Dear Diary… on the watch – Kalenderwoche 38

Und weiter im Text. Diese September-Woche stand Deliria över Hamburg an. War sehr toll, zwei olle Kamellen auf der großen Leinwand zu bestaunen. Ich wäre gerne länger geblieben und hätte gern noch mehr Leute kennengelernt. Zumeist hab ich mit Reini von Reinersen abgehangen, war sehr lustig. Ich hab wieder mit Larry Brent angefangen, immer noch sehr angenehm mistig.


KW38 (16 Filme, 21 Serienepisoden, 6 Hörspiele)


16.09.19

Film

SABOTAGE (David Ayer, 2014) 6/10

DEA-Veteran Breacher Warton (Arnold Schwarzenegger) nimmt mit seiner Task Force die Stürmung der Villa eines Drogenbarons zum Anlass, 10 Millionen Dollar für sich selbst abzuzweigen. Doch nach dem Einsatz ist die Beute verschwunden. Da das FBI wusste, wieviel Geld dort gehortet wurde und ein wenig was vermisst, werden alle verhört, versetzt und schikaniert. Einige Monate später ist ein wenig Gras über die Sache gewachsen und Warton wird mit seinem Team wieder in Dienst gestellt. Doch irgendjemand hat es auf sie abgesehen und schnappt sich einen nach dem anderen, und die Mordermittlerin Det. Brentwood (Olivia Williams, DER GHOSTWRITER) rückt Warton auf die Pelle…

Über weite Stecken spannender Reißer, dessen düstere Gewaltexzesse eher zu einem Horrorfilm passen würden. Ich hab mir gerade auch noch die alternativen Ende reingezerrt, die den Film noch ein wenig fragwürdiger erscheinen lassen, als er es sowieso schon ist. Tatsächlich ist es schon erstaunlich, dass Schwarzegger sich hier als dauer-fluchenderr, amoralischer Psycho präsentiert, dessen ruhig-überlegene, teils fast väterliche Maske in schöner Regelmäßigkeit und immer mehr verrutscht. Ich mag den schon irgendwie. Wäre die Story nicht ganz so wirr…


Serien

Longmire 6.07 – „Tod eines Totgeglaubten“
Longmire 6.08 – „Eifersucht macht blind“
American Dad 13.16 – „Die harte Realität“
Futurama 6.16 – „Ghost – Nachricht von Bender“
Robot Chicken 2 Episoden


17.09.19

Filme

DIE RACHE DES JOHNNY COOL (William Asher, 1963) 5,5/10

Der im italienischen Exil lebende Gangsterboss Johnny Collini (Marc Lawrence, FROM DUSK TILL DAWN) nimmt den gesuchten sizilianischen Verbrecher Salvatore Giordano (Henry Silva, DIE RACHE DES PATEN) unter seine Fittiche. Dann schickt er ihn unter seinem Namen in die Staaten, damit er seine Feinde erledigt. In New York erregt er gleich die Aufmerksamkeit der Männer von Vinze Santangelo (Telly Savalas, HORROR-EXPRESS) und der schönen Dare Guiness (Elizabeth Montgomery)…

Hui, hier wird geklotzt und nicht gekleckert; von Peter Lawford koproduziert geben sich u.a. die Ratpacker Sammy Davis Jr. und Joey Bishop ein Stelldichein. Dazu gibt es neben Henry Silva und Elizabeth Montgomery (VERLIEBT IN EINE HEXE) auch noch Telly Savalas, „Mr. Magoo“ Jim Backus und Richard Anderson (DER SECHS-MILLIONEN-DOLLAR MANN) zu sehen.
Leider bleibt Silva letztendlich blass, der Rachefeldzug gerät zum Abzählreim. Da bringen auch die ganzen Gaststars nicht wirklich Pfiff rein. Mal ganz nett, aber letztlich ziemlich banal.


