Anwandlungen, die haben nämlich niemanden etwas getan. Nach Fulcis ZOMBI 2 und GROSSANGRIFF DER ZOMBIES für mich der drittbeste Italo-Zombiefilm.

27.03.2020

DETECTIVE DEE UND DER FLUCH DES SEEUNGEHEUERS (Tsui Hark, 2013)

Als die chinesische Flotte von einem Seeungeheuer zerstört wird, setzt Kaiserin Wu Zetian (Carina Lau) den Agenten des Obersten Gerichtshof Yuchi (Feng Shaofeng) darauf an. Zur gleichen Zeit kommt der junge Di Renjie (Mark Chao) in die heilige Stadt, um auch seinen Dienst am Oberen Gerichtshof anzutreten. Er kann die Entführung der Kurtisane Yin (Angelababy) verhindern, gerät dann jedoch mit Yuchi aneinander, der ihn ins Gefängnis verfrachtet. Doch mit Hilfe des Arztes Shatuo (Ling Gengxin) kann er entkommen und seine Ermittlungen fortsetzen…

Wie schon beim ersten Abenteuer des Detektivs bei Hofe, setzt Tsui Hark mehr auf eine Art Quest seines Helden, denn stringente Ermittlungsarbeit. Das gibt ihm jede Menge Gelegenheit für ausufernde Wuxia-Action und imposante Monster-Szenen. Im Gegenzug erweist sich das Spektakel dann auch als nicht sehr spannend, aber zumindest sehr unterhaltsam. Mark Chao als junger Di ist leider nicht ganz so überzeugend wie sein älteres Pendant Andy Lau, absolviert seinen Auftritt aber durchaus ordentlich. Als Schwachpunkt erweisen sich zudem die eher mäßigen CGI, die Hark wohl im Dutzend billiger eingekauft hat. Hier konnte der Vorgänger nämlich noch punkten. Nicht ganz so gut wie der erste Film, aber angenehm, und ich freue mich schon auf den dritten Teil.

THE LAST MAN ON EARTH (Ubaldo Ragona/Sidney Salkow, 1964)

Drei Jahre nach einem verheerenden Ausbruch eines Virus fristet Dr. Robert Morgan (Vincent Price) als letzter Mensch sein Dasein auf Erden. Alle anderen Infizierten haben sich zu Vampir-ähnlichen Geschöpfen entwickelt, die das Sonnenlicht nicht vertragen und in ihrer Bewegung beeinträchtigt sind. Seine Tage verbringt Morgan damit, diese Kreaturen zu pfählen und danach zu verbrennen. Wenn die Sonne untergegangen ist, belagern diese dann sein Haus. Nach so langer Zeit nagen Einsamkeit und Depressionen an ihm, denn die Lage scheint aussichtslos…

Düstere One-Man-Show. Trotz sichtbar mickrigen Budget entwickelt sich eine unheimliche, trostlose Endzeit, deren Mutanten zwar nicht sehr bedrohlich wirken, dafür aber Price Raum lassen für sein überzeugendes Spiel. Die Rückblenden, über die die Tragödie der Menschheit und auch Morgans vorheriges Leben und seine Rolle an ersteren transportiert werden, nimmt in der zweiten Hälfte ein wenig viel Platz ein, mindert aber nicht die Spannung und beantwortet dabei relativ subtil einige Fragen, die Morgans Situation aufwirft. Von den vier offiziellen Verfilmungen des Romans sicherlich die beste.

LETHAL WEAPON 4 – ZWEI PROFIS RÄUMEN AUF (Richard Donner, 1998)

Die Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen. Riggs (Mel Gibson) wird Vater, denn Lorna (Rene Russo) ist schwanger, und Murtaugh (Danny Glover) steht schon die nächste Generation in Form eines Enkels ins Haus. Außerdem macht ihnen auf dem Revier der neunmalkluge Det. Butters (Chris Rock) zu schaffen. Doch als sie eher durch Zufall an chinesische Menschenhändler und den Killer Wah Sing Ku (Jet Li) auf die Spur kommen, nehmen sie die Sache persönlich…

Oh, das tut weh. Nach drei sehr unterhaltsamen Filmen kam mit Teil 4 dann der Absturz, der einen hoffen lässt, dass man die Franchise nicht für eine weitere Fortsetzung reaktivieren möge. Schon die ersten fünfzehn Minuten erweisen sich als dermaßen hysterisch, dass sich das heimelige Gefühl für die Abenteuer des liebgewonnenen Cop-Duos nicht einzustellen vermag. Dazu liefern sich Joe Pesci und Chris Rock scheinbar ein Duell, wer denn der nervigste Sidekick sein kann. Ein Unentschieden. Und Jet Li kann als Bösewicht leider überhaupt nicht überzeugen, das ist einfach nicht sein Ding. Gibson und Glover können auch nicht an ihre Form in den Vorgängern heranreichen, halten das Ding aber über weite Stecken noch zusammen. Dennoch bleibt nicht mehr als schnöder Action-Durchschnitt mit mehr Tiefen als Höhen übrig, der die Reihe leider eher unwürdig beendet.

