Dear Diary… on the watch: Kalenderwoche 01 / 2020

Wie schon angekündigt, wird das Format des Filmtagebuchs radikal geändert. Ich werde auf Letterboxd Kurzreviews zu allen gesehenen Filmen abgeben, die ich hier in unregelmäßigen Abständen rüberkopieren werde. Auf jeden Fall werden Serien und Hörspiele nicht mehr mit einbezogen, also wird es, wie der Name auch sagt, ein reines Filmtagebuch. Auch die Länge wird eher kurz & knackig ausfallen, längere Texte werden über kurz oder lang in die Review-Sektion oder auf andere Seiten ausgelagert.


30.12.19

WAYNE’S WORLD (Penelope Spheeris, 1992)

Mike Myers‘ kultige Spielfilm-Version seiner Saturday Night Live Show macht auch heute noch sehr viel Spaß. Das liegt natürlich auch zum großen Teil daran, dass die Musik, die ein großer Bestandteil des Films darstellt, einfach zeitlos ist. Die Alter Egos von Myers und Carvey, Wayne und Garth, sind sympathische Loser, und es hilft natürlich enorm, wenn man zu der Zeit selbst als Rock/Metal-Fan herangewachsen ist. Davon ab ist der Film voller Anspielungen auf Popkultur und schrulliger Charaktere, die teils selbst Einzug in die Popkultur hielten. Besonders schön finde ich die Auftritte von Ed „Al Bundy“ O’Neil und der hinreißenden Lara Flynn Boyle, die als nervige, aber liebenswert unbedarfte Ex-Freundin mit Piepsstimme komplett gegen den Strich besetzt ist. Außerdem gibt Rob Lowe ein toll schmieriges Arschloch ab, und dass Tia Carrere damals hot war, brauche ich eigentlich nicht extra erwähnen, oder?

DAS SIEBTE ZEICHEN (Carl Schultz, 1987)

Mythisches Weltuntergangsszenario, in dem Demi Moores Niederkunft als Totgeburt das siebte und letzte Zeichen für die Apokalypse sein soll. Jürgen Prochnow trägt dies als mysteriöser neuer Untermieter an sie heran, während ihr Mann Michael Biehn als Strafverteidiger einen Mörder vor der Hinrichtung bewahren will. Der Film ist immer dann am besten, wenn er die vorangehenden Zeichen ausspielt und so eine düstere Stimmung erzeugt. Anfangs können auch Jürgen Prochnow und Demi Moore in ihrer Interaktion und ihren Zwiegesprächen überzeugen, doch dies wird mit der Zeit immer abstruser. Gerade die Diskussionen zwischen den beiden kann man schwerlich ernst nehmen. Allgemein versaut sich der Film selbst die Stimmung, dazu trägt auch der zweite Handlungsstrang um Ermittler der Kirche mit bei.

IN DER HÖHLE DES SCHWARZEN PANTHERS (Yukio Noda/Tung-Man Chan, 1977)

Man hat hier immer das Gefühl, dass zwei Filme zusammengeschnitten worden sind. Das liegt natürlich daran, dass die beiden Handlungsstränge um den rächenden Kämpfer auf der einen, und den Undercover-Cop auf der anderen größtenteils unabhängig voneinander gefilmt wurden. Chiba-Fans werden eher enttäuscht, denn die Screentime des Exploitation-Stars ist schon arg begrenzt. Der Film legt mehr wert auf die Story um die Drogenschmuggler. Allerdings kann der Film mit einer Überraschung im antiklimatischen Finale punkten. Als Martial Arts Film dafür nur Mittelmaß.

31.12.20

CHIN – DER KRIEGER AUS DEM JENSEITS (Ching Siu-Tung, 1989)

Siu-Tung erzählt eine über die Jahrtausende überdauernde Liebesgeschichte um den Krieger Tian Fong und der schönen Twon. Da diese unstandesgemäß ist, wird Tian Fong zu den Terrakotta-Kriegern in das Grab des Kaisers gesteckt. Dank einer Unsterblichkeitspille überdauert er 2.200 Jahre, bis er von der Schauspielerin Lily in den 30er-Jahren am Rande von Dreharbeiten geweckt wird. In ihr erkennt er seine große Liebe und weicht ihr fortan nicht von der Seite.

