Obscure Shit No. 30: DANGER PAYS (1962)

DANGER PAYS (OT: Yabai koto nara zeni ni naru / Regie: Kô Nakahira / Japan, 1962)

Jô Shishido Retrospektive Film #1

Der vor kurzem verschiedene Jô Shishido spielt Glass-Heart Joe, einen Glücksritter, der immer auf der Suche nach dem großen Coup ist. Als eine Gangster-Bande einen Transport von Banknoten-Papier, das bereits mit Wasserzeichen versehen ist, überfällt, sieht er seine Chance gekommen. Er hat vor, den Geldfälscher Sakamoto am Flughafen von Tokio abzufangen, um in den Deal einzusteigen. Doch seine zwei Konkurrenten Slide-Rule Tetsu und Dump-Truck Ken sind auf denselben Gedanken gekommen, sodass sie sich hier gegenseitig auf die Füße treten. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Marschroute dieses Nikkatsu-Streifens klar sein, im Fokus unserer Protagonisten steht der Meister der Druckplatten, der Geldfälscher Sakamoto. Der Alte erweist sich als rechter Kauz, der gerne schöne, halbnackte Mädchen über sich tanzen sieht, während er arbeitet. Aus diesem Grund quartiert ihn Gangsterboss Hijikata in seinem Nachtclub ein. Aber Glass-Heart Joe ist natürlich ein patentes Kerlchen und nervt die Sekretärin einer Briefkasten-Firma des kriminellen Vereins so lange, bis er Hijikata selbst an der Strippe hat und seine Dienste feil bietet. Das bringt ihn zwar seinem Ziel keinen Meter näher, aber dafür klebt ihm ab jetzt die Sekretärin, mit Namen Tomoko, an den Hacken. Denn die selbstbewusste junge Frau hat durch seine Aufdringlichkeit nun ihren gut bezahlten easy-peasy Job verloren. Unser Freund Joe muss sich also nicht nur mit der leidigen Konkurrenz rumplagen, sondern hat sich damit eine unerwünschte Partnerin für seine Unternehmungen aufgehalst.

Man merkt schon, es ist reichlich was los bei DANGER PAYS. Der Film ist schnell als turbulente Gangster-Komödie zu identifizieren, die in ihrer Gewichtung von Action und Komik auch sehr an ihr europäisches Pendant der 60er-Jahre erinnert, wobei diese japanische Ausrichtung im Hinblick auf die Entstehungszeit denen sogar etwas voraus gewesen scheint. Mit Klamauk hält man sich noch einigermaßen zurück, auch Slapstick wird nur vereinzelt und wohl dosiert eingesetzt. Der große Unterschied zu den Europäern ist sicherlich der, dass sichtlich viel mehr im Studio gedreht wurde. Doch Nikkatsu verfügte zu diesem Zeitpunkt noch über abwechslungsreiche und vor allem sehr bunte und detaillierte Studio-Kulissen. Ein Highlight ist der Nachtclub, von dem man nur einen kleinen Teil sieht, und zwar genau den, in dem der alte Fälscher arbeitet. Er kann hier über seinem Kopf einer leicht bekleideten Tänzerin zusehen, die auf einem gläsernen Parket ihren Auftritt absolviert. Das sieht schon ziemlich cool aus. Was dann aber ein wenig verstören könnte, sind die tonalen Sprünge, wenn am Anfang und am Ende deutlich Gewalt ins Spiel kommt und der Film teils sehr brutal wird. Gerade das Finale wird im Hauptquartier von Hijikata mit Schusswaffen bestritten und als Resultat türmen sich da schon mal blutüberströmt die Leichen. Die Japaner waren schon damals wenig zimperlich.

DANGER PAYS ist natürlich ganz auf seinen Star zugeschnitten. Jô Shishido war ja gerade erst, 1961 nach Keiichiro Akagis frühen Unfalltod, in die Diamond Line der Nikkatsu-Stars aufgestiegen und drehte mindestens ein Dutzend Filme pro Jahr. Er steht auch hier stets im Mittelpunkt und darf seinen ganzen Charme spielen lassen. Und er kann das auch deshalb so souverän durchziehen, weil sein Charakter Glass-Heart Joe ein paar liebenswerte Ecken und Kanten hat. So ist er ein hilfloses Nervenbündel, wenn er kratzenden Geräuschen auf Glas ausgesetzt ist, was seine Konkurrenten Slide-Rule Tetsu und Dump-Truck gerne mal schamlos ausnutzen, um ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen, wenn er zu sehr abzuheben droht. Mit seinen Filmpartnern Hiroyuki Nagato und Kôjirô Kusanagi liefert er sich spritzige Wortgefechte. Dabei kommt Kusanagi als Lastwagen-Fahrer Ken meist leicht kauzig und verplant rüber, während Nagatos Rolle als Spieler Tetsu immer wieder ein ominöses Gerät zur Wahrscheinlichkeitsrechnung befragt, bevor er sich auf eine riskante Aktion einlässt, was ein Running Gag des Films ist. Richtig zum Tragen kommen ihre Rollen aber erst im Finale, wenn die drei sich zusammenraufen müssen, um mit ihren einzigartigen Talenten der Lage Herr zu werden. Für die Dynamik des Ganzen ist dazwischen Ruriko Asaoka als Tomoko zuständig, die sich ständig im Clinch mit Shishido befindet und deren Rolle weit über die des einfachen Love Interests (was tatsächlich nur in wenigen Momenten aufgegriffen wird) hinaus geht. Asaoka war damals die erste Anlaufstelle bei Nikkatsu, wenn es um selbstbewusste und schlagfertige, gerne auch mal nervige, Weibsbilder ging, die trotzdem noch einen Beschützerinstinkt zu wecken vermochten. Ihre Chemie mit Jô Shishido stimmt jedenfalls, mit den beiden wird es einem nie langweilig. Ihr Lowlight im Film hat sie dann auch in einem peinlichen, selbst provozierten Judo-Kampf mit einem Verkehrsrowdy. Erwähnenswert ist auf jeden Fall noch Boduzen Hidari als gewitzter Geldfälscher Sakamoto, dessen Gemüt kein Wetterchen zu trüben scheint. Er scheint eine spitzbübische Freude an der Rolle gehabt zu haben, und im Zusammenspiel mit Toyoko Takechi, die als seine bessere Hälfte einen ernsteren, trockeneren Konterpart gibt, bleibt dann oft kein Auge trocken. Auch der Rest des Casts agiert mehr als solide, aber auch kein Wunder, denn mit Schauspielern wie Torahiko Hamada oder Shishidos jüngeren Bruder Eiji Gô stand damals immer verlässliches Stammpersonal vor der Kamera.

Insgesamt gesehen gehört DANGER PAYS auf jeden Fall zu den Action-Comedies aus dem Hause Nikkatsu, wie sie mir in Zukunft gerne noch öfters über den Weg laufen dürfen. Er allein war mir schon den Kauf des (damals auch verdammt günstigen) 3-Filme-Sets von Arrow Video wert. Das Bild der Blu-ray ist schön bunt und scharf, der Ton ist verständlich und an keiner Stelle verknarzt oder verrauscht. Wer ein wenig was für diese Art von Film oder das japanische Genre-Kino der 60er übrig hat, sollte hier unbedingt mal einen Blick riskieren. Ich selbst freue mich schon auf weitere Filme von Nikkatsu und auch mit Jô Shishido, auch wenn ich wohl ein wenig Zeit in die Suche investieren muss.

OFDB 6.80/10 [5 Stimmen] / IMDb 6.8/10 [114 Stimmen]

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