Obscure Shit No 16: Frauen sind manchmal die Seuche

Vorwort:

Ich weiß, in letzter Zeit dümpelte mein Blog ein wenig vor sich hin. Ich habe lange keinen neuen Content gepostet, weil ich leider noch mit anderen Sachen beschäftigt war, die mir schlicht nicht die Ruhe ließen, nebenbei zumindest einen vernünftigen Obscure Shit-Beitrag zu verfassen. Meine neue Aufgabe als Bildredakteur bei movicfreakz.de nimmt zwischendurch doch etwas mehr Zeit in Anspruch, als ich vorher gedacht hatte, so auch mein Booklet zu DUNE – DER WÜSTENPLANET. Aber jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu und auch mein Terminplan leert sich angenehm. Also wird hoffentlich in absehbarer Zeit auch wieder der ein oder andere Artikel hier landen.


Raumrakete Titel

RAUMRAKETE X-7/SPACE MASTER X-7 (Edward Bernds, 1958)


Die titelgebende Raumrakete kehrt mit Proben außerirdischen Materials zur Erde zurück. Es ist nun am genialen, aber eigenbrötlerischen Dr. Pommer, dieses organische Material aus dem All im heimischen Labor (wo sonst?) zu untersuchen. Er wäre damit auch voll ausgelastet, gebe es nicht die Frauen. Seine ehemalige Geliebte Laura muss ihm natürlich mit der Sorgerechtsvereinbarung auf den Wecker gehen. Der Doc hat an Kind wie Mutter eigentlich kein weitergehendes Interesse und würde ihr auch eine neue Vereinbarung unterschreiben, hätte er nicht mit der bahnbrechenden Entdeckung aus dem All zu tun. Laura lässt allerdings nicht locker. Also gibt der Wissenschaftler, nett, wie er ist, und nachdem er noch einmal kurz schwach geworden ist und sich ihr noch einmal aufgedrängt hat (verfluchte Weiber), ihr eine Erklärung mit, die sie bevollmächtigt, sich von nun an vollumfänglich um das Kindeswohl zu kümmern. Laura steigt siegreich, aber nicht fröhlich, in das wartende Taxi und weist den Fahrer an, sie nach der Fahrt aus seinem Gedächtnis zu streichen.


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Als die Dame sich auf den Weg zurück zu ihren neuen Gatten macht, wird der Wissenschaftler ein Opfer des von ihm „Blutrost“ getauften außerirdischen Biomaterials, eines aggressiven Pilzes. Seine Kollegen vom Raumfahrtzentrum können nur noch seinen Audiorekorder retten, bevor sein Labor den Flammen anheim fällt. Aus der Aufnahme, die Pommer auch während eines Gesprächs mit seiner Ex weiterlaufen ließ, wissen sie von der werten Dame. Als mögliche Trägerin des gemein-gefährlichen „Blutrost“ nehmen sie ihre Verfolgung auf. Doch das erweist sich als recht schwierig, denn Laura verwischt in weiser Voraussicht alle Spuren, gerade als im Radio der Tod des Docs berichtet wird, fürchtet sie, als vermeintliche Mörderin verhaftet zu werden. Und so zieht sie eine tödliche Spur des Pilzes durch die Lande und droht, die ganze Menschheit zu infizieren…


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Der Titel RAUMRAKETE X-7 mutet ein wenig wie Etikettenschwindel an, denn es handelt sich hierbei, wie ihr bestimmt schon bemerkt habt, mitnichten um ein Weltraumabenteuer. Das Ganze geht eher in die Richtung der seinerzeit recht angesagten Doku-Krimis und hat somit mehr mit zeitgenössischen TV-Serien wie DRAGNET (spätere Auflagen waren hier als POLIZEIBERICHT bekannt) und FBI gemein, denn Sci-Fi-Kost ala RAKETE MOND STARTET/ROCKETSHIP X-M (1950) oder WELTRAUMSCHIFF MR-1 GIBT KEINE ANTWORT/THE ANGRY RED PLANET (1959). Der Film folgt einerseits Laura, die ihren Heimweg nach Hawaii immer mehr als Flucht versteht, und auf der anderen Seite den Ermittlern John Hand und Private Joe Rattigan, die versuchen, die Blondine (die sich später sogar brünett färbt) aufzufinden und eine Katastrophe zu verhindern. Dabei folgen sie der Spur von Kontaminationen, die Lauras Weg zeichnen.


