Dear Diary…on the watch 11.-13.08.17

Ich hab mich dazu entschlossen, an dieser Stelle eine Bewertungsskala (zumindest für Spielfilme) einzuführen. Ich werde erst einmal eine profane 10er-Skala verwenden, werde mich aber mal ran setzen, um das später grafisch etwas ansprechender zu lösen.

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Ich knall‘ mir ja gerade jede Menge Vampirfilme rein. Da passte DINNER WITH THE VAMPIRE ja (leider) genau ins Beuteschema, zudem er noch von Lamberto Bava für die TV-Reihe Brivido Giallo gedreht wurde (Scheiß-Komplettisten-Zwang).

George Hilton spielt hier einen des ewigen Leben müdes Vampir, der sich eine Handvoll junger Schauspieler auf’s Schloss holt, damit sie ihn töten. Doch freiwillig läßt er sich nicht abmurksen, und so jagt er die vier Twens die ganze Nacht durch die Räumlichkeiten seiner Hütte, während die herausfinden müssen, wie man einen Blutsauger denn nun wirklich tötet. Eine Horrorkomödie, die nicht lustig und schon gar nicht gruselig ist, abgesehen von den schauspielerischen Leistungen. Zumindest hab ich den damit abgehakt, fehlt nur noch GHOSTHOUSE 2. 4/10

Dann setzte ich meine persönliche Romero-Retrospektive (ja, ich muss da auch mal wieder weiter dran schreiben) mit MARTIN, der zwar schon 1976 abgedreht war, aber erst 1978, kurz vor DAWN OF THE DEAD, in die Lichtspielhäuser kam. Das Horror-Drama um den jungen Martin, dessen psycho-sexuelle Störung -er betäubt und missbraucht junge Frauen, trinkt danach ihr Blut-, seinen Cousin Cuda, einen alten Mann, überschäumend konservative religiösen Eifers, glauben macht, der Leibhaftige hause in ihm. Martin zieht ihn gerne damit auf, um Cuda der Absurdität seines Glaubens vor Augen zu führen, doch die Katastrophe ist vorprogrammiert. Die psychedelische Coming-of-Age-Tragödie war in den 70ern der wohl interessanteste Beitrag zu diesem Subgenre. 7,5/10

Derzeit vergeht kein Tag ohne einen Film aus dem Hause Hammer, am besten einen mit Peter Cushing. FRANKENSTEINS RACHE ist die erste Fortsetzung des Kassenhits von 1957, in der Christopher Lee die Rolle des Monsters übernahm. Am Ende wurde Baron Frankenstein durch die Guillotine hingerichtet. Er hat aber überlebt, ein kranker Handlanger, dem er einen neuen Körper versprach, bewahrte ihn vor dem Tod. Seitdem praktiziert er als Dr. Viktor Stein, ist aber unter seinen Kollegen vor Ort, hingegen zu den Einwohnern, nicht sehr angesehen, da er sich weigert, der Ärztekammer beizutreten. Ein Student Prof. Bernsteins (der unfreiwillige Hirnspender des Erstlings) erkennt ihn und drängt ihn, mit ihm arbeiten zu dürfen. Ein würdiger Nachfolger des Klassikers; es gibt das durchdrehende Monster (das allerdings nicht sehr monströs aussieht, dem geschuldet, dass die Person, die den Körper besetzt, auch vorher bekannt war), ein süßer Love Interest für den jungen Doktor und am Ende gibt es auch eine Art Mob, und zwar die Patienten aus dem Armen-Hospital, von denen sich der gute Baron sich das ein oder andere Teil entlieh. 7,5/10

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Haunted-House-/Besessenheits-Horrorfilme sind nicht immer meine Sache, ich bin nicht wirklich der Gruseltyp. LANDHAUS DER TOTEN SEELEN habe ich jetzt in meiner Liste unter den „Guten“ verzeichnet. Der Film um eine Familie, die ein riesiges Haus für die Ferien bezieht und sich dafür nur um die alte Tante, die in einem Zimmer des Obergeschosses vor sich hin vegetiert, kümmern soll, legt zwar auch ein eher gemächliches Tempo an den Tag, kann aber durch die guten Performances von Oliver Reed und Karen Black als sich entfremdendes und immer mehr durchdrehendes Ehepaar punkten. Regisseur Dan Curtis kreierte hier auch ein paar sehr unheimliche Szenen, die Kamera-Arbeit ist dabei positiv herauszuheben. Guter Film mit fiesem Ende. 7/10

In DR. JEKYLL & SISTER HYDE wandte sich das Studio Hammer erstmals auch namentlich dem Robert Louis Stevensons Roman zu (in HÄNDE VOLLER BLUT, ihrem Jack-the-Ripper-Film, verwendeten sie schon Motive daraus). Dr. Jekyll verwandelt sich, da er weibliche Hormone (entnommen von ermordeten Prostituierten) für seine Impfung verwendet, in eine männermordende Frau. Hammer-Stammregisseur Roy Ward Baker lieferte wie meist feine Arbeit ab, auch die Darstellung des Londons viktorianischer Zeit ist abermals sehr gelungen. Die deutsche Fassung ist leider geschnitten. 7/10

Der Samstagabend stand mal wieder im Zeichen der B-Movies, Holger war wieder zu Besuch. Wir legten los mit MONSTER AUS DEM ALL, Sci-Fi-Trash vom Ende der 60er als amerikanisch-japanische Koproduktion (bei der es Japaner nur in Monsterkostümen vor die Kamera geschafft haben). Ein grüner Schleim entwickelt sich an Bord einer Raumstation zu einer Horde einäugiger, tentakeliger Aliens, die unaufhaltbar scheinen. Regie führte Altmeister Kinji Fukasaku, dessen letzter Film BATTLE ROYALE hier wohl sein bekanntester sein dürfte. Das ist etwas schade, denn Fukasaku verantwortete einige Klassiker des Yakuza-Films und beschenkte uns auch mit dem Star-Wars-Ripoff STERNENKRIEG IM WELTALL. In der OFDB und der IMDb ist angegeben, dass MONSTER AUS DEM ALL der vierteiligen, italienischen Sci-Fi-Reihe von Antonio Magheriti nachfolgen soll, allerdings konnte ich weder eine Fortsetzung der Story noch wiederkehrende Charaktere entdecken. Die Machart ist allerdings dieselbe; Modelle aus Pappe und Plastik bestimmen das Bild, die Raumfahrer hängen bei Ausflügen in den luftleeren Raum an sichtbaren Drähten und eine außerirdische Macht bedroht die Erde (entgegen der anderen vier Sci-Fi-Trasher ließ sie hier keine höhere Intelligenz erkennen). Gefällige Unterhaltung, wenn man auf solch altmodischen Schwachfug abfährt. Müsste eigentlich genau mein Ding sein, ließ mich aber wie die (vermeintlichen) italienischen Vorgänger etwas kalt. 6/10

RIFFS 2 – FLUCHT AUS DER BRONX war aber mal wieder Frohsinn in Tüten. Die Trash-Bombe bietet billige Dauer-Action, gerne menschenverachtend, gepaart mit Mark Gregorys Anti-Acting (jeder Gesichtsausdruck ein Lachflash) und dem bösen Grinsen von Baddie Henry Silva (der hier auch noch von Thomas Danneberg gesprochen wird). Nie gab es eine unterhaltsamere Umsiedelung. 8/10

Bei UN BIANCO VESTITO PER MARIALE‘ konnten wir nicht nur eine Bildungslücke im Giallo-Genre schließen (mal wieder dank der Italian Genre Cinema Collection), sondern auch noch unsere Italienisch-Kenntnisse (von wegen) aufbessern. Ich lese in letzter Zeit nicht so gerne Untertitel, aber wenn es nicht anders geht, was soll man machen? Mariale, die als Kind mit ansehen musste, wie ihr Vater ihre Mutter nebst Liebhaber erschoss, lädt einige feierwütige Leute in ihre abgelegene (und ziemlich verkommene) Villa. Ihr Mann Paolo, der sie mit Beruhigungsmitteln vollpumpt, hält da nicht so wirklich viel von. Auf dem Höhepunkt der Party, die zuerst fast orgienartige Auswüchse, und dann den einen um anderen Seelenstriptease offenbart, bittet Mariale das Alphatier Massimo, sie von Paolo zu befreien. Und ein Mörder lichtet fortan die Reihen der Partypeople. Das kommt teilweise ziemlich drogengeschwängert rüber. Die alte, teils verfallene und an jeder Ecke spinnennetz-verhangene, Villa bietet den Grund für eine unheimlich-verwunschene Atmosphäre, passend unterlegt vom Score von Bruno Nicolai und Francisco Carpi. Auch die Besetzung mit Ivan Rassimov und Ida Galli in den Hauptrollen, sowie den immer gern gesehenen Luigi Pistilli als Paolo, kann überzeugen. Und erwähnenswert ist noch der finstere Butler Osvaldo, der etwas wie Joe Spinell aussieht, und einen sehr unschönen Tod erleidet. Ein, ab der Hälfte, spannender Film, a bit psychedelic. We liked it. 7/10

Wir hatten unser 3-Filme-Soll erfüllt, Holger ist abgedampft, aber mir gelüstete es mal wieder, -nach Vampire, -nach Peter Cushing und -nach einem Hammer. DRACULAS HEXENJAGD ist mir bisher noch nicht untergekommen, und was war das für eine fulminante Neuentdeckung! Cushing brilliert als religiös verbohrter Eiferer Gustav, der mit seinen Kumpels nächtens um die Häuser zieht und bevorzugt junge, alleinstehende Damen als angebliche Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrennt. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Der Graf auf seinem Schloss liebt es dekadent und blasphemisch. Aber er ist der gespielten schwarzen Messen müde geworden und bringt dem Belzebub ein Blutopfer dar, woraufhin eine Vampire erscheint und ihn zu einem Nightwalker macht (und auf Nimmerwiedersehen verschwindet). Der vampirisierte Graf hat auch noch ein Auge auf die Nichte seines Todfeindes Gustav, Frieda, nicht zu verwechseln mit ihrer eher biederen Zwillingsschwester Maria (gespielt von den Collinson-Zwillingen, die die ersten Zwillings-Playmates waren, hrrr), geworfen hat. Vampirismus, Hexenverfolgung, Playmates – ein toller Film! Basiert auf der gleichen Geschichte wie schon der etwas behäbige GRUFT DER VAMPIRE mit der hinreißenden Ingrid Pitt und VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG, den ich leider noch kenne, um die Vampirin Marciella (die hier nur einen sehr kurzen Auftritt hat). Wenn man auf Cushing/Hammer steht, muss man den gesehen haben! 8/10

Bei HOMELAND stand das Staffelfinale an. Sauspannend, die nach dem Abgang von Damien Lewis nicht mehr die hohe Qualität vor allem der ersten Staffel wieder erreichte, ist am Puls der Zeit angelangt: Fake-News, Verschwörungstheorien (und natürlich reale Verschwörungen), und hier gibt es die erste amerikanische Präsidentin. Empfehlenswert.

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HELL’S GATE ist ein unterirdischer Horrorfilm von Umberto Lenzi. Fünf dumpf-dödelige Höhlenforscher (und zwei Zeugen Jehovas, also sieben insgesamt) werden in einer Krypta der Reihe nach von sieben Mönchen, die vor siebenhundert als Ketzer exkommuniziert wurden, gemeuchelt. Der billige Horror-Heuler erfreut die Trash-affinen Gehörgänge mit einer der dämlichsten Synchros, die je auf einen deutschen Videothekengänger losgelassen wurden. Zum wiehern. Für ’nen lahmen Sonntagnachmittag okay. 5/10

SCORPION WITH TWO TAILS war einer der letzten Gialli von Sergio Martino, und auch einer der letzten von denen, die ich noch nicht kannte (jetzt fehlt mir eigentlich nur noch SUSPECTED DEATH OF A MINOR). Nie in Deutschland erschienen und auch allgemein schwer zu kriegen, wurde ich auf YouTube fündig. Die Geschichte erzählt von Joan, die von blutigen Messen in okkulten etruskischen Grabstätten träumt. In einem dieser Träume stirbt dann auch ihr Mann Arthur, ein Archäologe, der just in Italien solch einen Ort untersucht. Und die Wirklichkeit holt den Traum ein, also reist sie nach Italien, um der Sache nachzugehen. Dort gerät sie in eine haarsträubende Geschichte um eine Mordserie, einen Drogenring und einem alten Kult. Eigentlich war das Ding als TV-Zweiteiler angelegt, wurde dann doch auf Spielfilmlänge gekürzt und so ins Kino gebracht. Es ergeben sich dadurch zwangsläufig Lücken in der Handlung, auch der Blutgehalt tendiert aufgrund der TV-Herkunft gen Null. Für Martino-Fans sehr enttäuschend, wäre wohl im TV besser aufgehoben gewesen. 5/10

In STRIPPED TO DIE nimmt Profikiller Manuel bei seinem letzten Auftrag eine ominöse Namensliste an sich und wird dadurch selber zur Zielperson. Er taucht ab und versteckt sich im Bordell einer alten Freundin, wo er sich in die attraktive Nutte Vittoria verguckt. Doch während er entwaffnend ehrlich ist, spielt sie ein falsches Spiel. Komische Mischung aus Erotik-Thriller und tragischer Liebesgeschichte, Regisseur und Drehbuchautor Gabriele Lavia, hauptberuflich Schauspieler, legt Manuel in der Art eines Bogart-Charakters an. Der Film selbst schwitzt die 80er aus jeder Pore, stilisierte Optik (sehr slick), pseudo-tiefsinnige Dia- und Monologe, Hochglanz-Erotik, zwischendrin unangenehm blutige Gewalteruptionen; Kokain-geschwängerte Alphatier-Poesie, wie ich es gern nenne (auch wenn im Film selbst keine Drogen konsumiert werden). Die Charaktere agieren entrückt, das ganze scheint sich eh in einer Art Parallelwelt abzuspielen. Es wäre zwar schön gewesen, wenn Lavia etwas mehr auf Thrill gesetzt hätte, aber das ganze funktioniert besser, als man meinen sollte. Mir hat’s gefallen. 7/10

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