Obscure Shit No 9: Aliens, Villains, Rocket Men (Teil 1)

Die Geschichte des Serials

Sogenannte Serials erfreuten sich von den Anfängen des Kinos an bis in die 50er Jahre großer Beliebtheit. Sie waren in etwa das filmische Equivalent eines Fortsetzungsromans oder einer in fortlaufenden Comic-Strips erzählten Handlung. Zumeist waren sie im Kino Teil des Vorprogrammes der damals üblichen Doppel-Vorstellungen.
Vielleicht kennen ja noch einige von euch an die FLASH GORDON Serie, das 1989 im Vorabendprogramm von RTLplus lief. Sie bestand eigentlich aus drei verschiedenen Serials – FLASH GORDON (1936), FLASH GORDONS TRIP TO MARS (1938) und FLASH GORDON CONQUERS THE UNIVERSE (1940) – und aus 28 Episoden zu je 25 Minuten, während die drei Serials in mehr als 40 Episoden zu je 13-20 Minuten auf insgesamt 778 Minuten kamen.
Die amerikanischen Serials der Vor- und Nachkriegszeit waren eher action-betont, auf eine komplexe Geschichte wurde kein großer Wert gelegt. Allen gemein waren die berühmten Cliffhanger-Enden, die Episoden endeten alle auf dem Höhepunkt einer Spannungssequenz. In den 2000ern versuchte die Agenten-Serie ALIAS mit Jennifer Garner dieses Prinzip wieder aufzunehmen, was bei den Zuschauern aber zunehmend auf Ablehnung stieß.
Andere Serials wie das französische FANTOMAS (1913/14) aus der Stummfilmzeit, nahmen sich mehr Zeit, sogar ein bis anderthalb Stunden, für eine größere Geschichte. Das ist vergleichbar mit einer heutigen Mini-Serie.
Als Anfang der 50er Jahre das Fernsehen seinen Siegeszug in den Wohnzimmern antrat, wanderten auch die Fortsetzungsgeschichten und Mini-Serien dorthin ab, und es dauerte nicht lange, dass nur noch Cartoons und keine Serials mehr im Vorprogramm der Kinovorstellungen zu sehen waren.

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Republic Pictures und die Raketenmänner

Der Platzhirsch unter den Produzenten von Serials waren Universal Pictures, die als einer der größten Filmproduzenten ihrer Zeit auch entsprechenden Bedarf an solchen Fortsetzungsgeschichten für das Vorprogramm ihrer unzähligen Releases hatte. Auch die zweitklassige Schmiede Republic Pictures hatte sich neben der Produktion von B-Movies auf Serials spezialisiert. Aus ihrem Studio stammten fortlaufende Abenteuer bekannter Helden wie Dick Tracy, The Lone Ranger, Captain America und Zorro.
Nach dem 2. Weltkrieg heuerte Fred C. Brannon bei Republic an, der eine Vorliebe für Science-Fiction-Stoffe hegte, dessen erfolgreichste Geschichten von einem Helden mit einem Raketen-Anzug handelten. Er verstarb allerdings schon im Alter von 51 Jahren, kurz nachdem man seinen eigentlich als TV-Serie gedrehten COMMANDO CODY: SKY MARSHAL OF THE UNIVERSE (1953) dann doch im Kino ausstrahlte.

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Der König der Raketenmänner/The King of the Rocket Men (Fred C. Brannon, 1949)

Das erste 12-teilige Serial um Männer mit Raketen-Anzügen lief 1949 an. In Deutschland wurde das große Abenteuer um den genialen Dr. Millard und seinem Kollegen Jeff King, den der Doktor mit seiner geheimen Erfindung, dem Raketen-Anzug ausstattet, in zwei Kinofilme mit der Länge von je 65 Minuten geschnitten, zum einen „Das Geheimnis des Dr. Morgan“ und „Entfesselte Kräfte“, die hier 1953 im Kino liefen. Erhältlich ist inzwischen nur noch ein Zusammenschnitt beider Filme von rund 125 Minuten, der unter dem Titel DER KÖNIG DER RAKETENMÄNNER, einer wörtlichen Übersetzung des Original-Titels. Tatsächlich ist hier nicht mehr ersichtlich, wo der erste Film endet und der zweite beginnt, und auch die Cliffhanger-Enden des Serials sind als solche natürlich nicht mehr auszumachen, da die Action- und Spannungssequenzen nicht mehr unterbrochen werden.

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Aber nun zum Inhalt: Der Wissenschaftler Dr. Millard ist Mitglied einer wissenschaftlichen Vereinigung großer Denker. Doch er muss feststellen, dass ein unbekannter Bösewicht, der sich Dr. Morgan nennt (im Original Dr. Vulcan), die Mitglieder dieser Vereinigung einen nach dem anderen zu eliminieren sucht. Er vermutet, dass Dr. Morgan ein Mitglied der Vereinigung ist, und sich die besten Erfindungen, die hier erschaffen worden sind, unter den Nagel reißen und für seine eigenen Zwecke missbrauchen will. Und da Millard selbst sieht sich dabei besonders gefährdet, da seine neueste Entwicklung, eine Strahlenkanone, die in der Lage ist, Gestein zu schmelzen, leicht auch als Waffe missbraucht werden könnte. Also vertraut er sich seinem Kollegen Jeff King an und stattet ihn mit einem von ihm gebauten Raketen-Anzug aus, um gegen Dr. Morgan und seine skrupellosen Handlager vorzugehen. Ihnen zur Seite steht dabei nur die New Yorker Reporterin Glenda Thomas…

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Da die alten Serials sich, wie erwähnt, meist nicht mit einer komplexen Story aufhielten, sondern die 13 Minuten einer jeden Folge eher mit Action füllten, die nur in der Mitte der Folge mal für etwas Dialog und handlungstreibenden Elementen unterbrochen wurde, ist der Zusammenschnitt der beiden Zusammenschnitte ein nahezu rastloses Action-Vehikel. Verschnaufpausen sind rar gesät, sodass die Sache oftmals Gefahr läuft, den Zuschauer zu ermüden. Doch die Geschichte um den mysteriösen Bösewicht, der andauernd das Leben unserer Helden bedroht, um in den Besitz der Wunderwaffe zu gelangen, schlägt genug Haken und Wendungen, um das Interesse auch über 2 Stunden aufrecht zu erhalten. So man denn gewillt ist, sich mit solch ollen Kamellen abzugeben, erwartet einen ein recht naiver, aber rasanter Spaß. Oftmals wurde der im verborgenen agierende Dr. Morgan/Vulcan als Schwachpunkt des Serials ausgelegt, da die Konkurrenz meist auf schillernde, überzeichnete Antagonisten setzte. Für mich gestaltet sich das jedoch als Pluspunkt, denn das Rätselraten um die Identität des bösen Doktors hält die Spannung bis zum Ende aufrecht.

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In der OFDB hat es bisher nur zu durchwachsenen 5.00/10 gereicht, allerdings zählt man hier auch erst 4 Stimmen (und von mir gab es eine gute 7/10). Was die Wertung in der IMDb betrifft, ist es ein wenig schwierig, da die beiden in Deutschland gelaufenen Zusammenschnitte nie in dieser Form in den USA veröffentlicht wurden, und deshalb nur Seiten zum Serial und dem einstündigen US-Zusammenschnitt LOST PLANET OF AIRMEN von 1951 vorhanden sind. Das Serial selbst genießt dort einen guten Ruf, welcher sich in 7,2/10 bei 789 Stimmen niederschlägt.
Filmjuwelen war 2013 so nett, dem deutschen Interessenten diesen per DVD zugänglich zu machen; sie ist durchaus noch bei dem üblichen Verdächtigen erhältlich.

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Kinofilme und Serials waren ein kurzlebiges Geschäft in diesen Zeiten, vor Video und Internet, und wie das Publikum waren auch die Produzenten solcher Werke sehr sprunghaft, und die Kontinuität dieser Serials untereinander nicht wirklich wichtig. Und so sollten in den Jahren 1952/53 gleich zwei neue Helden in drei Serials als Raketenmann die Welt retten.

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Radar Men from the Moon (Fred C. Brannon, 1952)

Der neue Held im Raketenanzug ist nun Commando Cody, den natürlich er auch erfunden hat. Er ist ein ziviler Forscher und großer Menschenfreund. Als die USA von einer mysteriösen Macht angegriffen wird, verortet er sie auf dem Mond, den er mit seinem eigenen Raketenschiff erreicht, um dort auf den bösen Krog trifft, der die Menschheit vernichten will, damit die Bevölkerung des Monds auf die viel gemütlichere Erde umziehen kann. Als Commando Cody auf die Erde zurückkehrt, bündelt er seine Kräfte mit seinen Mitarbeitern Joan, Ted und Dick, um die menschlichen Verbündeten Krogs, die von den beiden Berufsverbrechern Graber und Daly angeführt werden, an ihrem bösen Treiben zu hindern.

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Drei Jahre sind seit den Abenteuern von Jeff King ins Land gegangen, und nach so einer langen Zeit erinnerte sich im kurzlebigen Geschäft der wöchentlichen Serials kaum einer mehr an das, was vorher war. So ist es kaum verwunderlich, dass man für die nächste Geschichte um einen Raketenmann auch eine komplett neue, austauschbare Hintergrundgeschichte erzählt wird. Mit der Rakete und einem gepanzerten Bodenfahrzeug gibt es nette, neue Utensilien, mit denen die guten wie bösen Buben einsetzen dürfen. Es ist natürlich schon etwas komisch, wenn sich nur eine Handvoll Zivilisten gegen die Angriffe der Außerirdischen, die auf der Erde von zwei gewöhnlichen Gangstern koordiniert werden, stemmt. Aber etwas anderes war zum einen natürlich budget-technisch schon gar nicht drin, aber auch der Aufmarsch von Truppen hätte wohl noch frische Kriegs-Traumata bei breiten Schichten der Bevölkerung wachgerufen.

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Die 12 Folgen von RADAR MEN FROM THE MOON sind eine kurzweilige Angelegenheit, auch wenn ihnen die Spritzigkeit des ersten Abenteuers und das Mysterium um den unbekannten Genie des Bösen im Hintergrund etwas abgeht. Dafür erwartet den Zuschauer mit dem Ausflug zum Mond und den neuen Gerätschaften (aber auch die alte Kanone findet hier neue Verwendung) ein abwechslungsreiches Abenteuer, in dem auch mehr Humor Einzug hält. In Deutschland ist das Serial nie gelaufen, es gab auch keinen Spielfilm-Zusammenschnitt des ersten Commando Cody-Abenteuers, trotzdem erhielt es  auf der OFDB wie sein Vorgänger 4 ganze Stimmen, kommt aber auf nur 4,75/10 (weil ich im Gegensatz zu dem hier nur 6 statt 7 Punkten vergab). In den USA gab es auch einen TV-Zusammenschnitt von 100 Minuten Länge, das Serial kommt in der IMDb bei 684 Stimmen auf sogar schlechtere 4,6/10, erfreut sich also lange nicht der Beliebtheit wie KING OF THE ROCKET MEN. Erhältlich sind die 12 Folgen nur auf DVD und Laserdisc aus den Staaten.

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Auch wenn Commando Cody heute wenig beliebt erscheint, muss er damals doch recht erfolgreich gelaufen sein, denn Republic Pictures entschloss sich, seine Abenteuer in einer TV-Serie, der ersten der Firma, fortzusetzen. In
COMMANDO CODY – SKY MARSHAL OF THE UNIVERSE ist der namensgebende Held quasi der Verbindungsoffizier zwischen der Erde und einigen anderen Völkern des Universums, die nun Kontakt mit den Menschen aufgenommen haben. Aber davon werde ich euch im Laufe der Woche noch genaueres berichten.

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Neben der Commando Cody-Serie produzierte Republic aber noch ein Serial mit einem neuen Helden im Raketenanzug, den man in die Lichtspielhäuser schickte. Und dieses mal übernahm der deutsche Verleih eine Spielfilm-Version, die 1958 auch in den US-Kinos lief.

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Des Satans Satellit/Satan’s Satellites (Fred C. Brannon, 1958)

Drei böse Marsianer rekrutieren auf der Erde ein paar Gangster und einen Wissenschaftler, der schon als Spion tätig war und durch diese Vorgeschichte leicht erpressbar ist. Sie haben vor, die Erde durch die Detonation einer riesigen Wasserstoffbombe aus der Bahn zu werfen, um den Mars an ihren Platz zu schieben, der ihrer Meinung sowieso ihrem schönen roten Planeten gebührt. Unser Held heißt Larry David, ein unermüdlich dem Bösen entgegentretender, die Menschheit vor außerirdischen Gefahren verteidigender Millionäre und Erfinder.

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Eigentlich sollte auch das Serial ZOMBIES FROM THE STRATOSPHERE, aus dem DES SATANS SATELLIT hervorging, ein Abenteuer für Commando Cody werden, doch Republic Pictures entschied sich kurz vor Drehbeginn um und änderte kurzerhand einfach alle Namen um. So kommen dem geneigten Commando Cody-Fan bestimmt viele Sachen komisch bekannt vor. Eines der wenigen Highlights für Science-Fiction-Fans ist die Mitwirkung eines jungen Leonard „Mr. Spock“ Nimoy (im nächsten Bild der finstere Kerl links), der hier einen Marsianer namens Narab spielt. Im Endeffekt unterscheidet sich die Plotte nicht sehr von der ihres eigentlichen Vorgängers; die Marsianer delegieren ihre Verbündeten, die lustigerweise zur Finanzierung der Unternehmungen auch Banken ausrauben müssen, und Larry stellt sich mit Hilfe seiner Freunde der Bedrohung entgegen. Ihre Geheimwaffe ist ein großer Roboter, der dann auch das lustigste Gimmick hier darstellt. Und wieder verwundert es einen, dass keine Army und kein Geheimdienst weit und breit zu sehen ist (okay, es gibt da ein-zwei Ausnahmen).

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Ich habe leider nur die Spielfilm-Fassung DES SATANS SATELLIT zu Gesicht bekommen, denen, neben mehr als einer Stunde an Material, natürlich die spannungsfördernden Cliffhanger fehlen, weswegen sich das ganze als dramaturgisch dröge erweist. Für mich ist dies damit das langweiligste Abenteuer des Raketenmannes. Bei der OFDB sind Serial wie Spielfilm eingetragen, weil die DVD von Ostalgica scheinbar beides enthält. Doch bei genauem hinsehen fällt auf, dass die 12 Episoden der DVD knapp 90 Minuten (und der Spielfilm 75 Minuten) laufen, während das Serial im Original auf ganze 167 Minuten kommt. Egal, das Serial steht bei 5,00/10 und 2 Stimmen, der Film ebenfalls auf 5,00/10 bei immerhin 13 Stimmen. Bei der IMDb sieht es ähnlich aus, das Serial steht mit 5,7/10 und 309 Stimmen etwas besser da, die 4,9/10 des Films gingen aber aus nur 57 abgegebenen Stimmen hervor.

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Morgen werde ich mir wohl die für das TV angedachte Serie COMMANDO CODY – SKY MARSHAL OF THE UNIVERSE geben, die dank längerer Folgen auf fast 6 Stunden Laufzeit kommt. Dazu werde ich euch noch verraten, wo und wie ihr euch die Serials legal und kostenlos selbst reinziehen könnt, und welche Auswirkungen speziell diese Serials aus dem Hause Republic Pictures Einluss auf Computerspiele wie ROCKET RANGER oder Disney-Filme wie THE ROCKETEER und IRON MAN hatten. Fortsetzung folgt…

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Bonus Gallerie:

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