Diese Ausgangslage nutzt der Regisseur für eine Mischung aus Culture Clash Komödie und turbulenten Abenteuerfilm. Siu-Tung nimmt sich etwas viel Zeit für die Vorgeschichte, weswegen der Film in der zweiten Hälfte irgendwie gehetzt wirkt. Trotzdem geizt er bis zum großen Finale mit Action, aber dann lässt er es auch richtig krachen. Ein wenig mehr Ausgewogenheit hätte dem Terrakotta-Krieger gut getan, aber ein kurzweiliges Vergnügen ist garantiert.

METROPOLIS 2000 (Enzo G. Castellari, 1983)

Christian Keßler schrieb einmal, dies wäre „der beste Film, der jemals in einer Kiesgrube gedreht worden ist“. Dem mag man kaum widersprechen, denn Castellaris brutales Endzeit-Abenteuer macht auch heute noch gerüttelt Spaß. Dafür sorgen nicht nur die gut aufgelegten Darsteller um Giancarlo Prete, George Eastman und Fred Williamson, sondern auch eine zackige Inszenierung mit schönen Verfolgungsjagden und zünftige Splatter-Einlagen. Für Italosploitation-Fans Pflichtprogramm!


01.01.2020

SKYFALL (Sam Mendes, 2012)

Der dritte Bondfilm mit Daniel Craig ist bisher auch sein bester. Die Story, in der der MI6, der eh gerade im Kreuzfeuer der Kritik steht, in seinen Grundfesten erschüttert. Das ist etwas, was gefühlt jedes M:I-Abenteuer mit Tom Cruise zelebriert, ist aber für einen 007-Film noch lange nicht Standard. Die Action ist kernig, Craig darf Bond als eiskalten Killer portraitieren, der sich nicht auf irgendwelche Gimmicks verlässt. Mit Javier Bardem steht ihm ein passender Bösewicht gegenüber, der sogar aus so ziemlich den gleichen Holz geschnitzt ist, wie er selbst. Der Film ist ein spannender Agenten-Thriller, der sich nicht nur auf seinen Schauwerte ausruht, sondern auch Untiefen in den Charakteren und der Welt, in der sie sich bewegen auslotet. Für mich der beste Bondfilm seit LIZENZ ZUM TÖTEN (1989).

DIE ARBEITERKLASSE KOMMT INS PARADIES (Elio Petri, 1971)

Gian Maria Volonté brilliert als spießiger Arbeiter, der nach dem Verlust seines Fingers die Seiten wechselt, um gegen die Arbeitsbedingungen in der Fabrik zu demonstrieren. Dies nimmt mit der Zeit schon wahnhafte Züge an, zumal er erkennen muss, dass die Studenten, die sie bei ihren Arbeitskampf unterstützen, nicht an den Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Kleinen interessiert sind. Ihnen geht es um den Klassenkampf, der für sie nur im Umsturz des gesamten Systems zu gewinnen ist. Petri, selbst bekennender Linker, lässt hier an niemanden ein gutes Haar. Er zeigt nicht nur die Diskrepanzen zwischen Arbeiterschaft und Industrie, sowie ihrer Kluft zu den linken Intellektuellen auf, sondern damit auch die Wunden einer Gesellschaft, die nicht in der Lage scheint, sich dauerhaft auf ihre Gemeinsamkeiten zu besinnen und sich so einer gemeinsamen Identität als Nation verweigert.


02.01.2020

GOODBYE & AMEN (Damiano Damiani, 1978)

Eine Geiselnahme in einem Hotel in Rom entwickelt sich zu einer diplomatisch delikaten Angelegenheit, da der Täter anscheinend ein ehemaliger Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft ist. Ein CIA-Agent schaltet sich in die Verhandlungen ein, als der Geiselnehmer den amerikanischen Botschafter zu sprechen wünscht.