Serien

American Dad 14.18 – „Echte Brüder“
American Dad 14.19 – „Steve – The Big Dog“
Futurama 6.17 – „Denn sie wissen nicht, was sie getan haben werden“
Futurama 6.18 – “ Das Schweigen der Klemmen“
Final Space 2.03 – „Drei Rätsel“
Final Space 2.04 – „Die andere Seite“


18.09.19

Film

THE THIRD YAKUZA I (Takashi Miike, 1996) 6/10

Als der Clan des Yakuza Masaki (Kiyoshi Nakajo) aufgelöst wird, findet er ausgerechnet bei der ehemals verfeindeten Todo-Familie ein neues Zuhause. Da er deren Boss einstmals verschonte, macht der ihn zu seiner neuen Nummer Zwei, was Zwistigkeiten in der ihm folgenden Hierarchie entfacht. Doch auch unter seinen alten Freunden gilt seine Neu-Orientierung als umstritten. Und so schwelt, während Kobe sich vom großen Erdbeben erholt, ein Konflikt an, der sich schließlich rücksichtslos seinen Weg bis zu Masaki bahnt…

Okay, der war selbst für einen älteren Miike-Yakuza eher öde. Auch wenn Masaki sich selbst zum Außenseiter macht, ist von den Trademarks des Regisseurs kaum etwas zu sehen. Die Story schleppt sich voran und wird nur vom Treiben einiger Jung-Kriminelle, die Kobe nach dem Erdbeben 1995 unsicher machen, aufgelockert. Ansonsten kann man kaum glauben, dass Miike gleich danach den in jeder Hinsicht besseren SHINJUKU KILLERS gedreht hat, sein Kino-Debüt.


Serien

American Dad 13.17 – „Familienplanung“
American Dad 13.18 – „Bombenstimmung“
Futurama 6.20 – „Dead Presidents“


Hörspiel

Die drei Fragezeichen (100) … und die Toteninsel 1-3


19.09.19

Filme

THE THIRD YAKUZA II (Takashi Miike, 1996) 5,5/10

Um dem Gefüge des Syndikats weiter Stabilität zu verleihen, soll Masakis Freund Sone, der für ihn aus dem Ruhestand zurückgekehrt war, nun wieder zu seinem alten Clan geschickt werden. Man erhofft sich so, die nachrückenden Jungspunde zur Räson zu bringen. Doch Sone wird ermordet, ehe er seine Stelle antreten kann. Die drei Attentäter tauchen unter, doch schon bald fallen zwei von ihnen einen geheimnisvollen Killer zum Opfer. Nur Karasaki, ihr Anführer kann entkommen und wendet sich an Masaki. Der lässt Gnade walten und nimmt sich seiner an. Denn nur so kann er den Aufruhr in der Unterwelt ein Ende bereiten…

Etwas gradliniger erzählt als sein Vorgänger fehlt dieser Fortsetzung ein wenig die Zerstreuung, die im ersten Teil durch die Bande von Jung-Gangstern eingebracht wurde. Auch zaubert das Drehbuch immer mal wieder eine Situation oder einen Charakter aus dem Hut, der die Handlung vorantreibt, weswegen der Film sich schwer tut, irgendwie Spannung zu generieren. Wie der erste Teil auch nicht wirklich schlecht, hebt er sich aber auch nicht über den Genre-Durchschnitt.

DIE DREI GESICHTER DER FURCHT (Mario Bava, 1963) 8/10

Der italienische Meister des Gothik-Horrors lässt den Zuschauer in drei Geschichten erschauern. Einmal steht ein Telefon im Mittelpunkt des Geschehens, durch das ein entflohener Mörder der verängstigten Rosy (Michèle Mercier, ANGÉLIQUE) sein Erscheinen verkündet. Darauf stolpert der junge Reisende Vladimir (Mark Damon, SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL) über die Legende des vampirähnlichen Wurdulak, der die Familie des Patriarchen Gorca (Boris Karloff, IM BANNE DES DR. MONSERRAT) bedroht. Und schließlich gemahnt ein penetranter Wassertropfen die Krankenschwester Helen (Jaqueline Pierreux) an ihr Verbrechen…

Der kommt in glorreichem HD natürlich gleich doppelt so gut. Die Sets, die Beleuchtung, die satten Farben – fast so schön wie bei KILL, BABY, KILL. Ich mag inzwischen auch die Wurdulak-Episode ganz gern, die mich zu Video-Zeiten eher kalt ließ. Dafür finde ich die Puppe in der letzten Episode nicht so prall, das reißt mich etwas raus. Aber das Ende ist natürlich toll, schöner Abgang für Karloff.

DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN (Giorgio Ferroni, 1960) 6,5/10

Der Student Hans (Pierre Brice, WINNETOU) reist mit seiner Verlobten Liselotte (Dany Carrel, DIE UNHEIMLICHEN HÄNDE DES DR. ORLAK) nach Holland, um dort in der Mühle des Prof. Gregorius Wahl (Herbert A.E. Böhme, EIN ACHTBARER MANN) zu arbeiten, der dort ein morbides Kabinett steinerner Frauen-Puppen betreibt. Dabei lernt er dessen Tochter Elfie (Scilla Gabel, WIE TÖTET MAN EINE DAME?) kennen, die der Professor in der Mühle versteckt hält, und gerät in ihren Bann. Und während Hans allmählich hinter das Geheimnis seines Gastgebers kommt, desto mehr scheint er dem Wahnsinn zu verfallen…

Optisch braucht der Film den Vergleich mit späteren Bavas nicht scheuen, das ist immer schön anzusehen und sehr schön ausgestaltet. Allerdings ist der Film erzählerisch schwach auf der Brust, lässt Ansätze schnell verkümmern und verkündet vollkommen ungezwungen sein Geheimnis, während der Held oder seine Freunde durch Abwesenheit glänzen, weswegen auch keine Spannung aufzukommen vermag. Das ist ziemlich schade, verwehrt dem Film damit höhere Weihen. So bleibt er eine nette Randnotiz in der Geschichte des Italian Gothic, der fortan von Freda, Magheriti und Bava dominiert wurde.


Serien

American Dad 13.20 – „Stan, der Müllmann“
Robot Chicken 1 Episode


Hörspiele

Die drei Fragezeichen (101) … und das Hexenhandy
Larry Brent (3) Die Angst erwacht im Todesschloss


20.09.19

Filme

Deliria över Hamburg 2019 Film 1: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES (Armando Crispino, 1972) 6/10

Alex „Archangel“ Cord mimt einen eigentlich dauerbetrunkenen Archäologen, und es lässt vieles darauf schließen, dass er damals dabei ziemlich den Method Actor raushängen ließ. Das hält ihn nicht davon ab, seine Ex-Frau Samantha Eggar zu becircen und ihrem neuen Mann John Morley abspenstig zu machen. Doch leider beginnt, von der Ausgrabungsstätte ausgehend, eine garstige Mordserie, die natürlich auch ihn in den Fokus der Ermittlungen bringt. Ich hatte den Film gar nicht so melodramatisch in Erinnerung, aber stellenweise erinnert das doch sehr an eine Seifenoper. Höhepunkt ist zweifelsohne eine rasante Verfolgungsjagd zwischen Cord und einem leicht tuntigen Horst Frank. Geil ist auch Cords Käfer, der andauernd verreckt; sowieso sind an allen Ecken und Enden deutsche Automarken zu bestaunen. War ein erheiternder Einstieg in den Abend, Reini und ich haben jedenfalls viel gelacht.

Deliria över Hamburg 2019 Film 2: DER NEW YORK RIPPER (Lucio Fulci, 1982) 8/10

Das war das bisherige Highlight meines Kinojahres! Fulcis brutaler Slasher auf der großen Leinwand. Das Bild hatte einen derben braunen Farbstich, sah aber sonst sehr gut aus, von ein paar charmanten Beschädigungen mal abgesehen. Wie ich schon zu Reini sagte, andere brauchen einen Digital-Filter, um nur einen nicht einmal halb so guten Effekt zu erzielen. Bahnhofskino-Feeling pur! Und ich kann jedem nur empfehlen, sich diesen Schocker um einen Frauenmörder mit Donald-Duck-Quäck-Stimme, soweit sich die Möglichkeit bietet, mal auf 35mm zu sichten. Denn so sieht man ihn, wer er gedacht war. Und erkennt, was für eine gute, effektive Arbeit dies seitens Fulci ist. Das fängt bei der Effekt-Arbeit an, wenn er mit der Kamera voll drauf hält; kostengünstig, aber nicht billig. Die Spannungsszenen funktionieren wunderbar, und gerade in den sleazigen Parts offenbart sich böser Humor. Das kann man auch schon im Heimkino feststellen, aber auf der Leinwand fällt die abwechslungsreiche Kamera-Arbeit und der sorgfältige Schnitt sofort ins Auge (ja, Augen ist sowieso ein gutes Stichwort). Dazu gesellt sich dann noch das kollektive Erlebnis, die Spannung, wie andere Leute um einen herum auf die Gewaltszenen und den Sleaze reagieren. Kurzum, das war toll!

