Dear Diary… on the watch 06.-12.05.18

Es hat sich einiges angesammelt in der letzten Zeit, da ich es nicht geschafft habe, rechtzeitig mein Filmtagebuch nachzutragen, also hole ich das jetzt in 2-3 Schüben nach.

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WENN DU KREPIERST, LEBE ICH (Pasquale Festa Campanile, 1977)

Der erfolglose Journalist Walter Mancini ist mit seiner Frau Eva, die er im Dauersuff nur noch als ein gutes Stück Fickfleisch sieht, auf einem Campingtrip quer durch die USA. Da nehmen sie den Anhalter Adam mit. Doch der entpuppt sich als fieser Bankräuber, der vor der Flucht vor Polizei und Komplizen, sich von den beiden mit der Beute nach Mexiko kutschieren lassen will…

Nettes, schön gefilmtes Terror-Movie mit einem gewohnt souveränen David Hess, der hier den Entführer gibt, und einem Franco Nero, der mal richtig die Sau rauslassen darf; Corinne Clery, gerne nackt, darf hier als Eva nur die Trophäe unter den beiden Chauvis und den Grund für Walters Minderwertigkeitskomplexe geben, was den Sexismus des Streifens geschuldet ist. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch, denn der Film gestaltet sich spannend und wendungsreich bis zum Schluss. 7,5/10

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THAT’S IT (Gakuryu Ishii, 2015)

Der junge Daikoku stiehlt aus einem Schließfach eine Festplatte mit sensiblen Daten. Er will sich damit eine neue Identität erkaufen, denn sein Vater hat seine Geburtsurkunde verschachert, für die Behörden existiert Daikoku nicht. Außerdem versucht er, bei den Verhandlungen den Aufenthaltsort seines alten Herrn zu bekommen, um ihn zu töten, doch er landet gefesselt auf dem Betonboden einer verlassenen Fabrikhalle. Auf dem Boden neben ihm liegt seine Ex-Freundin Ami, die man netterweise auch zu den folgenden Gesprächen eingeladen hat. Nach kurzer Misshandlung nennt er seinem Gegenüber ein falsches Versteck des Datenspeichers, und sie können darauf in einem unbeobachteten Moment fliehen. Daikoku legt gerade keinen Wert auf Amis Gesellschaft, aber sie will ihm helfen und spricht ihren Zuhälter an, was sich als fataler Fehler erweist. Denn der sieht sich in der Pflicht, die beiden wieder in einem Keller an den Verhandlungstisch zu bringen, genau wie der Identitäten-Dealer Daikokus. Und statt neuer Papiere und damit einhergehender Freiheit sitzt er folgend gefesselt einem gemeinen Sadisten gegenüber, der über die anderen Gangster befehligt und sich als sein Halbbruder Senju herausstellt…

Ishii war wohl noch nie der große Geschichten-Erzähler, auch „That’s it“ definiert sich eher über sein Zusammenspiel von Schnittfolge und musikalischer Beschallung. Zwischendurch hemmen aber Dialog-Passagen den Fluss, die sich immer und immer wieder um die selben Themen kreisen. Das ist bestimmt so beabsichtigt, schmälert aber das Vergnügen dann doch etwas. Optisch ist der Film mal wieder recht schlicht, aber sehr einfallsreich, auch wenn sich Ishii mit seinem typischen Overkill in der Verklittung von Film, Musik und auch Comicelementen bis zum letzten Drittel sehr zurückhält. Aber dann gehen wieder die Gäule mit ihm durch, denn er zieht das blutige Finale wie einen Railgun-Shooter auf, wo die beiden Helden auf festen Bahnen fast durch die Höhle des Löwen zu schweben scheinen und die bösen Buben wie im Spiel abballern. Insgesamt wird der Film gewiss nicht jedermanns Sache sein, Fans des japanischen Cyberpunk-Films und noisigen Musik-basierten Filmen werden durchaus ihre Freude damit haben. 7/10

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THE BLACKOUT (Abel Ferrara, 1997)