28.03.2020

GATTACA (Andrew Niccol, 1997)

In der Zukunft sind optimierte Kinder die Regel. Der natürlich geborene Vincent (Ethan Hawke) hat hingegen aufgrund verschiedener Gen-Defekte gegenüber seinem jüngeren Bruder das Nachsehen. Doch er strebt nach Größeren, will Astronaut werden. Um dies zu bewerkstelligen, nimmt er die Identität von Jerome (Jude Law), der seit einem Auto-Unfall an einen Rollstuhl gefesselt ist. Mit seinem Gen-Abdruck bekommt er ohne Probleme eine Anstellung im Raumfahrtprogramm Gattaca, wo er auch die reservierte Irene (Uma Thurman) kennenlernt. Doch als dort ein Mord geschieht und Detective Hugo (Alan Arkin) dort rumschnüffelt, ist auch seine Tarnung in Gefahr…

Eine interessante Dystopie, in deren Geschichte der Protagonis Vincent sich mit der Identität eines anderen maskieren muss, um mit seinen inneren Werten, seiner Ambition und seiner Willensstärke, den Wettbewerb mit den vorgegebenen Werten der genetisch verbesserten Konkurrenz überhaupt antreten zu dürfen. Dieser Klassenkampf wird in dieser Zukunft eigentlich durch das Aufrechnen von Wahrscheinlichkeiten, das die Optimierten immer für sich gewinnen, schon von vornherein unterbunden. Sowieso plädiert der Film von Andrew Niccol dafür, einen Menschen nach Stärken wie auch Schwächen, aber vor allem nach seinen Leistungen zu beurteilen. Denn Fehler und Unzulänglichkeiten haben auch die Optimierten, wie der echte Jerome, der trotz überlegenen Gen-Materials nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und zu einem zynischen Alkoholiker geworden ist. Oder Vincents jüngeren Bruder, der es nicht verkraftet hat, dass der ihn nur Kraft seines Willens beim Schwimmen geschlagen hat. Es geht darum, dass Menschlichkeit auch darin besteht, nach Höherem zu streben und dafür auch über sich selbst hinauszuwachsen, anstatt andauernd nur seine Grenzen aufgezeigt zu bekommen, die durch die Wahrscheinlichkeiten bestimmt werden. GATTACA ist sicherlich nicht perfekt darin, alles unter einen Hut zu bekommen, aber er funktioniert sowohl als menschliches Drama, als ernsthafte Science-Fiction und auch, hier allerdings mit Abstrichen, als spannender Thriller wirklich gut.

BURNING (Lee Chang-dong, 2018)

Lee Yong-su (Yoo Ah-in) trifft zufällig auf die hübsche Shin (Jun Yong-seo), die aus dem gleichen Ort stammt, wie er. Sie haben Sex und Shin überredet ihn, ihre Katze zu versorgen, während sie in Afrika ist. Als sie zurückkehrt, hat sie den geheimnisvollen Ben (Stephen Yeun) an ihrer Seite. Lee traut dem Nebenbuhler nicht, der über sich selbst nur in kryptischen Andeutungen Auskunft gibt Plötzlich verschwindet Shin spurlos…

Lee Chang-dong gelang mit BURNING eine beeindruckende Mischung aus Mystery und Sozial-Drama, der mich in seinen vagen Andeutungen und (Spoiler!) dem offenen Ende stellenweise sehr an George Sluizers SPOORLOOS (1988) erinnerte. Dabei geht das Spiel mit der Ungewissheit noch einen Schritt weiter und lässt dabei sogar viel Raum zur Deutung. Da nie aufgeklärt wird, was nun wirklich en detail passiert ist, spielt sich die Mystery-Ebene gänzlich auf Indizien-Ebene ab, von denen der Film mannigfaltig bereithält. Aber diese lassen eben keine konkreten Rückschlüsse auf das Geschehene zu, und es besteht auch die Möglichkeit, dass Lee sich einfach irrt, da er Ben und seine Artm, seinen Lebensstil einfach nicht einordnen kann.

