Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 12 / 2020

Die Woche fing nicht gut an, denn das Internet wollte immer noch nicht, so dass ich weiterhin auf mein mobiles Datenvolumen angewiesen war, was sich dem Ende entgegen neigte. Aber zum Glück kam am Mittwoch die Erlösung in Person eines Technikers, dem mein Nachbar Einlass in den Kabuff unseres Stockwerks verschaffte. Die Krise der Pandemie verschärfte sich im Laufe der Woche auch hierzulande, vor allem weil es einfach noch zu viele Idioten gibt, die es nicht ernst nehmen. Mein Medien-Konsum ist noch nicht wirklich in die Höhe geschnellt. Ich habe mir am Wochenende aber die neue Staffel ALTERED CARBON genehmigt, die allerdings enttäuschend ausfiel. Nebenher lese ich auch William Gibsons NEUROMANCER, welches in den 80ern den Begriff des Cyberpunk prägte. Da ich mich gerade wegen Erkältungssymptom für eine Quarantäne entschieden habe, werde ich gewiss einige Zeit mehr mit Buch, TV und PC totschlagen.

Stay clean and healty!

16.03.2020

DIE TRIBUTE VON PANEM – THE HUNGER GAMES (Gary Ross, 2012)

In einem totalitären Staat der Zukunft veranstaltet die Regierung die sog. Hunger Games, eine Art Gladiatorenspiel. Dazu werden zwei Probanden aus jedem der zwölf Distrikte des Landes unter den Heranwachsenden zwischen zwölf und achtzehn Jahren ausgelost, um ihren Distrikt als Tribute zu vertreten. Als ein Los auf ihre zwölfjährige Schwester fällt, meldet sich Katniss (Jennifer Lawrence) freiwillig, um sie zu ersetzen. Zusammen mit Peeta (Josh Hutcherson) reist sie in die Hauptstadt, wo die beiden von Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) auf die Spiele, die als Großereignis im Fernsehen gefeiert werden, vorbereitet…

Recht zahme Dystopie, die sich in der Darstellung größtenteils auf das Medien-Spektakel dieser Gladiatoren-Spiele mit Jugendlichen beschränkt. Von der Welt von Panem bekommen wir nicht viel zu sehen, so dass man sich trotz einiger Beschreibungen in den Dialogen kein richtiges Bild davon machen kann. Außerdem werden viele Sachen angeschnitten, aber nicht ausformuliert, weil sie wohl erst für die Fortsetzungen wichtige werden. Das ist dann auch das zentrale Problem des Films, wenn auch noch andere dazu kommen. So konzentriert man sich auch sehr auf die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander, aus der sich schließlich eine gespielte Romanze für die Kameras entwickelt. Zudem ist die Action absichtlich unübersichtlich gehalten, da man auf diese Weise eine niedrige Freigabe garantieren konnte. Letzteres ist zwar ärgerlich, aber noch am ehesten zu verkraften, da Regisseur Ross andere Wege findet, um den Wahnsinn und die Unmenschlichkeit dieser Hunger-Spiele greifbar zu machen. Letzlich ein mittelmäßiger Film für ein jüngeres Publikum, der deswegen auch nicht den Anspruch hat, irgendwie mit den thematisch ähnlichen RUNNING MAN oder BATTLE ROYALE zu konkurrieren.

ZOMBIELAND – DOPPELT HÄLT BESSER (Ruben Fleischer, 2019)

Es sind ein paar Jahre ins Land gezogen, seit sich der smarte Columbus (Jesse Eisenberg) und Haudegen Tallahassee (Woody Harrelson) mit den Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) zusammengetan hatten, um den Widrigkeiten der Zombie-Apokalypse zu trotzen. Aber die Liebe von Columbus und Wichita hat den ersten Streit nicht  schadlos überstanden, und er sich mit der einfältigen Madison (Zoey Deutsch) vertröstet. Als Little Rock sich mit dem Studenten Berkeley auf den Weg nach Graceland macht, tut sich das Team wieder zusammen, denn neue Zombies machen die Gegend unsicher…

Konnte der erste Teil als eine Mischung aus ZOMBIE SURVIVAL GUIDE und deftigen Geschlechterkampf durchaus für solide Lacher sorgen, sind dem Autoren-Team beim Sequel leider die zündenden Ideen ausgegangen. So gibt es zwar Gagsalven im Minuten-Takt, deren Trefferquote sich allerdings als lausig erweist. Die Einführung von neuen Zombies wird eigentlich nur genutzt, um anfangs etwas Zeit zu schinden, auch eine Hippie-Kommune, in der gänzlich auf Waffen verzichtet wird, dient lediglich als Location für den Showdown. Der Film fühlt sich nie auch nur ansatzweise rund an, hechtet von einem Plotpoint zum nächsten. Selbst in seiner Parade-Disziplin, nämlich den Regeln von Columbus, die immer mal wieder visualisiert werden, schwächselt der Streifen bedenklich. Insgesamt ist das keine Vollkatastrophe, da man hier und da doch noch schmunzeln kann, aber in Rückblick auf den vergnüglichen Vorgänger eine ziemliche Enttäuschung.

ANGRIFF DER RIESENKRALLE (Fred F. Sears, 1957)

Als Elektro-Ingenieur Mitch MacAfee (Jeff Morrow) bei einem Übungsflug mit einer Militärmaschine ein riesiges UFO meldet, macht er sich nicht nur zum Gespött, sondern zieht sich den Unmut von Lt. Col. Considine (Morris Ankrum) zu. Denn bei einer Überprüfung seiner Angaben verschwindet ein Kampfflieger spurlos. Als sich MacAfee zusammen mit Sally Caldwell (Mara Corday) den Heimflug antritt, verschwindet eine Verkehrsmaschine im gleichen Gebiet. Also sollen sie nun doch der Sache nachgehen und stolpern über eine Legende um einen riesigen Vogel, der scheinbar aus dem Nichts Jagd auf Menschen und Flugzeuge macht…

Ein kleiner, trashiger SF-Horrorfilm ist das, der schon durch seine doofen Dialoge zu unterhalten weiß. Doch der Star des Films sind zweifelsohne die in Mexiko entstandenen Creature Effects, die einen unglaublich hässlichen Riesenvogel zeigen, der selbst in einem Schönheitswettbewerb mit zerfledderten, alten Geiern chancenlos wäre. ANGRIFF DER RIESENKRALLE ist ein Trash-Klassiker, wie er im Buche steht. Jeff Morrow in der Hauptrolle, der hier wieder fein vom Leder zieht, ist dabei noch das Tüpfelchen auf dem i.

17.03.2020

VOICE WITHOUT A SHADOW (Seijun Suzuki, 1958)

Jô Shishido Retrospektive Film #7

Die Telefonistin Asako (Yôko Minamida) hat eines Abends durch Zufall den Mörder eines Ladenbesitzers am Telefon. Doch alle Bemühungen, ihn über die Stimme zu identifizieren, schlagen fehl. Drei Jahre später erkennt sie Hamazaki (Jô Shishido) als die Stimme vom Telefon wieder. Schon kurz darauf ist Hamazaki tot, und ihr Mann, der sich mit ihm geprügelt hat, wird wegen Mordverdachts verhaftet. Doch der Reporter Ishikawa (Hideaki Nitani) stellt eigene Ermittlungen an…

Sehr hitchockesker Nikkatsu Noir, von Seijun Suzuki relativ solide heruntergekurbelt. Er verzichtet hier noch weitestgehend auf inszenatorische Mätzchen, auch wenn er Licht und Schatten in seiner S/W-Fotografie gut auszunutzen weiß und ein paar Montagen aufbietet. Jô Shishido darf hier mal einen Bösewicht geben, hat auch noch nicht seine typischen Pausbäckchen implantiert gehabt. Aktrice Yôko Minamida muss den Film die meiste Zeit tragen, trägt zeitweise aber ein wenig dick auf. Hideaki Nitani, der später dann das Zepter übernimmt, gibt den Reporter auf Mörderjagd dann eher unterkühlt. Die Nachforschungen gestalten sich spannend und wendungsreich, auch wenn die Auflösung am Ende etwas konstruiert wirkt. Interessant ist auch der Blick auf japanische Befindlichkeiten, die Suzuki hier im Laufe der Handlung abbildet. Ein wirklich empfehlenswerter Thriller.

FEUERSTOSS (Alberto De Martino, 1976)

Tony Saitta (Stuart Whitman) ist ein Polizist mit Leib und Leben, weswegen seine Schwester, die Studentin Louise (Carol Laure) ihn kaum zu fassen bekommt. Umso bestürzter ist Tony, als Louise bei einer Party an der Uni stirbt. Seiner Intuition folgend, lässt er seine Beziehungen zum ermittelnden Sgt. Matthews (John Saxon) spielen und seine Schwester für eine Autopsie exhumieren. Als klar ist, dass sie vergiftet wurde, gerät Dr. Tracer (Martin Landau) ins Visier von Tonys Nachforschungen. Doch auch andere aus dem Bekanntenkreis von Louise haben Dreck am Stecken…

Der direkt vor Ort in Kanada gedrehte Polizei-Thriller von Alberto De Martino konzentriert sich auf die nach typisch amerikanischen Muster aufgezogene Ermittlungsarbeit mit Haudrauf-Mentalität. Allerdings streut der Italiener auch immer wieder italienische Elemente. So entspricht der aus der Haut fahrende, persönlich involvierte Polizist dem Protagonisten des Poliziesco, wie die gesellschaftlichen Kreise an der Uni, denen Louise angehörte, mit Drogen, Sex und anderen Adrenalinkicks, auch an den Giallo erinnern. Insgesamt ergibt das eine ansprechende Mischung, die man nicht jeden Tag serviert bekommt, und von De Martino souverän und action-betont vorangetrieben wird. Nicht nur für Italo-Fans interessant.

18.03.2020

EATEN ALIVE (Tobe Hooper, 1976)

Hinterwäldler Judd (Neville Brand) führt ein heruntergekommenes Hotel mitten im Sumpf. Als die junge Prostituierte Clara (Roberta Collins) hier einkehrt, da sie beim Umgang mit dem schmierigen Buck (Robert Englund) merkt, das sie nicht für den Job gemacht ist, muss sie feststellen, dass Judd ein gemeingefährlicher Irrer ist. Er tötet das Mädchen und verfüttert ihre Überreste an sein afrikanisches Krokodil, dass er in einem Tümpel vor dem Hotel hält. Doch seine Absteige wird kurz darauf nicht nur von allerlei schrägen Figuren frequentiert, auch Claras Vater Harvey Wood (Mel Ferrer) findet hierher, später schnüffelt auch noch Sheriff Martin (Stuart Whitman) hier rum. Es wird eine lange, ereignisreiche wie blutige Nacht in den Sümpfen…

In seinem Nachfolgefilm zum berühmten TEXAS CHAINSAW MASSACRE zeigte Tobe Hooper deutlich, worin eine seiner großen Stärken lag, nämlich einem gut beobachteten Panoptikum aus schrägen Typen. Das Hotel ist der Schauplatz vieler kleiner Geschichtchen, von denen manche zusammenhängen und andere durch die Morde Judds mit dem Hauptstrang verknüpft werden. Das ganze Setting wirkt durch die übersättigte, rötliche Beleuchtung sehr künstlich, fungiert als Bühne, auf denen die Darsteller auf- und wieder abtreten, letzteres meist nicht lebendig. Hooper spielt diese Theatralik voll aus und EATEN ALIVE entwickelt sich zu einem blutigen Lustspiel, dessen Liebe zu Details zur erneuten Sichtung einlädt. Eindreckiger, kleiner Klassiker.

TI LUNG – DER TÖDLICHE SCHATTEN DES MR. SHATTER (Michael Carreras/Monte Hellman, 1974)

Auftragskiller Shatter (Stuart Whitman) kommt nach der Exekution eines afrikanischen Diktators nach Hongkong, um den versprochenen Salär einzustreichen. Doch Verbindungsmann Hans Leber (Anton Diffring) gibt vor, nichts von einem derartigen Arrangement zu wissen und jagt ihn vom Hof. Auch der mysteriöse Brite Rattwood (Peter Cushing) rät Shatter, umgehend die Kronkolonie zu verlassen, und tatsächlich sieht sich der Killer daraufhin von allen Seiten gejagt. Über die Masseuse May-Mi (Lily Li) engagiert er den Martial Arts Experten Tai Pah (Ti Lung) als Bodyguard und geht mit den beiden der Sache auf den Grund…

Neben dem eher durchwachsenen, aber wegen seiner kuriosen Mischung recht kultigen DIE SIEBEN GOLDENEN VAMPIRE drehte der nicht gerade reiselustige Hammer-Star Peter Cushing während seines Aufenthaltes in Hongkong auch noch diesen Killer on the Run-Film, allerdings als Nebendarsteller, der nur in drei Szenen auftritt. Die Bühne gehört hier Stuart Whitman als titelgebender Mr. Shatter, der ja jüngst verstorben ist und sich in den 70er-Jahren seine Brötchen mit einigen Genre-Filmen verdiente. Er schlägt sich dabei, genau wie der Film, recht wacker, was daran liegt, dass ein Action-Krimi sich halt besser mit Kung-Fu-Einlagen des Shaw-Stars Ti Lung verträgt, als der Horror der hüpfenden Hongkong-Vampire, in dem sich David Chiang als Kampfsportler hervortat, zuvor. Mir persönlich erfreut außerdem die Mitwirkung von Lily Li Li-Li als Love Interest von Whitmans gehetzten Killer. Insgesamt ergibt das eine flotte, action-betonte und einigermaßen runde Sache.

19.03.2020

X-MEN: DARK PHOENIX (Simon Kinberg, 2019)

Bei der Rettung einer Shuttle-Crew im Orbit der Erde absorbiert Jean Grey (Sophie Turner) eine außerirdische Energie. Dies setzt nicht nur neue Kräfte in ihr frei, sondern auch Erinnerungen, die Xavier (James McAvoy) sie eigentlich vergessen ließ. Als sie nach einer Außereinandersetzung Raven (Jennifer Lawrence) tötet, sucht sie Unterschlupf bei Eric (Michael Fassbender), der sie aber abweist. Sie wird für eine Gefahr für nicht nur ihre Freunde, sondern für die ganze Welt. Doch im Gegensatz zum wuterfüllten Hank (Nicholas Hoult) ist Xavier nicht bereit, Jean zu töten…

Der war jetzt nicht ganz das befürchtete Desaster, auch wenn er es stellenweise streifte, aber natürlich noch weit entfernt von okay oder gar gut. Das Plus dieser Zeitlinie sind zweifellos die Charaktere und ihre Darsteller. Wo Stewart und McKellen als Prof. X und Magneto noch sehr grob gezeichnet und comicesk waren – was zu ihren Filmen ja auch wunderbar passte – sind James McAvoy und Michael Fassbender eher Xavier und Eric, heben die menschlichen Seiten der beiden hervor. Deswegen freut man sich auch immer, wenn sie Gelegenheit bekommen, ihre Differenzen abzulegen und gemeinsam gegen einen größeren Feind anzutreten, wie eben hier gegen Jean Grey und… ja, und wen eigentlich? Der Hintergrund der Aliens, die sich Jeans Kräfte zunutze machen wollen, bleibt ungeklärt, was sie als Bösewichte furchtbar austauschbar macht. Daneben holpert sich das Skript sehr unschön durch die nicht eben smarte Handlung. Und das ist ja leider nichts neues mehr, denn dieser Zeitlinie mangelt es einfach an guten Geschichten und guten Antagonisten, die ihren Figuren auch mal das Wasser reichen könnten. Gerade Sophie Turner hat als Jean Grey eine denkbar undankbare Rolle, da ihre Charakterisierung und das erlittene Trauma merklich am Reißbrett entworfen wurden. DARK PHOENIX ist eine teils zähe Angelegenheit und untypisch unspektakulär. Das finale in einem gepanzerten Zug macht aber doch schon ein wenig Laune, empfehlen würde ich den Film trotzdem nicht.

20.03.2020

12 MONKEYS (Terry Gilliam, 1995)

Nach einer verheerenden Pandemie im Jahr 1996 wurde die Menschheit vom Antlitz der Erde vertrieben, fristet unterirdisch und isoliert ihr Dasein. Um ein Gegenmittel entwickeln zu können, schickt die Wissenschaft (un)freiwillige Kundschafter in die Vergangenheit, um eine reine Version des Virus zu finden. Einer dieser Zeitreisenden ist James Cole (Bruce Willis), der nach einigen Wirrungen 1996 die Psychiaterin Kathryn Railly (Madeline Stowe) entführt, um mit ihr den Psychopathen Jeffrey Goines (Brad Pitt) zu finden, den er mit seiner radikalen Tierschutzgruppe „Army of 12 Monkeys“ hinter dem Virus-Ausbruch vermutet…

Der hat mich schon anno 1996 im Kino schwer beeindruckt. Die Dystopie ist bedrückend, die Reise unseres Helden wider Willen wird zur Reise in die eigene Vergangenheit, das eigene Trauma. Einer der wenigen Zeitreise-Filme, dessen Skript die Logikfehler nicht hilflos anhäuft – David Webb Peoples hat hier ganze Arbeit geleistet -, sondern auf einen abgeschlossenen Handlungsbogen baut, der eben nur als Zeitreise funktionieren kann, weil er eben sehr schön verdeutlicht, dass die Vergangenheit in einem absoluten Kontext einer Kausalitätsfolge nicht veränderbar ist. Bruce Willis und Brad Pitt sind von Gilliam komplett gegen den Strich besetzt worden, auch ein Coup, der den Film von etwas sehr Gutem zu etwas Besonderem macht.

VICTORIA (Sebastian Schipper, 2015)

Die Spanierin Victoria (Laia Costa) nach durchtanzter Nacht morgens um 4 Uhr einen Berliner Club verlässt, trifft sie auf die Freunde Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff), die in selbigen gerade nicht reingekommen sind. Sonne kann die gut gelaunte junge Frau dazu überreden, noch ein wenig mit ihnen zu feiern, zumal die beiden, die sich in gebrochenen Englisch unterhalten, von jetzt auf gleich gut verstehen. Sie haben eine gute Zeit und verabschieden sich im Café, in dem Victoria arbeitet und nächtigt. Doch kurz darauf stehen Sonne und seine Freunde wieder bei ihr auf der Matte und bitten sie, als Fahrerin für Fuß, der inzwischen hackedicht ist, einzuspringen. Sie müssen nämlich für Boxer einen Gefallen einlösen, der im Gefägnis auf den Schutz einiger Verbrecher angewiesen war, für die sie nun einen Überfall durchziehen sollen…

VICTORIA wurde auf der Berlinale 2015 als neue deutsche Hoffnung gefeiert. Das ambitionierte Projekt wurde in einem einzigen Take aufgenommen, was einem schon von vornherein großen Respekt abnötigt. Die Kamera muss also zwangsläufig zwei Stunden lang in Echtzeit um die Protagonisten tänzeln, mit ihnen ins Auto steigen, über Treppen und durch Gassen laufen. Das ist sehr gut gelungen und spricht für eine logistische Glanzleistung. Auch hat Schipper seine Darsteller augenscheinlich gut instruiert, ihr Spiel wirkt sehr natürlich, gerade zwischen Costa und Lau stimmt merklich die Chemie. Allerdings erweist sich die erste Stunde als relativ anstrengend, wenn man den fünf Party People durchs nächtliche Berlin folgt. Die Art und Weise der vier Freunde, sich auf den Überfall am frühen Morgen vorzub(e)reiten, wirkt dabei zwar menschlich, aber doch irgendwie befremdlich. Gerade wenn die Dinge dann aus den Ruder laufen und sie später mit der Polizei konfrontiert werden, sieht man, dass sie durchaus mit Schusswaffen umgehen können und auch keine Scheu haben, diese zu benutzen. So unbeleckt, dass sie sich vor diesem Job volllaufen lassen müssten, scheinen sie im nachhinein nicht gewesen zu sein. Auch wirkt Victoria zwar abenteuerlustig und Sonne sehr zugetan, aber wenn sie später willfährig Überfall und Flucht über sich ergehen lässt, ist das nicht immer klar nachvollziehbar. Dennoch weiß der Film gerade in der zweiten Hälfte Spannung aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Die durch den One-Shot etablierte Atmosphäre eines Berlins After Hours, die eigentümlich und in den besten Momenten auch vereinnahmend ist, soll den Unique Selling Point darstellen, steht aber der Entfaltung von Charakteren und Geschichte oft genug im Weg. Sicherlich ein interessantes, wie auch spannendes, filmisches Experiment, das im Gesamten leider ein wenig unrund und bemüht wirkt. Wer sich darauf einlassen kann und mag, wird dafür mit einigen besonderen Momenten und einem durchaus unterhaltsamen Erlebnis belohnt.

21.03.2020

GEHEIMAGENT BARRETT GREIFT EIN (John Sturges, 1965)

Der Privatdetektiv Lee Barrett (George Maharis), Geheimagent a.D., wird von seinem ehemaligen Vorgesetzten kontaktiert. Der schickt ihn nach Station 3 in der Wüste Kaliforniens, wo Leiter Dr. Baxter vermisst wird. Dessen Leiche wird in einem Labor gefunden, wo auch große Mengen des Kampfstoffs Botulinus und ein neuartiger Virus, genannt die Zellenpest, entwendet worden sind. Während Botulinus eine zwar effektive, aber leicht flüchtige biologische Waffe ist, könnte die Zellenpest, Dr. Hoffman (Richard Basehart) zufolge, hypothetisch das gesamte Leben auf Erden vernichten. Für die Arbeit außerhalb des Labors tut sich Barrett mit seiner ehemaligen Partnerin Ann Williams (Anne Francis) zusammen. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie auf sprichwörtlich tote Enden…

Ich mag den. Der ist zwar ruhig, nüchtern und an sich relativ unspektakulär. Es wird auch gesagt, dass John Sturges mit dem Kopf schon bei VIERZIG WAGEN WESTWÄRTS war und seine Arbeit hier vor allem dafür genutzt hat, um ein neu entwickeltes Stativ, dass es erlaubte, eine große Kamera an einen Hubschrauber zu montieren, auszuprobieren. Doch seine Arbeit erweist sich als solide, letzteres sorgt für atemberaubende Bilder aus der Luft. Das Skript von James Clavell nach Alistair McLean baut langsam, aber sicher Spannung auf, die der Film alleine durch seine kleinen Überraschungen und dichte Atmosphäre über die ganzen fast zwei Stunden zu halten vermag. Das ist kein Kracher, das ist Slowburner, und es ist ein Film, bei dem man sich schnell heimisch fühlen kann, sobald man die Wüste und Station 3 auf dem Bildschirm sieht.

22.03.2020

POLICE FORCE (Chang Cheh/Tsai Yang-Ming, 1973)

Nach einem Kampfsport-Turnier will Guan Liang (Alexander Fu Sheng) mit Freundin Yan Shen (Lily Li) irgendwo in der Pampa relaxen. Doch dann mischen ihn zwei Gangster auf, von denen er einen noch über den Jordan schicken kann, bevor er dann selbst selbigen passiert. Sein Freund Huang (Wang Chung) meldet sich darauf zur Polizeischule, fest entschlossen, den Mörder seines Freundes zu finden und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Doch mit der Zeit im Dienst der Rechtschaffenheit kommen ihm Zweifel, ob alttestamentarische Rache wirklich der richtige Weg ist…

Netter Polizei-Film aus dem Hause Shaw Brothers, der ein wenig moralinsauer in seiner Botschaft (Rache ist nicht Recht, und daher auch nicht richtig) daher kommt. Die Action wird dabei wohl dosiert über die eher durchschnittliche Handlung verteilt. Ein Plus ist Lily Li als Quasi-Witwe und treibende Kraft hinter den Bemühungen, den Mörder ihres Freundes mittels Huangs Möglichkeiten im Polizeidienst zu finden und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Wang Chung agiert hier in der Hauptrolle allerdings ein wenig hüftsteif, dem sich die deutsche Synchronisation irgendwie anschließt. Kann man schon mal glotzen, wenn gerade nichts anderes läuft.

CONTAGION (Steven Soderbergh, 2011)

Beth (Gwyneth Paltrow) kehrt von einem Geschäftstreffen aus Hongkong zu ihrem Mann Mitch (Matt Damon) und ihrem Sohn zurück, nichts ahnend, dass sie eine schwere Virus-Infektion einschleppt. Als sie und der Sohn kurz darauf sterben und Mitch schwere Symptome einer Erkrankung aufweist, schaltet sich die CDC ein, denn immer mehr Infektionen werden bekannt. Und während Reporter Allen (Jude Law) den Experten Informationen aus den Rippen zu leiern und das Team von Dr. Carver (Laurence Fishburne) die Verbreitung zu erfassen sucht, wird Dr. Orantes (Marion Cotillard) nach Hongkong geschickt, um die Quelle des Virus zu finden…

Könnte man derzeit wohl als Film der Stunde bezeichnen. Und tatsächlich mutet er streckenweise etwas wie eine aktuelle Sondersendung an, die ab und an für Spielszenen unterbrochen wird. Früher fand ich das Drama um Matt Damon und Tochter etwas doll aufgedrückt, aber eigentlich scheint es mir heute noch recht zurückhaltend. Dafür drückt er in anderen Handlungssträngen ein wenig dicker auf. Aber Drehbuch, Regie und Besetzung sind top notch. Wer sich mal eine Vorstellung davon machen möchte, wie so eine Pandemie in einem harten Fall laufen kann (also auch die derzeitige noch laufen könnte), sollte sich den mal wieder zu Gemüte führen. Der ist zwar nicht so prophetisch wie seinerzeit AUSNAHMEZUSTAND oder EINSAME ENTSCHEIDUNG vor 9/11, aber halt brandaktuell.

GONE WITH THE POPE (Duke Mitchell, 1976/2010)

Profikiller Paul (Duke Mitchell) kommt nach langen Jahren aus dem Gefängnis. Er könnte sich ein schönes Leben Freundin Jean machen, doch er plant das Ding seines Lebens. Nachdem er einige alte Rechnungen beglichen hat, lädt er seine drei besten Freunde auf ein Boot und fährt mit ihnen über den Atlantik nach Rom. Dort angekommen, eröffnet er ihnen, dass sie hier sind, um den Papst zu entführen…

Duke Mitchells lange verschollener letzter Spielfilm kann, trotz der wahnwitzigen Prämisse, leider nicht ganz mit seinem DER MAFIA-KILLER mithalten. Denn dafür ist er dann doch zu zerfahren, zu unentschlossen und zu nichtssagend. Es tauchen immer wieder Szenen auf, die kaum einen Sinn ergeben oder deren Zusammenhang man sich selbst zusammenreimen muss. Die Höhepunkte sind sicherlich mal wieder die lakonischen Morde seiner Hauptfigur und ein Monolog Mitchells, den er vor dem entführten Papst hält und in dem er die Bigotterie der katholischen Kirche (vor allem deren Verhalten den Juden gegenüber) anklagt. Er macht natürlich noch seinen Frieden mit der Kirche und es geschieht ein (ziemlich weltliches) Wunder. Für den geneigten Fan solcherlei Trashs und allen, die den Charme Duke Mitchells verfallen sind, hat der Streifen genug Schrägheiten zu bieten, um über seine überschaubaren 80 Minuten nicht langweilig zu werden.

Dear Diary – Das Filmtagebuch

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