IM BLUTRAUSCH DES SATANS (Mario Bava, 1971) 8,5/10

Die Gräfin Frederica stirbt am Strick, aber dass die alte Frau, die an den Rollstuhl gefesselt war, wirklich Selbstmord beging, will keiner so recht glauben. Fortan melden nun mehrere Parteien, u.a. auch ihr Mann Filippo, Interesse an ihrer Hinterlassenschaft, eher gesagt einer Bucht mit verschiedenen Immobilien. Auf einige junge Menschen, die in den leerstehenden Häusern ausgelassen feiern, hat es ein brutaler Mörder abgesehen. Als die Renata (Claudine Auger, JAMES BOND 007 – FEUERBALL), Tochter von Filippo, mit ihrem Mann Alberto (Luigi Pistilli, LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG) hier eintrifft, muss sie feststellen, dass sowohl die Anwohner wie das verschrobene Ehepaar Fosatti (Leopoldo Trieste & Laura Betti), aber auch der bisher unbekannte Sohn der Gräfin, Simone (Claudio Camaso, FÜNF BLUTIGE STRICKE), ein Wort über die Zukunft des Landstrichs mitreden wollen. Ist einer von ihnen der Mörder?

Mario Bava entwirft in seinem Proto-Slasher, dessen Stilmittel und graphischen Morde quasi als Blaupause für die FREITAG DER 13.-Filme diente (den religiös-motivierten Unterbau der Reinigung von Unmoral in Form von Sex und Drogenkonsum brachte ein anderer Italiener, Sergio Martinos TORSO, bei), ein sehr düsteres Bild der Menschheit. Dabei kombinierte er seinen exquisit gefilmten und für damalige Verhältnisse überbrutalen Schocker mit einer guten Menge bitter-bösen Humors, der dem späterer Filme Lucio Fulcis nicht unähnlich ist. REAZIONE A CATENA ist zwar hierzulande immer noch beschlagnahmt, dabei sind die derben Todesszenen nicht selbstzweckhaft eingebracht, sondern illustrieren Bavas schwarzen, makabren Humor, ohne sie würde der einfach nicht zünden. Und so ist der Film nicht nur ein effektiver Reißer sondern auch eine geschickte Persiflage des damals sehr populären Giallos, arbeitet eine ganze Palette an Beweggründen und die sich aus ihnen ergebenden Gewalttaten heraus.


Hörspiele

Die drei Fragezeichen (102) Doppelte Täuschung
Larry Brent (4) Die Höllenmaschine
Larry Brent (5) Chopper – Die Geisterstimme aus dem Jenseits


21.09.19

Film

YOUR VICE IS A LOCKED ROOM & ONLY I HAVE THE KEY (Sergio Martino, 1972) 7,5/10

Der Schriftsteller Oliviero (Luigi Pistilli, KILLER SIND UNSERE GÄSTE) befindet sich seit Jahren in einer Schaffenskrise. Er hat sich mittlerweile darauf verlegt, seine Frau Irina (Anita Strindberg, INFERNO UNTER HEISSER SONNE) bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit zu demütigen, und zu allem Überfluss pflegt auch sein Kater Satan einen Kleinkrieg mit ihr. Eines Nachts finden sie die Leiche ihres farbigen Dienstmädchens im Haus. Oliviero, der eine Affäre mit ihr unterhielt, begräbt sie aus Angst vor den Verdächtigungen der Polizei im Keller und drängt Irina dazu, den Vorfall zu vergessen. Als ihre Nichte Floriana (Edwige Fenech, TOP SENSATION) bei ihnen einkehrt, macht sie sich sogleich daran, beide gegeneinander auszuspielen. Und plötzlich taucht auch ein Fremder (Ivan Rassimov, MONDO CANNIBALE) vor Ort auf, der das ganze Geschehen aus der Ferne zu beobachten scheint…

