Die 5 besten Filme der frühen 90er (1990-94)

Und weiter geht es mit der wöchentlichen, durch Gomora angestoßenen 5-Best-Liste. Diese Woche also die Jahre 1990 bis 1994.

Die frühen 90er-Jahre gehörten noch zu der Zeit, in der ich sehr viel im Kino war. Doch die Interessen verlagern sich ja in der Pubertät, ein großer Teil meines Geldes ging bei Besuchen in der Disco  und für Klamotten drauf. Dafür erschlossen sich neue Quellen für Filme, mein Vater schaffte sich, nachdem er und meine Mutter sich getrennt hatten und er ausgezogen war, einen Videorekorder, so etwas gab es in den 80ern bei uns nie, an und durch seine Arbeit bei Gruner & Jahr auch ein günstiges Premiere-Abo. Ich konnte also bei ihm Videofilme gucken, mir auch seine Videotheken-Karte ausleihen, und außerdem nahm er mir und meinem Bruder unglaublich viele Filme von Premiere auf (er hatte später auch eine zeitlang ein Sky-Abo und innerhalb von 20 Jahren waren es dann bestimmt weit über 1000, vielleicht sogar 2000 Aufnahmen). Es war also gar nicht notwendig, jede Woche Geld für eine Kinokarte auszugeben, um meinem Hobby zu fröhnen. Anfang der 1990er sah ich auch meine ersten Filme mit 18er-Freigabe im Kino; mit meiner Mutter z.B. ROBOCOP 2, mit meinem Vater HIGHLANDER 2 und PREDATOR 2 (obwohl beide eigentlich ab 16 freigegeben waren, jedoch das Kino in unserer Stadt beim Jugendschutz weit über das Ziel hinausschoss), und ohne elterliche Begleitung schaffte ich es in SCHLAFWANDLER und LAST BOY SCOUT. Durch die erweiterten Möglichkeiten, auch aufgrund der aus dem Boden sprießenden Privatsender, ging damit auch, zusammen mit den zaghaften Schritten Richtung des Erwachsenwerdens, eine Neuausrichtung meines persönlichen Filmgeschmacks einher, weg vom kommerziellen Hollywood-Gedöns und hin zu härteren Horror-Stoffen, Arthouse- und Experimental-Kino. Es waren jetzt nicht mehr James Cameron, Sam Firstenberg oder Ridley Scott angesagt, sondern eher Jean-Luc Godard, David Lynch und Lucio Fulci.

BULLET IN THE HEAD (1990): Für viele Fans ist dies der beste Film von John Woo, da das Epos nicht nur grandiose Shootouts bietet, sondern die anderen für das Heroic Bloodshed Genre immanenten Themen wie Freundschaft, Verrat und Selbstaufopferung in herausragender Weise bietet.

MILLER’S CROSSING (1990): Absolut famoser und äußerst blutiger Film Noir der Coen-Brüder, mit einem groß aufspielenden Gabriel Byrne, der vielleich nie besser war als hier.

BRAINDEAD (1992): Der dritte Film des jetzt eher als großer Kinomagier bekannten Neuseeländers Peter Jackson ist die vielleicht beste Splatter-Komödie, die es jemals gegeben hat. In Punkto Splatter wie auch Humor ist der Film geradezu überbordend in seinen tollen Einfällen, wobei sogar fast jede Pointe sitzt.

BAD LIEUTENANT (1992): Abel Ferraras Erlösungsdrama um einen korrupten und drogenabhängigen Cop, der auf der Jagd nach den Vergewaltigern einer Nonne ist, war für Hauptdarsteller Harvey Keitel eine tour-de-force. Seine intensive Darstellung brachte ihm und dem Film, den Martin Scorsese zu den fünf besten der 90er zählt, große Anerkennung. Jedoch nicht bei den Mitgliedern der US-Freigabebehörde MPAA, und so trägt der bspw. bei uns immer schon ab 16 freigegebene Film in den USA die vermarktungstechnisch giftige NC-17 Plakette.

CHUNGKING EXPRESS (1994): Das zweiteilige Drama von Wong Kar-Wai erzählt die Liebesgeschichten zweier Polizisten; während Takeshi Kaneshiro sich in die durchtriebene Kriminelle Brigitte Lin verguckt, ist Fay Wong heimlich in Tony Leung verliebt, und putzt, als sie durch Zufall an seine Schlüssel kommt, genauso heimlich seine Wohnung, um ihm nahe zu sein.

Honorably mentioned: GOODFELLAS (1990) von Martin Scorsese, Luc Bessons NIKITA (1990), TETSUO II – BODYHAMMER (1992) von Shin’ya Tsukamoto und David Lynchs WILD AT HEART (1990)

Und ich habe wieder mal einen wichtigen Film vergessen. Erwähnte ich eingangs ja noch Lucio Fulci, so hätte natürlich auch sein L’ALDILA – ÜBER DEM JENSEITS aka DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES in diese Liste gehört.

10 Kommentare zu „Die 5 besten Filme der frühen 90er (1990-94)

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    1. Ja, das ganze Gedärme-Geschmodder ist nicht jedermanns Sache. Wir haben den damals nach der Stufensprecherwahl in einem Hörsaal gesehen, der sich mit fortlaufender Spieldauer und den sich steigernden blutigen Exzessen immer weiter leerte.

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    1. Ich sehe HARD BOILED auch öfter als BULLET IN THE HEAD, da er eindeutig mehr Spaß bringt und ein Best-of der Themen und der Action-Choreographie Woos ist. In früheren Listen hielt auch er Einzug. Ich halte BULLET… aber an sich für den besseren Film, da er noch darüber hinaus geht.

      Gefällt 1 Person

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