Eher trivialer, wenn auch doppelbödiger Polit-Thriller des Mafia-Spezialisten Damiano Damiani. Doch er versteht natürlich auch hier sein Handwerk, der Film ist spannend bis zum nervenaufreibenden Finale. Außerdem darf er auf einen erstklassigen Cast zurückgreifen: Als zwielichtiger CIA-Mann kann Tony Musante überzeugen, als italienischer Ermittler darf Renzo Palmer ihm ordentlich Contra geben. Claudia Cardinale muss sich hier mit einer ungewohnt kleinen Rolle als weibliche Geisel begnügen, welche sie aber auszureizen versteht. John Steiner gibt als Geiselnehmer eine gute Vorstellung, und in der Rolle des Botschafters ist John Forsythe zu sehen.

Sicherlich nicht der gehaltvollste Film Damianis, aber immer noch ein guter Thriller. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Film vornehmlich aus kommerziellen Erwägungen entstand. Ich hätte zudem auch schwören können, dass GOODBYE & AMEN eine Romanverfilmung wäre, doch dem scheint nicht so.

THE BOYS NEXT DOOR (Penelope Spheeris, 1985)

Und noch ein Film von der Spheeris, doch im Vergleich mit dem durchweg positiven Partyfilm WAYNE’S WORLD gibt es hier das genaue Gegenteil zu sehen. Charlie Sheen und Maxwell Caulfield wollen Rowdies Bo und Roy zwar auch nochmal richtig Party machen, bevor es sie nach dem High School Abschluss in die triste Arbeitswelt geht, doch gerät der Ausflug in die Stadt der Engel zum Horror-Trip. Als sie nach einer Auseinandersetzung einen mexikanischen Verkäufer an einer Tankstelle erschießen, tickt vor allem Roy immer mehr aus. Maxwell Caulfield spielt wirklich beängstigend gut; keine Ahnung, warum er in Film und Fernsehen später nicht mehr über die B-Liga hinausgekommen ist. Am Theater sah es da ja ganz anders für ihn aus. Hier spielt er Charlie Sheen, der bekannterweise im Jahr darauf mit PLATOON zum Star wurde, glatt an die Wand. Als junger Mann, der am Anfang seines Lebens schon an dessen Ende zu stehen scheint, ist er eine Wucht. Man merkt richtig, wie der aufgestaute Hass, auf sich, die Menschen um ihn herum, das Leben an sich, sich von Minute zu Minute Bahn bricht.

SPECTRE (Sam Mendes, 2015)

Während der MI6 durch den Emporkömmling C (Andrew Scott) vor weitreichenden Veränderungen und das Doppelnull-Programm unter M (Ralph Fiennes) vor dem Aus steht, ermittelt James Bond (Daniel Craig) auf eigene Faust in einer Reihe von Anschlägen. In Rom erfährt er von der schönen Lucia (Monica Belucci) von einem mächtigen Geheimbund, deren Sitzung er aufsucht. Prompt zieht er dabei die Aufmerksamkeit ihres mysteriösen Vorsitzenden (Christoph Waltz) auf sich. Fortan heftet sich ein wortkarger Killer (Dave Bautista) an seine Fersen. Bond kann endlich Mr. White (Jesper Christensen) ausfindig machen, der, inzwischen mehr tot als lebendig, vor sich hin siecht und ihn zu seiner Tochter Madeleine (Léa Seydoux) schickt. Zusammen begeben sie sich in die Höhle des Löwen…

Eigentlich macht der Film mehr richtig als falsch. Er geht den in SKYFALL eingeschlagenen Weg konsequent weiter; das heißt, dass es keine hektisch geschnittenen, unübersichtlichen Action-Szenen mehr gibt und das Grundkonstrukt der Geschichte sehr klassisch gehalten ist. Das kommt gerade Craig als Bond sehr entgegen, den ich in seiner Auslegung der Rolle nah an Connery, als skrupelloser, aber charmanter Killer, sehe. Die moderne Note bringt dann der Kern der Geschichte mit sich, der den Charakter wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Die Probleme des Films liegen leider in seinem Umgang mit S.P.E.C.T.R.E. und vor allem dem lang erwarteten Blofeld. Man kann ja darüber hinwegsehen, dass beide zuerst mehr im Schatten agieren, auch dass der Ausflug in das Hauptquartier nur kurz ist, kann man verschmerzen. Dass es aber Bond im Finale viel zu leicht gemacht wird, spricht nicht gerade für die Fantasie der insgesamt vier Schreiberlinge. Fast zwei Stunden lang macht der Film wirklich Spaß, versagt auf dem Höhepunkt letztlich leider kläglich. Trotzdem zeigten SPECTRE und SKYFALL auf, dass der klassische Bond auch in der Moderne bestehen kann. Ich bin auf NO TIME TO DIE gespannt, auch wenn Regisseur Mendes sich inzwischen von der Franchise verabschiedet hat.

