Obscure Shit No. 28: Takashi Miikes LADY HUNTER

Meine japanischen Lieblinge (also Kitano, Sabu, Tsukamoto & Miike) sind hier ja bisher viel zu kurz gekommen. Da ich mir gerade einige Filme aus dem Frühwerk eben Miikes einverleibe, ist es ja nur recht und billig, seinen ersten Film mal kurz zu besprechen.

LADY HUNTER – PRELUDE TO MURDER (1991)

Die hanebüchene Story (soweit ich sie dank unvollständiger engl. Untertitel verfolgen konnte) passt bequem auf eine einzige DIN A4-Seite: Eines Abends taucht der Lehrer Ikehiro vor der Tür seiner ehemaligen Army-Kameradin Saeko. Im Schlepptau hat er den kleinen Rikki, und sie werden verfolgt von einem gut ausgebildeten Killerkommando, das gerne den kleinen Kerl einsacken würde. Sie belagern die Wohnung, benutzen Waffen mit Schalldämpfer. Als sie hereinkommen wollen, machen sie Bekanntschaft mit Saekos speziellen Fähigkeiten, die die junge Frau als Lady Ninja in der US-Army erworben hat. Als es den Eingeschlossenen gelingt, vor dem Haus ein Auto in Brand zu setzen, die Polizei kommt und der Spuk ist erst einmal vorbei. Hier haben wir dann schon 30 Minuten und damit fast die Hälfte der Laufzeit hinter uns gebracht.

Von nun an geht es damit auch Schlag auf Schlag. Rikki entpuppt sich als Sohn des moldavischen Königs, Rikkis Mutter erscheint den Söldnern des Königreichs entbehrlich, und Ikehiro ist heimlich in Saeko verliebt (hoffnungslos, da er natürlich sterben muss). Erwähnenswert ist noch der kurze Auftritt von Saekos ehemaligen Führungsoffizier, ein farbiger Amerikaner, der betrunken ein paar Nutten erzählt, wie ihm mal einer dabei abgegangen ist, als er einem Feind das Gesicht weggeschossen hat. Der obligatorische Showdown findet genre-üblich in einer verlassenen Fabrikanlage statt. Bei der Gelegenheit schießt unsere Lady einem der bösen Handlanger seine Eier weg. Das sogenannte V-Cinema setzte immer gerne auf eindeutige Schauwerte.

Takashi Miike (Jahrgang 1960) arbeitete einige Jahre beim Fernsehen und als Regie-Assistent, bevor sich durch den Boom des Videomarktes in Japan auch für ihn eine Gelegenheit ergab, selbst einen Film zu inszenieren. Eigentlich sollte sein Debüt die Krimi-Komödie EYECATCH JUNCTION sein, doch davor ergab sich für ihn die Möglichkeit, beim Actionfilm LADY HUNTER als Regisseur einzuspringen, und so schob er diese Produktion kurzerhand dazwischen. Und man muss es auch ehrlich sagen, der Film ist ziemliche grützige Actiongülle, der man die kurze Produktionszeit durchaus anmerkt. Die Story ist pulpig („Ninja Ladies“), die Schauspieler sind schlecht – ich würde ja gerne näher auf diese eingehen, aber ich kann sie schlichtweg nicht zuordnen –, und die Action gestaltet sich zwar blutig, aber ziemlich unspektakulär. Kamera-Arbeit und Schnitt sind konventionell, aber Miikes Inszenierung erweist sich als solide genug, als dass großartig Langeweile aufkommen könnte. Wer auf für den Videomarkt schnell abgedrehte Actiongülle fernöstlicher Prägung abfährt, wird auch hiermit glücklich werden. Der durchschnittliche Cineast und Miike-Fan wird sich aber eher mit Grausen abwenden. Doch die Werke des Vielfilmers sollten auch bald schon weit besser werden.

Der Film ist natürlich seinerzeit in Japan auf VHS erschienen, über Veröffentlichungen darüber hinaus ist mir nichts bekannt. Wen es interessiert, es gibt ihn mit, wie schon gesagt, unvollständigen engl. UTs, aber zumindest recht guter Qualität auf YouTube zu bestaunen.

OFDB 4.25/10 [4 Stimmen] / IMDb 6.0/10 [34 Stimmen] / Letterboxd 2.96/5 [47 Stimmen]

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