Der charismatische Großstädter mit seinem luxeriösen Lebensstil ist ihm stets ein Buch mit sieben Siegeln. Lee selbst hat nie den Schritt aus seiner Heimat, den Umzug in das moderne Leben der Großstadt geschafft, musste sich immer wieder um seine Eltern, besonders seinen Vater, der Probleme mit der Obrigkeit hat und nun vor Gericht steht, kümmern. Es scheint, als fühlte er sich abgehängt, und weil er mit Shin Sex hatte, dem Mädchen, das jetzt in der großen Stadt wohnt, das er anfangs gar nicht wiedererkannte, und das unablässig alte Geschichten erzählt, an die er sich nicht erinnern kann, steht er dem Nebenbuhler, der all das hat, was er nicht hat, natürlich von Anfang an skeptisch gegenüber, was ihn vielleicht auch viel zu voreingenommen macht, um ihn überhaupt verstehen zu wollen.

Aus diesem Pool der Möglichkeiten heraus, entwickelt sich eine nicht zu fassende Atmosphäre des Unbehagens, es liegt eine Bedrohung in der Luft, die man schlicht nicht einschätzen kann. Ist es nur Abneigung oder lauert hinter der netten, aber mysteriösen Fassade Bens ein skrupelloses Ungeheuer? Der Film nimmt einen mit auf die Spurensuche Lees, er ist mit ihm immer auf Augenhöhe, und genauso könnte er, mit ihm zusammen, auch auf dem Holzweg sein. Und genaus das macht ein Mystery auch aus, unterscheidet es von einem Krimi oder einem Thriller, an deren Ende eigentlich immer eine Auflösung steht, die durch eine unumstößliche, objektive Logik untermauert wird. Doch diese Objektivität ist in BURNING nie gegeben, sodass der Film nicht nur ein Mystery, vielleicht auch ein Krimi oder Thriller, aber in jedem Fall auch das Drama eines jungen Mannes steckt, der seinen Platz in seinem Land in dieser Zeit noch nicht gefunden hat und Angst hat, von Gegenwart und Zukunft längst abgehängt worden zu sein. Das ist ganz großes Kino, ein Meisterwerk.

DER WILDE PLANET (René Laloux, 1973)

Auf dem Planeten der Draags werden die Menschen, die im Vergleich mit ihnen zwergenhaft erscheinen und als wilde Tiere abgetan werden, als Haustiere gehalten, seit sie von einer wissenschaftlichen Expedition eingeschleppt wurden. So wächst der Mensch Terr im Besitz des Mädchens Tiwa auf. Durch einen Zufall ist er in der Lage, den Kopfhörer, über den seine Herrin das Wissen der Draags studiert, nutzen zu können. Als Tiwa erwachsen wird und das Interesse an Terr verliert, flieht der, den Kopfhörer im Gepäck, zu in der Wildnis lebenden Menschen…

Ich mag ja diese 70s-Mischung aus fantasievollen Zeichnungen und der locker-jazzigen Musik sehr gerne. In seiner Erzählung über die Emanzipation des Menschen aus einer Existenz als Haustiere einer überlegenen, außerirdischen Rasse erweist sich zwar als philosophisch, dabei aber wenig tiefschürfend, teils auch naiv. Die Geschichte hat keinen Leerlauf, es gibt immer etwas Neues zu sehen. Die Schöpfungen von Laloux und Topor sind wirklich großartig, die Fauna und Flora auf dem Planeten Ygam wirken zwar erschreckend, aber nicht schrecklich, da sie leicht erkenntlich den Kreislauf der dortigen Natur abbilden, der auch durch das Fressen und Gefressenwerden bestimmt ist. Nur leider findet sich die Geschichte nach einem Zeitsprung gegen Ende viel zu schnell auf der Zielgeraden und kommt zu einem wenig befriedigendem Abschluss, der einen auch deshalb nicht wirklich erreicht, da der als Identifikationsfigur etablierte Terr eigentlich komplett aus der Erzählung genommen wurde, bzw. nicht mehr als aktiver Protagonist wahrgenommen wird. Das ist ein wenig schade.