DRAGONBALL: EVOLUTION (James Wong, 2009)

Unglaublich stümperhaftes Trash-Spektakel, das es in seiner billigen Machart und der durch und durch gekünstelt wirkenden Atmosphäre nicht einmal annähernd in „So Bad, It’s Good“-Gefilde vorzudringen vermag. Nahezu jede Szene leidet schon an unpassenden, eintönigen Sets und miesem CGI, da scheinen die schlechten schauspielerischen Leistungen von gestandenen Recken (Chow Yun-Fat, Randall Duke Kim, James Marsters) wie unbekannten Jungvolk (wer zum Teufel ist Justin Chatwin?) fast nur noch eine Randnotiz wert. DRAGONBALL: EVOLUTION ist mit Leichtigkeit die schlechteste Live Action Adaption eines Comics/Mangas/Animes, die mir bisher untergekommen ist, und eigentlich komplett unansehbar. Wofür hier Millionen von Dollars verblasen wurden, erschließt sich mir nicht, denn so etwas dreht Robert Rodriguez in seinem Hobbykeller wahrscheinlich für ein Taschengeld.


03.01.2020

MÖRDERLAND (Alberto Rodriguez, 2014)

Düstere Jagd auf einen Mädchenmörder im süd-spanischen Hinterland. Regisseur Rodriguez ringt dem Thema von zwei Großstadtermittlern in der Provinz keine gänzlich neuen Facetten ab, doch sein Crime-Drama ist vor allem von erlesen dreckiger Schönheit. Inszenatorisch und darstellerisch ist das ganz auf der Höhe der Zeit, braucht sich nicht hinter Hollywood-Hochglanz zu verstecken. Am Ende schafft es Rodriguez dann auch mit einer fast schon deprimierenden Wendung noch fies zu überraschen und eine politische Komponente einzubringen. Großes Kino. Dem anstehenden Remake von Christian Alvard, das die Handlung nach Ostdeutschland Anfang der 90er verlegt und unter dem Titel FREIES LAND gerade in den deutschen Kinos gestartet ist, stehe ich dennoch skeptisch gegenüber.

TRON: LEGACY (Joseph Kosinski, 2010)

Nach dem frühen Tod der Mutti und dem Verschwinden seines Vaters wächst Sam Flynn (Garrett Hedlund) zu einem orientierungslosen Millionenerben heran, der die Führung der Firma kapitalistischen Arschlöchern überlässt, denen er hin und wieder einen Streich spielt. Als Alan (Bruce Boxleitner), sein langjähriger Vormund, eine Nachricht aus der stillgelegten Spielhalle seines alten Herren empfängt, nimmt er die eingestaubten genauer unter die Lupe und entdeckt einen Geheimraum. Dort wird er auf das digitale Raster transferiert, das sein Vater einst erfunden hat. Er fällt dort sogleich in die Hände des Programms Clu (Jeff Bridges digital verjüngt), der ihn zum Kampf in die Arena bittet. Doch dies ist nur ein Mittel zum Zweck, um Väterchen Kevin (Jeff Bridges alt) aus der Reserve zu locken. Und tatsächlich springt schon Quorra (Olivia Wilde) dem übermütigen Jungspund zur Seite, um die Familie wieder zu vereinen…

Joa, das war wohl nichts. Denn anstatt sich auf seine potenziellen Qualitäten als wieder einmal naives bis strunzdämliches Techno-Abenteuer zu verlassen, fährt sich der Film mit seinem pseudo-philosophischen Gebrabbel ständig selbst in die Parade, und erstickt so jeden Anflug spaßiger Unterhaltung gleich im Ansatz. Wenn sich dieser Film nicht dafür angeboten hätte, dem Aufbau nach ein Videospiel zu emulieren, welcher dann? Und so setzen Regisseur Kosinski, Produzent Lisberger und Drehbuchautor Horowitz den Film in seiner ganzen Schönheit mit Karacho gegen die Wand. Denn das visuelle Konzept ist sehr gelungen, die Optik zeitweise umwerfend, auch weil sich das 3D hier perfekt einfügt. Und der Soundtrack von Daft Punk ist sowieso Bombe. So kann man sich in den zwei Stunden zumindest an Olivia Wilde und den hübschen Bildern ergötzen, sofern der digital verjüngte Jeff Bridges den Blick darauf gerade nicht trübt.

STREET FIGHTER: THE LEGEND OF CHUN-LI (Andrzej Bartkowiak, 2009)

Als Kind musste Chun-Li (Kristin Kreuk) mit ansehen, wie ihr Vater von den Männern des Oberbösewicht M. Bison (Neal McDonough) entführt wird. Dieser beherrscht die Unterwelt von Bangkok und erschafft von dort aus eine kriminelles Imperium. Sie wird vom geheimnisvollen Gen (Robin Shou) unter die Fittiche genommen, bis sie bereit ist, es mit der ganzen Unterwelt aufzunehmen. Bei ihrem Kreuzzug gegen das Böse kreuzt sie den Weg der Interpol-Agenten Charlie Nash (Chris Klein) und Det. Sunee (Moon Bloodgood). Doch es fällt beiden Seiten nicht leicht, sich für das gemeinsame Ziel zusammenzuraufen…

Während die erste Verfilmung des Kult-Prüglers STREET FIGHTER zwar sehr bemüht war, das bunte Treiben der Spielautomaten-Vorlage in einem fantasievollen Spektakel festzuhalten, was allerdings aufgrund eines chaotischen Drehs in hilariösen Trash mündete, scheint den Machern von THE LEGEND OF CHUN-LI jegliche Ambitionen abhanden gekommen zu sein. Es gelingt dem gelernten Kameramann Bartkowiak zwar, das doofe Skript in einen ebenso doofen Film umzusetzen und dabei trotz überschaubaren Budget weit besser dazustehen als bspw. die kurz darauf folgende Vollkatastrophe DRAGONBALL: EVOLUTION, aber es kommt einem vor, als sei abseits von Dienst nach Vorschrift (was bei den Akteuren nur bedeutet, dass sie nur mehr fehlerfrei ihre Lines von sich geben) niemand ernsthaft daran interessiert gewesen, einen unterhaltsamen Film abzuliefern. Die Szenen werden durchgehend von einer seltsamen Teilnahmslosigkeit begleitet, die fast schon beabsichtigt scheint, aber natürlich keinerlei Sinn ergibt. Was nun wirklich der Grund dafür war, ist eigentlich auch unerheblich, der Film ist einfach nur furchtbar uninvolving, und im Ganzen schlichtweg langweilig.


04.01.2020

DIVA (Jean-Jaques Beineix, 1981)

Faszinierender Hybrid aus Arthaus und Genrefilm, in dem die Kunst, hier Musik, für den jungen Protagonisten Jules das Bindeglied zwischen Traum und Wirklichkeit darstellt. Und so verlaufen auch zwei Handlungsfäden nebeneinander, und während er in einem seinem Traum, nämlich die Bekanntschaft der von ihm veehrten Opernsängerin, verwirklichen kann, holt ihn darauf die Wirklichkeit in Form verschiedener Mächte, die es auf die beiden Kassetten abgesehen haben, wieder ein.
Ausgangspunkt zu den Ereignissen ist eine kriminelle Handlung seinerseits, indem er ein Bootleg eines Auftritts anfertigt. Dieser Akt setzt zwar die Mechanismen in Gang, die ihm seinen Traum immer näher bringen, diesen wie auch ihn selber auf mehreren Ebenen zerstören könnten. Denn alleine die Existenz des Bootlegs ist genauso gefährlich wie die komprimittierende Kassette, die einen geheimnisvollen Menschenhändler belastet.
Schön ist auch die Leichtigkeit, mit der der Film voranschreitet, und sich in der Naivität des jungen Jules widerspiegelt. Hier wird nicht nach Plausibilität oder Funktionalität gefragt, es wird einfach gemacht. Und in diesem Sinne ist auch der Film selbst eine DIVA, der sich zwar die Logik nicht offensiv hinbiegt, wie er sie braucht, aber doch vom Zuschauer verlangt, einfach mal loszulassen und mit Jules und seiner Begeisterung, seiner naiven Arglosigkeit mitzugehen.

GOODBYE LOVER (Roland Joffé, 1998)

Sandra (Patricia Arquette) hat große Ambitionen und Ansprüche, ist aber mit Alkoholiker Jake (Dermot Mulroney) verheiratet. Nebenher vögelt sie mit dessen älteren Bruder Ben (Don Johnson), der Jake, der ständig neben der Spur ist, in seiner PR-Firma mehr schlecht als recht mit durchschleppt. Sandra hat einen Plan, durch eine abgeschlossene Lebensversicherung an das große Geld zu kommen. Doch dafür muss jemand sterben, und außerdem stehen ihr noch eine zynische Polizistin (Ellen DeGeneres) und in der unscheinbaren Peggy (Mary-Louise Parker) eine unerwartete Nebenbuhlerin im Weg…

Uninspirierte, zu jeder Zeit sehr konstruiert wirkende Noir-Komödie. Dem Film fehlt es an allen Ecken und Ende an Schwung und Überzeugungskraft. Die Story schlägt so manchen Haken, ohne groß überraschen zu können, weil alle Klischees und Mechanismen hier abgedroschen und überholt rüberkommen. Da hilft’s auch nicht, dass Patricia Arquette gern und oft Haut zeigt, Ellen DeGeneres versucht, zynisch zu wirken, oder auch Vincent Gallo sich als cooler Killer aufspielt. Die interessantesten Personen, etwa Barry Newman als Senator, der von den Brüdern vertreten wird, oder auch Mary-Louise Parker als Mauerblümchen Peggy, finden nur am Rande statt, so dass es kein Wunder ist, dass der Film selbst ab der ersten großen Wendung nur noch am Keuchen ist wie ein Asthmatiker bei einem Steigerungslauf.

STREET FIGHTER – DIE ENTSCHEIDENDE SCHLACHT (Steven De Souza, 1994)

Ja, diese dritte aller Videospielverfilmungen ist schon ein schräges Ding. Hingegen zum desaströsen SUPER MARIO BROS. und nicht minder misslungenen DOUBLE DRAGON aus dem Vorjahr versuchte man zumindest, die Stärken der Fighting Game Vorlage, nämlich die lustigen Charaktere, halbwegs für die Leinwand umzumünzen. Allerdings muss man auch eingestehen, dass die Story von STREET FIGHTER im Game halt weit weniger hergibt, was sich filmisch umsetzen ließ, wie es beim späteren MORTAL KOMBAT der Fall war. Das Drehbuch gewinnt keine Preise für Originalität oder Logik, und leider nimmt sich der Film in seiner Ausgangslage dann doch ein wenig zu ernst, aber die Balance zwischen den dämlichen Handlungselementen und der auch eher als halbgar zu bezeichnenden Action-Choreographie stimmt schon, da kommt kaum Langeweile auf.

Der Cast erweist sich als großteils pässlich, auch wenn sich JCVD mal wieder durch peinliches Anti-Acting hervortut. Dafür entschädigt der eigentlich damals schon schwer kranke Raul Julia mit einer tollen Darstellung als Oberbösewicht Bison. Die Premiere des Streifens sollte er nicht mehr erleben. Der Rest der Darsteller verteilt sich entsprechend zwischen diesen Extremen (die Geschichte zum Dreh liest sich auf jeden Fall noch weit besser, als der Film ausschaut). Und auch wenn sie später in BIODOME nochmal beweisen konnte, dass an ihr keine Charakterdarstellerin verloren gegangen ist, kann Kylie Minogue einen bei den doofen Lines, die sie hier von sich geben muss, schon manchmal leid tun.

Insgesamt ist STREET FIGHTER anno 1994 dann auch keine solche Katastrophe wie der 15 Jahre später entstandene LEGEND OF CHUNG-LI, denn der betriebene Aufwand offenbart die Ambition, es besser zu machen als der italienische Klempner der Konkurrenz. Dabei rumgekommen ist kein guter Film, aber der Fremdschäm-Faktor hält sich im Vergleich mit anderen Videospielverfilmungen noch in Grenzen, stellenweise macht das Ganze, sogar gewollt, Spaß. Den Rest besorgt dann der unfreiwillige Humor, und ich muss zugeben, dass der Film mich dadurch über die gesamten hundert Minuten tatsächlich zu unterhalten vermag. Da wird sogar noch der Abspann dadurch aufgewertet, dass Ryu ein paar politisch unkorrekte Witze aus dem Off vom Stapel lässt. Die 90er waren halt eine andere Zeit. Ich kann aber auch jeden verstehen, der diesem bonbonbunten Wahnsinn nun überhaupt nichts abgewinnen kann.

Lesetipp: www.polygon.com/features/2014/3/10/5451014/street-fighter-the-movie-what-went-wrong


05.01.2020

STREET FIGHTER: ASSASSIN’S FIST (Joey Ansah, 2014)

Als Webserie wahrscheinlich ganz nett, da die Charaktere sehr sympathisch rüberkommen. Als zweieinhalbstündiger Film natürlich viel zu lang, da es kein Spektakel gibt, sogar nur zwei komplette Kämpfe, was definitiv zu wenig ist. Demgemäß ergeht sich das Ganze in einer nicht enden wollenden Aneinanderreihung von Dialogen, die die Geschichte an sich zwar recht interessant halten, aber dem Zuschauer jede Menge Geduld abverlangen. Und natürlich endet das Ganze mit einem Cliffhanger und enthält einem den Final Fight vor. Ich hätte auch lieber den nur 105 Minuten langen TV-Cut gesehen, der ist aber in DE bisher nicht erschienen.

Ich würde gerne eine generelle Empfehlung aussprechen, doch leider ist STREET FIGHTER: ASSASSIN’S FIST in dieser Form nur für beinharte Fans wirklich brauchbar. Eine Alternative gibt es nicht, da das Network Machinima, das die Serie produzieren ließ, seit Februar 2019 eingestellt wurde, weswegen die einzelnen Webisoden nicht mehr online stehen. Außerdem scheint damit auch eine Fortsetzung der Serie mehr als ungewiss. Interessierte können sich die Blu-ray im Ein-Euro-Shop ihres Vertrauens auf Verdacht mal einpacken.

SUPER MARIO BROS (Annabel Jenkel/Rocky Morton, 1993)

Not my kinda creepy crap. Mich hätte mal interessiert, wie der Film ausgesehen hätte, wenn man nicht die Reißleine gezogen hätte. Der teils gritty Look und die wenig niedlichen Dinos passen genauso wenig ins Gesamtbild wie Dennis Hoppers überzogene Performance. Die Helden hetzen hier durch eine eher halbgare Geschichte in einer öden Welt, die mich einfach nicht begeistern will. Ich werde mir vielleicht demnächst mal wieder T-REX mit Whoopi Goldberg antun, um zu sehen, welcher der beiden Filme schlechter ist.


Dear Diary – Das Filmtagebuch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Kais geheime Tagebücher

Filme, Bücher, Tatorts die man vielleicht nicht kennt

Mothersdirt

Nachrichten - hart aber ehrlich

Corlys Lesewelt

Lesen genießen ...

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

GREIFENKLAUE - BLOG

Rollenspiel ^ Fanzines ^ Podcast ^ RPG-Szene ^RPG-News ^LARP ^ Tabletops ^ Dungeons ^Maps ^Minis

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.

Parkwelten

Freizeitparks, Kirmes & Co.

Blaupause7

die Pause zur blauen Stunde

filmlichtung

There are no rules in filmmaking. Only sins. And the cardinal sin is dullness. (Frank Capra)

%d Bloggern gefällt das: