Mediabook Review: Dr. Mordrid (Wicked-Vision Media)

Ich hatte das Glück, beim Halloween Gewinnspiel des Filmblogs DIE NACHT DER LEBENDEN TEXTE das Mediabook von WICKED-VISION MEDIA zu gewinnen, und dazu noch aus der Auflage mit dem Cover B, dem tollen Original-Artwork (siehe Abbildung weiter unten).

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Zum Film:

Dr. Anton Mordrid, Experte für Übersinnliches in der Kriminologie, ist seit über 100 Jahren der heimliche Hüter über die Welt der Menschen. Für seine Nachbarin Samantha Hunt, die als Beraterin der Polizei arbeitet, ist er ein Rätsel, und sie fühlt sich zu dem scheuen Mann hingezogen. Dann entkommt Mordrids böser Bruder Kabal, der genauso wie er ein mächtiger Zauberer ist, aus seinem interdimensionalen Gefängnis und will sich die Welt mit Hilfe seiner dämonischen Schergen Untertan machen. Er ist verantwortlich für eine Reihe von Morden, bei dem er das Zeichen der Magier hinterlässt. Als Samantha dem ermittelnden Cop Gaudio den Dr. Mordrid als Experten empfiehlt, findet er beim magischen Doc genau dieses Zeichen und lässt ihn festnehmen. Doch nur Mordrid kann Kabal stoppen…

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Ja, viel Plotte gibt das Ding nicht her. Der Film konzentriert sich dabei auch nur auf die wichtigen Plotpoints, verzichtet auf ausschmückende Nebenstränge, was sich dann in der kurzen Laufzeit von nur 75 Minuten niederschlägt. Das Gute daran ist, dass die Geschichte in derart komprimierter Form gar nicht langweilig werden kann, schlecht ist, dass es dem Film so an Größe fehlt. Die Welt des Mordrid ist klein, man begnügt sich mit ganzen acht Schauplätzen, von denen eigentlich nur seine Wohnung ein imposantes Bild abgibt. Wenn man das jetzt, auch wenn es unfair ist (DR. MORDRID ist fast 25 Jahre älte und hat wohl nur ein Fünfzigstel des Marvel-Streifens gekostet), mit DR. STRANGE vergleicht, bei dem fast von jeder Kamera-Einstellung aufgrund des visuellen Overkills förmlich erschlagen wird, sieht DR. MORDRID dementsprechend mickrig aus. Dazu gesellen sich altbackene Spezialeffekte, die Stop-Motion Animation im Finale ist zwar recht charmant, das ganze jedoch trotzdem ziemlich unspektakulär, und es zeichnet sich so ein recht trashiges Gesamtbild ab – ambitioniert, aber gescheitert. Dabei zeichnet sich der Film auch durch eine für Charles Band-Verhältnisse ungewöhnlich sorgfältige Inszenierung, wie man sie zwar schon von früheren Empire-Filmen wie ARENA kennt, aber gewiss nicht Standard war.

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Der Cast schlägt sich recht wacker und versucht, aus der jeweils kurzen Screentime herauszuholen, was geht. Die süße Yvette Nipar hat es da am leichtesten als Love Interest und Bindeglied zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Magie, Jeffrey Combs trägt den Film in Würde, er könnte ja auch in einem 20-Minuten-Kurzfilm so einer egozentrischen Rolle die nötige Gravitas verleihen. Etwas leid tut es mir für Brian Thompson, den ich immer sehr gerne sehe; ihm billigen Drehbuch und Budget keine wirklich prägnanten Szenen (seine Solo-Szenen sehen auch noch am billigsten aus) zu, er hat schlicht zu wenig Screentime und bekommt nicht die Möglichkeit, durch wirklich böse Taten seinen Antagonisten ordentlich zu etablieren. Dazu kommt noch, dass ihm das Script nur zwei popelige Handlanger zur Seite stellt, von denen er die Tussi ziemlich früh opfert, um seine Kräfte aufzupäppeln, während der verbliebene Typ ein nicht ernstzunehmender Spacken, ein Comic Relief, ist.

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Und so möchte DR. MORDRID letztlich mehr sein als er ist. Er sollte das erste Glanzstück im Universum der Full Moon Helden werden und mindestens zwei Sequels, von denen keins realisierte wurde, nach sich ziehen. Die Videoproduktion hat auch sichtbar Ambitionen, schielt in eine höhere Liga, scheitert aber letztlich am not-more-than-necessary Konzept von Full Moon. Das ist stellenweise trashig-charmant, wird durch die guten Darsteller und die sorgfältige Inszenierung etwas aufgewertet, aber bietet dann doch nur gehobenen Durchschnitt. Dieser Dr. Strange Rip-off ist aufgrund seiner kurzen Laufzeit sehr flott und lässt sich gut wegzugucken, und das ist ja auch etwas wert.

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Zum Mediabook:

Der Film ist mit umfangreichen Specials auf Blu-ray und DVD (jeweils codefree) enthalten, die Bildqualität der neuen HD-Abtastung ist, soweit ich das beurteilen kann, wirklich gut, aber der Film wurde damals auch auf 35mm-Material gedreht. Gleiches gilt für den deutschen Ton, der in DD 2.0 Stereo vorliegt. Dolby Digital 5.1 gibt es nur auf der zweiten englischen Tonspur, war für mich aber auch nicht von Belang. Dazu gibt es deutsche und englische Untertitel und einen Audiokommentar mit Charles Band und Jeffrey Combs, sowie einen weiteren von Torsten Dewi und Marco Erdmann, den ich ich mir bei anderer Gelegenheit mal zu Gemüte führen werde.

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Das Bonus-Material ist zu großen Teilen deckungsgleich mit der englischen Blu-ray von 88 Films; es gibt die „Videozone“, die Full Moon jeden Film anhängte und auf dem deutschen Video von Condor Films leider fehlte, mit „Uncut Footage“ einen interessanten Blick hinter die Kulissen, die obligatorischen Trailer (bei 88 Films einen, im deutschen Mediabook zwei, ein deutscher und ein US-Trailer) und Bildergalerie, dazu noch ein von William Shatner geführtes Interview mit Stuart Gordon, Barbara Crampton und Jeffrey Combs. Zusätzlich zu dem von 88 Films bekannten Material bietet WICKED-VISION MEDIA hier noch ein Interview mit Comic-Legende Jack Kirby, der einen Vorläufer der Figur des Dr. Mordrid mitentwickelte.

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Das Mediabook, von WICKED-VISION MEDIA als Full Moon Collection No. 2 veröffentlicht, ist schön gestaltet, der Buchteil enthält einen lesenswerten Essay von Torsten Dewi, Co-Autor von EMPIRE OF THE B’S, und ein Interview mit Lee Mac Leod, dem Art Designer von Full Moon, von dem auch das tolle Cover zu DR. MORDRID stand. Dieses ist auf 333 Exemplare limitiert, Cover A „Rexosaurus“ auf 222 Stück, Cover C „Doctor Mordrid“ auf 444. Keine großen Auflagen also, aber verständlich, da es den Film auch in mehreren Auflagen in der Hartbox gibt, allerdings nur auf DVD und ohne solch umfangreiches Bonus-Material.

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Fazit:

Der Film selbst ist für Fans von Charles Band und Full Moon oder von Jeffrey Combs natürlich unverzichtbar, als unterhaltsame Fußnote in der Welt der Comic-Ripoffs ist er sicher auch für Fans von DR. STRANGE interessant. Und dank der kurzen Laufzeit, der sorgsamen Inszenierung und der sympathischen Darsteller ist er eigentlich für jeden Trash-Fan gut goutierbar. Mit dem Mediabook hat WICKED-VISION MEDIA ein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt, das alleine durch das informative Booklet und die schöne Aufmachung der englischen Blu-ray/DVD von 88 Films überlegen ist. Fans, für die eine deutsche Synchronisation ein Muss ist, kommen sowieso nicht an dieser tadellosen Veröffentlichung vorbei. Auch wenn ich selbst den Film eher unter „ganz okay“ einordne, wird das Mediabook auf jeden Fall in meiner Sammlung bleiben.

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