ZOMBIE (George A. Romero, 1978)

Die Apokalypse rollt über die Menschheit hinweg, als die Toten auf die Erde zurückkehren, um sich an den Lebenden zu laben. Fernsehproduzentin Fran (Gaylen Ross) flieht mit ihrem Freund Stephen (David Emge) aus der Großstadt, mit ihnen die S.W.A.T.-Polizisten Roger (Scott H. Reiniger) und Peter (Ken Foree). Sie finden Zuflucht in einer Shopping Mall, die sie verbarrikadieren und säubern können. Hier drinnen, eingesperrt mit allem, was sie zum Überleben brauchen, scheint ihr einziges Problem die beinahe unerträgliche Isolation zu sein, doch auch das Grauen der Außenwelt dringt schon bald wieder zu ihnen durch…

Für mich einer der absoluten All-Time-Classics, den kann ich immer wieder schauen. Spannend, bedrückend, mitreißend.

Mehr dazu in der George A. Romero Retrospektive Teil 1: Götterdämmerung

DER DIEB VON BAGDAD (Berger/Powell/Whelan/Korda/Menzies, 1940)

Der Sultan Jaffar (Conrad Veidt) lässt einen blinden Bettler (John Justin) und seinen Hund in den Palast bringen, denn er soll die liebliche Prinzessin (June Duprez) aus ihren immerwährenden Schlaf erwecken. Den Haremsdamen des Herrschers erzählt er die Geschichte, wie er einst König war und sein Hund der junge Dieb Abu (Sabu), und wie Jaffar ihn verraten hat…

Dieses bunte Fantasy-Epos nach 1001 Nacht stellte damals sicherlich das Nonplusultra unter den Effekt-Spektakeln dar. Und auch 80 Jahre später sieht man diesem Abenteuerfilm den immensen Aufwand, der dahinter steckt, zu jeder Sekunde an. Selbstredend ist nicht alles gut gealtert, dennoch würde mir heutzutage kaum ein Film einfallen, der die aktuelle Effekt-Kunst derart top notch auszuloten wüsste. Doch auch abseits der Schauwerte kann der Film aus den Vollen schöpfen, verbindet mehrere Motive der arabischen Märchensammlung zu einem unterhaltsamen Ganzen. Dazu bietet er mit dem sympathischen Sabu, der gut mit John Justin als Ahmad harmoniert, und dem überragenden Deutschen Conrad Veidt als Antagonisten Jaffar ausgezeichnete Darsteller auf. Auch heute noch ist DER DIEB VON BAGDAD fantasievolle, atmosphärisches Märchen-Kino, beste Unterhaltung für Groß und Klein.

PHANTOM IM PARADIES (Brian De Palma, 1974)

Plattenmogul Swan (Paul Williams) steckt in einer Schaffenskrise und klaut das Werk des Komponisten Winslow Leach (William Finley), um damit sein großes Rock-Theater „Paradise“ zu eröffnen. Den Betrogenen lässt er Drogen unterschieben und hinter Gitter bringen. Doch Winslow kann aus Sing-Sing entkommen und ins „Paradise“ einbrechen, wo er mutmaßlich zu Tode kommt. Doch dem ist nicht so, er treibt nun entstellt sein Unwesen im Rock-Cub. Er geht einen Handel mit dem einstmaligen Musik-Genie ein und versucht dazu noch, die Karriere der Nachwuchssängerin Phoenix (Jessica Harper) zu pushen, die es ihm angetan hat. Doch Swan versucht wieder ihn hereinzulegen…

De Palmas schrille, poppige Version des Phantoms der Oper präsentiert die tragische Gestalt nicht als brutales Monster, sondern mehr als durchgeknallten, aber begabten Freak, dem es nach Anerkennung dürstet. Interessant an der Story ist vor allem die Art wie ein Pakt mit dem Teufel, einem Schneeball-System gleich, nach unten durchgereicht wird. Leider spielt De Palma dies nicht gewinnbringend aus, sowieso ermangelt es dem Film an Horror und Spannung, was er nur durch seine fantastischen Dekors und laute Musik wieder wettzumachen sucht. Und auch Jessica Harper gerät als junge Sängerin Phoenix ein wenig ins Hintertreffen, da sich der Film eigentlich nur um das Verhältnis zwischen dem Quasi-Faust Swan und dem vermeintlichen Monster Leach interessiert. Aufgrund seiner Opulenz ist dieses Pop-Spektakel aber immer wieder einen Blick wert.

29.03.2020

FEUERWERK AM HELLLICHTEN TAG (Diao Yinan, 2014)

Der Ex-Cop Zhang Zili (Fan Liao) wird nach fünf Jahren von seinem ehemaligen Partner Wang (Ai Lei Yu) mit dem Fall konfrontiert, der zwei Kollegen das Leben kostete und ihn verletzt und als seelisches Wrack zurückließ. Eigentlich dachten sie, damals zumindest einen Serienmörder dingfest gemacht zu haben, doch die Morde unter Kohle-Bergwerkern gehen nun nach gleichem Muster weiter. Der Fall führt ihn auch zurück zu Wu Zhizhen (Lung-Mei Kwei), der Witwe des ersten identifizierten Opfers. Bei den wiederaufgenommenen Ermittlungen kommen Zhang und sie sich näher…

Schön fotografiertes, aber streckenweise sehr dröges Krimi-Drama. Durch die sehr pessimistische Grundstimmung schimmert immer wieder Hoffnung, und auch die gelungen Passagen der etwas trantütigen Erzählung können so glänzen. Insgesamt also nicht durchgehend gelungen, aber stilistisch gesehen zeitweise beeindruckend, inhaltlich zumindest interessant. Wer Rambazamba sucht, ist hier grundlegend falsch, Diao Yinan zelebriert chinesische Zurückhaltung und lässt die gelieferten Eindrücke lange, vielleicht teils auch zu lange, wirken.

CECIL B. DEMENTED (John Waters, 2000)

Der verrückte Independent-Filmemacher Cecil B. Demented (Stephen Dorff) entführt den Filmstar Honey Whitlock (Melanie Griffith) von der Premiere ihres neuen Schmachtfetzens. Er will mit ihr in der Hauptrolle seinen neuen Film in wahrer Guerilla-Manier drehen. Fortan stürmt die Crew dafür Büros und Kino-Säle, um Cecils Vision wahr werden zu lassen. Ein filmischer Amoklauf beginnt…

Ich habe oft, laut und drecking gelacht. Leider kann der Film den Wahnsinn der ersten 20 Minuten nicht aufrecht erhalten, aber langweilig wird es gewiss nicht. John Waters fällt zwar nicht viel mehr ein als „Hollywood ist scheiße!“ und „Es lebe das Independent-Kino!“, doch eine tiefsinnige Satire hat John Waters wohl auch nie im Sinn gehabt, sondern eher ein pechschwarze, derbe Komödie. Schließlich ist der größte Witz des Films, dass die Abenteuer der militanten No-Budget-Filmemacher selbst als eine große Starparade in einer vglw. aufwändigen Independentproduktion, die mit Hilfe von Canal+ gestemmt wurde, präsentiert werden. Insgesamt ein großer Spaß, nicht mehr und nicht weniger.

DER LETZTE KAMPF DES SHAOLIN (John Woo, 1979)

Ausgehend von einem Massaker am Hochzeitstag des Ko Peng (Kong Lau) durch Pak Chun-Tong (Hoi Sang Lee) und seine Häscher, entspinnt sich ein Reigen aus fehlgeleiteten Rachegelüsten und fiesen Intrigen, in deren Mitte sich schließlich die neuen Freunde Cheng (Wei Pai) und Tsing (Damian Lau) wiederfinden…

Ende der 70er noch am Anfang seiner Karriere, erschuf John Woo für Golden Harvest-Produzent Raymond Chow einen fulminanten Rache-Eastern. Look’n’Feel kopierte er von den Konkurrenten Shaw Brothers, bei denen er, u.a. für Legende Chang Cheh, als Regie-Assistent in Lehre gewesen war. Sein Skript hält dabei sehr souverän die Waage zwischen komplexer, mit zahllosen Charakteren gespickten Rache-Geschichte und blutiger, gut choreographierter Kämpfe, vorzugsweise mit dem Schwert geführt. Damit kommt er zwar nicht an die Werke seines Lehrmeisters heran, kann aber über die gesamte Zeit gut unterhalten.

Dear Diary – Das Filmtagebuch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Kais geheime Tagebücher

Filme, Bücher, Tatorts die man vielleicht nicht kennt

Mothersdirt

Nachrichten - hart aber ehrlich

Corlys Lesewelt

Lesen genießen ...

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

GREIFENKLAUE - BLOG

Rollenspiel ^ Fanzines ^ Podcast ^ RPG-Szene ^RPG-News ^LARP ^ Tabletops ^ Dungeons ^Maps ^Minis

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.

Parkwelten

Freizeitparks, Kirmes & Co.

Blaupause7

die Pause zur blauen Stunde

filmlichtung

There are no rules in filmmaking. Only sins. And the cardinal sin is dullness. (Frank Capra)

%d Bloggern gefällt das: