Dear Diary… on the watch 29.03.-08.04.18

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EINE ARMEE GRETCHEN (Erwin C. Dietrich, 1973)

Zum Ende des 2. Weltkriegs werden von Seiten der Nazis Truppen von jungen Frauen an die Front geschickt. Die Einziehung geschieht mal mehr, mal weniger freiwillig. Als die Gestapo aufdeckt, dass Arzt Dr. Kuhn auch mal unwillige Fräuleins an dem Militärdienst vorbeischmuggelt, dürfen auch er und seine beiden Töchter zwangsweise den Dienst für’s Vaterland ableisten. Die Einheit von Marga, Eva, Ulrike und Claudia wird zuerst in Österreich stationiert, in einem rein weiblichen Ausbildungslager, wo das Fehlen von Männern den Mädchen auf das Gemüt schlägt. Und die ersten Feldeinsätze werden sofort genutzt, um bei jeder Gelegenheit mit den männlichen Kameraden anzubändeln. Ulrike verliebt sich in Captain Mannteufel, einen adretten Offizier aus der Fliegerstaffel, wird von ihrem heldenhaften Geliebten aber schon bald enttäuscht. Und während die Mädels sich den Irrungen und Wirrungen verschiedener Affären hingeben, verschiebt sich die Front immer mehr in ihre Richtung, die Begegnungen mit dem Feind bringen Leid und Tod…

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Erwin C. Dietrich schuf mit diesem Film, bei dem er auf seine üblichen Pseudonyme verzichtete, eine merkwürdig harmlose Mischung aus Kriegsfilm und Erotik-Komödie. Die meiste Zeit über ergeht sich der Film in ausführlicher Fleischbeschau und den verschiedenen Affären der Mädchen, für die der Krieg nur eine Gelegenheit scheint, junge Männer kennenzulernen. Das ist über einen gewissen Zeitraum locker-leicht, auf die für Nazisploitation üblichen Sadismen wird vollkommen verzichtet. Richtiggehend surreal wird es, wenn Dietrich sich mit fortlaufender Dauer dann plötzlich bemüht, doch noch den Schrecken des Krieges darzustellen, wenn z.B. eine der jungen Soldatinnen von einem schmierigen Offizier vergewaltigt wird und dann, nachdem sie den Spott ihrer Kameradinnen ausgesetzt war, desertiert und traumatisiert durchs Hinterland streunert. Im letzten Drittel mehren sich einige Unnettigkeiten, die wohl eine gewisse Dramatik in die Erzählung einbringen sollen; ein Soldat auf Fronturlaub echauffiert sich über die Versuche Ulrikes, ihn zum Beischlaf zu bewegen, und nach einer (recht zahmen) Orgie werden die (nackten) Frauen vom russischen Feind entführt, doch im Endeffekt ist das in der Härte und Explizität des Gezeigten von ähnlichen Filmen aus bspw. Italien meilenweit entfernt. Auch vermeidet der Schweizer es tunlichst irgendeine Art von durchgehender Geschichte zu erzählen, die Handlung hangelt sich an kurzen Zwischenspielen entlang, wobei er sich auch auf wechselnde Protagonist(inn)en konzentriert. Komödiantisch ist der größte Pluspunkt des Films sein Voice-Cast, denn die Akteure wurden alle nachsynchronisiert, wobei mit Harald Juhnke, Thomas Danneberg oder Arnold Marquis mehrere Schwergewichte in das Studio geladen wurden, die dem Film eine skurrile Flapsigkeit verpassten. So ist die Dichte an dümmlichen Sprüchen recht hoch, und zusammen mit den nett anzusehenden Fräuleins kann man dem Film, so abstrus und zusammenhanglos das Geschehene sich auch darstellt, kaum vorwerfen, langweilig zu sein. 6/10

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KILLER COP (Luciano Ercoli, 1975)

Am Rande eines internationalen Kongresses durchsucht Drogenfahnder Kommissar Rolandi das Hotelzimmer eines Dealers, da detoniert im Foyer eine Kofferbombe, unter den zahlreichen Opfern auch sein Verdächtiger. Der Bombenleger, der kurzsichtige und panische Junkie Franco, läuft ausgerechnet Rolandis Kollegen Balsamo, der wegen Feigheits zur Jagd auf Taschendiebe in der U-Bahn verdonnert wurde, über den Weg. Der Flüchtige entkommt und auch der unbewaffnete Balsamo kommt mit dem Schrecken davon, wird aber von Generalstaatsanwalt Di Federico als Kronzeuge in seinem eigenen Heim untergebracht. Franco taucht bei seinen Komplizen Rocco und Falvina unter, im Glauben, dass das Massaker im Hotel nur ein Versehen war. Dann wird Balsamo bei einem Spaziergang zum Gemüsehändler umgebracht. Rolandi ist darauf fest entschlossen, die Mörder seines Freundes zur Strecke zu bringen, gerät dabei aber immer wieder mit Di Federico aneinander. Und auf höherer Ebene arbeitet man gegen den Kommissar, was ihn bald selbst als Mordverdächtigen dastehen lässt…

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Der Poliziesco des nicht gerade als Vielfilmer zu bezeichnenden Luciano Ercoli ist eine spekulative, aber vollkommen ernstgemeinte Mischung aus Action-Krimi und Polit-Thriller, eine Mischung, wie sie Kollege Sergio Martino in DIE KILLERMAFIA im selben Jahr unters Volk brachte. Er erreicht zwar nicht dessen erzählerische Klasse, bereitet seinen Kriminalfall aber durchweg spannend auf. In der Hauptrolle überzeugt mal wieder Claudio Cassinelli, zu der Zeit einer der Stars der Polizeifilmwelle. Dazu noch die recht fetzige Musik von Stelvio Cipriani, fertig ist ein guter Genre-Vertreter, der gerne auch mal seinen Weg auf einen deutschen Silberling finden dürfte. 7/10

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UNSCHULD IM KREUZVERHÖR (Damiano Damiani, 1960)

Das junge Mädchen Silvana ist heimlich in den schönen Gino verliebt, einen Musiker, der als Vertreter arbeitet, und im Haus gegenüber der Schneiderei ihrer Mutter wohnt, und wird deswegen immer von ihren Freundinnen dafür aufgezogen. Die Prostituierte Natalina, eine Nachbarin von Gino wird ermordet, der Kellner Vincenzo als Verdächtiger festgenommen. Silvana hat tags zuvor ihren Schwarm aus ihrer Wohnung kommen sehen, was den Charmeur, der mit Lorella, einer Tochter aus wohlhabenden Hause, verlobt ist, ins Schwitzen bringt. Er versucht zuerst Silvana einzuschüchtern und dann zu becircen, doch das aufgeweckte Mädchen erkennt sein falsches Spiel. Dann wird er als Zeuge auf die Wache geladen und nutzt die Gelegenheit, um das Mädchen als Lügnerin zu diskreditieren. Der Schuss scheint gewaltig nach hinten loszugehen…

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Das erst leichtfüßige und im späteren Verlauf mit einigen fiesen Wendungen versehene Krimi-Drama ist das Regiedebüt von Damiano Damiani, der hier schon sein Händchen für die Verknüpfung von Thriller-Elementen mit nachvollziehbaren Charakterdrama offenbart. Wie auf in vielen späteren Filmen steht ein Psycho-Duell im Mittelpunkt, in diesem Film dann auch noch ein vermeintlich ungleiches; der gerissene Frauenheld Gino, ein junger Pierre Brice, versucht mit allen Mitteln Silvana, eindrucksvoll dargestellt von Laura Vivaldi, zu verunsichern, doch das naive Mädchen sieht zwar anfangs alles durch eine rosarote Brille, ist aber gewiss nicht blind oder blöd. Allerdings bringt der überhebliche Gino sich schließlich selbst zu Fall, obwohl die Polizei, die hier zwar nicht als inkompetent beschrieben wird, aber dennoch nicht gut weg kommt, beinahe über ihre eigene Oberflächlichkeit stolpert und ihn zunächst laufen lässt, was beinahe fatale Folgen für Silvana hat (und es sei gesagt, nicht die klischeehafte Bedrohung durch den Täter, sondern durch die Brandmarkung seitens ihres Umfelds und der Polizei, die sie in Depressionen stürzt). Damiani geht auch hier schon dahin, wo es weh tut, ohne ins spekulative abzugleiten. Ein spannendes, intelligentes, ein mitreißendes Debüt. 7,5/10

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ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN (Jürgen Roland, 1971)

Der italo-amerikanische Gangster Luca Messina kommt nach Hamburg, um sich dort das organisierte Verbrechen Untertan zu machen. Damit geht er in direkten Konfrontationskurs mit Otto Westermann, den unumstrittenen Herrscher des Kiez. Doch während sich der Unterweltkrieg immer weiter hochschaukelt, verlieben sich Erik Westermann und Kate Messina, unwissend, dass die Väter Todfeinde sind…

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Jürgen Roland bewies mit diesem Film, dass man auch im Deutschland der 70er einen zünftigen Action-Krimi italienischer Ausrichtung inszenieren kann. Dabei ist der Film mit seinen Zooms und abrupten Kameraschwenks typisch deutsch, auch das Gebaren der deutschen Darsteller könnte auch aus einem Tatort stammen. Dafür darf man Henry Silva als erbarmungslosen Mafiosi bewundern, der stoisch die Herrschaft in der Elbe-Metropole an sich reißen will. Die Romeo und Julia Romanze bringt tatsächlich etwas Pfiff in die Sache, und der Film stellt ein wenn schon nicht gutes, so zumindest ein sehr unterhaltsames Unikum in der deutschen Filmlandschaft dar. 7/10

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DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT (Damiano Damiani, 1971)

Commissario Bonavia veranlasst die Freilassung eines Insassen der Irrenanstalt, der sich am nächsten Tag einen Schusswechsel mit einigen Gangstern liefert, sein Ziel war augenscheinlich der einflussreiche Gangsterboss Lommuno. Der junge Staatsanwalt Traini glaubt, dass Bonavia von Konkurrenten Lommunos bestochen wurde, um ihn zur Strecke zu bringen. Und Bonavia traut Traini nicht, da er glaubt, von Lommuno beauftragt worden zu sein, ihn zu Fall zu bringen. Es entbrennt ein Duell der beiden Vertreter des Gesetzes…

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Damianis Krimi-Drama befasst sich weniger mit der Mafia selbst, sondern dem Misstrauen, dass die Staatsbediensteten spaltet, die so in ihrer Arbeit, nämlich die Verbrecher zur Strecke zu bringen, sich selbst behindern, sogar gelähmt zu scheinen. Franco Nero und Martin Balsam liefern sich ein Duell auf Augenhöhe, der eigentliche Kriminalfall läuft nebenher und quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da der Film sich komplett auf die beiden Protagonisten konzentriert. 8,5/10

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ASSASSINATION IN ROME (Silvio Amadio, 1965)

Bei einem Urlaub in Rom wird der Mann der reichen Amerikanerin Shelley North, der Ingenieur Bill, entführt. Shelley beschließt sich, lieber keine Anzeige zu machen und wendet sich an ihren Ex Dick Sherman, einen Reporter mit guten Verbindungen vor Ort. Ein Mann namens Signor Maturian scheint öfters mit Bill in Kontakt gestanden zu haben, doch Dick findet ihn nur noch tot vor. Von seinem Freund Inspektor Baudi erfährt er, dass dieser Signor Maturian wohl ein Drogenschmuggler war. In seinem Adressbuch fand man auch Bills Namen und Adresse. Am Tatort haben sich zwei kleine Diebe u.a. eines Paares Schuhe bemächtigt, von denen einer ein Geheimfach offenbart, was sie für eine Erpressung nutzen wollen. Währenddessen führt die Suche Dick und Shelley nach Venedig…

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Gefällig gefilmter Euro-Crime und früher Giallo, der vor der illustren Kulisse Roms und später Venedigs vor allem dem Auge schmeichelt. Der Kriminalfall selbst entpuppt sich als halbwegs spannende Schnitzeljagd um Schmuggler, Mörder und Kleinkriminelle, in der sich mit fortlaufender Spieldauer in die Leichen stapeln, denn der Drahtzieher des Drogenschmuggelrings schaltet einen Mitwisser nach dem anderen aus, noch bevor Dick und Shelley jemanden wirklich befragen können. Das ist alles durchaus unterhaltsam, nie langweilig und auch passabel gespielt. 6/10

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PACO – KAMPFMASCHINE DES TODES (Sergio Martino, 1985)

Cyborg Paco soll den aufgeklärten, religiösen Führer Moseley töten, der dem Konzernchef Turner ein Dorn im Auge ist. Doch während des Auftrags entdeckt Paco die Überreste seiner menschlichen Seite, verletzt sein Ziel nur und flieht in die Wüste. Dort landet er in der Raststätte von Linda, wo er gleich mal den Outlaw Raoul in die Schranken verweist. Doch Turner hetzt ihn den Killer Howell und dessen Söldner auf den Hals…

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Mit diesem eher lahmen Action-Trasher sprang Sergio Martino auf die Cyborg-Welle auf, die James Camerons TERMINATOR 1984 losgetreten hatte (und die gerade die Italiener herzlichst gerne bedienten). Leider ist sein Star Daniel Greene, der zuvor durch die Soap FALCON CREST zu Bekanntheit gekommen war, eine vollkommen charismafreie Zone. In die Bresche sprangen dafür Leute wie John Saxon als fieser Turner, George Eastman als Raoul und Claudio Cassinelli als Howell, der beim Dreh in den USA bei einem Hubschrauberunglück ums Leben gekommen ist. Bis auf ein paar niveaulose Shootouts und Verfolgungsjagden hat der Film (bis auf eine manierliche deutsche Synchro) nicht viel zu bieten, auch der Score von Claudio Simonetti, der Mitte der 80er ohne Goblin eh nichts weltbewegendes komponiert hatte, düdelt dazu passend lustlos vor sich hin. Ich frage mich aber, ob die Macher von OVER THE TOP diesen Film gesehen haben, denn die Auseinandersetzungen zwischen Paco und den Wüsten-Outlaws werden vornehmlich über ein Duell im Armdrücken ausgetragen. Nur für Italo- und Trashfans geeignet. 5/10

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DIE GNADENLOSE JAGD (Stelvio Massi, 1974)

Auf offener Straße wird ein Geldtransport überfallen, ein Polizist stirbt im Kugelhagel. Gefundene Patronenhülsen aus einem Maschinengewehr bringen den ehemaligen Interpol-Agenten Ravelli darauf, dass es sich hier um einen Raubzuges des „Mannes aus Marseille“ handelt, der in eben dieser Stadt mit eben dieser Waffe bei einer Verfolgungsjagd im Vorbeifahren die Frau des Inspektors tötete. Indes scheint die Bande vom Pech verfolgt. Nach dem unplanmäßigen Mord an dem Polizisten stirbt der Fluchtwagenfahrer, der junge, politisch engagierte Micheli. Es gelingt ihnen nicht, ihre Spuren richtig zu verwischen, was nicht nur unliebsame Mitwisser, die die Flucht gefährden, sondern auch den zu allem entschlossenen Ravelli und seinen Kollgen Lavagni auf den Plan ruft…

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Trotz der eher unglaubwürdigen Prämisse ist Massis erster Poliziesco ein schnörkelloser Reißer, der von seiner flotten Inszenierung und seinen beiden Stars Tomas Milian und Gastone Moschin lebt. Massi weiß außerdem seine Erfahrungen als Kameramann gewinnbringend einzusetzen und präsentiert hier einige ausgefuchste Kamerafahrten. Was soll man sagen, der Film wird seinem deutschen Titel vollends gerecht. 7/10

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FENOMENAL UND DER SCHATZ VON TUTENCHAMUN (Ruggero Deodato, 1968)

Der hinterlistige Gregory Falco bringt die wertvolle Totenmaske des Pharaos Tutenchamun in seinen Besitz, doch der maskierte Held Fenomenal kann sie ihm wieder abluchsen und dem Museum zuspielen. Doch es scheint ein Tausch vonstatten gegangen zu sein, denn Professor Micklewitz identifiziert diese als Replik…

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Der titelgebende Held macht sich in diesem turbulenten Euro-Crime recht rar und taucht nur als sein Alter Ego Graf Norton, dargestellt von Mauro Parenti, ab und an in der Handlung auf, um versteckte Hinweise zu geben oder mit der von Lucretia Love verkörperten, geheimnisvollen Mike Shevlove zu flirten. Es wird sich mehr mit dem von den beiden Bösewicht-Fraktionen initiierten Verwirrspiel ausgetobt; vielleicht auch besser, denn Fenomenal ist eher ein Schmalspur-Superheld, der zwar leichtfüßig, aber nicht sehr überzeugend durch die Kämpfe tänzelt. Gordon Mitchell ist als Antagonist immer gerne gesehen, fungiert hier aber nicht als kriminelles Mastermind und darf deswegen nach dem zweiten Drittel schon den Abgang machen. Allerdings ist das alles recht gefällig dargebracht, inklusive schmissiger Musik von Bruno Nicolai, und so ist auch Langweile hier kein Thema. 5,5/10

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MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IN DER BRANDWÜSTE (Wes Ball, 2015)

Der vermeintlich sichere Hafen stellt sich für Thomas und seine Freunde als Falle von WCKD heraus, doch ihnen gelingt die Flucht in die Brandwüste. Sie stoßen auf ein ziviles Lager, wo Jorge das Sagen hat. Doch auch hier lauert Verrat und man muss erneut vor den Häschern von WCKD fliehen. Thomas wird von seiner Gruppe getrennt und muss sich mit Jorges Ziehtochter Brenda in die Ruinen der Stadt durchschlagen, um einen gewissen Marcus zu suchen, der ihnen den Weg zur „Rechten Hand“ zeigen soll, und wo sie hoffen Jorge und die anderen wiederzutreffen…

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Der Film ist merklich das mittlere Kind, der zweite Teil einer Trilogie, und er leidet dabei auch an den typischen Problemen. Im Endeffekt beginnt der Film im Nichts und endet auch genau dort, denn wesentlich mehr als zwei neue Protagonisten einzuführen, hat der Film nicht wirklich auf der Pfanne. Im ersten Teil gab es nachvollziehbare Konflikte, ein Geheimnis und eine darauf aufbauende Dramaturgie, hier läuft, oder eher gesagt, sprintet man eher von A nach B, und damit hat sich’s. Die ganze Chose geht zumindest recht flott über die Bühne und ist auch optisch ansprechend aufbereitet. Dafür werden die Konflikte innerhalb der Gruppe letztendlich herbeifabuliert, um die Weichen für das Finale im dritten Film zu stellen. Mehr Handlung als auf 2-3 Texttafeln passen würde, hat der Film letztlich nicht zu bieten. 5,5/10

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TENEBRAE (Dario Argento, 1982)

Der amerikanische Bestseller-Autor Peter Neal wird bei seinem Besuch in Rom, den sein Agent Bullmer zu Marketingzwecken organisiert, gleich mit einem blutigen Kleid im Handgepäck begrüßt, das Geschenk eines Stalkers, der eine junge Ladendiebin mit einer Rasierklinge ermordet und ihr Seiten aus Tenebrae, dem neuesten Hit des Autors, in den Mund gestopft hat. Obwohl er zur Tatzeit noch nicht in Rom verweilte, gerät Neal ins Visier der Ermittler Germani und Altieri. Auch glaubt er, seine besitzergreifende Ex-Frau, die eigentlich in New York verweilen sollte, gleich zweimal vor seinem Haus gesehen zu haben. Die nächsten Opfer lassen nicht lange auf sich warten, es trifft ein lesbisches Pärchen, selbe Vorgehensweise, wieder wurden ihnen Seite aus Tenebrae in den Mund gestopft. Durch Zufall flüchtet sich Maria, die junge Tochter vom Hausmeister des Appartementhauses, in dem der Schriftsteller während seines Aufenthaltes residiert, in das Haus des Killers, ihre Leiche wird am nächsten Tag in einem Garten in der Nachbarschaft gefunden. Am nächsten Abend begibt sich Neal mit Gianni, dem Gehilfen seiner Assistentin Anne, der was für die hübsche Maria übrig hatte, selbst ins Villenviertel auf Spurensuche, wo der Junge Zeuge eines weiteren brutalen Mordes, diesmal mit einer Axt, wird…

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Auch wenn Dario Argento hier etwas zu offensichtlich Mister Zufall bemühte, um den Amerikaner Neal auf die Fährte des Schlitzers zu bringen, zählt der brutale Slasher, die Axtmorde sind wirklich nicht von schlechten Eltern, zu seinen besten Filmen. Der unterkühlte Look, der schon früh den aufkommenden Stil der 80er einfing, und die stylish inszenierten Morde mit ihren aufwändigen Kamerafahrten stehen hier klar im Mittelpunkt und lassen über kleinere Schwächen hinwegsehen, auch weil Argento hier gleich zwei Killer ins Rennen wirft. Auch wenn noch einige Gialli folgen sollte, stellt TENEBRAE das letzte Meisterwerk des gefeierten Römers dar. 8,5/10

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VIER STAHLHARTE FÄUSTE (Raymond Lui, 1977)

Carter Wong will seine kranke Mutti retten, weswegen er darauf drängt, die Prüfungen im Shaolin-Tempel abzulegen, damit er an deren magisches Buch kommt. Beim ersten Mal versagt er, doch im zweiten Anlauf schafft er es, weil er trickst. Als er mit dem Buch nach Hause marschiert, wird er von einem schwarzgekleideten Kämpfer angegriffen und stürzt in eine Schlucht. Er überlebt und köchelt der Mutti einen Shaolin-Spezialtrank. Sie stirbt aber trotzdem, worauf Carter angesäuert in den Tempel zurückkehrt, wo man feststellt, dass sein Buch eine Fälschung und der Angreifer ein ins Kloster eingeschmuggelter Spion des Manshu-Kaisers ist. Der Kaiser erhofft sich mit dem Buch die Hilfe des alten Meisters der fliegenden Guillotinen, zu dem sich auch einige Klosterschüler, denen sich Carter Wong anschließt, aufmachen…

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Ich tue mich bei den alten Eastern-Krachern immer ein bisschen schwer, mir die Rollennamen zu merken, aber das ist bei diesen Filmen ja auch eher sekundär. Bei diesem, eher billigen Vertreter gestaltet sich das Storygerüst auch als nicht allzu kompliziert, da sind wir aus dem großen Hause der Shaw Brothers bspw. ganz andere Kaliber gewohnt. Und so wird auch nicht lange gefackelt, sondern die knapp 80 Minuten bis unters Dach mit Kämpfen vollgestopft, die blutig und nett anzusehen sind, aber natürlich nie die überragenden Choreographien und den Scope der Filme der eben genannten Schmiede besitzen. Lässt sich aber insgesamt gut wegschauen und hat mit Carter Wong einen charismatischen Helden zu bieten. 6,5/10

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DAS ATTENTAT (Yves Boisset, 1972)

Unter einem Vorwand wird der Journalist Darien am Rande einer Demonstration verhaftet und unter Druck gesetzt. Sein Anwalt Lemereur gibt ihm zu verstehen, dass man bereit sei, die Sache fallen zu lassen, wenn Darien seine freundschaftlichen Verbindungen zum im Genfer Exil lebenden südafrikanischen Oppositionellen Sadiel spielen lässt, um diesen zu einem Interview mit einem französischen Sender im Zuge einer Dokumentation über die dritte Welt nach Paris zu lotsen. Sadiel willigt ein, da er hier eine Gelegenheit sieht, seine Sache einer breiten Öffentlichkeit vorzutragen. Man vereinbart ein Treffen zu Silvester. Erst spät erkennt Darien, dass er seinen Freund in eine Falle gelockt hat…

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Wenn man mal wieder keinen Bock auf gute Laune hat, kann man blind einen französischen Polit-Thriller der 70er greifen; Frohmut kommt da selten auf. Und auch in Yves Boissets Verschwörungsthriller, der sich schön in die Paranoia-Welle dieser Tage einfügt, ist der Held kein Held, sondern nur ein abgewrackter Journalist, der seinen Idealismus in der Vergangenheit schon einmal verkauft hat und nun zur Marionette dunkler Machenschaften wird. Man weiß, dass es nicht gut ausgehen wird, erwischt sich aber trotzdem dabei, wie man sich die Fingernägel abkaut und hofft, dass der arme Tor (und sein immer noch kampfeslustiger Freund) den gegen sie gewandten Kräften doch noch ein Schnippchen schlagen können, und so fiebert man mit bei dem spannenden Treiben, diesem fiesen Komplott, in dem die Interessen der Großmächte wieder mehr wiegen als die Gerechtigkeit und das Schicksal eines einzelnen. Außerdem ist der Thriller dazu noch exquisit besetzt, als Sadiel sehen wir Gian Maria Volonte (wahrscheinlich das bekanntest Gesicht des politischen Kinos der 60er- und 70er-Jahre), den armen Darien gibt Jean-Louis Tritignant; an seiner Seite steht, in einer zerrütteten Beziehung, Jean Seberg. Bruno Cremer ist noch einer von den Guten, auf der Seite der Verschwörer finden wir Michel Bouquet, Philippe Noiret und, als Sahnehäubchen, Michel Piccoli als der Befehlshaber des südafrikanischen Militärs, des Exilanten ehemaliger Weggefährte und jetziger Nemesis. Dazu gesellt sich noch Roy Scheider als amerikanischer Journalist Howard, der eine zwielichtige Rolle spielt. Großes, französisches Kino, brutal und niederschmetternd. 8/10

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TORSO (Sergio Martino, 1973)

Ein junges Pärchen wird nachts unter einer Autobahnbrücke beim Sex gestört und brutal gemeuchelt. Als zwei weitere Opfer eine Mordserie andeuten, ist die Hysterie im Ort groß. Vier Kunststudentinnen wollen der Gefahr auf ein Landhaus entfliehen, doch der Killer folgt ihnen…

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Regisseur Martino und sein Kumpel, Scriptschreiberling Gastaldi, lieferten mit Torso eine Blaupause für den späteren Slasherfilm und mit Suzy Kendall als jungfräuliche Jane das vielleicht erste Final Girl der Filmgeschichte. Sie reflektieren hierbei auch noch die voyeuristischen Tendenzen des Genre, in dem sie den großzügig zur Schau gestellten, nackten Schönheiten erpresserische Fotos, geil gaffende Landarbeiter und sexuell gestörte Männer entgegenstellen, womit sie sich von ähnlich schmierig-schundigen Vertretern des Giallo entscheidend abheben. Dazu ist der Film geradezu lehrbuchmäßig in Sachen Spannungsaufbau und Pacing, im Legen von falschen Fährten und dem Mixen eines vielfältigen Opferpools. 7,5/10

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SPECIAL COP (Marino Girolami, 1973)

Nach Rom und Neapel macht Kommissar (okay, in der englischen Fassung Inspector) Betti nun Station in Mailand, und die Luft brennt (man sollte sich mal überlegen, ob nicht vielleicht er es ist, der das Verbrechen anzieht wie Scheiße Fliegen). Nach einem rotzfrechen Banküberfall, bei dem eine Komplizin einfach mal Geisel spielte und so den Übeltätern die Flucht ermöglichte, hat man schon den nächsten Coup in Arbeit; man hat eine Fahrgemeinschaft von Kindern wohlbetuchter Eltern entführt und will Lösegeld erpressen. Doch als ein paar der Gangster bei der Polizei vorstellig werden, hat Betti die Faxen dicke und setzt sie fest. Nach einigen Querelen weiß man, wo die Kinder gefangen gehalten werden, doch werden sie nun von den übrigen Bösewichten als Geiseln missbraucht. Betti springt als Austauschgeisel in die Bresche und überlebt die anschließende Verfolgungsjagd sogar. Ihm ist aber klar, wer dahinter stecken muss, da kann nur der böse Albertelli seine Grabbelchen im Spiel haben. Doch der hat schon einen Plan ersonnen, den unliebsamen Bullen erst einmal aus den Verkehr zu ziehen…

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Merlis dritter Auftritt als kompromissloser Gesetzeshüter macht wieder einmal keine Gefangenen, ist zackig inszeniert und durchsetzt mit allerlei Brutalitäten, ohne dabei auszuufern. Regisseur Girolami bemüht sich, wie schon in Roma Violenta, um eine richtige Krimi-Plotte und ein antiklimatisches Ende, irgendwie meinte er es nicht gut mit seiner Figur. John Saxon gibt Merlis bösen Gegenpart, obwohl er schon in Napoli Violenta den Capuano gab, was er nicht überlebte, aber wer schert sich hier schon groß um Kontinuität (denn dann müsste Betti ja schon nach seinem ersten Abenteuer die Radieschen von unten betrachten). Wer die Merli-Features mag, wird auch hier viel Freude haben, denn, auch was die Action angeht, wird hier geklotzt und nicht gekleckert, während Merli seinen gerade rasierten Schnäuzer stolz zur Schau trägt. 7/10

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THE CRIMES OF THE BLACK CAT (Sergio Pastore, 1972)

Der blinde Pianist Peter belauscht zufällig ein Gespräch, in dem es scheinbar um einen Mord geht. Dann geschieht tatsächlich ein Mord, das Opfer ist ausgerechnet seine aktuellste Ex Paola (blind musicians get all the girls) und er wird bei der Polizei vorstellig, Inspektor Jansen leitet die Ermittlungen. Als weitere Morde in Kopenhagener Modelszene geschehen, geht er dem mit Paolas bester Freundin Margot nach…

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Anthony „The Stiff“ Steffen gibt in diesem Giallo den blinden Pianisten, was hier recht gut passt. Ein guter Genre-Vertreter mit einer exquisiten Auswahl bildhübscher Frauen, denen nach und nach, zudem noch recht grausam und graphisch, der Garaus gemacht wird. In manchen Fällen spielt dabei eine schwarze Katze eine tödliche Rolle (eine recht blöde Idee, die im Rahmen des Films aber befriedigend aufgeklärt wird). Der letzte Mord nimmt dann sogar Fulcis NEW YORK RIPPER vorweg (oder bedient sich bei dessen A LIZARD…), für die Entstehungszeit reichlich unfreundlich. Ansonsten mischt Pastore hier Motive aus Bavas BLUTIGE SEIDE mit Argentos DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE, ohne allzusehr zu plagieren. Die Plotte mag am Ende ja etwas konstruiert erscheinen, beinhaltet jedoch genug spannende Szenen, nacktes Fleisch und überraschende Wendungen, um gut bei Laune zu halten. 6,5/10

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DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE (Maurizio Pradeaux, 1972)

Kitty wartet gerade im Park mit ihren Eltern auf ihren Verlobten Alberto und vertreibt sich die Zeit mit einem öffentlichen Fernrohr, da beobachtet sie einen Mord, kann aber den Täter nicht richtig erkennen. Alberto, der kurz darauf eintrifft, will ihr zunächst nicht glauben, doch schon am nächsten Tag bestätigen sich ihre Angaben. Alberto gerät dabei ins Visier der Ermittlungen und muss selbst detektivisch aktiv werden. Er kann glaubwürdige Indizien beibringen, dass er nicht der Täter ist, hat aber damit wohl den wahren Mörder aufgescheucht, der jetzt seine Spuren verwischt. Inspektor Merughi überredet Alberto und Kitty, sich als Lockvögel zur Verfügung zu stellen…

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Der Mörder ist nicht schwer zu erraten, denn nichts schreit mehr Mörder! als die Impotenz eines Mannes. Davon ab machen Robert Hoffman und Nieves Navarro (wie immer als Susan Scott unterwegs) in den Hauptrollen eine gute Figur, und auch der Film ist gefällig inszeniert, die Suspense-Szenen gelungen. Es hilft dabei natürlich enorm, dass die Morde blutig sind und Nieves Navarro wie auch Anuska Borova sich gerne und oft nackig machen. Nichts besonderes, aber kann man als Giallo-Fan schon gerne mal glotzen. 6/10

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HEXENKESSEL MIAMI (Abel Ferrara, 1989)

Der von seinen Einsatz in der Dominikanischen Republik 1965 und einer gescheiterten Ehe traumatisierte Veteran George Moran betreibt mit seinem Army-Kumpel Nolen Tyler ein Hotel in Miami. Eines Abends taucht dort der Ex-CIA-Agent Scully mit einem Handlanger auf und nimmt mal kurz zwei der Gäste mit auf einen eher unfreiwillig scheinenden Spaziergang. Er arbeitet im Auftrag des ehemaligen dominikanischen Generals DeBoya, der mit Mary verheiratet ist, für die George viel übrig hat, was auf Gegenseitigkeit beruht. Um endgültig mit seiner Vergangenheit und dem Krieg abzuschließen, reist George in die Dominikanische Republik, um dort eine Frau zu finden, die ihm einst das Leben rettete. Doch er trifft auf Mary und sie beginnen eine Affäre. Und ehe er sich versieht, befindet sich George mitten in den Intrigen und Interessenskonflikten zwischen DeBoya, Scully, seinem Freund Nolen und seiner großen Liebe Mary…

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Hier haben wir wieder einmal einen Fall von „Ich würde gerne mal sehen, wie der Film wirklich ausgesehen hat“. Abel Ferrara verfilmte einen Roman von Elmore Leonard, wobei der Meister-Autor selbst das Drehbuch beisteuerte. Ihm standen genug Geld und mit Peter Weller, Tomas Milian, Charles Durning und einer Kelly McGillis, die sich hier dazu entschloss, full frontal zu gehen, einige wirklich gute Darsteller zur Verfügung, doch verkrachte er sich letztendlich mit den Verantwortlichen bei Vestron über den Endschnitt, so dass der Film ohne sein Zutun von knapp 3 Stunden auf nur 90 Minuten heruntergeschnitten und die Erzählerstimme, vormals Peter Weller als George Moran aus der Ego-Perspektive, für diese Länge komplett neu geschrieben und mit einem außenstehenden Erzähler aufgenommen wurde. Und hieran kann man durchaus die beiden größten Knackpunkte des Films festmachen; einige Stränge der Story werden nur angerissen, um später nicht wieder aufgegriffen oder gar aufgelöst zu werden (andere wurden sicherlich gänzlich unter den Tisch fallen gelassen), und der Erzähler hat keinen nennenswerten Mehrwert zu bieten, da er entweder nur das ausspricht, was man ohnehin sieht oder sich problemlos selbst zusammenreimen kann. Ein tieferes Eintauchen in den Kopf des Protagonisten George Moran bleibt aus, seine Gefühle und Gedanken darüber, andauernd nur ausgenutzt zu werden, selbst von der Frau, die er (und die ihn wohl auch) liebt, bleiben einen größtenteils verborgen. Übrig geblieben ist in dieser Fassung nur ein Story-Rumpf, angereichert mit den verkaufsfördernden Szenen an Sex und Gewalt. Da nützt es nichts, dass Kelly McGillis einen großen Teil ihrer Szenen full naked bestreitet, oder das Charles Durning als fieser Ex-Agent Scully den ehemaligen Folterknecht De Boya, gespielt von Tomas Milian, nochmal erniedrigt, in dem dieser sich nackt in die Badewanne stellen darf, bevor er ihn erschießt, auch wenn es immer noch die interessantesten, weil intensivsten Szenen sind, die am Ende übrig blieben. Man kann den Film immer noch gucken und der Handlung folgen, doch es bringt keinen Spaß, da der Film um die geniale Erzählweise Leonards kastriert wurde. 5/10

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THE GLADIATOR (Abel Ferrara, 1986)

Als Rick Benton seinem kleinen Bruder Jeff eher widerwillig eine Fahrstunde gibt, schiebt sie ein anderer Autofahrer auf eine Kreuzung, wo sie mit einem heranrasenden Truck kollidieren. Jeff stirbt und Rick liegt einige Zeit im Koma. Wieder genesen, beschließt der Automechaniker, als „Der Gladiator“ nachts die Straßen der Stadt von Verkehrsrowdys und Betrunkenen zu bereinigen. Die Polizei bringt ihn dabei wenig Gegenliebe entgegen, aber er macht trotzdem weiter. Vor allem in der Nachrichtensendung Hot Talk der Moderatorin Susan Neville, mit der er ein Liebesverhältnis eingeht, wird der Vigilant kontrovers diskutiert. Dann taucht der unbekannte Autoschubser wieder auf und macht die Straßen unsicher(er)…

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Relativ unspektakuläres TV-Drama, dass sich weniger auf halsbrecherische Action konzentriert (als uns die Covergestaltung, wo nicht einmal Ken Wahl zu sehen ist, und Inhaltsangabe, die irgendeinen dystopischen Plot im Los Angeles der Zukunft herfabuliert, der alten Videokassette von Highlight weismachen will). Im Zentrum steht dass persönliche Drama Ricks und der Diskurs, ob seine nächtlichen Aktionen nun die Straßen sicherer machen oder nicht. Der Todesfahrer, der auf den Straßen der Stadt wütet, bleibt eher eine abstrakte Nemesis für Rick, da zum einen dessen Identität nie eine Rolle spielt, und er einen Gegenpol in der Diskussion um den Gladiator bildet, da viele Menschen, mitunter auch die Polizei, glauben, dass der Todesfahrer und der Gladiator ein und derselbe sind. Die Diskussion darüber ist teils recht interessant, der Film aber leider eher öde, bis es dazu kommt. Allerdings sind die beiden Hauptrollen mit Ken Wahl und Nancy Allen für einen TV-Film ganz gut besetzt, in einer Nebenrolle als Polizist wird auch noch Robert Culp verschwendet. Kein wirklich schlechter Film, auch wenn ich ihn eher als Einschlafhilfe empfehlen würde. 5/10

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FEAR IN THE CITY (Guiseppe Rosati. 1978)

Einige Schwerverbrecher, darunter der Gangsterboss Lettieri, entkommen aus dem Gefängnis und starten eine unbarmherzige Rache-Aktion. Der Polizeichef steht angesichts dieser brutalen Mordserie unter Zugzwang und reaktiviert den umstrittenen Kommissar Murri, der gerade wegen Anwendung unangemessener Gewalt im Dienst einen unfreiwilligen Urlaub genießen darf, sehr zum Leidwesen des Staatsanwalts Lo Cascio, der dessen Methoden verachtet. Zur Seite gestellt werden die beiden Polizisten Esposito und Diovatelli, die nicht dafür bekannt sind, die Karriereleiter hochzufallen. Ihre Nachforschungen führt Murri zu Laura Masoni, deren Vater Giacomo, der nur noch kurze Zeit abzusitzen hatte, mit Lettieri und Konsorten geflohen ist. Zwischen dem mürrischen Einzelgänger und der Eskortdame entspinnen sich zarte Bande, so dass er sich der Witwer zwischen der Abrechnung mit den Gangstern auch etwas Zeit zum Kuscheln nimmt…

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Typischer, reaktionärer Merli-Reißer, der ordentlich auf die Kacke haut, auch wenn er nichts wirklich neues bietet. Die Schurken sind ordentlich böse und brutal, Merlis Murri steht ihnen in der Wahl seiner Mittel aber in nichts nach; da wird auch schon mal einem Flüchtenden in den Rücken geschossen. Raymond Pellegrin bekommt als Ober-Baddie leider etwas zu wenig Screentime, um richtig Eindruck zu hinterlassen, auch James Mason beschränkt sich auf kurze Auftritte. Für etwas Augenschmaus sorgt die süße Silvia Dionisio. Alles in allem kein herausragender Poliziesco, aber für Merli-Fans alles, was für einen vergnüglichen Abend nötig ist. 6,5/10

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BLADE OF THE IMMORTAL (Takashi Miike, 2017)

Dem abtrünnigen Samurai Manji wurde von einer alten Dame mittels mysteriöser Blut-Würmer die Fähigkeit zu fortwährender Regeneration gegeben, was ihm mehr Fluch als Segen ist. Dann schickt sie die kleine Rin zu ihm, deren Familie vom grausamen Anotsu und seinen Kämpfern gemeuchelt wurde. Er verspricht, ihr Genugtuung durch Rache zu verschaffen und schaltet einen Kämpfer nach dem anderen aus. Doch auch ungeahnte Treffen mit einem anderen Unsterblichen, vermeintlichen Rebellen, die unter seinen Namen die ruchlosen Mörder jagen, aber selbst nicht besser sind, und auch die kaiserliche Armee mischt in diesem Spiel mit, so dass ein großer Showdown aller Parteien unausweichlich ist…

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Trotz einiger Ungereimtheiten bietet Miike hier eine bunte und abwechslungsreiche Schwertkampf-Schlachtplatte, gewürzt mit etwas fiesem Humor. So wunderschön das ganze anzusehen, so flach ist leider auch die Story, die, trotz einiger Anflüge von Ambivalenz, unausweichlich auf mehrere blutige Fights hinausläuft, auch wenn die kleine Rin und der von den dutzenden, eigentlich tödlichen Verletzungen gezeichnete Manji immer wieder betonen, dass Gewalt und Blutrache keine Lösung sind. Aber das macht nichts, der Film lebt von von seinen blutigen Kämpfen, gerne gegen Dutzende von Gegnern. Im Laufe der Geschichte trifft Manji auf einen anderen Unsterblichen, der ihn vergiftet, und das gerade genug, um wirklich die Frage aufzurufen, ob er denn den Abspann noch erlebt. Das reicht aus, dass man nicht der Kämpfe müde wird, zumal Takuya Kimura in der Hauptrolle eine Schau ist. Die junge Hana Sugisaki hat alle Mühe, daneben nicht bloß wie ein lustiger Sidekick zu wirken, zumindest nervt ihre Rin nicht. Hat mir sehr gut gefallen. 7,5/10

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CITY OF LOST SOULS (Takashi Miike, 2000)

In einer waghalsigen Rettungsaktion befreit der Brasilianer Mario seine chinesische Freundin Kei aus einem japanischen Deportationstransport. Da sie zur Flucht aus dem Land liquide Mittel benötigen, beschließen sie, die Wetteinnahmen einer Hahnenkampf-Arena zu rauben. Doch dabei platzen sie zufällig in einen Drogendeal und befinden sich darauf im Besitz eines Koffers voller Kokain. Ein befreundeter Reporter bietet sich an, das Zeug als Strohmann an den Mann zu bringen, landet dabei ausgerechnet bei Yakuza Riku, der nicht nur das Koks von den chinesischen Schmugglern entgegen nehmen sollte, sondern auch Marios ärgster Konkurrent um die Gunst Keis war. Sie lassen im Fernsehen ein Kopfgeld für Mario ausrufen und statten einer Kneipe im brasilianischen Viertel einen Besuch ab, wo sie die kleine, blinde Tochter der rassigen Lucia entführen und ihren Mann erschießen. Verfolgt von jedem Kopfgeldjäger und Glücksritter der Stadt muss das wilde Paar nun das Kind retten und mit Riku abrechnen…

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Takashi Miikes in die multi-kulturelle Halbwelt Tokios verlegte Version von TRUE ROMANCE wartet mit einer ganzen Wagenladung schräger Typen und abgefahrener Szenen, wie der erwähnten Befreiung oder einem animierten Hahnenkampf im MATRIX-Style, auf, wie man sie so wohl auch nur bei ihm erleben kann. Hingegen zu Terence und Alabama aus dem Scott-Film sind Mario und Kei zwar ein halbwegs sympathisches, aber auch durch und durch kriminelles Pärchen, ihre Geschichte kann und darf einfach nicht gut ausgehen, womit Miike auch an klassische Yakuza-Filme gemahnt, wo solch ein dreister Diebstahl, der sich zuerst als Glücksfall für den/die Protagonisten scheint, aber letztlich ihren Weg in den Untergang ebnet. 6,5/10

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AQUARIUS – THEATER DES TODES (Michele Soavi, 1987)

Regisseur Peter probt mit seinen Darstellern um Hauptdarstellerin Alicia ein neues Musical ein, da wird eine von ihnen am Ende der Probe von einem entflohenen Geisteskranken ermordet. Die Polizei durchsucht das Theater, der Irre scheint aber entwischt. Peter sieht die Gunst der Stunde, denn der grausige Mord bringt der Produktion eine unglaubliche Publicity. Also überredet er sein Team, über Nacht da zu bleiben, um die Proben abzuschließen und die Premiere vorzuziehen, denn er wittert hier einen sicheren Hit. Widerstrebend willigen alle ein. Doch dann müssen sie feststellen, dass der Mörder immer noch im Gebäude ist und sie mit ihm eingeschlossen…

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Mit diesem Slasher ermöglichte Joe D’Amato 1987 Michele Soavi, der ihm und Dario Argento davor schon des öfteren, u.a. bei ABSURD, TENEBRAE, ENDGAME oder PHENOMENA, assistierte und für die Dokumentation DARIO ARGENTO’S WORLD OF HORROR (1985) verantwortlich zeichnete, sein Spielfilmdebüt. Das Script stammt von George Eastman, der Drehplan war straff und die Leute aus der Effekt-Abteilung nicht filmerfahren, aber dennoch gelang dem Regie-Talent ein gradliniger und spannender, sowie überaus blutiger Film. Soavi nutzt die Gegebenheit des realen Theater-Sets perfekt aus und zeigt vor allem mit einigen eindrucksvollen Kamerafahrten, dass er einiges an Erfahrung von seiner Arbeit mit Argento mitnehmen konnte, und die an den Tag gelegte Blutrünstigkeit des Treibens ist dabei ein verkaufsförderndes Argument, dass er von seinem Mentor D’Amato übernommen haben dürfte. Ein beachtliches Frühwerk. 7,5/10

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HEISSE KATZEN (Ralph Thomas, 1967)

Eine Gruppe von schönen, aber eiskalten Killerinnen um die blonde Irma Eckmann erledigt zwei Ölmillionäre, deren Tod als Unfall abgetan wird, was einem Mineralölkonzern aus London Vorteile bei der Übernahme von Förderrechten bringt. Von denen prosperiert die Firma hinter Eckmann, da sie diesem gegen Zahlung die Klärung der Probleme zugesagt hat. Da die Tode aber als Unfälle geführt werden, sieht der Vorstand in einer knappen Mehrheit nicht die Notwendigkeit ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Und während der Versicherungsagent Bulldog Drummond, der mit einem der Opfer zudem gut befreundet war, auf die Klärung der Unglücksfälle angesetzt wird, stirbt der Rädelsführer der zahlungsunwilligen Vorstandsmitglieder, indem Irma und ihre Assistentin Penelope einen selbstmörderischen Sturz vom Balkon inszenieren, worauf man sich im Vorstand am nächsten einig ist, die geforderte Summe zu zahlen. Und sie haben glatt einen neuen Auftrag für die Mädels; der König eines Landes im Vorderorient stellt sich gegen eine Kooperation mit dem westlichen Konzern bei Erschließung ihrer Ölquellen. Doch zuerst wollen sie Bulldog aus dem Weg räumen und setzen die Neue Grace auf seinen Neffen Robert an. Als Bulldog nur knapp den Anschlag entrinnen kann, ist sein Jagdinstinkt geweckt…

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Die Eurospy-Comedy, die zwischendurch immer wieder gerne einen Agenten mit Doppelnull durch den Kakao zieht, beginnt grandios, die ersten 30-40 Minuten vergehen wie im Flug. Danach geht dem Film ein klein wenig die Puste aus, was aber nicht wirklich schlimm ist, da immer noch genug los ist, um gut zu unterhalten. Schön ist auch, dass die ganze Chose nie ins klamaukige abdriftet. Erwähnenswert ist noch, dass Bulldog Drummond schon seit den 20er-Jahren seine Abenteuer auf der Leinwand erlebt und dieser Film die erste Komödie mit ihm ist. Außerdem ist der Originaltitel, DEADLIER THAN THE MALE, ziemlich bescheuert. Richard Thomas war außerdem Terence Fishers erste Wahl für James Bond (die Rolle ging bekanntermaßen ja an Sean Connery), und er spielt auch in der Fortsetzung MANCHE MÄDCHEN TUN’S (1969) wieder die Hauptrolle, der noch seiner deutschen Auswertung harrt. HEISSE KATZEN ist aber jedem Fan des Eurospy und lockerer 60s-Unterhaltung zu empfehlen. 7/10

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VIOLENT COP (Takeshi Kitano, 1989)

Cop Azuma lebt nur für seinen Beruf und ist ein harter Hund. Als eine Gruppe Jugendlicher einen Bettler totschlägt, verfolgt er den Anführer der Schläger bis nach Hause und bearbeitet ihn dort so lange, bis er sich selbst stellt. In seinem Revier hält man seine Methoden für unangebracht, doch sein Partner und sein Captain decken ihn, da seine Erfolgsquote höher als die aller anderen ist. Bei Mordermittlungen im Drogenmilieu stößt Azuma auf eine Bande, die Rückhalt aus den seinen Reihen zu haben scheint, einen korrupten Cop von seinem Revier, der sie mit Stoff versorgt. Als er ihnen zu nahe kommt, entführen sie seine Schwester, und setzen auf Azuma selbst einen Killer an…

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Beat Takeshis Regie-Debüt ist ein harter, kompromissloser Polizei-Thriller in bester Dirty-Harry-Tradition, der, hingegen zum genannten Vorbild, um einiges düsterer und nihilistischer ausfällt. Azumas Unnachgiebigkeit setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, deren fatale Auswirkungen ihn am Ende selbst einholen. Ein kühler, harter Film, der die Poesie späterer, ähnlich gelagerten Filme des Japaners noch ein wenig missen lässt, aber dessen unnachahmlicher Stil, seine Charakterzeichnung, seinen Hang zum Fatalismus und die gewählte Bildsprache schon sehr gut widerspiegelt. 8/10

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KONGA (James Lemont, 1961)

Nach Jahren im Dschungel Afrikas kommt Dr. Decker mit einem Schimpansen und einigen selbstgezüchteten, riesenhaften fleischfressenenden Pflanzen nach England zurück. Zum Unmut seiner vernachlässigten Lebensgefährtin Margaret hat er auch hier nur die Arbeit im Kopf. Er injiziert dem kleinen Affen ein Serum, dass er aus den Pflanzen gewinnt und verpasst ihn so immense, sofortige Wachstumsschübe. Als der Direktor seiner Universität seine Forschung nicht weiter unterstützen will, schickt Decker den inzwischen zum Gorilla mutierten Konga aus, um dieses Hindernis aus dem Weg zu schaffen. Margaret nutzt ihr Wissen über den Mord und will sich so die Heirat erpressen, worauf Decker erstaunlicherweise sofort eingeht. Doch es stehen noch weitere Leute zwischen ihm und seinen Erfolg…

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Unglaublicher Tierhorror mit einem wie immer hilariös chargierenden Michael Gough, der als Forscher noch nicht einmal davor zurückschreckt, mal kurz die Hauskatze über den Haufen zu schießen, weil sie im Labor etwas von dem Serum aufgeleckt hat. So wird schon früh sein bösartiges Wesen entlarvt, was im Schauspiel Goughs immer weiter seine Blüten treibt. Und wo wir schon bei Pflanzen sind, die riesigen Venus-Fliegenfallen werden mit Gulasch gefüttert (und man sieht noch die Hände in den Attrappen, die danach schnappen) und der Schimpanse verwandelt sich nach der zweiten Injektion plötzlich in einen Gorilla. Die Effekte dieses Spektakel des schlechten Geschmacks sind durchweg schlecht, selbst für ihre Entstehungszeit, was das ganze aber umso unterhaltsamer macht. So entwickelt sich der vermeintlich King-Kong-Abklatsch zu einer fulminanten Trash-Granate, bei der garantiert kein Auge trocken bleibt. 6,5/10

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TETSUO II – BODYHAMMER (Shin’ya Tsukamoto, 1992)

Der Sohn des Angestellten Taniguchi wird von zwei mysteriösen, furchteinflößenden Gestalten entführt. Er hat daraufhin den Wunsch, stärker zu werden, um seine Familie beschützen zu können. Hinter der Entführung steckt der verrückte Yatsu, der sich mit einer Truppe mechanisch veränderter Soldaten umgibt. Auch Taniguchi will er in ein Mensch-Metall-Monster verwandeln, und das gelingt besser als vermutet, denn in dem unscheinbaren Familienvater schlummert eine lange unterdrückte Wut…

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Tsukamoto entwickelt hier seine Ideen aus TETSUO – THE IRON MAN konsequent weiter, denn durch die Einbindung in die eher konventionelle Geschichte wird die Maschinenwerdung Taniguchis, die aus einer lange unterdrückten Sehnsucht geschieht, nicht nur eine Gefahr für ihn als Individuum, sondern auch seiner Familie, da er seine Funktion nicht mehr fortführen kann. Wie der erste Film ist auch BODY HAMMER ästhetisch wegweisend, die Transformationen sind toll umgesetzt, das ganze Geschehen, angesiedelt in alten Industrie-Ruinen, in bleichen Farben, vielen Grautönen festgehalten. In Sachen Gewalt geht Tsukamoto schon einen guten Schritt weiter, allerdings ist das alles derart entrückt, unwirklich, dass man das Gesehene wohl kaum als sozial-ethisch desorientierend einordnen kann, weshalb die Beschlagnahme des Films vollkommen unverständlich ist. Das würde heutzutage wohl sogar eine Jugendfreigabe bekommen, da es eigentlich nur eine wirklich blutig-schockierende Szene gibt. 7/10

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PROVINZ OHNE GESETZ (Mario Bianchi, 1978)

Polizist Sereni, suspendiert wegen Selbstjustiz, wird von einer alten Bekannten, einer Nutte, in ein Provinznest gerufen, wo eine Verbrecher-Organisation ihr Unwesen treibt und arglose Frauen wichtiger Persönlichkeiten unter Drogen setzt, um unziemliche Fotos von ihnen zu machen, um sie so zur Prostitution zu erpressen. Bald pflastern tote Mädchen seinen Weg, denn Boss Augusto hat sowohl den korrupten Kommissar Righi wie auch den Killer Mauri auf ihn angesetzt…

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Wohl der Trash-Hammer überhaupt unter den italienischen Polizeifilmen der 70er, die Leute agieren ausnahmslos komplett dämlich und auch die meisten Dialoge (sehr schöne deutsche Schnodder-Synchro) ergeben häufig kaum bis gar keinen Sinn. Dabei ist der Streifen auch noch vollgestopft mit schmierigen Typen, vorzugsweise Bartträgern, und sleazigen Ludern. Eine sehr, sehr spaßige Angelegenheit. 7,5/10

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ROBOGEISHA (Noboru Iguchi, 2009)

Die Schwestern Kikkuyama und Yoshie werden von dem Waffenhersteller Hikaru entführt, der eine von ihnen als Killerin ausbilden will. Zur Selektion treten die beiden Schwestern gegeneinander an, wobei die jüngere Yoshie überraschend die Oberhand gewinnt. Und so tritt sie dem Trupp auf mechanisch aufgepimpten Killer-Geishas bei, der die Feinde des Konzerns aus dem Weg räumt. Als sie aber den Führer einer Gruppe, die sich aus Verwandten der von Hikaru entführten Mädchen zusammengefunden hat, eliminieren soll, stellt sie sich gegen den bösen Konzernboss…

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Billiger, recht durchgeknallter Nippon-Trash, der mal die dieser Tage üblichen Splatter-Orgien unter den Tisch fallen lässt und mir deswegen schon sympathisch ist. Technisch gesehen ist das gezeigte so schlecht, dass man es kaum glauben kann, es hier mit einem Film aus den 2000ern und nicht den 90ern zu tun zu haben. Fans der blutigeren Werke Iguchis werden enttäuscht sein, mir gereichte der Film aber für unterhaltsame 90 Minuten. 6/10

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LEY LINES (Takashi Miike, 1999)

5 chinesisch-stämmige Freunde sind in ihrem Dorf auf dem Land zwischen den japanischen Kindern das Ziel von Anfeindungen und Mobbing. Als sie zu jungen Männern herangereift sind, packt sie das Fernweh und sie wollen in die große Stadt, nach Tokio. Doch am Bahnhof bekommen zwei von ihnen weiche Knie, und so treten nur Ryuichi, sein Bruder Shunrei und Chang das Abenteuer an. In der Hauptstadt landen sie im Vergnügungsviertel Shinjuku, wo ihnen die Nutte Anita ihr ganzes Geld abknöpft. Mittellos müssen sie für ansässige Yakuza auf der Straße Drogen verkaufen. Sie treffen wieder auf Anita, doch die ist ihr Geld an ihren Zuhälter losgeworden. Es entwickelt sich eine frivole Vierer-Beziehung zwischen den jungen Leuten, gerade Ryuichi, der älteste der drei, fühlt sich sehr zu Anita hingezogen. Doch in der Metropole werden sie nicht glücklich, auch hier ist ihr Leben eine Sackgasse, sind sie die Außenseiter. Ihr neues Ziel ist Brasilien, doch dafür fehlt das Geld. Und das wollen sie aus dem Tresor eines örtlichen Gangsterbosses besorgen. Eine folgenschwere Entscheidung…

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Im dritten Teil der inhaltlich unzusammenhängenden Shinjuku Triad Society geht es wieder um Außenseiter, die von einem besseren Leben woanders träumen, aber letztendlich an ihrem waghalsigen Unterfangen scheitern. Die drei Freunde zeichnet Miike durchweg als sympathische, leicht naive Loser, die nur einen Ort, an dem sie in Frieden leben und nach ihrem Glück streben können, suchen. Tokio ist dabei nur eine Zwischenstation, sie sind hier immer noch den gleichen Ressentiments ausgesetzt wie in ihrem Zuhause. Der Regisseur folgt dabei zwischenzeitlich auch der Prostituierten Anita, deren Stationen bei ihren Kunden teils recht verstörend wirken (siehe Foto) und sie selbst auch am Boden der Gesellschaft verorten lässt. So deprimierend ihr Alltag und hoffnungslos ihre Lage auch scheint, um so mehr scheinen dann die eingestreuten schönen Momente, die die Hoffnung in ihnen am Leben erhält, das ist ein wesentlicher Bestandteil von Miikes Poesie. Die Zeit vergeht dabei wie im Fluge, und man wünscht sich besseren Wissens, dass die Freunde doch ihr Ziel erreichen mögen. 7/10

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LONG WEEKEND (Colin Eggleston, 1978)

Beim Ehepaar Peter und Marcia hängt der Haussegen schon gewaltig schief, ein gemeinsames Wochenende beim Camping im Outback soll wieder etwas Schwung in die Ehe bringen. Doch als Peter sich zuerst verfährt und Marcia dann auch noch feststellen muss, dass er die von ihr verhasste Hündin mit auf den Trip genommen hat, stehen die Zeichen nicht gut für Versöhnung in freier Natur. Und letztere findet es gar nicht gut, wie sich die Städter hier niederlassen; er betätigt sich als Hobbyjäger, in dem er wild in das Unterholz ballert, während sie am Strand eine Zigarette nach der anderen qualmt. Fortan werden sie von aggressiven Kleingetier, attackierenden Federvieh und einer eigentlich toten Seekuh, die das Opfer von Peters Jagddrang wurde, angegangen, auf dass sie sich alsbald wünschen, die sichere, menschliche Zivilisation nie verlassen zu haben…

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Netter Öko-Horror, der mal nicht dazu dient, das zerrüttete Verhältnis der beiden Angetrauten zu kitten, sondern mit dem weiteren, endgültigen Niedergang der Beziehung einhergeht und unmissverständlich klarmacht, dass der Mensch hier der nicht geduldete Eindringling ist. Zum Ende wirkt das ganze erzählerisch etwas zusammengestoppelt, auch die Angriffe der Tiere scheinen teils etwas beliebig, aber zwischendrin, gerade in den Nachtszenen kommt durchaus Spannung auf. Außerdem begleitet einen von Anfang an ein unbehagliches Gefühl, das zwar im Nachhinein nicht ausformuliert wird, aber dem Film einen nett-unheimlichen Touch gibt. 6/10

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ICH HABE ANGST (DAMIANO DAMIANI, 1977)

Der Brigade-Polizist Graziano schiebt eine ruhige Kugel als Fahrer des Richters Cancedda, der von seiner andauernden Eskorte aber alles andere als begeistert ist. Graziano ist eigentlich ein smarter Kerl und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, zieht es aber vor sich aus Ermittlungen und Politik, dieser Tage ein heißes Thema in der Gewalt zwischen links und rechts, herauszuhalten, obwohl er ein Verhältnis mit einer ehemaligen politischen Aktivistin unterhält. Doch bei einer Tatort-Begehung gibt er dem Richter einen Tipp, der ihn davon abhält, ein Junkie-Pärchen anzuklagen und einen Mann des Wachschutzes des Mordes anzuklagen. Der alte Mann hat daraufhin Blut geleckt, und als die vermeintliche Freundin des Angeklagten ihn aufsucht, weil sie Informationen über einen entflohenen Bombenleger hat, findet sich Graziano unfreiwillig in einem politischen Komplott wieder, dem Cancedda zum Opfer fällt und ihn ins Krankenhaus bringt. Der neue Richter Moser besteht darauf, ihn an seiner Seite zu behalten, und versucht dem verschlossenen Graziano, mehr über die Umstände von Canceddas Tod zu entlocken. Es entwickelt zu einem psychologischen Duell zwischen dem undurchschaubaren Richter und dem niederen Staatsbeamten…

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Interessanter, spannender Film Damianis über die Unmöglichkeit im Italien der späten 70er, wo man täglich unter dem Terror von Links wie Rechts zu leiden hatte, sich aus dem politischen Diskurs herauszuhalten. Gian Maria Volontè glänzt hier als Polizist, der einfach nur sein Leben leben will, ohne sich zwischen den politischen Gegensätzen aufzureiben. Die erste Hälfte des Films ist dann auch vom Diskurs geprägt, um dann nach dem Attentat ganz plötzlich die Richtung des Paranoia-Kinos einzuschlagen, der Film wird vom rein politischen Krimi zum hochgradig spannenden Verschwörungsthriller, in dem sich mit Volontè und Mario Adorf, trotz unterschiedlicher Voraussetzungen, zwei ebenbürtige Gegner gegenüberstehen. Eine leider fast vergessene Perle aus dem Oeuvre des politischen Krimi-Spezialisten Damiani. 8/10

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HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT (Adrian Hoven, 1973)

Graf und Gräfin von Salmenau werden auf dem Heimweg Zeugen einer winterlichen Wasserprobe einer Hexe durch Natas, der rechten Hand von Hexenjäger Balthasar von Ross. Der sechsjährige Alexander will der armen Frau im eiskalten Wasser helfen und schubst den Helfer von Natas in das Wasserloch, was dem und der vermeintlichen Hexe das Leben kostet. Natas erdolcht darauf hinterrücks den Grafen. Zu Hofe verlangt Gräfin Elisabeth Gerechtigkeit, der Mörder ihres Mannes soll mit dem Tode bestraft werden. Natas stellt es allerdings so da, dass der Graf in einem Duell mit ihm zu Tode gekommen ist. Da der Graf ihn ein Dorn im Auge war, ersinnt Balthasar von Ross nun einen Plan, um auch die Gräfin und ihr Kind zu diskreditieren, auf dass sie bei seinen Folterknechten vorstellig werden. Als der Junge eine Nonne dazu bringt, mit ihm Fliegender Vogel zu spielen, hat er einen Ansatz gefunden…

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Spekulativer Exploiter aus deutschen Landen, der hingegen zu seinem Vorgänger weder auf historische Akkuratesse, pompöse Ausstattung, dreckige Poesie oder eine geschickt gestrickte Handlung wert legt, sondern sich eher selbstgefällig in der Darstellung böser Menschen und niederträchtiger, sadistischer Folterszenen ergeht. Zumindest konnte man mit Anton Diffring als von Ross wieder einen außerordentlichen Mimen als Bösewicht besetzen und auch Reggie Nalder aus dem Vorgängerfilm hinüberretten. Erika Blanc glänzt hier leider eher durch Zugeknöpftheit, obwohl der Film mit weiblichen Reizen, besonders im Folterkeller, nicht geizt. Auch das Gebiet des Nunsploitation wird hier, sogar recht reizvoll, gestreift. Insgesamt ist das schon harter Tobak, die gezeigten Sadismen sind nicht ohne, allerdings erreicht man nicht den Impact des Vorgängers HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT, der von der Mitwirkung des auch an DER HEXENJÄGER beteiligten Michael Armstrongs profitierte, und ist qualitativ noch unter ähnlichen Werken wie Jess Francos DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR anzusiedeln. Wer aber für diese Art von Film was erübrigen kann und des Filmes in einer ansprechenden Qualität habhaft werden kann, darf gerne mal einen Blick riskieren. 5,5/10

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PIRANHAS (Joe Dante, 1978)

Maggie sucht mit Hilfe des ansässigen Ökologen Paul im texanischen Hinterland nach einem verschwundenen Pärchen. Als sie an einem abgelegenen, umzäunten Pool deren Sachen finden, wollen sie das Wasser ablassen, um zu klären, ob sie vielleicht dort ertrunken sind. Doch da stürzt sich ein älterer Herr auf die beiden, der erst nach einem Knockout durch einen Schlag auf den Hinterkopf von ihnen ablässt. Als er wieder bei sich ist, erzählt der Mann, der sich als Dr. Robert Hoak vorstellt, ihnen, dass sich im Pool ein Schwarm genetische verändert Piranhas befand, die als Waffe von der Army entwickelt wurden. Und da aus dem Flusswasser auch eine Ferienanlage für Kinder gespeist wird, in dem sich Pauls Tochter gerade befindet, und weiter flussabwärts auch ein Wasserpark beheimatet ist, der gerade Hochsaison hat, macht man sich auf, die Menschen zu warnen und eine Katastrophe zu verhindern. Doch das Militär um Colonel Waxman und Forscherin Dr. Mengers setzt alles daran, die ganze Sache geheim zu halten…

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Joe Dantes Semi-Klassiker ist eigentlich ein nicht besonders aufregendes Ripoff von Spielbergs damaligen Megahit DER WEISSE HAI (er will diesen sogar parodieren). Die Angriffe der hungrigen Fische mit ihren rasiermesserscharfen Beißerchen sind leider nicht besonders gut gelungen, einzig die Props einiger zerfressener Leichen können überzeugen. Punkten kann der Film mit den Gast-Auftritten von Barbara Steele als Militärforscherin und Dick Miller, der hier den arschlöchrigen Wasserparkbesitzer gibt. Der Film ist nun nicht schlecht, aber halt auch nicht besonders spannend, horribel oder witzig. 6/10

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