Obscure Shit No. 32: MURDER UNINCORPORATED (1964)

MURDER UNINCORPORATED (OT: Dainippon koroshiya den / Regie: Haryasu Noguchi / Japan, 1965)

Jô Shishido Retrospektive Film #3

In Killer Town, einem berüchtigten Stadtteil von Tokio, in dem das Glücksspiel zuhause ist, wird ein Boss des „Five Rays Club“ ermordet. Bei der Leiche findet man eine Pik-Karte, und die übrigen vier Bosse finden in ihrem Büro jeweils die Karten von 2 bis 4 vor. Sie schließen daraus, dass der legendäre Killer Joe of Spades (= Pik-Joe) es auf sie abgesehen hat, weil sie, so glauben sie sich zu erinnern, vor 20 Jahren seinen Vater getötet haben. Die Gangster heuern nun 10 Killer von der „Assassin’s Agency“ an, die diesen Joe of Spades aufspüren und liquidieren sollen. Aber da die Killer handverlesen sein sollen, werden die 10 geeignetsten Kandidaten per Auswahlverfahren ermittelt. Ein Schaulaufen der besonderen Art findet im Hauptquartier des „Five Rays Club“ statt, wo sich die absonderlichsten Auftragsmörder die Klinke in die Hand geben.

Der vermeintliche Killer auf dem Rachetrip wird natürlich von Jô Shishido verkörpert. Er hat aber nicht nur nichts mit den Mordanschlägen auf die Gangsterbosse zu tun – im Laufe des Films beißt einer nach dem anderen ins Gras -, sondern er ist bei dem bunten Treiben, das sich hier entspinnt, im Folgenden eigentlich nur prominenter Zaungast. MURDER UNINCORPORATED entpuppt sich als turbulente Killer-Komödie, in dessen Mittelpunkt die engagierten Profis stehen, die unseren Joe auf die Schliche kommen sollen. Doch die werden ihrerseits vom eigentlichen Drahtzieher dieser Verschwörung, dem Boss der gegnerischen Anzai-Gang, ausgedünnt, der seinerseits einen Haufen Hitmen anheuert und auf die zehn ahnungslosen Trottel loslässt. Daraus ergibt sich dann ein klamaukiges Hin und Her, dem immer wieder Gangster und Killer zum Opfer fallen, bis Joe sich erbarmt und auf die Seite seiner Verfolger schlägt, um das hinterhältige Spiel zu beenden.

Als Joe-Feature ist der ganze Spaß ganz klar ein Etikettenschwindel, denn der Nikkatsu-Star tritt nur am Anfang und am Ende in Aktion, verschwindet im Mittelteil über weite Strecken gänzlich von der Bildfläche. Der Film entpuppt sich dabei als äußerst durchschnittlicher Klamauk aus Situationskomik und ein wenig Slapstick. Allerdings bringen die ganzen verschiedenen Charaktere mit ihren Kostümen und Persönlichkeiten schon ein wenig Pepp in die Sache. Wir haben z.B. die Brillenschlange Konmatsu, der Joe immer mal wieder unwissentlich über den Weg läuft, um ihn dann als „seinen Schüler“ unter seine Fittiche zu nehmen. Er will für alles Geld haben, ob er nun zuhört, antwortet oder sich schlicht in Bewegung setzt, weil er auf ein eigenes Geschäft spart. Er steht zumeist auch im Vordergrund der Handlung und übernimmt die Führung der Zehnertruppe, die sich schon bald in Zweierpaare splittet. Dazu gesellen sich noch ein Junge, der behauptet, der Enkel von Al Capone zu sein, ein ehemaliges Baseball-Talent mit schießenden Schläger, ein Heinrich-Heine-Fan mit Pistole im Buch und ein Koch, der es nicht fertig bringt, Fisch auszunehmen. Mit ihren bemitleidenswerten Kollegen stolpern sie von einer Falle in die nächste, bis sich Joe of Spades irgendwann erbarmt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, wobei er auch mit der Tochter des Anzai-Bosses anbändeln darf.

MURDER UNINCORPORATED bewegt sich die meiste Zeit auf dem Niveau von mittelmäßigen Jerry-Lewis-Filmen. Das Niveau ist überschaubar, und es zündet längst nicht jeder Gag. Zudem sieht man Jô Shishido in seinen Szenen deutlich an, dass dies hier nur lästige Pflichterfüllung für ihn darstellte. Die anderen Darsteller dagegen sind mit Feuereifer bei der Sache, und die Fülle an skurrilen Typen und schrägen Einfällen sorgt zumindest dafür, dass einem nicht langweilig wird. Wenn man sich damit arrangiert, dass es nur wenig Joe, dafür umso mehr stumpfen Frohsinn gibt, kann man durchaus seinen Spaß mit dem Filmchen haben. Es ist halt eher leichte Kost, zumal auch trotz makabrer Tendenzen gröbere Gewalttätigkeiten ausbleiben.

OFDB 6.0/10 [1 Stimme] / IMDb 5.9/10 [53 Stimmen]

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