Der kokainabhängige Hollywood-Star Matty ist nach dem Geständnis seiner Geliebten Annie, dass sie ihr Kind abgetrieben hätte, total am Boden. Dabei hatte er ihr vorher, wohl im Drogenrausch, diese Möglichkeit unter wüsten Beschimpfungen nahegelegt. In der folgenden Nacht nimmt er an einem Happening des Videokünstlers Mickey teil, das ein wenig aus den Fugen gerät. 18 Monate später ist Matty clean und trocken, er lebt in New York mit Susan zusammen. Ihn lässt aber der Gedanke daran, dass in der Nacht bei Mickey etwas furchtbares passiert ist, nicht los. Als Susan kurzfristig verreist, macht er sich auf den Weg nach Florida zu Mickey, um Annie, die seither wie vom Erdboden zu verschwunden sein scheint, zu finden, und die Lücken der verhängnisvollen Nacht zu schließen…

Matthew Modine weiß als psychisch labiler Schauspieler zu überzeugen, doch Ferrara telegrafiert seinen Twist viel zu früh an, was dem ganzen etwas sehr der Spannung beraubt. Außerdem konzentriert er sich zu sehr auf die berauschte Nacht um Drogen und Sex in Mickeys Villa und lässt die späteren Auswirkungen der psychischen Störung von Matty auf sein alltägliches Leben nur durch einige kurze Szenen durchschimmern, so dass, bei aller Mühe, ein interessantes Psychogramm zu kreieren, die ganze Angelegenheit ziemlich trivial bleibt. 5,5/10

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DER SCHWARZE PANTHER (Ken Hughes, 1974)

Professor Robert Elliot wird in den Kreis der Berater des Präsidenten gerufen. Doch dazu muss der zwielichtige, ehemalige Nachrichtendienstler einige dunkle Flecken in seiner Vergangenheit tilgen, denn eine weiße Weste ist für solch eine Stellung unerlässlich. Dazu beauftragt er seinen ehemaligen Partner Hellman, einen Mord zu begehen. Doch das ist nur der erste Domino-Stein, der als Kette von Ereignissen gleich eine ganze Reihe von Mitwissern und Weggefährten das Leben kosten soll…

Trotz eines ausgefuchsten Plans seitens Elliots, der zudem von Mr. Cool James Coburn gespielt wird, mäandert der Thriller eher vor sich hin, die verschiedenen Stufen des Plans nimmt man anerkennend zur Kenntnis, ohne von seiner Eleganz und Rafinesse mitgerissen zu werden, da der Film diese zwar als Domino-Effekt präsentiert, jedoch ohne dabei ein beeindruckendes Muster zu enthüllen. 4,5/10

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VIRUS UNDEAD (Wolf Wolff, 2008)

Der junge Arzt Robert kehrt in Begleitung seiner Kumpels, dem Nerd Eugen und dem Macho Patrick, in seine Heimatstadt zurück, um dort den Nachlass seines von Vögeln zu Tode gehackten Onkels Professor Bergen, der an einem Mittel gegen die Vogelgrippe forschte, zu regeln. Er trifft an der Tankstelle auf seine alte Liebe Marlene. Sie und Freundin Vanessa gesellen sich am Abend zu den Jungs, die in der Villa des verstorbenen Onkels einen draufmachen wollen. Doch währenddessen breitet sich eine Infektion im Ort aus und die Fünf müssen sich alsbald angreifenden Zombies und aggressiven Krähen erwehren…

DIE VÖGEL meets DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN, aber bitte in schlecht. Ernüchternder Versuch eines deutschen Horrorfilms, der in allen Belangen scheitert, angefangen bei der aus aktuellen Themen zusammengeklaubten Story, über die schlechten Darsteller, die depperten Dialoge bis zu dem abschließenden, langweiligen Kampf gegen die Zombies. Das Finale setzt dem ganzen dabei noch die Krone auf. 2,5/10

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THE MUTILATOR (Buddy Cooper, 1984)

Der 10-jährige Ed jr. erschießt beim Reinigen der Waffen aus Versehen seine Mutter, was seinen Vater Big Ed in den Wahnsinn treibt. 10 Jahre später wird Ed jr. von seinem alten Herrn zu ihrem Strandhaus geschickt, um es für die kalte Jahreszeit dicht zu machen. Ed fährt mit seiner Freundin Pam und den beiden Pärchen Raph und Sue, sowie Mike und Linda, ans Meer, um die Gelegenheit zu nutzen, dort ein Wochenende lang ein wenig zu feiern. Doch der alte, verrückte Ed lauert dort den Teenagern auf, um einen nach dem anderen blutig über den Jordan zu schicken…

Schnörkelloser, blutiger Slasher, der sich noch einmal die Mühe macht, die Identität des Mörders zu verschleiern oder einen Schluss-Twist aufzubauen. Aber die Umsetzung ist launig, die Effekte sind gut und die jugendlichen Charaktere sehr sympathisch, weswegen man gerne mit ihnen fiebert. 6,5/10

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DIE NACHT DER BLANKEN MESSER (Andrea Bianchi, 1975)

Das Fotomodel Evelyn stirbt bei einer Abtreibung, der Arzt vertuscht den Tod als Selbstmord in der Badewanne. Kurz darauf wird er von einer geheimnisvollen Gestalt in Motoradkluft getötet. Zwischenzeitlich bandelt der schmierige Fotograf mit dem Model Magda an, die selbst eine Karriere als Fotografin anstrebt. Unter den Angestellten seiner Arbeitgeberin Amanda, zu denen auch Evelyn gehörte, tobt sich der Mörder weiter aus, und Carlo versucht sich als Detektiv, da er fürchtet, dass auch er und Magda bald zu den Opfern zählen könnten…

Brutaler Sleaze-Giallo, der wirklich keine einzige Identifikationsfigur bietet; Carlo ist ein Großmaul und notorischer Frauenheld, Magda möchte zwar emanzipiert wirken, ordnet sich ihm aber trotzdem unter. Und das Foto-Studio von Amanda ist ehedem nur bevölkert von egoistischen, manipulativen Zicken, gerne auch mal lesbisch. Ein sehr schmieriger Film, der vor allem durch nackte Haut punktet, aber auch durchaus durch seine einigermaßen spannenden Mordszenen. Kein Highlight des Genre und wer unbedingt etwas positives zur Ausrichtung seines moralischen Kompasses in einem Film braucht, sollte hier einen großen Bogen drum machen. 5,5/10

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DAS GRAUEN KOMMT NACHTS (Renato Polselli, 1972)

Der Psychologe Dr. Herbert Lyutak berät die Polizei bei Morden mit psychologischen Gutachten, doch nach dem Mord an einer jungen Frau gerät er selbst ins Visier der Ermittler. Die liegen mit ihrem Verdacht gar nicht mal falsch und der mit Impotenz geschlagene Kriegsveteran Herbert will sich stellen. Als die Polizei dem Triebmörder in einem Park eine Falle stellt, geschieht ein Mord an einer weiteren jungen Frau. Jedoch unterhält sich Herbert just zu diesem Zeitpunkt mit dem Lockvogel der Aktion und kann somit nicht der Täter sein…

Dieser schundige Giallo-Trash kann allenfalls durch seine unfreiwillige Komik, hervorgerufen durch schlechte Darsteller und einer unglaublich dämlichen deutschen Synchro, und allerlei nackter Haut punkten. Das Geschehene ist dermaßen unglaublich bescheuert, dass man es als Trash-Fan doch mal mit den eigenen Augen gesehen haben muss, um es zu glauben. In der letzten halben Stunde geht der Film dann endgültig baden, wenn sich Herberts Frau drogengeschwängert und herumkreischend in eine hysterische Trance steigert. Leute, die gerne mal im Bodensatz wühlen, sind hier durchaus richtig, der normale Filmkonsument und Giallo-Fan sollte aber Abstand nehmen. Oder zumindest gleich die Flasche harten Stoff in die Hand. 4/10

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DAS AUGE DES BÖSEN (Ferdinando Merighi, 1972)

Paris wird von einem Frauenmörder heimgesucht. Doch schon bald wird der brutale Bordellgänger Antoine verhaftet und vor Gericht gestellt. Als das Urteil, schuldig, verkündet wird, beteuert Antoine weiterhin seine Unschuld und schwört Rache. Er kann auch vor der Vollstreckung des Todesurteils entkommen, stirbt aber bei einem Motoradunfall auf der Flucht. Die Morde indes gehen danach weiter, und Inspektor Fontaine hat ein Auge auf Puffmutter Francine, die eine gute Bekannte von Antoine war. Unterstützt wird er bei seinen Ermittlungen von Gerichtsmediziner und Forscher Professor Waldemar, der auch das Etablissement der Madame Francine regelmäßig frequentiert…

Verworrener, schundiger Giallo, der vor allem durch allerlei nachträglich eingefügte Erotik-Szenen über die Zeit gebracht wird. Erwähnenswert ist die Beteiligung von Robert Sacchi, einem französischem Humphrey-Bogart-Lookalike als Fontaine, in den weiblichen Rollen machen sich u.a. Barbara Bouchet und Rosalba Neri ausgiebig nackig. Ein weiterer Vertreter aus den Untiefen des Genre, der aber Trash- und Sleaze-Fans einigermaßen zu unterhalten weiß. 5/10

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PHENOMENA (Dario Argento, 1985)

Jennifer wird von ihrem Dad, einem amerikanischen Filmstar, auf ein exklusives Internat in der Schweiz geschickt. Dort stolpert sie in eine unheimlich Mordserie, entdeckt ihre Fähigkeit, mit Insekten zu kommunizieren und freundet sich mit dem Insektenforscher Professor McGregor an. Nach einem gruseligen Zwischenfall im Internat ist sie bei ihren Mitschülerinnen wie auch der Lehrerschaft unten durch und macht sich, auf Drängen des Professors, mit einer Leichenfliege auf die Suche nach dem Mörder…

Dario Argento hat in seinem übernatürlichen Giallo schon alles mögliche an geschwurbelten Hokus Pokus reingepackt, allerdings verteilt er diese Unglaublichkeiten recht geschickt über die fast 2 Stunden Laufzeit und kleidet das ganze in wieder einmal in einige ziemliche memorable Szenen, von denen die mit den Insekten leider am schlechtesten gealtert sind, die Tricktechnik macht Mitte der 80er diesbezüglich noch nicht so sehr viel her. Und auch wenn die junge Insektenmagierin Jennifer (Connelly) in die Suche nach dem Mörder integriert wieder, stolpert sie doch recht unbeholfen durch die Handlung. Das tut der Spannung keinen Abbruch, auch wenn sich nicht die durchgehende unheimliche Atmosphäre früherer Werke wie SUSPIRIA und INFERNO einstellen will, versteht Argento sein Handwerk in den einzelnen Suspense-Szenen noch sehr gut. An den besten Stellen ist der Film ein böses Märchen, an anderen ein etwas verworrener Krimi. 7,5/10

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NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ (Cesare Ferrario, 1986)

Seit 1968 setzt ein Serienmörder, der es auf Pärchen, die in abgelegenen Wäldern und Parks am Rande der Stadt dem Liebesspiel frönen, abgesehen hat, Florenz in Angst und Schrecken. Die Polizei hat keine Anhaltspunkte auf den Täter, der seine Opfer stets mit einer Pistole tötet und die primären wie sekundären Geschlechtsorgane seiner weiblichen Opfer anschließend verstümmelt. Der Autor Andreas Ackermann arbeitet lange an einem Buch über die Mordserie, die mehrere Jahre anhält; eine frustrierende Angelegenheit, die auch schwer auf seiner Ehe lastet. Um endlich Fortschritte zu machen und nicht nur auf die von der Polizei ausgegebenen, spärlichen Informationen angewiesen zu sein, begibt er sich selbst auf Mörderjagd. Die Spuren führen ihn in das Arbeiterviertel der Stadt, doch der Mörder scheint ihm immer einen Schritt voraus. Bis auch sein Leben bedroht wird…

Wenn es das erklärte Ziel von Regisseur Cesare Ferrario und Co-Autor Fulvio Ricciardi, die ihr Drehbuch nach dem damals erschienen, gleichnamigen Tatsachen-Roman von Mario Spezi verfassten, war, die enervierende und eintönige Ermittlungsarbeit fühlbar zu machen, ist es ihnen gelungen. Der Film schleppt sich in den Bemühungen Ackermanns über seine anderthalb Stunden, das ganze ist eingebettet in die immer gleichbleibende Prozedur der Morde an nackten, vögelnden Pärchen und einem fiktionalen, aber wenig erhellenden Erzählstrang um den Mörder, der auf seinen Weg durch das Arbeiterviertel von Florenz aber nie gezeigt wird. Der spröde, sogar langweilige, True-Crime-Thriller zielte damals spekulativ auf die immer noch frische Wunde in der italienischen Gesellschaft, da der Mörder erst wenige Monate vor Kino-Start das letzte Mal zugeschlagen hat. Der Fall blieb, trotz einer Handvoll Verdächtiger, die über die Jahre ins Visier genommen wurden, auch weiterhin unaufgeklärt. 4/10

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CONFESSION OF MURDER (Jeong Beyong-gil, 2012)

Ein berüchtigter Serienkiller hält Anfang der 90er Südkorea in Atem, Inspektor Choi gelingt es einmal fast, ihn festzunehmen, kann ihm jedoch nur eine Kugel in die Schulter jagen und bleibt selbst mit einer üblen Stichwunde zurück. 15 Jahre später sind die Taten des Mörders verjährt, und als Täter gibt sich der attraktive und eloquente Lee zu erkennen, der mit einem Buch über seine Taten in die öffentliche Diskussion rückt und dabei ein Vermögen verdient. Choi beginnt erneut ein Katz-und-Maus-Spiel mit Lee, und auch eine Gruppe von angehörigen der Opfer hat es auf den neuen Medienstar abgesehen, doch ist Lee überhaupt der richtige?

Der Story-Ansatz dieses südkoreanischen Thrillers ist erfrischend originell, doch leider torpedieren die Macher das spannende Duell ab dem zweiten Drittel mit vollkommen unpassenden Over-the-Top-Actioneinlagen, die sogar mit einigen Slapstick-Einsprengseln gewürzt sind, sowie Comic Reliefs wie einer Gruppe von Lee-Groupies aus Schulmädchen-Klamotten tragenden Nutten. Und der Twist, der schon nach recht kurzer Zeit offensichtlich wird, führt vieles vorangegangene wieder ad absurdum. Der Film will einfach zu viel; Psycho-Thriller, Action-Komödie und großes Drama, brutal in eine Form gequetscht. Handwerklich gibt es, bis auf den großangelegten CGI-Einsatz bei den Action-Szenen, nicht wirklich etwas zu bemängeln, auch die Darsteller muss man positiv hervorheben. Im großen und ganzen bleibt am Ende aber halt ein Film, den man nicht ernst nehmen kann, was das Drama der Beteiligten und dem Duell mit dem eiskalten Killer zuwiderläuft. Allerdings ist der Film derart flott und actionreich, dass einem auch nicht langweilig werden kann. 6/10

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A BETTER TOMORROW (John Woo, 1986)

Ho und sein Kumpel Mark leiten erfolgreich das Falschgeldgeschäft einer Triade. Als sein kleiner Bruder Kit die Prüfung zum Polizisten ablegt, verspricht Gangster Ho seinem Vater, sein Leben zu ändern. Ein letzter Job führt ihn mit dem Emporkömmling Shing nach Macao, wo sie in eine Falle laufen. Sie können sich eines Attentats erwehren, doch der angeschossene Ho muss sich nach der Flucht der Polizei stellen. In Hongkong stirbt unterdessen sein Vater bei einem Einschüchterungsversuch seitens der Bosse Hos. Mark wird indes bei einem Racheakt, bei dem er die Drahtzieher des Attentats in Macao eliminiert, verkrüppelt. Als Ho aus dem Gefängnis kommt, ist nichts mehr, wie es war; Shing leitet die Organisation, während Mark der Fußabtreter der Triadengangster ist und von Almosen leben muss. Und sein Bruder Kit will, aller Beteuerungen Hos, sich geändert zu haben, nichts von ihm wissen…

John Woos blutiges Gangster-Melodram war der Startschuss für eine Reihe sehr erfolgreicher Heroic-Bloodshed-Streifen, für die das Hongkong-Kino in der zweiten Hälfte der 80er und den frühen 90ern bekannt war. Der Film ist dabei weit mehr storyzentriert als spätere Werke, bietet aber trotzdem einen furiosen, blutigen Showdown. Mit dem alternden Shaw-Star Ti Lung und dem damals eigentlich für RomComs und Seifenopern bekannten Chow Yun-Fat sind hier altes wie neues Action-Stardom des HK-Kinos vor der Kamera vereint. Als Kit ist zudem der früh verstorbene Kanto-Popstar Leslie Cheung zu sehen. Woo perfektionierte erst im folgenden THE KILLER seine Action-Choreographie, liefert hier aber schon einen spannenden Vorgeschmack auf das, was kommen würde und bot seinen Star Chow Yun-Fat den Einstieg ins Action-Genre. 8/10

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BLUE JEAN COP (James Glickenhaus, 1988)

Noch bevor er sich des gesellschaftlichen Aufstiegs durch Heirat seiner reichen Verlobten und einem guten Job in Daddys Firma bemüßigt, wird dem Pflichtverteidiger Roland Dalton der Fall ,eines Drogendealers anvertraut, der einen Cop in Zivil erschossen haben soll. Der idealistische Rechtsvertreter stürzt sich mit dem gewohnten Elan in diesen Fall, bei dem er sich vor Gericht mit seiner großen Liebe Susan auf Seiten der Staatsanwaltschaft konfrontiert sieht. Und sein Mandat gibt an, dass er in Notwehr gehandelt habe, und der Officer ein Blue Jean Cop gewesen sei. Von seinem alten Kumpel Richie, einem hartgesottenen Polizisten, erfährt er, dass so Cops bezeichnet werden, die sich bei Verhaftungen selbst an Geld und Stoff der Drogendealer bedienen. Und er findet heraus, dass das Opfer selbst damit drinsteckte. Doch nun steht er selbst auf der Abschussliste korrupter Cops, die für seine Beseitigung einen Deal mit dem Unterweltboss N.C. Carr eingehen…

Der wohl gelungenste Film aus der Schmiede Shapiro/Glickenhaus ist ein (nicht zu) dreckiger Action-Thriller mit einem sehr schnittigen Pacing. Glickenhaus hat es hier geschafft, sich zu zügeln und eine straighte Krimi-Plotte zu Papier zu bringen, die er auf der Leinwand ohne große Umwege durchexerziert. Er garniert die Handlung mit einigen Over-the-Top Action-Einlagen, wobei sicherlich der Flugzeug-Stunt im Finale am besten im Gedächtnis haften bleibt. Den habe ich schon nach der Ausstrahlung auf RTLplus nicht mehr vergessen. In den Hauptrollen ist der Film mit Peter Weller und Sam Elliott glänzend besetzt, alle anderen Rollen sind passend, aber eh unwichtig, da die Verschwörung als ganzes einen wirklichen Ober-Baddie (den es mit Antonio Vargas als Gangsterboss nebenher trotzdem gibt) unnötig macht. Ein toller Film, den man immer wieder anschmeißen kann, und sei es nur, um über die schlechten Stunt-Doubles von Elliott und Weller bei einer Verfolgungsjagd zu lachen. 7,5/10

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THE WOLF OF WALL STREET (Martin Scorsese, 2013)

Der aufstrebende junge Investmentberater Jordan Belfort hat gerade seine Broker-Lizenz bekommen und ist bei einer der größten, traditionsreichsten und erfolgreichsten Firmen der Wall Street angestellt, als ein Börsen-Crash seinen Arbeitgeber in den Abgrund reist. Er findet eine neue Anstellung in Long Island, wo man Kleinanleger am Telefon so genannte Penny Stocks an, minderwertige Firmenbeteiligungen, die zu klein sind, um an der Börse gehandelt werden, aber immerhin 50 % Provision abwerfen. Belfort erkennt in diesem Markt großes Potenzial und gründet mit seinem Freund Donnie Azoff eine eigene Firma, in der er einige gewiefte Telefonverkäufer um sich schart. Die Firma erlebt einen raketenhaften Aufstieg, und obwohl sie von den alteingesessenen nur belächelt werden, reißen sich junge Broker darum, hier arbeiten zu dürfen. Durch geschickte Kurs-Manipulationen verdient Belfort Millionen, und er feiert mit seinen Kompagnons rauschende Feste mit Koks und Nutten. Doch dann rückt dem Investment-Giganten das FBI auf die Pelle…

Martin Scorsese zieht sein Bio-Pic um den echten Jordan Belfort, alle anderen Namen wurden für den Film geändert, als aberwitzige High Finance Satire auf, die Geschichte des Spekulanten erscheint ja auch schier unglaublich. Leonardo Di Caprio gibt den andauernd zugedröhnten Belfort mit viel Verve und oftmals am Rande der Lächerlichkeit; doch sein Spiel kippt nie völlig, da die sich tatsächlich am Rande des Irrsinns entlangrasende, echte Geschichte Belfords ihn immer wieder auffängt. Respekt nötigt einem auch der Auftritt von Jonah Hill ab, der in seiner Rolle zwar nicht auf unbekannten Terrain flaniert, aber das Niveau seiner Darbietung stets hoch hält und auch im Vergleich mit der Leistung Di Caprios nie abfällt. Dank der wahnwitzigen True-Crime Geschichte und das unglaublich hohen Erzähltempos vergehen die 3 Stunden Laufzeit (Scorseses erster Schnitt soll ganze 5 Stunden gelaufen sein) wie im Fluge. Was erstaunt, ist die, trotz diverser Nackt-, Fick- und Drogenszenen, sowie der häufigen Benutzung unflätiger Wörter, der Film hierzulande eine derart niedrige Freigabe, nämlich ab 12 Jahren, erhalten hat. Aber das nur mal so am Rande. Definitiv ein Meisterwerk. 9,5/10

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PARANOIA (Umberto Lenzi, 1970)

Rennfahrerin Helen wird von ihrem Ex Maurice ans Meer eingeladen. Da sie noch Gefühle für ihn hat, fährt sie hin, muss aber feststellen, dass Maurice nun mit der reichen Susan verheiratet ist. Die tritt ihrerseits an Helen heran, denn sie will den untreuen Charmeur loswerden; auf einer Bootstour soll es geschehen. Doch es kommt anders, und Susan muss an Bord des Seglers ihr Leben lassen, Helen wird zur Mittäterin wider Willen. Sie können den Tod der Millionärin als Unfall hinstellen, doch ihre Tochter Constance glaubt nicht daran…

Umberto Lenzis Erotik-Thriller mit seinem Star Caroll Baker verbreitet neben durchgehend annehmbarer Spannung auch schöne Urlaubsatmosphäre. Jean Sorel überzeugt dabei in seiner Paraderolle als durchtriebener Schönling, und Anna Proclemer ist als junge Constance nett anzuschauen. Für mich immer noch der beste unter Lenzis Gialli, aber ich ziehe trotzdem seine Arbeiten im Poliziesco eindeutig vor. 7/10

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