Obscure Shit No 10: Philippino-Brownie Triple Feature (Cobra Force, Roboman, Der Kampfgigant 2)

Warum gibt es heute Brownies?

Angesichts der heutigen Titelwahl mag sich der Kenner des Trash-o-versums der 80er vielleicht fragen, wieso kein COBRA FORCE II? Oder einen DER KAMPFGIGANT, um einen Bruno-Triple zu kreieren? Zugegeben, das wäre alles ziemlich naheliegend gewesen, doch für einen dritten, flotten Italo-Dreier hatte ich schon andere Filme im Sinn, und ein Mattei-Triple auf den Philippinen kriegen wir auch mit anderen Filmen noch locker voll. Also habe ich mich dieses Wochenende für den B-Action Star Reb Brown entschieden, der in den 80er Jahren den Inselstaat durchaus sein zweites Zuhause nennen konnte.

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Captain Reb – All American Hero

Der hünenhafte (1,91 m) Kalifornier Reb Brown war ein richtiger All American Guy, boxte, spielte Football und hütete das Gesetz, bevor er sich als Schauspieler verdingte. Da war es naheliegend, dass er, nachdem er sich die 70er hindurch mit kleinen TV-Rollen begnügen musste, einen der größten amerikanischen Superhelden überhaupt, Captain America himself, verkörperte. Es gab einen Captain America vor Chris Evans? Ja, und Reb Brown war sogar bereits der zweite Schauspieler, der diese Rolle verkörperte. Im 15-teiligem Serial CAPTAIN AMERICA (manche erinnern sich an die Lektion über Serials von letzter Woche) gab Dick Purcell den Comic-Helden. In den 70ern war Marvel auch ziemlich in, doch bis auf DCs SUPERMAN (1978) schaffte kein Superheld den Sprung auf die große Leinwand, und so nannten die Filme DR. STRANGE (1978) und CAPTAIN AMERICA I+II (1979) sowie die Serien SPIDER-MAN (1977-79) und DER UNGLAUBLICHE HULK (1978-82) das Fernsehen, genauer gesagt den Universal-Sender CBS, ihr Zuhause.

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Nella giungla! Auf in den Dschungel!

Doch trotz seines Fame als Superheld ließ der Durchbruch für den Actionstar auf sich warten. Er musste sich weiter mit Nebenrollen in Serien wie LOVEBOAT und QUINCY rumschlagen. Erst die Italiener erkannten die Qualitäten des Muskelmannes und so kam er zu der Hauptrolle in Antonio Magheritis Sci-Fi-Abenteuer EINER GEGEN DAS IMPERIUM (1983). Es handelte sich wieder um ein Comic, der als TV-Miniserie verwurstet und für den internationalen Markt auf Spielfilmlänge zusammengestutzt wurde. Allerdings kehrte er danach wieder in die USA zurück, drehte den Kriegsfilm DIE VERWEGENEN SIEBEN (1983) von Rambo-Regisseur Ted Kotcheff, was sich als Omen erweisen wollte. Denn nach zwei Filmen mit dem franzöischen Filmemacher Philippe Mora, darunter DAS TIER 2 (1983), erinnerte man sich am Stiefel an den großen Amerikaner mit dem Charme eines brünftigen Bauarbeiters und lud ihn ein, in die Philippinen zu reisen, um dort ein Rip-off von RAMBO 2 (1985) zu drehen. Dies war dann der Starschuss zu einer Handvoll billiger B-Action-Streifen, für die er unter den Actionfans der 80er Berühmtheit erlangte.

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COBRA FORCE/STRIKE COMMANDO (Bruno Mattei, 1987)

Das Strike Commando, eine super-duper Spezialeinheit des US-Militärs, soll in Vietnam ein Gefangenenlager ausfindig machen und die dort festgehaltenen GIs befreien. Doch der Einsatz wird zum Desaster, die gesamte Einheit aufgrieben, nur Sgt. Michael Ransom (geiler Name, Ransom=Lösegeld) überlebt. Zumindest die Einheimischen feiern den Amerikaner als Helden, allerdings nur solange, bis er sich weigert, einen Verräter zu exekutieren. Ihm geht dabei allerdings die Glühbirne an, dass es jemanden in den eigenen Reihen gibt, der ihn und seine nun toten Kameraden an den Feind verpetzt hat. So ist es wenig überraschend, dass auch die Russen sich inzwischen im Dschungel bequem eingerichtet haben, mit Foltercamp und allem dazugehörigen Schnickschnack. Als Michael dem Sadisten Jakoda in die Hände fällt, setzt der ihn gehörig unter Strom, um ihn dazu zu zwingen, eine demoralisierende Botschaft für seine amerikanischen Mitstreiter über den roten Piratensender abzulassen. Doch natürlich kann sich unser Held befreien, und macht sich auf den Weg, mit dem Verräter abzurechnen…

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Bei diesem Dschungel-Actioner aus der Schmiede Mattei/Fragasso handelt es sich, wie bereits erwähnt, um einen recht vergnüglichen Abklatsch von Sylvester Stallones zweitem Abenteuer als muskelbepackter Vietnam-Veteran. Man arbeitete sich dabei grob an der vorgegebenen Plotte aus POW-Camp, Verrat, Strom-Folter und Dschungel-Kampf ab, schüttete aber noch ein ganzes Füllhorn kruder Einfälle darüber aus. Reb Brown, der übrigens sein Vorbild Stallone an Körperlichkeit in nichts nachsteht, passt als dumpf-dödelige Kampfmaschine gut in das Konzept; er darf auf seinem Weg zu den Seinen den halben Dschungel entvölkern, der Bodycount des Films mutet schon wahnwitzig an. Überhaupt kann man den Film kaum ernst nehmen, wenn Brown als naiver Soldat sich weigert, an seinen Vorgesetzten zu zweifeln, Christopher Connelly als Führungsoffizier dauer-bedröppelt drein schaut und Alex Vitale als Jakoda eine Fresse zieht, als wäre er fortlaufend am Kacken. Da bleibt wahrlich kein Auge trocken!

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Die deutsche Videofassung wurde gegenüber dem italienschen Original um einige Minuten an Geballer, Folter und sogar dem kompletten (unglaublich ulkigen) Final Fight zwischen Brown und Vitale erleichtert, aber trotzdem indiziert. Komischerweise wirkt die deutsche Version dadurch um einiges ernster, da die Action in dieser Form gar nicht mehr so überzogen wirkt. Und dass man den Kampf mit dem Russen komplett entfernt, ist ein Skandal, beinhaltet er doch gar den besten Gag des Films. Da es selbst die VHS nicht an jeder Ecke gibt, wird man wohl eh auf You Tube zurückgreifen, wo es den Film ungeschnitten und auf Englisch zu bestaunen gibt. Ein Kuriosum stellt noch die amerikanische Fassung da. Der Verleiher hat sich die Mühe gemacht, einiges des verwendeten, manches mal deplatziert wirkenden Stock Footage gegen bessere Aufnahmen von Helikoptern, Panzern und Explosionen ausgetauscht haben. Einen detaillierten Vergleich dazu gibt’s bei Schnittberichte

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Für Fans von anspruchslosen Actionern mit einem gewissen Augenzwinkern ist COBRA FORCE/STRIKE COMMANDO dank der schon parodistischen Qualitäten ein großer Spaß und gehört definitiv zu den unterhaltsameren Werken von Bruno Mattei und Claudio Fragasso. Das Overacting von Brown, Connelly und vor allem Vitale setzt dem ganzen dabei noch die Krone auf. Sein Standing in der OFDB mit 5,58/10 bei 36 Stimmen ist ordentlich, selbst das eher kritische IMDb-Publikum würdigte den Film mit 5,2/10 bei 556 Stimmabgaben. In Deutschland erschien der Film HEROIN FORCE als COBRA FORCE II, jedoch haben weder Reb Brown noch Bruno Mattei damit zu tun, denn es handelt sich um eine amerikanisch-philippinische Produktion.

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ROBOMAN/ROBOTWAR – ROBOT DA GUERRA (Bruno Mattei, 1988)

Eine US-Spezialeinheit wird auf eine abgelegene Insel beordert, um dort eine experimentelle Geheimwaffe, die Amok läuft, zu stoppen. Dabei werden unsere Helden in einem feschen Intro vorgestellt:

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„Cpl. Neal Corey: Waffenexperte, ein Mann wie aus Stahl…“

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„Pvt. Larry Guarino: ein exzellenter Fährtensucher; genannt Didi oder Didi-Bob…“

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„Albert Bray: er war Stabsarzt in Vietnam, genannt Papa Doc…“

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„Sonny Peel: wird Blood genannt…“

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„Nun-Quam: der beste Späher weit & breit; nennt sich Quang. Er hat einen sechsten Sinn für Gefahr…“

„Und hier der Kopf der Truppe…“

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„Maj. Murphy Black: ein Officer, der sämtliche Tapferkeitsorden verliehen bekam…“

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„Wieso haben die alle Spitznamen?“

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„Wir haben der Truppe auch einen gegeben: PAM.“

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„PAM?“

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„Perfektes Arbeitsmaterial!“

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Dieser nette Haufen ist also auf der Insel unterwegs, um einen wildgewordenen Kampfroboter zu vernichten. Im Schlepptau haben sie dabei den Ingenieur Mascher, der sich als Erfinder der mordenden Blechbüchse herausstellt. Zwischendurch befreien sich auch noch die Blondine Virgin (ähm, ja) aus den gierigen Griffeln fieser Rebellen. Die meiste Zeit latschen sie aber recht ziellos durch den Dschungel, während der Robbie darauf lauert, einen nach dem anderen von ihnen in den vorzeitigen Ruhestand zu schicken…

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Für ihr nächstes Rip-off-Feature bedienten sich Fragasso und Mattei ganz offensichtlich bei PREDATOR (1987), was heißt, dass der gute Reb uns dieses mal den Schwarzenegger, allerdings ohne so schöne One-Liner, geben darf. Der Film ist dabei leider etwas unspektakulärer ausgefallen als seine Odyssee durch Vietnam in COBRA FORCE/STRIKE COMMANDO zuvor. Während der Robo im Unterholz lauert und die Welt in rotem Pixelbrei wahrnimmt, staksen unsere Helden zur poppigen Musik Al Festas durch ebenjenes. Erstaunlich ist, dass man quasi blind einen Screenshot anfertigen und als Aushangfoto benutzen könnte (weitere Beispiele in Anschluss). Ab und an stolpern sie dabei über eine übel zugerichtete Leiche, was mit einem blöden Spruch kommentiert wird, oder liefern sich ein Feuergefecht mit schmierigen Revoluzzern. Und am Ende bekommt man dann noch ein kleines bisschen ROBOCOP (1987) geboten. Das ganze ist kein wirklich großes Trashfest, aber dezent Spaß macht die Chose, auch wegen der deutschen Synchro, trotzdem.

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Die deutsche VHS von ROBOMAN/ROBOWAR entbehrt nur ein wenig des Dschungel-Spaziergangs, was wohl ziemlich genau zwei Musikstücken Festas entsprechen soll (mehr wieder bei Schnittberichte). Damit kann man schon leben. Um die DVD sollte man einen großen Bogen machen, denn hier wurde mit Heckenschere jedwede Grobheit zugunsten einer FSK 16-Freigabe für die Grabbeltische der Elektromärkte entfernt. Der Film ist in der Kritik nicht sehr wohlgelitten, in der OFDB gab es 4,63/10 bei 41 Stimmen, in der IMDb sogar nur 4,2/10 bei 514 Stimmen. Aber davon lässt sich der geneigte Trash- wie Italo-Fan natürlich nicht abschrecken.

Reb Brown hatte zuvor auch zwei Filme in Südafrika mit amerikanischer Beteiligung gedreht, und da er gerade eh auf den Philippinen nächtigte, wurde er auch von amerikanischen Produzenten als Actionheld engagiert.

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DER KAMPFGIGANT 2/THE FIRING LINE (Jun Gallardo, 1988)

Mark Hardin ist ein freiberuflicher Berater für das Militär einer mittelamerikanischen Bananenrepublik. Als ein Rebellenführer, den er gerade gefangen und der Staatsgewalt ausgehändigt hatte, ganz unbürokratisch exekutiert wird, räumt er gegen die Vorgehensweise seiner Auftraggeber Vorbehalte ein. Er war dem Irrglauben erlegen, dass dem Guerillero hier in der Bananenrepublik rechtsstaatlich der Prozess gemacht würde. Er drückt seinen Verbindungsoffizier mal kurz die Faust in die Fresse, worauf er als mutmaßlicher Spion verhaftet wird. Er kann natürlich fliehen, die Blondine Sandra Spencer, die mit ihm auf die Abschussliste geraten ist, einsammeln, und sich zu den Rebellen durchschlagen, um an deren Seite die Militär-Diktatur zu stürzen…

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Diesen Film hier habe ich bewusst als Kontrast zu den italienischen Produktionen gleicher Ausrichtung gewählt, um daran einfach mal aufzuzeigen, warum die Werke der Herren vom Stiefel so viel vergnüglicher ausfallen als ihre Pendants aus amerikanischer Hand: während die Amis in diesen Fälle zumeist, anstatt sich großer Vorbilder zu bedienen (Angst vor dem Plagiatsvorwurf?), ihre propagandistische Standardgeschichte von der Revolution in einer Bananenrepublik herunter spulen, klauen die Italiener alles, was nicht niet- und nagelfest ist, und schustern daraus ein vergnügliches Spektakel zweiter Klasse. Es ist kein Wunder, dass der Film hierzulande als Nachfolger des besseren Italo-Actioners DER KAMPFGIGANT/DOUBLE TARGET (1987) von Bruno Mattei vermarktet wurde. Aber wo sich Mattei & Co nach Herzenslust bei großen Hits bedienen und ihre Rip-offs nach ihrem Gusto mit viel Witz und eigenen Ideen mischen, gibt es von Onkel Sam viel lustlosen Einheitsbrei. Allerdings ist auch DER KAMPFGIGANT 2/THE FIRING LINE schlecht genug, um zumindest zeitweise den Trashfan passabel zu unterhalten.

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Reb Brown überzeugt durch Pornobalken und schwingt sich schnell zum Anführer der Rebellen auf, die er kurz zuvor noch bekämpft hatte. Shannon Tweeds Rolle dabei erschloss sich mir nicht so wirklich; ich dachte erst, sie sei vielleicht eine unerwünscht anwesende Reporterin, aber dem ist nicht so. Sie ist einfach nur da, als Love Interest für Brown, mit dem sie dann wirklich keinerlei Chemie verbindet. Auch davon ab sorgen die deutschen Dialoge für Stirnrunzeln, denn manchmal sprechen die Leute da von Sachen, die man einfach nicht einordnen kann. Brown wird hier übrigens, wie in COBRA FORCE/STRIKE COMMANDO auch schon, von Thomas Danneberg gesprochen, was die ganze Sache ordentlich aufwertet. Mit fortlaufender Handlung wird dann leider immer weniger gesprochen, die Geschichte verliert sich im endlos scheinenden, einfallslosen Geballer.

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DER KAMPFGIGANT 2/THE FIRING LINE war 25 Jahre lang indiziert und somit auch als DVD zuerst nur in einer indiskutablen, um mehr als 10 Minuten gekürzten Fassung, erhältlich. Seit 2014 ist der Streifen wieder freigegeben und kann z.B. im Maxdome Abo ungekürzt betrachtet werden. Die gebotene Bildqualität ist allerdings nicht berauschend, und wer den Film mit gutem Bild & Ton „genießen“ möchte, sollte zur DVD von X-Cess Entertainment greifen, die es in kleiner wie auch großer Hartbox gibt. Die Bewertungen für diese Actiongülle sind, wenig verwunderlich, niedriger als die der vorangegangenen Italo-Kracher ausgefallen; auf der OFDB steht er, wohl auch dank der Synchro, bei 4,57/10 und 30 Stimmen, in der IMDb gibt es katastrophale 2,9/10 bei 272 Stimmen, was jetzt nicht völlig unverdient erscheint.

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Bonus-Gallerie ROBOMAN:

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2 Kommentare zu „Obscure Shit No 10: Philippino-Brownie Triple Feature (Cobra Force, Roboman, Der Kampfgigant 2)

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