Als Gothic-Giallo getarnt drehte Sergio Martino hier eine der besten Bearbeitungen von Poes „The Black Cat“, an der sich später auch Gore-Papst Lucio Fulci (weniger erfolgreich) versuchen sollte. Er zieht dies als Psycho-Thriller aus einer Dreiecksbeziehung heraus auf, die er in alle Richtungen erweitert. Das gibt ihm zum Ende die Möglichkeit, die Geschichte mehrmals zu drehen und den Zuschauer zu überraschen, bevor er dann, ganz nach Poe, der Katze das letzte Wort überläßt. Die Fenech überzeugt als durchtriebenes Biest, die gern ihre Reize einsetzt und anderen einen Floh ins Ohr setzt. Pistilli ist sowieso eine sichere Bank, und bei der Strindberg muss man zweimal hinsehen, um sie hinter der kraus-lockigen Frisur aus roten Haaren zu erkennen. Martino selbst beweist wieder ein gutes Händchen in der Inszenierung wendungsreicher Genre-Beiträge, und so braucht auch sich dieser nicht hinter den anderen Arbeiten des Regisseurs zu verstecken.

BABY DRIVER (Edgar Wright, 2016) 7,5/10

Baby (Ansel Elgort, JONATHAN) hat immer Musik im Ohr und ist ein Teufel hinter dem Steuer. Der junge Mann steht bei dem Gangster Doc (Kevin Spacey, DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN) in der Schuld und muss sich bei Raubüberfällen als Fluchtwagenfahrer verdingen. Doch es ist ein Licht am Ende des Tunnels, ein Job noch, und seine Schulden sind getilgt. Dann will er ein ehrliches Leben führen und nur noch Zeit mit seiner neuen Liebe, der Kellnerin Debora (Lily James, YESTERDAY) verbringen. Trotz eines Toten und einer chaotischen Flucht bringt er den letzten Job mit dem aggressiven Bats (Jamie Foxx, DJANGO UNCHAINED) hinter sich. Doc lässt ihn jedoch nicht so einfach ziehen, er will nicht auf seinen Fahrer verzichten. Aber der Überfall auf eine Post-Filiale, den er zusammen mit Bats und dem Pärchen Buddy (John Hamm, MAD MEN) und Darling (Eliza Gonzaléz, ALITA: BATTLE ANGEL) durchziehen soll, steht von Anfang an unter keinen guten Stern…

Edgar Wright (SHAUN OF THE DEAD) drückt bei diesem spannenden Heist-Movie immer voll auf die Tube und inszeniert die Szenen, auch außerhalb der Verfolgungsjagden fast immer nach der Musik in Babys Ohr. Wenn diese mal aufhört, macht sich ein merkwürdiges Pfeifen bemerkbar, der Junge hat einen Tinnitus, an dem uns Wright teilhaben lässt. Oftmals wähnt man sich wie in einem Musikvideo, anfangs erinnert es mich gleich an Propellerheads‘ Video zu „Crash“. Dem Engländer gelingt das Kunststück, dieses Stilmittel nicht überzustrapazieren. Sowieso ist es erstaunlich, wie elegant er die Untiefen gängiger Klischees entweder umschifft, bricht oder amüsant variiert, und dazu reiht sich in der zweiten Hälfte des Films eine Wendung an die nächste. Ein toller Film, rastlos, aber nicht enervierend, leichtfüßig, aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Und technisch dermaßen eindrucksvoll, dass man sich unweigerlich fragen muss, warum er nur für die entsprechenden Oscars nominiert und nicht ausgezeichnet wurde. Verdient hätte er es allemal.

DEATH OCCURRED LAST NIGHT (Duccio Tessari, 1972) 8,5/10

Der verzweifelte Witwer Amanzio Berzaghi (Raf Vallone, UNSER MANN IN RIO) tritt persönlich an Kommissar Lamberti (Frank Wolff, MILANO KALIBER 9) heran, denn seine Tochter Donatella (Gillian Bray) ist seit einiger Zeit verschwunden und die Polizei hat die Suche längst eingestellt. Donatella war geistig zurückgeblieben und leicht von Männern zu beeinflussen, weswegen ihr Vater sie zumeist zuhause einschloss. Lamberti nimmt sich mit Inspektor Mascaranti (Gabriele Tinti, DAS WILDE AUGE) des Falles an, der sie in die Untiefen der häuslichen Prostitution gutbürgerlicher Hinterzimmer führt. Die beiden engagieren sich sehr für den Fall und wirbeln eine Menge Staub auf. Lamberti nimmt sogar die Prostituierte Concetta (Wilma Castagrande, SAN BABILA, 20 UHR: EIN SINNLOSES VERBRECHEN) bei sich auf, was bei seiner Frau (Eva Renzi, DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE) auf wenig Gegenliebe stößt, nicht aus Eifersucht, sondern weil die Bearbeitung des Falles sich allmählich in eine Manie, einhergehend mit einer Midlife-Crisis, wandelt…

Duccio Tessari (DER BASTARD) gelang mit DEATH OCCURRED… ein wunderbarer, bewegender Film, der den schwierigen Grad zwischen Krimi und Milieu-Studie meistert, gleichzeitig eine präzise Charakterstudie abliefert. Frank Wolff brilliert als Kommissar im besten Alter, der die Ermittlungen, angesichts der Tatsache, dass das schmutzige Geschäft mit der Lust nun schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sich hinter einer bürgerlichen Maske versteckt, als einen nahezu sinnlosen Kampf gegen Windmühlen empfindet. Das Ende gestaltet sich dann auch sehr, sehr bitter. Einer der besten Polizeifilme der 70er.

MIDNIGHT KILLER (Lamberto Bava, 1987) 6/10

Der Polizist Nicola Levi (Leonardo Treviglio) wird verdächtigt, seine vermögende Frau nach einem Streit ermordet zu haben. Inspektor Piero Terzi (Paolo Malco, DER NEW YORK RIPPER) ermittelt gegen seinen Kollegen. Als noch weitere Morde geschehen, fühlt sich die Psychologin Anna Berardi (Valeria D’Obici, THE RIFFS 2 – FLUCHT AUS DER BRONX) an einen toten Serienmörder, Franco Tribbo, erinnert. Versucht Nicola nur von sich abzulenken, ist Tribbo doch noch am Leben, oder steckt vielleicht ein ganz anderer hinter den grausigen Morden?

Netter 80s-Giallo. Bava Jr. (DAS UNHEIMLICH AUGE) hetzt allerdings so sehr von einer Suspense-Szene zur nächsten, dass der Zuschauer dazwischen das Gesehene kaum sacken lassen kann. Auch die Ermittlungsarbeit Terzis gerät dadurch ziemlich ins Hintertreffen, was nicht gerade spannungsförderlich ist. Bisweilen bewegt sich die Produktion Releitalia gar nur auf TV-Niveau, was Schauspieler und Sets, aber auch Dramaturgie anbelangt, was durch Claudio Simonettis eher lustlos heruntergedudelte Musik unterstrichen wird. Durch die hohe Frequenz an Mord-Szenen kommt aber keine Langeweile auf.


Serie

Criminal Intent 5.08 – „Kurzsichtig“


22.09.19

Filme

DIE SIEBEN SAMURAI (Akira Kurosawa, 1954) 9,5/10

Aus Sorge, nach der Ernte von einer Bande marodierender Krieger überfallen zu werden, entschließt sich ein armes Bauerndorf, zum Schutz einige Samurai anzuheuern. Dies gestaltet sich als schwierig, denn Geld für die Entlohnung ist keines da. Der alternde Samurai Kambei (Takashi Shimura, GODZILLA) ist bereit, die Rekrutierung und Führung einer schlagkräftigen Truppe zu übernehmen. Er kann sechs weitere Samurai, u.a. den eigensinnigen Kikuchiyo (Toshiro Mifune, DIE HÖLLE SIND WIR), anheuern. Doch die Bauern zu drillen und im Kampf zu motivieren, gestaltet sich wegen der bestehenden Kluft zwischen den Ständen als teils nervenaufreibendes Unterfangen…

Akira Kurosawa (DAS SCHLOSS IM SPINNWEBWALD) erschuf mit diesem wegweisenden Samurai-Klassiker ganz großes Kino, kann in Inszenierung genauso wie Erzählung und Charaktergestaltung vollends überzeugen. Ein über weite Strecken sehr positiver, hoffnungsvoller Film, dessen Stimmung erst in der Belagerung kippt, die das letzte Drittel des mehr als dreistündigen Werkes einnimmt und mit eher bitteren Erkenntnissen schließt.

BARON BLOOD (Mario Bava, 1972) 6,5/10

Der amerikanische Student Peter Kleist (Antonio Cantafora, VIER FÄUSTE UND EIN HEISSER OFEN) besucht in Österreich seinen Onkel Dr. Karl Hummel (Massimo Girotti), um ein wenig seine familiären Wurzeln zu erkunden. Mit Eva Arnold (Elke Sommer, HEISSE KATZEN), einer ehemaligen Studentin von Dr. Hummel, erweckt er im Schloss der Familie, das gerade zum Hotel umgebaut wird, den Geist eines Vorfahren, dem Baron Otto von Kleist. Der sadistische Hexenjäger (Joseph Cotton, IM ZEICHEN DES BÖSEN) zieht eine blutige Spur durch das Schloss und die anliegende Ortschaft…

Eher doofer, aber recht stimmungsvoller Gothic-Slasher von Mario Bava (DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT). Highlights sind zwei Verfolgungsjagden, in denen sich Elke Sommer im Schreien und Rennen beweisen darf.

KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE (Matthew Vaughn, 2017) 5/10

Drogen-Königin Julianne Moore schreckt nicht davor zurück, die Kingsman zu zerschlagen, die USA zu erpressen und Elton John als Geisel zu nehmen. Nur Taron Egderton und Mark Strong überleben und flüchten über den großen Teich, um die Hilfe von Jeff Bridges und den Statesman in Anspruch zu nehmen. Bei den Cowboys erleben sie eine Überraschung, der tot geglaubte Colin Firth lebt noch, leidet aber an Amnesie. Der zweite Teil des Comic-Spaßes untergräbt die anarchischen Anwandlungen seines Erstlings größtenteils und reitet eine unangenehme Diskreminierungswelle, indem er die Zeit anscheinend 20 Jahre zurückdreht und alle Konsumenten von Drogen als Kriminelle und Süchtige abstempelt. Die Action-Szenen sind dieses Mal größer und aufwändiger, hinterlassen aber keinen wirklichen Eindruck. Außerdem hat man Channing Tatum vollkommen sinnlos in den Film gequetscht (hm, erinnert an den zweiten G.I. JOE). Nicht scheiße, auch nicht langweilig (u.a. wegen Elton John, der hier toll ist), aber trotzdem nur Durchschnitt.


Serien

Castle 8.03 – „Campus-Killer“
Preacher 4.08 – „Gottesfurcht“
Space Cops – Tatort Demeter City Episode 18 – „Die Höllenmaschine“


Dear Diary –  Das Filmtagebuch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Kais geheime Tagebücher

Filme, Bücher, Tatorts die man vielleicht nicht kennt

Mothersdirt

Nachrichten - hart aber ehrlich

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

GREIFENKLAUE - BLOG

Rollenspiel ^ Fanzines ^ Podcast ^ RPG-Szene ^RPG-News ^LARP ^ Tabletops ^ Dungeons ^Maps ^Minis

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.

Blaupause7

die Pause zur blauen Stunde

Mike's Take On the Movies

Rediscovering Cinema's Past

filmlichtung

There are no rules in filmmaking. Only sins. And the cardinal sin is dullness. (Frank Capra)

%d Bloggern gefällt das: