Obscure Shit No. 33: MR. KUGELBLITZE SCHLÄGT ZU (1966)

MR. KUGELBLITZ SCHLÄGT ZU (OT: Ajia himitsu keisatsu / Japan/Hongkong, 1966 / Regie: Akinori Matsuo)

Jô Shishido Retrospektive Film #4

Nach dem phänomenalen Erfolg der Bondfilme in den 60er-Jahren waren natürlich die Amerikaner und die Europäer nicht die einzigen, die davon prosperieren wollten. So entstanden auch in Asien Filme wie eben dieser MR. KUGELBLITZ SCHLÄGT ZU, die von smarten Agenten handeln, die die Welt vor Superschurken beschützen. Für das Abenteuer des Asia-Pol Agenten Ryutaro Saeki (bzw. Yang Ming Xuan), der den asiatischen Raum vor den Machenschaften einer Organisation, die der aus den Bond-Abenteuern bekannten S.P.E.C.T.R.E. nicht unähnlich scheint, bewahrt, taten sich die Shaw Brothers Studios aus Hongkong und die japanischen Nikkatsu zusammen. Auf diese Weise konnte man die Kosten, an mehreren Originalschauplätzen in Asien zu drehen, besser stemmen. Wie auch bei einigen britisch-deutschen Edgar-Wallace-Produktionen üblich, gab es verschiedene Hauptdarsteller für den jeweiligen Markt. Diese Szenen wurden dann einfach doppelt gedreht. Von der Seite der Shaw Studios aus agierte der angehende Superstar Jimmy Wang-Yu in der Hauptrolle. Für Nikkatsu und das japanische Publikum übernahm Hideaki Nitani den Part des Superagenten, der in der deutschen Sprachfassung den Spitznamen Mr. Kugelblitz angedichtet bekam. Dazu darf sich der Held von jeweils einer Japanerin, Ruriko Asaoka, und einer Chinesin, Yen Fing, anhimmeln lassen. Den Gegenspieler gibt Jô Shishido. Im europäischen Raum fand damals die Hongkong-Version mehr Verbreitung, während der Film in den USA von der japanischen Toho Company vertrieben wurde. Es ist davon auszugehen, dass es sich entsprechend um die Fassung von Nikkatsu handelte. In Deutschland kaufte der Verleih Constantin Film nun auch die japanische Fassung mit Hideaki Nitani in der Hauptrolle ein, die nach ihrem Kino-Einsatz 1972 auch später auf VHS veröffentlicht wurde.

In jedem Fall bedient sich das Team um Drehbuchautor Iwao Yamazaki und Regisseur Akinori Matsuo (in Hongkong unter dem Pseudonym Mai Chih Ho) fließig bei den Abenteuern des britischen Doppelnull-Agenten, und auch Komponist Toshirô Mayuzumi beackert für Agentenfilmfans auf der ganzen Welt vertrautes Terrain. In seinem leider einzigen Abenteuer reist der japanische Agent Ryutaro Saeki, also Hideaki Nitani,  im Dienste des länderübergreifenden Asia-Pol nach Hongkong, um dort Goldschmugglern auf die Spur zu kommen. Doch dort hetzt ihm der fiese George Eaton (Jô Shishido) seine Gespielin Yang Ming (Yin Fang) auf den Hals. Das bringt ihn dermaßen in Schwierigkeiten, dass ihm von den Behörden mit Nachdruck angeraten wird, Hongkong unverzüglich zu verlassen. Nächster Handlungsort ist dann Macao, wo mit der Tochter von Saekis chinesischen Ziehvater auch noch eine dritte Frau ins Spiel kommt. Familienprobleme sind dabei Triebfeder unseres Helden wie auch des Bösewichts, der es sich letztlich sogar mit der eigenen Organisation verscherzt. Der Goldschmuggel soll die japanische Wirtschaft ins Wanken bringen, denn die Japaner waren es, die einst den Vater von George, selbst halber Japaner, in den Ruin trieben. Der Weg zur Konfrontation ist gesäumt mit gediegenen Hauen und Stechen, das Hideaki Nitani gewohnt souverän durchschreitet.

Bond-Anleihen findet man hier freilich an jeder Straßenecke: von der obskuren Geheimorganisation, in der Obermotz Shishido nur ein Rädchen im Getriebe darstellt, über den Plan, durch Gold die Wirtschaftsleistung eines Landes auszuhebeln, bis hin zum Länder-Hopping des mit nur wenig Skrupel behafteten Spezialagenten. Und die heimliche Liebe unseres Superagenten gehört dabei natürlich der Sekretärin Kyoko; Moneypenny lässt grüßen. Auch Gefangenschaft und Folter mit anschließenden Zwiegespräch zwischen den Widersachern dürfen hier nicht fehlen. Das ist alles erwartbar nicht sehr originell und weit weniger spektakulär als bei der britischen Doppelnull, aber die Macher wissen ihre Mittel gewinnbringend einzusetzen und ihr Abenteuer unterhaltsam voranzutreiben. Vor allem verzichtet man komplett auf den Einsatz von Humor, das ganze Prozedere ist trocken wie ein Wodka-Martini. Die exotischen Sets und die routinierten Nikkatsu-Stars, die hier mal außerhalb der gewohnten Studiokulissen und sogar in anderen Ländern, agieren dürfen, tun ihr übriges, um MR. KUGELBLITZ SCHLÄGT ZU zwar zu keinen besonderen, aber einem interessanten Vertreter seiner Zunft zu machen. Die Hongkong-Version mit Wang Yu hab ich hier auch noch rumzuliegen, und wenn ich am Wochenende Zeit und Lust erübrigen kann, werde ich die mal zwecks Vergleich nachschieben. Und dann werde ich natürlich davon berichten, wie sich der kleine Chinese in der Rolle des Superagenten so schlägt. An Selbstvertrauen sollte ihm es damals nicht gemangelt haben, auch wenn er noch ziemlich am Anfang seiner Karriere stand.

OFDB 6.33/10 [12 Stimmen] / IMDb 6.3/10 [37 Stimmen]

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