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An sich funktioniert der Film als ein solcher Krimi recht gut, doch lassen einige Ungereimtheiten die Story bisweilen doch arg trashig wirken, da das Drehbuch einige Stolpersteine bereit hält. Etwa bleibt die Frage im Raum stehen, warum ihr neuer Gatte nichts von Dr. Pommer wissen darf, schließlich soll er ja Lauras Sohn annehmen, und der muss ja auch irgendwie gezeugt worden sein? Warum hat Pommer seinen Sohn auf das Internat geschickt, wenn er sowieso vorhatte, ihn ein halbes Jahr später seiner Ex aushändigen lassen zu wollen? (Und wie geht das, rechtlich gesehen?) Okay, das kann man so nebenher stehen lassen und einfach ignorieren. Aber warum, zum Teufel, hat man den Doktor die größte Entdeckung seit Beginn der Raumfahrt, nämlich außerirdisches organisches Material, das eine Rakete aus dem All mitbringt, einfach mit nach Hause gegeben? Wenn man dann sieht, was für ein Trubel veranstaltet wird, was die Dekontamination des Hauses und der beiden Ermittler, und danach jedem Menschen, der Lauras Weg kreuzte, angeht, dann erscheint das einfach etwas kurzsichtig und kaum nachvollziehbar.


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Edward Bernds hat sich in seiner Karriere wohl kaum als Feingeist ausgezeichnet. Er begann seine Film-Karriere u.a. als Toningenieur im Team von Frank Capra in den 30ern, bevor er selbst auf den Regiestuhl wechselte. Er machte sich dabei um die Inszenierung von Kurzfilmen um THE THREE STOODGES (ihr wisst schon, die drei Typen, bei denen der fiese Pilzkopf Moe immer seinen Freunden Larry und Curly auf die Mütze gab, wann immer sie wieder etwas Dummes gemacht haben) und der Verfilmung der Cartoon-Strips BLONDIE verdient. Neben einigen Western und Film Noir drehte er in den 50ern auch noch vier Science-Fiction-Filme. PLANET DES GRAUENS/WORLD WITHOUT END (1957) und IN DEN KRALLEN DER VENUS/QUEEN OF OUTER SPACE (1958) sind dabei wirklich Weltraumabenteuer mit schwer chauvinistischen Einschlag. Beide gibt es demnächst als Ed Bernds Double Feature auf Evil-Ed von mir.


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Der Film kam damals im Double-Feature mit dem Klassiker DIE FLIEGE/THE FLY von Kurt Neumann ins Kino. Ein Jahr später sollte Bernds das Sequel DIE RÜCKKEHR DER FLIEGE/RETURN OF THE FLY (1959) realisieren, der auch seinen vierten und letzten Sci-Fi-Film darstellt. Leider reicht es in keinster Weise an das Original heran und lässt auch die Trademarks von Bernds anderen Sci-Fi-Filmen missen. Seine eher lockere Herangehensweise mit dem leicht chauvinistischen Einschlag hätte sicherlich auch nicht gepasst, aber es wäre interessant gewesen, wie er es damit verbunden hätte.


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RAUMRAKETE X-7 lief 1960 sogar in den bundesdeutschen Kinos, war seitdem aber über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Erst 2017 nahm sich Anolis dieses Kleinods des Trash an und veröffentlichte es als Sci-Fi & Horror Classics #6 in kleiner wie großer Hartbox und schob wegen der großen Nachfrage im 2018 auch eine Amaray-Variante nach. Von der Bildqualität darf man nun keine Wunder erwarten, das Master wurde von der letzten deutschen 35mm-Filmkopie gezogen, an der der Zahn der Zeit schon sichtlich nagte. Was soll man sagen? Danke an Anolis für die Mühe. Ohne diese Abtastung wäre der Film womöglich komplett der Vergessenheit anheim gefallen, und das hätte er nun auch nicht verdient. Dementsprechend ist der Film nicht sehr bekannt, weder hier noch jenseits des Atlantik, kommt bei der OFDB auf 6,29/10 (17 Stimmen) und in der IMDb auf 5,2/10 (314 Stimmen). Wer auf kuriose, obskure Filme steht und ein Herz für die 50er hat, sollte mal reinschauen. Ich habe es nicht bereut.


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Raumrakete X-7 and Packshots © Anolis Entertainment

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Ein Gedanke zu “Obscure Shit No 16: Frauen sind manchmal die Seuche

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